Wuermeling, Franz-Josef

Lebensdaten
1900 – 1986
Geburtsort
Charlottenburg bei Berlin
Sterbeort
Münster
Beruf/Funktion
CDU-Politiker ; Bundesfamilienminister
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Wuermeling, Franz-Josef
  • Wuermeling, Franz-Joseph

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Zitierweise

Wuermeling, Franz-Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142977.html [24.02.2026].

CC0

  • Wuermeling, Franz-Josef

    | CDU-Politiker, Bundesfamilienminister, * 8.11.1900 Charlottenburg bei Berlin, † 7.3.1986 Münster, Münster, Familiengrab Zentralfriedhof. (katholisch)

  • Genealogie

    V Bernhard (1854–1937, 1] Maria Melchers, 1861–88), Jur., 1898 Reg.rat im Reichsvers.amt, 1901 Geh. Reg.rat im Reichsamt d. Innern, 1914 Wirkl. Geh. Oberreg.rat, 1917 Min.dirigent, 1919–22 Oberpräs. d. preuß. Prov. Westfalen, 1886–93 u. 1910–18 Mitgl. d. Preuß. Abg.hauses (Zentrum), 1897 Mitgründer d. Caritasverbands f. d. kath. Dtld. (s. Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus I; Biogr. Lex. Sozialpol. I), S d. Bernhard (1821–68), Jur., Oberlandesger.assessor in M. u. Konitz b. Danzig, Kreisrichter u. 1860 RA in Schwetz/Weichsel, 1859–61 Mitgl. d. Preuß. Abg.hauses, JR (s. Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus II), u. d. Agnes Schmitz (* 1826);
    M Elisabeth (1876–1936), aus Kaufmannsfam. in Greven (Westfalen), T d. Bernard Heinrich Terfloth (* 1819) u. d. Bertha Böhmer (* um 1841);
    4 B, 2 Schw;
    1925 Maria Pöllmann (1905–1977);
    3 S u. a. Hans-Bernhard (1927–2019, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz,* 1945, Philos., Sprach- u. Lit.wiss., 1993 Prof. f. Rel.philos. u. vgl. Rel.wiss. an d. TU Dresden, s. Professoren TU Dresden), Prof. f. Rechtsmed. in Erlangen, 1986–88 Präs. d. Ak. f. Ethik in d. Med. (s. Dt. Ärztebl. 116, H. 11, S. A 537), Georg (1930–89, Ursula Peters,* 1934, aus Berlin), 1975–89 Landrat d. Lkr. Limburg-Weilburg, 2 T;
    E Joachim (* 1960), CSU-Pol., 1999–2005 Mitgl. Europ. Parl., 2005–08 Staatssekr. im Bundesmin. f. Wirtsch. u. Technol., 2008 Bevollmächtigter d. Gesamtverbandes d. Dt. Vers.wirtsch. in Brüssel u. Berlin, 2016 Vorstandsmitgl. d. Dt. Bank (s. Munzinger).

  • Biographie

    Nach dem Abitur 1918 in Warburg und dem Studium der Rechts- und Staatwissenschaften in Münster, Hamburg und Freiburg (Br.) wurde W. 1921 in Freiburg (Br.) zum Dr. rer. pol. promoviert. Es folgten bis 1925 die beiden jur. Staatsexamina. 1926–31 im Preuß. Innenministerium tätig (zuletzt Reg.rat), amtierte W. 1931–39 als Landesrat in der Provinzialverwaltung Kassel. Er verlor diese Position aufgrund seiner kath.-konservativen Distanz zum NS-Regime und fand eine Anstellung in der Kasseler Basaltindustrie. 1942 in die Hauptverwaltung der Basalt AG nach Linz am Rhein berufen, rückte er 1945 dort in den Vorstand auf (bis 1947).

    W.s parteipolitische Karriere begann 1945 (Mitbegründer d. CDU in Linz), führte ihn in den Landesvorstand der CDU Rheinland-Pfalz (1947–1968) und in den Bundesvorstand der CDU (1951–56). Als Parlamentarier gehörte er dem Landtag von Rheinland-Pfalz (1947–51) sowie fünf Wahlperioden lang dem|Dt. Bundestag an (1949–69). Hohe Staatsämter übernahm er als Staatssekretär im Innenministerium von Rheinland-Pfalz (1947–49), als Staatssekretär im Bundeskanzleramt (1949/50), empfohlen von Hans Globke (1898–1973), den er seit der gemeinsamen Zeit im Preuß. Innenministerium kannte, sowie als Bundesminister für Familienfragen (1953–62, seit 1957: für Familien- u. Jugendfragen).

