Wörner, Manfred

Lebensdaten
1934 – 1994
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Brüssel
Beruf/Funktion
CDU-Politiker ; Bundesverteidigungsminister ; NATO-Generalsekretär
Konfession
evangelisch
Namensvarianten

  • Wörner, Manfred Hermann
  • Wörner, Manfred
  • Wörner, Manfred Hermann

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Zitierweise

Wörner, Manfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142934.html [07.02.2026].

CC0

  • Wörner, Manfred Hermann

    | CDU-Politiker, Bundesverteidigungsminister, NATO-Generalsekretär, * 24.9.1934 Stuttgart, † 13.8.1994 Brüssel, Hohenstaufen bei Göppingen. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Karl (1903–51), aus Gomaringen, Textilkaufm.;
    M Kläre Aldinger (1905–1991), aus Bad Cannstatt;
    1) 1972 1982 Anna Maria Cäsar, Journ., T e. Offz. d. Luftwaffe, 2) 1982 Elfie (eigtl. Elfriede) Reinsch (1941–2006, N. N. Hartwig), aus Berlin, Journ., Werbeexpertin, Mithg. v. „Rührt Euch! Bundeswehr in d. Karikatur“, 1988, Schirmherrin d. „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien d. Bundeswehr Sozialwerks“, 1985 bzw. 1998, Vors. d. Kuratoriums v. „Hilfe f. Bosnien-Herzegowina“, 1995, Vors. d. Kuratoriums d. Stiftung „Lebens-Blicke“ f. Darmkrebsprävention, 2002, Gründerin d. „Elfie-Wörner-Stiftung“ f. behinderte Kinder, BVK am Bande, Rr.in d. Alexander-Ordens f. Kunst u. Wiss., Golden Award d. Atlantic Club of Bulgaria.

  • Biographie

    Nach dem Abitur 1953 am Johannes-Kepler-Gymnasium in Stuttgart und anschließendem Studium der Rechtswissenschaft in Heidelberg, München und Paris legte W. 1957 in München sein 1. Staatsexamen ab, absolvierte den jur. Vorbereitungsdienst, 1961 das 2. Staatsexamen sowie die Promotion zum Dr. iur. in München bei Friedrich Berber (1898–1984) (Die Strafgerichtsbarkeit über Truppen b. einverständl. Aufenthalt auf fremdem Staatsgebiet, 1959). 1961 Regierungsassessor im Landratsamt Öhringen und 1962 Assistent in der Verwaltung des baden-württ. Landtags in Stuttgart, wurde er, ab 1953 Mitglied der Jungen Union und 1956 der CDU, 1965 in den Dt. Bundestag im Wahlkreis Göppingen gewählt, den er bis 1988 als direkt gewählter Abgeordneter jeweils mit absoluter Mehrheit gewann. Im Bundestag widmete er sich der Außen- und Sicherheitspolitik (Verteidigungspolitik). Obwohl den „weißen Jahrgängen“ zugehörig und nicht zum Wehrdienst verpflichtet, ließ er sich von Generalleutnant Johannes Steinhoff (1913–1994) als Multiplikator gewinnen und durchlief als Reserveoffizier (1968 Lt. u. Oberlt., 1970 Hptm., 1974 Major, 1977 Oberstlt. d. Res.) die Ausbildung zum Kampfflugzeugführer (Fiat G.91, später Alpha Jet). 1968–72 war er geschäftsführender Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. 1969 wurde W. stellv. Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, 1973 Mitglied im CDU-Bundesvorstand, ab 1972 war er „Schattenverteidigungsminister“ in den Bundestagswahlkämpfen und 1976–80 Vorsitzender des Verteidigungsausschuss des Dt. Bundestags. W. profilierte sich als „Atlantiker“, Befürworter des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 und überzeugter Anhänger der NATO sowie einer sicherheitspolitischen Zusammenarbeit mit Frankreich; er pflegte Kontakte zu maßgebenden Politikern (US-Verteidigungsminister) und Militärs der NATO.

    Im Okt. 1982 wurde W. von Bundeskanzler Helmut Kohl (1930–2017) zum Bundesminister der Verteidigung bestellt. Seine Amtszeit war anfänglich durch die Umsetzung des NATO-Doppelbeschlusses geprägt. In der öffentlichen Wahrnehmung wurde dies überlagert durch die von W. aufgrund eines Gerüchts vorgezogene Pensionierung des Bundeswehrgenerals Günter Kießling (1925–2009), die im Febr. 1984 zurückgenommen wurde.

    W.s verfehltes Krisenmanagement ließ Zweifel an seiner Eignung für sein Ministeramt aufkommen: Er blieb zwar im Amt, hatte aber viel Ansehen verloren.

    In den folgenden Jahren gelang es W., die personell und finanziell verschlechterte Lage der Bundeswehr zu stabilisieren; die von ihm für 1989 geplante Verlängerung des Wehrdienstes von 15 auf 18 Monate wurde jedoch nicht durchgeführt. Nach Abschluß des Intermediate Range Nuclear Forces (INF)-Vertrags zwischen den USA und der Sowjetunion erfolgte ab 1987 der schrittweise vollständige Abbau nuklearer Mittelstreckensysteme in Mitteleuropa, von der auch die Bundeswehr betroffen war. 1988 wurde W., der sich hohe Reputation im Bündnis erworben hatte, mit Unterstützung der USA zum NATO-Generalsekretär gewählt. An der Spitze der NATO setzte er ab 1989/90 die schrittweise Öffnung gegenüber der zerfallenden Sowjetunion und den Mitgliedsstaaten des Warschauer Pakts durch.

    Die Staats- und Regierungschefs der NATO erklärten unter W.s Leitung am 6.6.1990 das Ende der seit 1945/47 bestehenden Ost-West-Konfrontation. W. lud die Sowjetunion zur Entsendung eines Botschafters in das NATO-Hauptquartier in Brüssel ein und initiierte nach 1991 die Bildung des NATO-Rußland-Rats. W. leitete den Umbau der NATO in ein auch die ost- und südosteurop. Staaten einbindendes Sicherheitsbündnis ein.

    W.s Verdienst ist die Entwicklung der NATO nach der Selbstauflösung des Warschauer Pakts zum Instrument demokratischer Sicherheitspolitik für neue Aufgaben jenseits der bisherigen Bündnisverteidigung am Eisernen Vorhang. Er verhinderte damit eine Krise des Bündnisses und den Bedeutungsverlust nach dem Verschwinden des Gegenspielers. Den Umbau der NATO zu einem euro-atlantischen Sicherheits- und Krisenbündnis, dem 2020 der Großteil der europ. Staaten angehören, erlebte W. nicht mehr.

  • Auszeichnungen

    |Dr. h. c. (Troy State Univ., Alabama, USA 1985);
    Gr.kreuz (Cavaliere di Gran Croce) d. Verdienstordens d. Ital. Rep. (1991);
    Verdienstmedaille d. Landes Baden-Württ. (1994);
    Ehrenbürger d. Gde. Wäschenbeuren (Kr. Göppingen) (1994);
    Gr.kreuz d. BVK (1994);
    Eric-M.-Warburg-Preis d. Atlantik-Brücke (1994);
    – sicherheitspol. „M.-W.-Seminar“ d. German Marshall Fund u. d. Bundeswehr (seit 1982);
    – M.-W.-Medaille d. Bundesverteidigungsmin. (seit 1996);
    M.-W.-Stiftungen in Ungarn, Rumänien u. Bulgarien (1998).

  • Werke

    |Wege z. Frieden in Freiheit, hg. v. d. CDU-Bundesgeschäftsstelle, 1984;
    Frieden in Freiheit, Btr. z. Sicherheits- u. Verteidigungspol., 1987 (P);
    30 J. Mil.seelsorgevertrag in d. Bundesrep. Dtld., Texte e. Gottesdienstes u. e. Festaktes am 24. Febr. 1987 in Bonn, 1987;
    Das atlant. Bündnis in d. neunziger J., Am 8. Febr. 1990 im Haus d. Patriot. Ges., hg. v. Übersee-Club Hamburg, 1990;
    Europ. Sicherheit in d. 90er J., hg. v. d. Schwäb. Ges. Stuttgart, 1990;
    Was ist europ. Sicherheit n. d. Kalten Krieg?, Discussion Paper, Philip Morris Inst. f. Public Policy Research, 1993;
    Für Frieden in Freiheit, Reden u. Aufss., hg. v. G. Rinsche u. G. Langguth, 1995;
    Nachlaß: Archiv f. Christl.-Demokrat. Pol. d. Konrad-Adenauer-Stiftung, St. Augustin.

  • Literatur

    L W. Henkels, Neue Bonner Köpfe, ⁹1978, S. 358–60;
    Ch. Bertram, Zum Tode v. Nato-Gen.sekr. M. W., Ein Staatsmann erst in Brüssel, in: Die Zeit, Nr. 34, 1994;
    D. Childs, in: The Independent v. 15.8.1994;
    R. Clement, Der Abschied v. Gen.sekr. M. W., Gestalter d. neuen NATO, in: Das Parl. v. 26.8.1994;
    K. Feldmeyer, Die NATO krönte seine Karriere u. war ihm pol. Erfüllung, Zum Tode M. W.s, in: FAZ v. 15.8.1994, S. 3;
    N. Hansen, M. W. u. d. NATO, Ein Deutscher mit Charme u. Intelligenz, in: Rhein. Merkur v. 19.8.1994;
    P. Hort, Das Bündnis nimmt Abschied v. e. Großen, in: FAZ v. 20.8.1994;
    Trauerrede v. Dr. Helmut Kohl, Würdigung b. Staatsakt, Bull. d. Presse- u. Inf.amtes d. Bundesreg. Nr. 75 v. 25.8.1994, S. 7005 f., erneut in: Archiv f. Christl.-Demokrat. Pol., Konrad-Adenauer-Stiftung (Internet);
    J. de La Gueriviere, La mort du secrétaire général de l’OTAN M. W., un atlantiste champion de l’ouverture à l’Est, in: Le Monde v. 16.8.1994;
    M. Rist, Hinschied v. Nato-Gen.sekr. W., Sechsj. Amtszeit im Zeichen d. Ost-West-Wandels, in: NZZ v. 15.8.1994, S. 1;
    M. Rühle, Die NATO auf d. Weg z. J.tausendwende, M. W.s Vermächtnis, in: KAS-Auslandsinformationen d. Konrad-Adenauer-Stiftung 10/11, 1994, S. 3–13;
    W. Stützle, Ein Glücksfall f. Bündnis u. Bundesrep., Zum Tode d. NATO-Gen.sekr. u. früheren Bundesverteidigungsmin. M. W., in: Der Tagesspiegel v. 15.8.1994;
    F. J. Jung, Ein untadeliger Patriot, in: Die Welt v. 13.8.2009, S. 7;
    H. Möllers, Die Kießling-Affäre 1984, Zur Rolle d. Medien im Skandal um d. Entlassung v. Gen. Dr. Günter Kießling, in: VfZ 64, 2013, H. 3, S. 517–50;
    ders., Die Affäre Kießling, Der größte Skandal d. Bundeswehr, 2019 (P);
    Biogr. Hdb. MdB;
    H. Ferdinand, in: Kanzler u. Min. I;
    ders., in: Baden-Württ. Biogrr. II.

  • Porträts

    |Konrad-Adenauer-Stiftung (Website);
    Briefmarke d. Rep. Moldawien, 1994;
    Photogrr. (BA, Bilddatenbank).

  • Autor/in

    Heiner Möllers
  • Zitierweise

    Möllers, Heiner, "Wörner, Manfred Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 386-387 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142934.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA