Wolf, Eduard
- Lebensdaten
- 1903 – 1964
- Geburtsort
- Müglitz (Mähren)
- Sterbeort
- Frankfurt/Main
- Beruf/Funktion
- Ökonom ; Bundesbankdirektor
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
-
- Wolf, Eduard Emil Wilhelm
- Wolf, Eduard
- Wolf, Eduard Emil Wilhelm
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Wolf, Eduard Emil Wilhelm
| Ökonom, Bundesbankdirektor, * 1.6.1903 Müglitz (Mähren), † 3.2.1964 Frankfurt/Main, ⚰ Frankfurt/Main, Hauptfriedhof. (evangelisch)
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Genealogie
V →Jakob (1865 – um 1930), Zuckerfabrikdir. in M.;
M Amalie Bayer († n. 1949);
2 B (beide ⚔), 1 Schw;
– ⚭ 1930 Gertrud Hanisch (1905–2009, kath.), aus Peterswaldau (Pieszyce, Schlesien);
2 S Knud (1935–2012), Rainer (* 1939), 2 T Doris (* 1941), Inge (* 1943). -
Biographie
W. besuchte 1909–13 die Volksschule in Ottmachau (Oberschlesien), anschließend die Realgymnasien in Neiße (Oberschlesien) und Reichenbach (Schlesien) (Abitur 1922). Anschließend studierte er Nationalökonomie in Hamburg, München, Berlin und Breslau, wo er 1926 die Prüfung als Diplom-Volkswirt ablegte und 1929 mit einer Arbeit über die weltwirtschaftliche Verflechtung europ. Volkswirtschaften zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. 1926–29 hielt W. (SPD-Mitglied vor 1933) Vorträge an Volkshochschulen und betätigte sich in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit.
Seit 1929 arbeitete W. im Statistischen Reichsamt als wiss. Hilfsarbeiter/Hilfsreferent im Referat „Statistik der internationalen Verflechtungen“, ehe er wegen seiner SPD-Mitgliedschaft im Juni 1933 entlassen wurde. Im Jan. 1934 fand W. eine neue Anstellung als Referent am Institut für Konjunkturforschung (IfK), wo er u. a. auf →Otmar Emminger (1911–1986) und →Victor Wrede (1906–1950) traf, die später mit ihm bei der Bank dt. Länder (BdL) zusammenarbeiteten. W. leitete ab 1934 die Ab|teilung für Außenwirtschaft des IfK und 1945–48 die Geld- und Kreditabteilung des 1941 umbenannten Dt. Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). 1947 wirkte W., der nie NSDAP-Mitglied war, in der Sonderstelle für Geld und Kredit an den Vorbereitungen zur Währungsreform mit. Auch deshalb trat er 1948 in die BdL ein, zunächst als stellv. Leiter, dann als Leiter der Volkswirtschaftlichen und Statistischen Abteilung sowie als Sonderbeauftragter für den Lastenausgleich. Nach dem Suizid des Direktoriumsmitglieds Wrede Ende 1950 rückte W. als Referent für Volkswirtschaft und Statistik in das Direktorium nach. Diese Position behielt er nach Gründung der Bundesbank (1.8.1957) bis zu seinem Tod bei.
W.s besondere Fähigkeit bestand in der Vermittlung zwischen den theoretischen Perspektiven der Volkswirtschaftslehre und den praktischen Erfordernissen der Zentralbankpolitik. Die Monats- und Jahresberichte der BdL bzw. der Bundesbank verfaßte er weitgehend selbst und entwickelte sie zu einem weithin rezipierten Medium. W. sympathisierte mit konjunkturpolitischen Ideen und engagierte sich gelegentlich für dirigistische Maßnahmen. Durch beharrliche Gegenargumentation machte er die währungspolitischen Differenzen in der Zentralbank produktiv und beeinflußte durch die Analysen seiner Abteilung, für die er vornehmlich jüngere Ökonomen rekrutierte, die bundesdt. Währungspolitik der 1950er und 1960er Jahre maßgeblich. Besonders in den Debatten um die umstrittene Erhöhung des Diskontsatzes 1956 bzw. dessen Senkung 1957 gaben W.s Argumente häufig den Ausschlag für die Entscheidung des Zentralbankrats.
Als ökonomischer Ratgeber wirkte W. über die Zentralbank hinaus, etwa im Zuge der Rentenreform 1957 oder im Ausschuß für Konjunkturpolitik der EWG (Mitgl. 1960). Als gefragter Gesprächspartner im Bundeswirtschaftsministerium nahm er auf Einladung →Alfred Müller-Armacks (1901–1971) auch an internen Besprechungen teil. Ohne selbst Mitglied zu sein, beeinflußte er Diskussionen im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums.
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Auszeichnungen
|Mitgl. d. Soz.beirats f. d. Rentenvers. b. Bundesmin. f. Arb. u. Soz.ordnung (1958), d. Ver. f. Socialpol. u. d. engeren Vorstands d. List-Ges.
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Werke
|Die Verflechtung d. europ. Wirtsch. mit d. Weltwirtsch., Diss. Breslau 1929, teils gedr. u. d. T.: Die Neuindustrialisierung d. Erde u. ihre Auswirkungen auf d. europ. Ind.-Kapitalismus, 1931;
Die Entwicklung d. dt. Geld- u. Kreditwesens seit d. Kriege, 1946;
Geld- u. Finanzprobleme d. dt. Nachkriegswirtsch., in: F. Friedensburg (Hg.), Die Dt. Wirtsch. zwei J. n. d. Zus.bruch, Tatsachen u. Probleme, 1947, S. 195–297;
Investitionsbedarf, Sparvolumen, Zahlungsbilanzausgleich, in: Zs. f. d. gesamte Kreditwesen 1, 1948, S. 127–31;
Die außenpol. Aspekte d. härteren Kreditpol., ebd. 12, 1959, S. 959–62;
Probleme d. Wiederbelebung d. Kapitalmarktes, in: G. Albrecht u. H. Arndt (Hg.), Kapitalbildung u. Kapitalverwendung, 1953, S. 117–36;
Die Problematik d. Rentenanpassung, in: Der Volkswirt 13, 1959, S. 2332–34;
Der Wirtsch.wiss. als ständiger Mitarb. d. Zentralbank, in: E. v. Beckerath u. H. Giersch (Hg.), Probleme d. normativen Ökonomik u. d. wirtsch.pol Beratung, 1963, S. 340–56;
– Nachlaß: Hist. Archiv d. Dt. Bundesbank. -
Literatur
|O. Emminger, D-Mark, Dollar, Währungskrisen, Erinnerungen e. ehem. Bundesbankpräs., 1986;
D. Marsh, Die Bundesbank, Geschäfte mit d. Macht, 1992;
A. Tooze, Thesen z. Gesch. d. IfK, DIW 1925–1945, DIW Discussion Papers No. 82, 1993 (Internet);
M. Dickhaus, Die Bundesbank im westeurop. Wiederaufbau, Die internat. Währungspol. d. Bundesrep. Dtld. 1948 bis 1958, 1996;
Dt. Bundesbank (Hg.), Fünfzig J. Dt. Mark, Notenbank u. Währung in Dtld. seit 1948, 1998;
R. Stäglin u. R. Fremdling, Wirtsch.forsch. in d. Weimarer Rep. u. im NS, Materialien z. Gesch. d. Inst. f. Konjunkturforsch. (IfK) u. d. Dt. Inst. f. Wirtsch.forsch. (DIW) 1925 bis 1945, 2016 (Internet);
Hist. Archiv d. Dt. Bundesbank (Hg.), Biogr. Hdb. z. Dt. Notenbankgesch. 1765–2004, Bd. 2, 2004 (P) (Ms.-Druck im Archiv d. Dt. Bundesbank). -
Porträts
|Photogrr. (Archiv d. Dt. Bundesbank).
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Autor/in
Boris Gehlen -
Zitierweise
Gehlen, Boris, "Wolf, Eduard Emil Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 404-405 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142940.html#ndbcontent