Wolfgang I.
- Lebensdaten
- um 1514 – 1552
- Geburtsort
- wahrscheinlich Schloß Marchegg (Österreich unter der Enns)
- Sterbeort
- Passau
- Beruf/Funktion
- Bischof von Passau
- Konfession
- katholisch
- Namensvarianten
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- Wolfgang I. von Passau
- Wolfgang von Salm-Neuburg
- Wolfgang I.
- Wolfgang I. von Passau
- Wolfgang von Salm-Neuburg
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Wolfgang I.
| Graf von Salm-Neuburg, Bischof von Passau, * um 25.10.1514 wahrscheinlich Schloß Marchegg (Österreich unter der Enns), † 5.12.1555 Passau, ⚰ Passau, Dom.
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Genealogie
Aus d. Adelsfam. d. →Grafen v. Salm, Linie Ober-Salm (s. NDB 22);
V →Niklas (Niclas) II., seit 1528 Niklas I., Gf. v. Salm (1459–1530), ksl. Geh. Rat u. Kämmerer, Statthalter u. oberster Feldhptm. in Österr. unter der Enns, 1529 Verteidiger v. Wien gegen d. Osmanen (s. ADB 30; Hist. Lex. Wien; NDB 22, Fam.art.), S d. →Johann V., Gf. v. Salm, Baron v. Viviers (1431–85/90), Marschall v. Lothringen (s. NDB 22, Fam.art.), u. d. Margaretha v. Sirck (1437–1520);
M →Elisabeth (1480–1550), T d. →Kaspar v. Rogendorf (1450–1506), ksl. Kämmerer u. Truchseß, u. d. Barbara v. Zelking († 1494);
B →Niklas II., Gf. v. Salm-Neuburg (1503–50), ksl. Oberstkämmerer. -
Biographie
W., drittgeborenes Kind und jüngster Sohn seiner Eltern, erhielt ersten Unterricht durch den Historiker →Thomas Velder aus Brixen, 1525 immatrikulierte er sich an der Univ. Wien. Als er 1530 Domkapitular in Salzburg und Passau wurde, setzte W. seine Ausbildung mit einer Italienreise fort und studierte 1533 die Rechte in Padua. Auch Kenntnisse in Theologie, Philosophie sowie alten und neuen Sprachen werden ihm zugeschrieben. 1534 zum Passauer Dompropst erhoben, wurde W. im Nov. 1540 auf Betreiben Kg. →Ferdinands (1503–64) vom Domkapitel zum Koadjutor des Bistumsadministrators →Ernst von Bayern (1500–60) postuliert und im Febr. 1541 von Papst →Paul III. bestätigt. Als Ernst anschließend auf den Salzburger Erzstuhl wechselte, übernahm W. faktisch die Regierung im Hochstift Passau. Im Frühjahr 1542 weihte ihn der Regensburger Auxiliar →Johann Kluspeck († 1545) zum Bischof, im Sommer belehnte ihn Ks. →Karl V. (1500–58) förmlich mit der Landesherrschaft.
Die Regierung im Hochstift Passau übte W. weitgehend unabhängig aus, ein Konkordat mit dem Domkapitel vom April 1541 verpflichtete ihn zu nichts. Er modernisierte den Verwaltungsapparat nach zeitgenössischen Maßstäben und erreichte so ein hohes Maß an Effizienz. Mittels zahlreicher neuer Vorschriften und zielgerichteter Anwendung des Gewohnheitsrechts konnte er öffentliche Ordnung, Nahrungsmittelversorgung, Wirtschaftsleben sowie Besitz und Einkünfte des Hochstifts in Stadt und Land weitgehend sichern.
Das schwache Domkapitel und die übrigen Landstände wurden von ihm geschickt ausmanövriert, zumal auf den regelmäßig einberufenen Landtagen; lediglich das finanzstarke, rechtlich privilegierte Passauer Bürgertum mußte er an der Gesetzgebung und (seit 1543) am überlebenswichtigen Salzhandel beteiligen.
Mehrfach agierte W. zwischen 1544 und 1553 als Vertreter des Kaisers und besonders Kg. Ferdinands in der Reichs- und Landespolitik; 1552 war er Gastgeber der Verhandlungen zum Passauer Vertrag. Dieses Engagement trug auch zum Schutz des Hochstifts vor Übergriffen der Nachbarn bei. Fortwährend, doch letztlich vergeblich kämpfte W. gegen existenzbedrohende Steuerforderungen für die Passauer Exklaven in Österreich.
Mit diplomatischem Geschick und unbedingter Rechtstreue verteidigte er unterdessen den Außenhandel und die Zolleinnahmen sowie|die Grenzen seines Territoriums gegen Eingriffe aus Bayern und Böhmen. Vor allem W.s Freund Hzg. →Albrecht V. von Bayern (1528–79) förderte 1554 seine – aus politischen Gründen erfolglose–Kandidatur für den Salzburger Erzstuhl. Enge Kontakte unterhielt W. daneben zu Ferdinands Sohn →Maximilian (1527–1576), dem späteren Kaiser, sowie zum ev. Hzg. →Christoph von Württemberg (1515–68).
Mit letzterem entwarf W. 1554/55 einen Verhandlungsvorschlag für den Religionsfrieden. Er war an einem Ausgleich mit den Protestanten interessiert, förderte an seiner Residenz angesehene Gelehrte und Künstler beiderlei Konfession wie z. B. den Historiker →Caspar Brusch (1515–1559), den Universalgelehrten →Jakob Ziegler (1470–1549) oder den Maler →Wolf Huber († 1553) und gründete ein humanistisch geprägtes Gymnasium; gleichwohl war die Überwindung der Kirchenspaltung durch ein allgemeines Konzil sein eigenticher Wunsch, die Bewahrung von kath. Konfession und Kirche eines seiner wichtigsten Anliegen. Im Passauer Land ging W. konsequent gegen Neugläubige vor, in seiner Residenzstadt beließ er es v. a. seit 1550 bei Ermahnungen: Das Bürgertum wurde von der Kelchbewegung erfaßt, und der Magistrat drohte, politische Schwierigkeiten zu machen.
Versierte Prediger wie der Jesuit →Nicolaus Bobadilla (um 1511–90) sollten hier Abfalltendenzen entgegenwirken.
Dem Mangel an ausgebildeten Geistlichen konnte W. auch durch den Einsatz namhafter Geldmittel nicht abhelfen. Gegen die verbreiteten Mißstände im Klerus, besonders was Pflichterfüllung, Lebenswandel und Glaubenstreue betraf, ging er mit konsequenten Strafen vor. Im Hochstift erfolgreich, wurden seine Bemühungen in der weit darüber hinausreichenden Diözese durch strukturelle Probleme und Kompetenzstreitigkeiten mit Bayern und Österreich behindert. Diese Konflikte machten auch die Reformsynode der Salzburger Kirchenprovinz von 1549, an der W. beteiligt war, zunichte; vier Jahre später lehnte er einen Kompromiß ab, der ihm zu schwach erschien. Auf dem Trienter Konzil ließ sich W. krankheitshalber vom Passauer Domprediger →Paul Schicker († 1552) vertreten. Spätestens seit Anfang 1555 ernsthaft erkrankt („Wassersucht“), konnte er den Augsburger Reichstag nicht mehr besuchen.
Seine Freunde und Förderer lobten W.s Amtsführung in allen weltlichen und geistlichen Belangen. Die Geschichtsschreibung des 19./20. Jh. vereinfachte und verzerrte sein Bild durch Überbetonung seiner vermeintlichen religiösen Toleranz und seiner humanistischen Interessen (sichtbar auch in der Umgestaltung diverser Schlösser wie Hacklberg, Ebelsberg und Obernberg sowie und im Ausbau der bfl. Bibliothek) sowie seiner angeblich bedeutenden, aber nicht belegten Rolle beim Abschluß des Passauer Vertrags, teilweise auch durch krasse Fehleinschätzung seines Spielraums als Landes- und Diözesanherr. Heute stehen seine nachweisbaren Leistungen als stets reichs- und kirchentreuer Fürstbischof im Vordergrund: Modernisierung, Stabilisierung und Absicherung des Hochstifts, und trotz widriger Umstände und Rückschläge zumindest partielle Verbesserungen der Situation im geistlichen Bereich.
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Quellen
Qu HStA München; Archiv d. Bm. Passau; Österr. StA Wien (Korr.; Urkk.).
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Literatur
|ADB 44;
R. Reichenberger, W. v. S., Bf. v. Passau (1540–1555), 1902;
M. v. Knorring, Die Hochstiftspol. d. Passauer Bf. W. v. S. (1541–1555), 2006 (P);
ders., W. v. S., Bf. v. Passau (1541–1555), Reformer u. Bewahrer in Zeiten d. Umbruchs, in: Ostbair. Lb. IV, 2013, S. 31–47 (P);
Gatz III (P);
Kaiser u. Höfe (P). -
Porträts
|Halbfigur, Öl/Lwd., anon., 1546 (Passau, Diözesan-Slg.);
Votivbild/Erlösungsallegorie mit W. (knieende Ganzfigur) im Vordergrund, v. W. Huber, n. 1543 oder um 1550 (Wien, Kunsthist. Mus.). -
Autor/in
Marc von Knorring -
Zitierweise
Knorring, Marc von, "Wolfgang I." in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 461-462 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142957.html#ndbcontent