Wolff Metternich zur Gracht, Paul Graf
- Lebensdaten
- 1853 – 1934
- Geburtsort
- Bonn
- Sterbeort
- Heppingen/Ahr
- Beruf/Funktion
- Diplomat ; Jurist
- Konfession
- katholisch
- Namensvarianten
-
- Wolff Metternich zur Gracht, Paul Anton Marie Hubert Graf
- Wolff Metternich zur Gracht, Paul Graf
- Wolff Metternich zur Gracht, Paul Anton Marie Hubert Graf
- Wolff Metternich zur Gracht, Paul Graph
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Wolff Metternich zur Gracht, Paul Anton Marie Hubert Graf
| Diplomat, Jurist, * 5.12.1853 Bonn, † 29.11.1934 Heppingen/Ahr, ⚰ Heppingen/Ahr. (katholisch)
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Genealogie
Aus rhein., urspüngl. hess. Adelsfam., d. seit 1301 nachweisbar ist;
Nachfahren d. Goddart W. v. Gudenberg führten d. Namen W. (gen.) Metternich;
Johann Adolf v. Metternich, sonst Wolf gen. (1592–1669), ksl. u. kurköln. Kammerherr, GR u. Hofmarschall, seit 1637 Reichsfrhr., Franz Joseph Frhr. v. W.-Metternich zur Gracht, ksl. Kammerherr u. Reichshofrat, 1731 Reichsgf.;
V Levin (1811–69), aus Köln, Gutsbes., S d. Max (1770–1839), aus Bonn, Erboberjägermeister, 1832–38 Mitgl. d. Herrenbank d. LT d. Hzgt. Nassau u. 1833–37 d. Rhein. Prov.LT (s. MdL Hessen; Hess. Biogr.), u. d. Franziska Freiin v. der Wenge (1786–1869);
M Josephina (1823–58), aus Düsseldorf, T d. Ferdinand Gf. v. Hompesch-Bollheim (1766–1831), aus Bollheim b. Euskirchen, brit. Gen., zuletzt in Mainz, u. d. Isabella Gfn. v. Nesselrode zu Ehreshoven (1797/98–1876);
B Ferdinand Maria (1845–1938), Gutsbes. (s. Gen. 2);
– ledig;
N Franz (s. 2). -
Biographie
W. besuchte die Ritterakademie Bedburg und das Gymnasium in Arnsberg. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Bonn und legte 1879 das Referendarexamen ab.
Nach Auslandsreisen trat er 1882 in den Auswärtigen Dienst ein. Als Attaché war er der für Handelspolitik und Rechtsfragen zuständigen Abteilung II der Zentrale des Auswärtigen Amts in Berlin zugeteilt. Von April bis Juni 1884 folgte eine Abordnung als Legationssekretär an die Botschaft Wien, von Juli bis Nov. 1885 als 3. Sekretär an die Botschaft Paris. In dieser Zeit (Juli-Sept.) leitete er zugleich die preuß. Gesandtschaft in Dresden. 1885 wurde er als 2. Sekretär an die Botschaft in London, im Aug. 1887 an die Gesandtschaft Brüssel entsandt, wo er mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Legationssekretärs betraut war und im Febr. 1888 zum Legationssekretär, im November zum Legationsrat ernannt wurde. Im Juni 1890 als 1. Sekretär an die Botschaft London versetzt, übernahm er von März bis Dez. 1895 die Geschäfte des Generalkonsuls in Kairo mit dem Titel und im Rang eines ao. bevollmächtigten Ministers. Seit Sept. 1897 fungierte er als preuß. Gesandter in Hamburg – mit gleichzeitiger Zuständigkeit für Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz und die Hansestädte Bremen und Lübeck – und knüpfte engere persönliche Beziehungen zu Ks. Wilhelm II. (1859–1941), den er als Rat im ksl. Gefolge auf seinen Reisen begleitete.
Im Febr. 1900 wurde W. als Vertreter des erkrankten Paul Gf. v. Hatzfeldt (1831–1901) zum kommissarischen Leiter, im Nov. 1901 zum Leiter der Botschaft in London berufen.
In Zeiten zunehmender Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Dt. Reich wirkte W. als unablässiger Mahner und überzeugter Verfechter eines dt.-brit. Ausgleichs. Nach dem Besuch Kg. Eduards VII. bei Ks. Wilhelm II. im August 1908 in Cronberg, bei dem dieser den Vorschlag, auf die Durchführung des Flottengesetzes zu verzichten, als Beleidigung aufgefaßt hatte, stellte der dt. Flottenbau eine große Belastung des dt.-brit. Verhältnisses dar. Zugleich erwies sich nun, daß W. nicht einflußreich genug war, um seine auf Ausgleich gerichtete Auffassung in Berlin wirkungsmächtig zur Geltung zu bringen.
Wegen seiner notorischen Gegnerschaft zur Tirpitzischen Flottenpolitik nahm W. 1912 seinen Abschied aus dem Auswärtigen Dienst.
Im Nov. 1915 reaktiviert, wurde W. mit der Leitung der Botschaft in Konstantinopel betraut, geriet dort wegen seiner Kritik an der völkerrechtswidrigen türk. Verfolgung und Ermordung der Armenier in Konflikt mit Enver Pascha und wurde im Okt. 1916 durch Richard v. Kühlmann (1873–1948) ersetzt.
W. gilt als klassischer Vertreter des noch in der Bismarckzeit geprägten alten Auswärtigen Amts und Anhänger des Primats der Auswärtigen Politik. Im Auftreten eher steif und zurückhaltend, mied er gesellige Veranstaltungen; seine politisch reflektierte, diplomatische Berichterstattung aus London, dem wichtigsten Auslandsposten dt. Diplomatie jener Zeit, galt als meisterhaft. In Großbritannien wurde er wegen seiner Fachkenntnis und seines Eintretens für die dt.-brit. Verständigung in der politischen Klasse geschätzt.
Das Scheitern seiner Londoner Mission, in der es ihm nicht gelang, die Verschlechterung der dt.-brit. Beziehungen abzuwenden, ist vor dem Hintergrund des Ringens zwischen Politik und militärischer Führung im ksl. Deutschland zu sehen und zeigt zugleich die Grenzen der Wirkungsmöglichkeiten eines einzelnen Diplomaten gegenüber der Politik der Staatsführung auf.
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Auszeichnungen
|Komturkreuz II. Kl. d. Albrechts-Ordens (1887);
Roter Adlerorden IV. Kl. b. Ks.besuch in England (1890), III. Kl. mit d. Schleife (1895) u. mit Eichenlaub (1899);
Stern z. Roten Adlerorden II. Kl. mit Schleife (1901);
Roter Adlerorden I. Kl. (1904);
Gr.kreuz z. Roten Adlerorden mit Eichenlaub (1907), mit Brillanten (1912) u. Kette (1916);
Kommandeurkreuz d. belg. Leopold-Ordens (1890);
Kommandeurkreuz II. Kl. d. Ordens Heinrichs d. Löwen (1893);
Gr.kreuz d. osman. Medjijeh-Ordens (1897), d. Albrechtsordens (1898), d. Greifenordens (1899), d. brit. Victoriaordens (1901), d. Hausordens v. Sachsen-Weimar (ghzgl. sächs. Hausorden d. Wachsamkeit oder v. weißen Falken) (1901), d. hess. Ludwigsordens (1902), d. Friedrichs-Ordens (1904), d. Wendenkrone (meckl. Hausorden d. Wend. Krone) (1911), d. Sachsen-Ernestin. Hausordens (1911) u. d. Bayer. Kronenordens (1911);
fstl. waldeck. Verdienstorden I. Kl. (1899);
Royal Victorian Order Knight Grand Cross (1901);
brit. Krönungsmedaille (1902);
Kronenorden I. Kl. (1902);
Erinnerungsmedaille an d. Krönung d. Kg. v. England (1911). -
Werke
|E. v. Vietsch (Hg.), Gegen d. Unvernunft, Der Briefwechsel zw. P. Gf. W. M. u. Wilhelm Solf 1915–1918 mit zwei Briefen Albert Ballins, 1964;
F. Thimme, Der Ausklang d. dt.-engl. Bündnisverhh. 1901 n. d. Briefen d. Botschafters W. M., in: Berliner Mhh. 16, 1938, S. 540–56;
– Nachlaß: BA Koblenz (P);
Privatbes., Bonn. -
Literatur
|A. v. Tirpitz, Der Aufbau d. dt. Weltmacht, 1924;
E. Jäckh, Kiderlen-Wächter, Staatsmann u. Mensch, 2 Bde., 1925;
A. Kessler, Das dt.-engl. Verhältnis v. Amtsantritt Bethmann Hollwegs bis z. Haldane-Mission, Diss. München 1928;
B. Fürst v. Bülow, Denkwürdigkeiten, 4 Bde., 1930;
W. Duden, Die Wurzeln d. dt.-engl. Gegensatzes, Diss. Hamburg 1933;
F. Strigel, Die dt.-engl. Flottenverhh. in d. J. 1909–11 unter Bethmann Hollweg, Diss. Würzburg|1935;
R. v. Kühlmann, in: Berliner Mhh. 13, 1935, S. 20–24;
E. Hruschka, Metternich als Botschafter in London (1901–1912), Diss. Prag 1936;
F.-Ch. Stahl, Botschafter Gf. W. M. u. d. dt.-engl. Beziehungen, Diss. Hamburg 1951;
Ch. A. Flood, The Ambassadorship of P. v. W.-M., Diss. Madison (Wisconsin) 1976;
R. Forsbach, Alfred v. Kiderlen-Wächter, 2 Bde., 1997;
L. Hilbert, Die dipl. Tätigkeit d. Botschafters Gf. W. M. in London während d. Vorkriegsjahrzehnts (1901–1912), o. J. (Ms., IfZ München). -
Porträts
|2 Photogrr. (Bildarchiv d. BA).
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Autor/in
Ulrich Schlie -
Zitierweise
Schlie, Ulrich, "Wolff Metternich zur Gracht, Paul Anton Marie Hubert Graf" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 454-456 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142953.html#ndbcontent