Wobbermin, Georg
- Lebensdaten
- 1869 – 1943
- Geburtsort
- Stettin (Pommern)
- Sterbeort
- Berlin
- Beruf/Funktion
- evangelischer Theologe
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
-
- Wobbermin, Ernst Gustav Georg
- Wobbermin, Georg
- Wobbermin, Ernst Gustav Georg
Vernetzte Angebote
Verknüpfungen
Personen in der NDB Genealogie
Orte
Symbole auf der Karte
Geburtsort
Wirkungsort
Sterbeort
Begräbnisort
Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.
-
Wobbermin, Ernst Gustav Georg
| evangelischer Theologe, Religionsphilosoph, * 27.10.1869 Stettin (Pommern), † 15.10.1943 Berlin, ⚰Berlin-Nikolassee, Evangelischer Friedhof (Grabstätte nicht erhalten).
-
Genealogie
V →Albert (um 1829–1904), aus Rörchen b. Greifenhagen, Real-Gymn.lehrer in St., S d. Ludwig u. d. Maria Engel;
M Laura Quandt;
⚭ 1906 Theodora (Dora) (1879–1971), T d. →Christian Theodor Leopold Brockhausen, Kaufm. in Charlottenburg, u. d. Anna Goldammer;
kinderlos. -
Biographie
Nach Besuch des Stettiner Marienstiftsgymnasiums studierte W. ev. Theologie und Philosophie (1888 Halle/Saale, 1890 Berlin). 1894 wurde er mit der Arbeit „Die innere|Erfahrung als Grundlage eines moralischen Beweises für das Dasein Gottes“ (gedr. 1894) zum Dr. phil. promoviert. 1895 folgte, ebenfalls in Berlin, die Promotion zum Lic. theol., 1898 die Habilitation für das Fach Systematische Theologie. Als seine wichtigsten akademischen Lehrer nannte er →Adolf v. Harnack (1851–1930), →Julius Kaftan (1848–1926) und →Wilhelm Dilthey (1833–1911). Nach einer Zwischenstation in Marburg erhielt W. 1907 eine Professur für Systematische Theologie und Religionsphilosophie in Breslau. Seit 1915 lehrte er, auf dem Lehrstuhl →Ernst Troeltschs (1865–1923), in Heidelberg, seit 1922 als Nachfolger von →Arthur Titius (1864–1936) in Göttingen. 1935 wurde W. mit einer bis 1940 versehenen Vertretung an der Univ. Berlin (Lehrstuhl →Wilhelm Lütgert, 1867–1938) betraut.
Mit seinem Hauptwerk „Systematische Theologie nach religionspsychologischer Methode“ (3 Bde., 1913–25, ²1925/26) beanspruchte W., die „Fehlentwicklungen“ der neueren ev. Theologie – den „Historismus“ und den „Psychologismus“ – in Richtung auf eine prinzipiell erfahrungsbasierte Theologie überwunden zu haben (Richtlinien ev. Theol. z. Überwindung d. gegenwärtigen Krisis, 1929). Im Zentrum steht eine theol. Methodik und Hermeneutik, deren begrifflicher Grundzug der „religionspsychologische Zirkel“ ist. Hierbei handelt es sich um die, nach Maßgabe der psychischen und kognitiven Struktur des religiösen Bewußtseins beschaffene unauflösbare Wechselbezüglichkeit zwischen den geschichtlichen Erscheinungsformen des religiösen Lebens und der jeweils eigenen religiösen Erfahrung, deren themenbezogene Rekonstruktion Aufgabe der Theologie sei.
Wenngleich W. der – ihrer Natur nach einen Anspruch auf Wahrheitsgeltung erhebenden–Glaubenserfahrung eine übergreifende Bedeutung zuerkannte, so band er das Glaubensgeschehen an die Geschichtlichkeit des Glaubens. Der gegen ihn vorgebrachte Subjektivismusvorwurf mißdeutet seinen Ansatz (bes. K. Barth, An Prof. D. Dr. G. W., 1932 [I u. II], in: ders., Offene Briefe 1909–1935, hg. v. D. Koch, 2001, S. 215–19 u. 225–28; ders., Kirchl. Dogmatik, Bd. I/1, 1932, S. 218–23).
Seit 1933 stellte sich W. in den Dienst der Propaganda des Dritten Reichs (NSDAP-Mitgl. 1.5.1933; seit Herbst 1933 Referent d. Dt. Christen, seit 1936 Mitwirkung im Bund f. Dt. Christentum). Er unterzeichnete das „Bekenntnis der Professoren (…) zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“ und befürwortete die Übernahme der antisemitischen Ausschlußgesetzgebung in kirchliches Dienstrecht (Zwei theol. Gutachten in Sachen d. Arier-Paragraphen, krit. beleuchtet, in: Christentum u. Wiss. 9, 1933, S. 423–26). W., dem das „Führerprinzip“ als Inbegriff politischer Vernunft galt, glorifizierte – nach seiner Auffassung „religionspsychologisch“ begründet – die totalitäre Staatsidee des Dritten Reichs, was die Rezeption seines Werks nach 1945 belastete. Gleichwohl gilt W., dessen Schriften in mehreren Auflagen und Sprachen erschienen und der als Mitherausgeber bedeutender theol. Periodika fungierte, als jener Theologe der Zwischenkriegszeit, der die von →Friedrich Schleiermacher (1768–1834), Troeltsch und der Liberalen Theologie markierte Traditionslinie am konsequentesten fortführte. Namhafte Schüler waren →Heinz Erich Eisenhuth (1903–1983), →Wilhelm Knevels (1897–1978), →Theodor Odenwald (1889–1970), →Martin Redeker (1900–1970) und →Robert Winkler (1894–1983). Heute wird W.s Werk primär im Bereich der theologiegeschichtlichen Forschung rezipiert.
-
Auszeichnungen
|ao. Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1920, seit 1922 ausw. Mitgl.);
o. Mitgl. d. Göttinger Ak. d. Wiss. (1929, seit 1935 ausw. Mitgl.);
– D. theol. (Berlin 1907);
Roter Adlerorden IV. Kl. (1913). -
Werke
Weitere W Grundprobleme d. systemat. Theol., 1899;
Theol. u. Metaphysik, 1901;
Monismus u. Monotheismus, 1911;
Zum Streit um d. Rel.psychol., 1913;
Schleiermacher u. Ritschl in ihrer Bedeutung f. d. heutige theol. Lage u. Aufgabe, 1927;
Wort Gottes u. ev. Glaube, 1931;
Dt. Staat u. ev. Kirche, 1934;
Arthur Titius, 1937;
– Mithg.: Zs. f. Theol. u. Kirche, 1907–17;
Theol. Literaturztg., 1921–39;
Stud. z. systemat. Theol., 1928–35 (mit A. Titius);
– Bibliogr. u. Nachlaßverz.: M. Wolfes, 1999 (s. L). -
Literatur
|F. W. Schmidt, R. Winkler u. W. Meyer (Hg.), Luther, Kant, Schleiermacher in ihrer Bedeutung f. d. Protestantismus, 1939 (FS; P);
G. Irle, Theol. als Wiss. b. G. W., Diss. Marburg/Lahn 1973;
W.-U. Klünker, Psychol. Analyse u. theol. Wahrheit, 1985;
G. Pfleiderer, Theol. als Wirklichkeitswiss., 1992;
M. Wolfes, Prot. Theol. u. moderne Welt, 1999 (W, L, Nachlaßverz.);
B. Hege, Faith at the Intersection of Hist. and Experience, The Theology of G. W., 2008;
G. Linde, Zeichen u. Gewißheit, 2013, S. 163–77;
BBKL 13 (W, L);
RGG3+4;
LThK³;
Personenlex. Protestantismus;
Drüll, Heidelberger Gelehrtenlex. I;
Göttinger Gelehrte II (P). -
Porträts
|Photogr., Abb. in: Hann. Kurier v. 26.10.1929 (Archiv d. HU Berlin, Personalakte W., Bd. I, Bl. 100).
-
Autor/in
Matthias Wolfes † -
Zitierweise
Wolfes, Matthias, "Wobbermin, Ernst Gustav Georg" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 368-369 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142928.html#ndbcontent