    W. prägte das Profil des 1953 neu geschaffenen Bundesministeriums für Familienfragen, das allerdings spärlich ausgestattet war und über keine federführende Kompetenz in der Gesetzgebung verfügte (außer seit 1957 in Jugendfragen). Umso größeres Gewicht legte er auf die Öffentlichkeitsarbeit seines Ressorts, die er ganz in den Dienst eines christlich-konservativen Familienideals stellte. Regierungsintern drängte er vehement auf den Ausbau des Familienlastenausgleichs. Das erste Kindergeldgesetz 1954 mit Beihilfen ab dem dritten Kind verwarf das Prinzip der Steuerfinanzierung und sah stattdessen brancheninterne Arbeitgeberbeiträge mit Familienkassen bei den Berufsgenossenschaften vor. Diese von W. gewünschte Orientierung an kath. Ideen der Subsidiarität und der berufsständischen Ordnung erwies sich als zweischneidig: Der Finanzierungsmodus belastete lohnintensive Klein- und Mittelbetriebe, so daß eine Aufstockung des Kindergelds 1959 nur mühsam gegen den Widerstand der Mittelstandspolitiker in der Unionsfraktion zu erreichen war.

    Die Einbeziehung des zweiten Kindes, auf die W. seit 1955 drängte, gelang erst 1961 und auch nur, weil die Finanzierungs- und Organisationsform teilweise, 1964 vollständig in Richtung staatliches Kindergeld umgestellt wurde. Mit Erfolg setzte sich W. auch im Steuerrecht, im Wohnungsbau und auf anderen Feldern für Familienbelange ein. Sein populäres Markenzeichen war die Fahrpreisermäßigung für kinderreiche Familien bei Bahnfahrten (der sog. W.-Paß).

    Als Exponent des streng kirchentreuen und anti-liberalen kath. CDU-Flügels suchte W. die kämpferische Attacke, nicht nur als Streiter für ein patriarchalisches Familienbild mit dem Mutterberuf als Hauptaufgabe der Frau, sondern auch in der Verteidigung der Konfessionsschule und im Kampf gegen jugendgefährdenden „Schmutz und Schund“ bis hin zur flammenden Abwehr von Kondomautomaten. So provozierte er in der Medienöffentlichkeit heftige, oft spöttische Kritik an seiner Person. Impulsiv und hartnäckig, störte er nicht selten auch den Kabinetts- und Koalitionsfrieden, so daß Adenauer (1876–1967) ihn wiederholt wegen seiner „Berserkerart“ rügte. W. war jedoch sehr darauf bedacht, keine konfessionellen Gräben aufzuwerfen, wie sich u. a. am Proporz in den Führungspositionen seines Ministeriums zeigte.

    Bei seiner Beurteilung wird oft übersehen, daß W. sich 1950 als einer der ersten Bundespolitiker für eine wirksame Unterstützung von NS-Verfolgten einsetzte, die Opfer medizinischer Experimente geworden waren. Bei den Debatten über eine Wahlrechtsreform widersprach er 1962 parteitaktischen Erwägungen zu Lasten der Chancen der Opposition, was auf den parlamentarisch-demokratischen Kern seiner sonst so umstrittenen Grundhaltung verweist.

  • Auszeichnungen

    |Gr.kreuz d. BVK (1958);
    Gr.offz. d. Franz. Ehrenlegion (1961);
    Gr.kreuz d. päpstl. Gregorius-Ordens (1962);
    - Mitgl.schaften: stellv. Leiter d. kath. Laienvereinigung Fides Romana (1950–1964);
    Vors. d. Soz. dienstes Kath. Männer im Dt. Caritasverband.

  • Werke

    |Das Kohlenwirtsch.gesetz v. 1919 u. seine Bedeutung, Diss. masch. 1921;
    Acht J. Fam.pol., 1961;
    Fam., Gabe u. Aufgabe, 1963.

  • Quellen

    Qu zahlr. Reden im dt. BT; Teilnachlässe im Archiv f. Christl.-Demokrat. Pol. d. Konrad-Adenauer-Stiftung, St. Augustin u. im Bm.archiv Münster.

  • Literatur

    |St. Marx, F.-J.W., in: Internetseiten d. Konrad-Adenauer-Stiftung, 2020 (P);
    Ch. Kuller, Fam.pol. im föderativen Soz.staat, 2004;
    U. Münch, Fam.-, Jugend- u. Alterspol., in: Gesch. d. Soz.pol. in Dtld. seit 1945, Bd. 3, hg. v. G. Schulz, 2005, S. 597–651, Bd. 4, hg. v. M. Rack u. M. Boldorf, 2007, S. 549–609;
    Zeitgesch. Lb. 10, 2001, S. 244–59 (P);
    Kanzler u. Min. I.

  • Porträts

    |Photogrr. (BA, Bilddatenbank).

  • Autor/in

    Hans Günter Hockerts
  • Zitierweise

    Hockerts, Hans Günter, "Wuermeling, Franz-Josef" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 522-523 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142977.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA