Wöhe, Günter
- Lebensdaten
- 1924 – 2007
- Geburtsort
- Zeitz
- Beruf/Funktion
- Betriebswirt
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
-
- Wöhe, Günter
- Wöhe, Günther
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Wöhe, Günter
| Betriebswirt, * 2.5.1924 Zeitz, † 29.12.2007 Saarbrücken. (evangelisch)
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Genealogie
V Kurt (1888–1961), Dr. phil., Mittelschullehrer f. Dt. u. Engl. in Z., S d. Hermann (1865–1933), aus Magdeburg, Fleischermeister in Weißenfels (Prov. Sachsen), u. d. Emma Leithold (1869–1926);
M Erika (1902–97), aus Schkölen (Thür.), T d. Oskar Saft (1873–1930), aus Halle/Saale, Dr. med., Arzt in Schkölen (Thür.), u. d. Ilse Dittmar (1879–1932), aus Magdeburg;
⚭ 1952 Hildegard Englert (1928–2020), aus Würzburg, Dipl.-Volkswirtin;
1 S Peter (* 1960), Wirtschaftsprüfer, 1 T Tatjana (* 1958), Dipl.-Kauffrau. -
Biographie
W. legte nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Zeitz 1942 sein Abitur ab und begann das Studium der Philosophie und Geschichte an der Univ. Halle/Saale, wurde jedoch bald zum Kriegsdienst eingezogen. Aus US-amerik. Kriegsgefangenschaft entlassen, nahm er 1946 sein Studium an der|Univ. Würzburg wieder auf. 1948 wechselte er zur Volkswirtschaftslehre (Diplom 1951) und wurde 1954 mit einer volkswirtschaftlichen Arbeit zum Dr. rer. pol. promoviert; wichtige Lehrer waren Erich Carell (1905–1982) und Karl Banse (1901–1977). Aufgrund seiner Habilitationsschrift „Methodologische Grundprobleme der Betriebswirtschaftslehre“ (1959) erhielt W. 1958 die Venia legendi für Betriebswirtschaftslehre und wurde 1960 auf einen Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an die Univ. des Saarlandes berufen (Dekan 1981–83, em. 1992). Rufe nach Frankfurt/M. (1964) und Erlangen-Nürnberg (1970) lehnte er ab.
W.s Verdienste liegen auf den Gebieten betriebswirtschaftlicher Methodenforschung, Bilanzierung und Bilanzpolitik, v. a. aber in der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. In seinem Lehrbuch „Betriebswirtschaftliche Steuerlehre“ (Bd. I., 1962, Bd. I.1, ⁶1988, Bd. I.2, ⁷1992, Bd. II.1, 1963, ⁵1990, Bd. II.2, 1965, ⁴1997) systematisierte er den Einfluß der Steuern auf unternehmerische Entscheidungen. Mit diesem innovativen Ansatz erschloß W. der Betriebswirtschaftslehre ein neues Forschungsgebiet, das bis dahin allein von der Finanz- und der Rechtswissenschaft bearbeitet worden war. Dieser fachlichen Erweiterung folgte die Gründung steuerwissenschaftlicher Lehrstühle an fast allen namhaften betriebswirtschaftlichen Fakultäten. Mit zahlreichen Beiträgen zur steuerlichen Gewinnermittlung und zur Reform der Körperschaftsteuer erwarb sich W. hohes Ansehen in Wissenschaft und Praxis; 1968 wurde er von Bundesfinanzminister Franz Josef Strauß (1915–1988) in die Steuerreformkommission berufen. 1974 erläuterte er auf Einladung der japan. Regierung Vertretern des japan. Finanzministeriums die dt. Pläne zur Körperschaftssteuerreform und hielt Gastvorlesungen an der Univ. Kōbe.
Eine Sonderstellung in W.s Werk nimmt seine „Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“ ein (1960, ab ²⁰2000 weitergeführt v. U. Döring, ab ²⁶2016 weitergeführt v. dems. u. G. Brösel, zahlr. Überss.). Dieses Lehrbuch, der „Wöhe“, erhebt nicht den Anspruch, neueste Forschungsergebnisse darzustellen, sondern systematisiert den Stand des gesicherten Wissens der Betriebswirtschaftslehre. Mit dieser Beschränkung, verbunden mit W.s didaktischem Geschick, komplizierte Sachverhalte leicht verständlich zu erklären, wurde das Werk zum führenden Standardlehrbuch der Betriebswirtschaftslehre im dt. Sprachraum, es gilt mit 1,6 Mio. verkauften Exemplaren als meistverkauftes Lehrbuch der Welt in diesem Fach. Mit dem Kosten-Nutzen-Denken orientiert es sich am mikrotheoretischen Ansatz, verankert also die Betriebswirtschaftslehre im Kreis der Wirtschaftswissenschaften. Dieser traditionelle, am Effizienzkriterium orientierte Ansatz wird von zahlreichen Fachvertretern kritisiert, die der Unternehmensethik breiteren Raum geben und die Betriebswirtschaftslehre in den Sozialwissenschaften verorten wollen. Daß die traditionelle „Wöhe-Betriebswirtschaftslehre“ im dt.sprachigen Raum noch immer als herrschende Lehrmeinung anzusehen ist, ist wohl auch auf den hohen Verbreitungsgrad von W.s Lehrbuch zurückzuführen.
Schüler W.s waren u. a. Gerd John, Ulrich Döring (* 1945), Lothar Haberstock (1940–1996), Hartmut Bieg (* 1944) und Heinz Kußmaul (* 1957).
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Auszeichnungen
|Dr. rer. oec. h. c. (Duisburg 1981);
Dr. Fritz Kausch-Preis d. Univ. St. Gallen (1987);
Dr. rer. pol. h. c. (Lüneburg 1989);
Saarländ. Verdienstorden (1990);
Gr. BVK (2005);
G.-W.-Schulen f. Wirtsch. u. G.-W.-Gymn. f. Wirtsch., Saarbrücken (2010). -
Werke
Weitere W Bilanzierung u. Bilanzpol., 1971, ⁹1997;
vollst. W-Verz. in: Döring u. Kußmaul, Spezialisierung u. Internationalisierung, 2004 (s. L). -
Literatur
|Besteuerung u. Untern.pol., FS f. G. W., hg. v. G. John, 1989 (P);
Spezialisierung u. Internationalisierung, Entwicklungstendenzen d. dt. Betriebswirtsch.lehre, FS f. Prof. Dr. Dr. h. c. mult. G. W. z. 80. Geb.tag, hg. v. U. Döring u. H. Kußmaul, 2004 (W, P). -
Autor/in
Ulrich Döring -
Zitierweise
Döring, Ulrich, "Wöhe, Günter" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 371-372 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142930.html#ndbcontent