Wunderlich, Fritz

Lebensdaten
1930 – 1966
Geburtsort
Kusel (Pfalz)
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Sänger ; Tenor
Konfession
evangelisch
Namensvarianten

  • Wunderlich, Friedrich
  • Wunderlich, Friedrich Karl Otto
  • Wunderlich, Fritz
  • Wunderlich, Friedrich
  • Wunderlich, Friedrich Karl Otto
  • Wunderlich, Friedrich Carl Otto

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Zitierweise

Wunderlich, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142986.html [28.02.2026].

CC0

  • Wunderlich, Fritz (eigentlich Friedrich) Karl Otto

    | Sänger (Tenor), * 26.9.1930 Kusel (Pfalz), † 17.9.1966 Heidelberg, ⚰München, Waldfriedhof. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Paul (1892–1935, Suizid), aus Mühlhausen (Thür.), Unteroffz. im Inf.-Rgt. 167, Cellist, Kapellmeister b. Mil.- u. Tanzkapellen, Gründer e. Salonorch., seit 1929 in K., mit seiner Frau bis 1933 Pächter e. Kinos mit Gastwirtsch., danach ohne Anstellung als Musiklehrer tätig, S d. Karl (um 1865–1916), Schornsteinbauer in Wanfried (Hessen), u. d. Anna Barbara Böttger (Böttcher) (1868–1941);
    M Anna (1888–1963, kath.), Violinistin, Gründerin e. Damenkapelle u. e. Salonorch., seit 1929 mit ihrem Mann Kinopächterin in K., T d. Franz Malz, Privatier in Köstelwald (Kotlina, Erzgebirge), u. d. Maria Rollinger;
    Gr-Ov Andreas (1882–1937), Molkereibes. in Berlin;
    Ov Karl Kurt (1913–40 ⚔), Oberschütze, Geschirrführer, Schw Marianne Decker (1919–1984), Vfn. v. Erinnerungen an W.;
    Stuttgart 1956 Eva (1934–2016), Harfenistin, T d. Fritz Jungnitsch (* 1893?), 1. Flötist an d. Oper in Stuttgart, Prof. an d. Musikhochschule ebd., u. d. Hedwig Geiger;
    1 S Wolfgang (* 1959), Kameramann, Cutter u. Filmregisseur, 2 T Constanze (* 1957), Konzertagentin, Barbara (* 1964), Pianistin, Musikpäd., Filmproduzentin, Drehbuchautorin, Verl., Lektorin, 2000–05 Anzeigenverkaufsleiterin d. Klassik-Magazins „crescendo“.

  • Biographie

    Im Elternhaus früh durch das Musizieren auf mehreren Instrumenten geprägt, verließ W. im Sommer 1948 nach Abschluß der siebten Klasse die Oberschule für Jungen und trat an die Pädagogische Akademie in Kusel über.

    Bereits im Winter 1947/48 hatte er mit seiner Stimme im Rahmen von Laien- und Amateuraufführungen auf sich aufmerksam gemacht und in Kaiserslautern, auf Empfehlung von Heinz Leopold Sulanke (1914–1983), dem musikalischen Leiter am Landestheater, erste Gesangsstunden bei Käthe Bittel-Valckenberg genommen. 1950 begann W. an der Musikhochschule Freiburg (Br.) sein Studium in der Klasse für Gesang bei Margarethe v. Winterfeldt (1902–78) (neben Horn u. Klavier).

    Den Tamino in Mozarts „Die Zauberflöte“, der rasch zu einer Paradepartie werden sollte, sang er bereits in einer Hochschulaufführung und 1955 im Rahmen seines Anfängerengagements an der Stuttgarter Staatsoper. Abseits der Opernbühne entwickelte er sich in den frühen Jahren seiner Karriere zu einem gefragten Konzertinterpreten, zunächst v. a. für Barockmusik im Rahmen von Rundfunkaufnahmen und Festspielen wie der von Karl Richter (1926–1981) geleiteten Bachwoche in Ansbach oder beim Westdeutschen Rundfunk in Köln mit der Cappella Coloniensis unter Ferdinand Leitner (1912–1996). 1957 debütierte W. als Belmonte in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ an der Bayer. Staatsoper und 1958, wiederum als Tamino, bei den Festspielen von Aix-en-Provence. 1959 wurde er von der Kölner Schallplattenfirma Electrola exklusiv unter Vertrag genommen.

    Im selben Jahr trat er außerdem erstmals bei den Salzburger Festspielen auf, als Henry in Strauss’ „Die schweigsame Frau“, den er 1961 auch am Teatro Colón in Buenos Aires verkörperte.

    Nach Erfüllen des Ensemblevertrags in Stuttgart wechselte er 1960 nach München, wo er neben Auftritten an der Staatsoper und im|Konzert auch einen großen Teil seiner Rundfunkaufnahmen und Studioproduktionen im Oratorien-, Opern- und Operettenrepertoire einspielte. Ebenfalls 1960 kam es in Berlin zu W.s erster Zusammenarbeit mit Herbert v. Karajan (1908–89) (Mozarts Requiem) sowie in Wien mit Otto Klemperer (1885–1973) (Beethovens 9. Symphonie im Großen Musikvereinssaal). Unter letzterem wirkte W. außerdem 1961 in London (wie auch drei Jahre später bei einer Schallplattenproduktion) bei einer Aufführung von Gustav Mahlers „Das Lied von der Erde“ mit. Danach verlagerte W. seine künstlerische Basis erneut nach Wien.

    Dort reüssierte er u. a. 1962 im Musikverein als Liedinterpret – ein in der Folge von ihm, regelmäßig mit Hubert Giesen (1898–1980) am Klavier, verstärkt gepflegtes Genre. 1963 wurde er Ensemblemitglied der Staatsoper und spielte weiterhin in München, neben klassischem auch populäres Repertoire für Schallplatten ein, oft mit seinem regelmäßigen Bühnenpartner Hermann Prey (1929–1998).

    Als Don Ottavio gab er 1965 in Mozarts „Don Giovanni“ sein Debüt am Royal Opera House, London. Diese Partie war auch für W.s Debüt an der Metropolitan Opera in New York im Okt. 1966 vorgesehen. Doch kurz vor der Abreise nach Amerika erlag er seinen schweren Kopfverletzungen durch einen Sturz von der Treppe im Landhaus eines Freundes. Noch wenige Wochen zuvor war er beim Festival in Edinburgh mit einem Liederabend und als Tamino (im Rahmen e. Gastspiels d. Stuttgarter Staatsoper) aufgetreten.

    Bereits zu Lebzeiten war W.s überragende Stellung im lyrischen Tenorfach unbestritten und blieb auch nach seinem frühen Tod maßstabsetzend. Weit über die vielfach gerühmte Schönheit seiner Naturstimme hinaus war seine Kunst von höchster technischer Beherrschung und Musikalität bestimmt. Von der Stimmführung her begeisterte er in allen Lagen mit gleichmäßig und bruchlos durchgebildeten Registern, klarer Artikulation ohne Vokalverfärbungen sowie mit souveränen und vollkommen im Körper verankerten, strahlenden Spitzentönen. Dank seines hervorragenden stimmtechnischen Rüstzeugs meisterte W. Anfang der 1960er Jahre, im Zuge der regen Auftritts- und Aufnahmetätigkeit, auch leichte Stimmkrisen ohne größere Zwangspausen und medizinische Eingriffe.

  • Auszeichnungen

    |Bayer. Kammersänger (1962);
    Plakette am Geb.haus in Kusel;
    F.-W.-Str., Kusel (1969);
    F.-W.-Radu. Wanderweg;
    F.-W.-Halle in Kusel (1988);
    Büste v. Prof. Koch, Kusel (2011).

  • Werke

    Weitere W u. a. Rollen: Ernesto (Don Pasquale v. G. Donizetti);
    Baron Kronthal (Der Wildschütz v. A. Lortzing);
    Don Ottavio (Don Giovanni v. W. A. Mozart);
    Tiresias (Oedipus d. Tyrann v. C. Orff);
    Palestrina (Palestrina v. H. Pfitzner);
    Don Ramiro (La Cenerentola v. G. Rossini);
    Hans (Die verkaufte Braut v. Smetana);
    Leukippos (Daphne v. R. Strauss);
    Lenski (Eugen Onegin v. P. I. Tschaikowski);
    Alfredo (La Traviata v. Verdi);
    Fernsehaufzeichnungen d. BR: Der Barbier v. Sevilla (Gf. Almaviva), Dir. J. Keilberth, Regie Herbert List, Bayer. Staatsoper 1959 (Dt. Grammophon, DVD 2005);
    Eugen Onegin (Lenski), Dir. J. Keilberth, Regie R. Hartmann, Bayer. Staatsoper 1962;
    Fernsehfilm: Daphne (Leukippos), Symphonieorchester d. BR, Dir. J. Keilberth, Regie R. Hartmann, 1964.

  • Literatur

    |E. Schwaiger, Warum d. Applaus? Berühmte Interpreten über ihre Musik, 1968, S. 317–23;
    H. Giesen, Am Flügel: Hubert Giesen, Meine Lebenserinnerungen, 1972 (P n. S. 272);
    G. Rennert, Opernarbeit, 1974 (Abb.);
    R. Hartmann, Das geliebte Haus, Mein Leben mit d. Oper, 1975;
    W. E. Schäfer, Bühne e. Lebens, Erinnerungen, 1975;
    K. Schumann, Zum Tode von F. W., in: SZ v. 19.9.1966;
    H. Prey, Premierenfieber, Erinnerungen, aufgez. v. R. D. Abraham, 1981 (Abb.);
    D. Fischer-Dieskau, Nachklang, Ansichten u. Erinnerungen, 1987, ²1990;
    H. Canning, F. W. Unforgettable, Unforgotten, in: Opera, Sept. 1990, S. 1048–55;
    J. M. Fischer, Gr. Stimmen, 1995, S. 428–35;
    A. Pâris, Klass. Musik im 20. Jh., ²1997;
    W. Pfister, F. W., Eine Biogr., 1990, überarb. Neuausg. 2005 (Abb. u. Diskogr.);
    Th. Keilberth, Joseph Keilberth, Ein Dirigentenleben im XX. Jh., 2007;
    Baden-Württ. Biogrr. II;
    J. Kesting, Die gr. Sänger, 2008;
    Riemann;
    Kosch, Theater-Lex.;
    K. J. Kutsch, L. Riemens, Gr. Sängerlex., ⁴2003;
    Munzinger;
    New Grove²;
    MGG²;
    ÖML;
    BMLO.

  • Autor/in

    Sebastian Stauss
  • Zitierweise

    Stauss, Sebastian, "Wunderlich, Fritz (eigentlich Friedrich) Karl Otto" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 541-542 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142986.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA