Wlaschek, Karl
- Lebensdaten
- 1917 – 2015
- Geburtsort
- Wien
- Sterbeort
- Graz
- Beruf/Funktion
- Unternehmer
- Konfession
- katholisch
- Namensvarianten
-
- Wlaschek, Karl Rudolf
- Walker, Charlie( Pseudonym)
- Wlaschek, Karl
- Wlaschek, Karl Rudolf
- Walker, Charlie( Pseudonym)
- walker, charlie
- Wlaschek, Carl
- Wlaschek, Karl Rudolph
Vernetzte Angebote
Verknüpfungen
Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel
Orte
Symbole auf der Karte
Geburtsort
Wirkungsort
Sterbeort
Begräbnisort
Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.
-
Wlaschek, Karl Rudolf (Pseudonym Charlie Walker)
| Unternehmer, * 4.8.1917 Wien, † 31.5.2015 Graz, ⚰ Wien, Familiengruft im Palais Kinsky. (katholisch)
-
Genealogie
V →Rudolf Josef (1892–1959), aus W., Monteur d. städt. Gaswerke, Magistratsbeamter ebd., S d. →Josef Franz (1863–1918), aus Hernals b. W., Bahnbediensteter, u. d. Antonia Peschat (* 1869), aus Simmering b. W.;
M Aloisia (* 1894), aus W., Stubenmädchen, T d. Rosalia Schill;
Ur-Gvv Franz († v. 1888);
Ov →Maximilian Karl († 1889, ⚭ Hulda Franziska Strahlendorf,* 1887, Verkäuferin, aus Philadelphia, Pennsylvania, USA), Manipulant;
– ⚭ 1) 1941 ⚮ 1971 Hilde Horn, 2) 1971 ⚮ 1983 Eva Maria Dalmatiner, 3) 1985 ⚮ 1989 Christa Mayrhofer, 4) 1991 →Karin Gschwendtner (1944–2003), 5) 2012 →Friederike verh. Schenk (1946–2022), aus Fohnsdorf;
1 T aus 1) →Maria Luise Bittner (* 1947), 1 S aus 2) →Karl Philipp (* 1974), Immobilieninvestor, 1 StiefT aus 4) Claudia Hönigsberger (* 1966);
E Monika, Gastronomin in W. -
Biographie
W. besuchte in Wien 1923–27 die Volksschule bei den Schulbrüdern, 1927–35 die Realschule in der Schopenhauerstraße und der Glasergasse (Matura 1935) und studierte anschließend bis 1938 Chemie an der TH Wien (ohne Abschluß). Bereits während seiner Gymnasialzeit trat er als Musiker auf, seit 1937 unter dem Pseudonym Charlie Walker und Band. 1938 zum Militär einberufen, wurde er auch als Musiker für die Unterhaltung der Truppe eingesetzt. Nach Ende des 2. Weltkriegs geriet er in brit. Kriegsgefangenschaft, kehrte im Okt. 1945 nach Österreich zurück und nahm seine Tätigkeit als Barmusiker wieder auf. 1953 eröffnete W. ein kleines Geschäft im 5. Wiener Gemeindebezirk, wo er preiswerte Parfümerieartikel verkaufte und mit seiner neuartigen Werbestrategie, großen Plakaten im Schaufenster mit Hinweis auf die verbilligten Artikel, den Grundstein für seinen Aufstieg legte. Ende der 1950er Jahre besaß er unter dem Namen „Warenhandel Karl Wlaschek“ (WKW) 45 Filialen in Wien. Seit Mitte der 1960er Jahre bot er auch frische Lebensmittel in seinen Geschäften an, die er seit 1961 „BILLA“ (billiger Laden) nannte, auf das Selbstbedienungskonzept umstellte und mit den Signalfarben gelb und rot bei der Gestaltung der Geschäfte, der Kleidung der Mitarbeiter und den Farben der Lieferwagen unverwechselbar machte.
Mit dieser Unternehmensstrategie vervierfachte W. die Zahl seiner Filialen innerhalb von 20 Jahren auf 192. Er diversifizierte seine Unternehmensgruppe mit der Gründung der Verbrauchermärkte „Merkur“ und „Mondo“, des „Libro“ -Buchhandels und der Parfümeriemärkte „Bipa“ (billige Parfümerieartikel).
Die 1970er Jahre waren geprägt von Modernisierung und Restrukturierung auch der Warenwirtschaft und -präsentation sowie weiterer Expansion. Das Unternehmen wurde 1970 von einer Einzelhandelsgesellschaft in die „Billa Warenhandels GmbH“ und 1977 in die „Billa Warenhandels AG“ im Alleinbesitz W.s umgewandelt. Nach der Novellierung des österr. Stiftungsgesetzes verlegte W. Ende 1993 sein in einer liechtenstein. Stiftung angelegtes Vermögen nach Österreich. Die gemeinnützige K.-W.-Privatstiftung (KWPS) wurde mit einem Vermögen von einer Mio. österr. Schilling (ATS) gegründet. 1988 trennte W. den Liegenschaftsbereich als „Billareal“ vom operativen Geschäft, übertrug diesem Unternehmen die Verwaltung der Gebäude, die er bei Errichtung neuer Filialen erworben hatte, und brachte es 1994 als Billareal AG an die Börse, um die Mittel für seine geplante Ostexpansion aufzubringen. Im Mai 1994 eröffnete er das Delikatessengeschäft Billa Corso mit einer Verkaufsfläche von 1000 m² in den Wiener Ringstraßengalerien und stieg damit zu einem bedeutenden Konkurrenten der „Julius Meinl AG“ auf. 1996 kaufte die KWPS die in Streubesitz befindlichen Aktien der „Billareal AG“ zurück, die zu diesem Zeitpunkt 85 an Billa vermietete Objekte im Schätzwert von rund zwei Mrd. ATS besaß, wogegen sich die Kosten für den|Rückkauf der Aktien nur auf rund 100 Mio. ATS beliefen.
Zu Beginn der 1990er Jahre erweiterte W. seinen Lebensmittelhandel in das benachbarte Ausland (Italien, Slowakei, Tschechien, Ungarn, Polen) und führte die Marke „ja natürlich“ im Lebensmittelbereich des Konzerns ein. Damit folgte er dem Trend zu biologisch erzeugten Lebensmitteln, die er erstmals im österr. Lebensmittelhandel außerhalb der Naturkost- und Reformhausgeschäfte anbot. 1996 verkaufte W. den Billa-Konzern (BML Holding) an die Kölner Rewe-Group. Billa war zu diesem Zeitpunkt die größte Supermarktkette Österreichs mit über 18 000 Mitarbeitern, rund 1350 Filialen und einem Jahresumsatz von 50 Mrd. ATS. Rewe übernahm für rund 15 Mrd. ATS alle zum Konzern zählenden Unternehmen, ausgenommen die Buchhandels-Diskontkette Libro, die W. 1997 an ein von der „Unternehmens Invest AG“ geführtes Konsortium verkaufte. Der Verkaufserlös floß in die KWPS. Noch im selben Jahr machte W. ein Kaufangebot für die „Creditanstalt-Bankverein“, die zur Privatisierung anstand, kam aber nicht zum Zug. Daraufhin wandte er sich dem Immobiliengeschäft zu: 1997 erwarb er eines der bedeutendsten hochbarocken Wiener Palais, des Palais (Daun-) Kinsky, erbaut 1713–19 von →Johann Lucas v. Hildebrandt (1668–1745), 2000 wurden die 72 Immobilien der Creditanstalt (ÖRAG) für rund 7,2 Mrd. ATS in die KWPS eingebracht, ebenso weitere bekannte Immobilien wie die Alte Börse und das Palais Ferstel. Bis zu W.s Tod gingen weitere fünf bedeutende Innenstadtpalais wie das Palais Lieben-Auspitz in den Besitz der KWPS über, die alle Gebäude sanierte und durch Vermietung der Räume zugänglich machte. Anfang der 2000er Jahre ließ W. im zweiten Hof des Palais Kinsky, in dem auch die Stiftung ihren Sitz hat, die Familiengruft errichten. 2011 kaufte er durch die zu seiner Stiftung gehörende „Amisola Immobilien AG“ das Schloßhotel Velden, in dem er zu Beginn der 1950er Jahre als Barmusiker aufgetreten war.
Bei W.s Tod 2015 zählte seine Stiftung österreichweit rund 240 Immobilien, von denen sich die Mehrheit in Wien befindet und ca. 10 % aller Zinshäuser und Palais im 1. Bezirk umfaßt. Das operative Geschäft der in der Stiftung gebündelten Immobilien obliegt den drei nicht an der Börse notierten Immobiliengesellschaften Amisola, Estrella und Novoreal. W., in der Presse öfter bezeichnet als das „personifizierte österr. Wirtschaftswunder“, rangierte mit einem Vermögen von rund vier Mrd. € auf Platz 397 der reichsten Menschen der Welt.
-
Auszeichnungen
|Mann d. Jahres, Wirtsch.mag. „Trend“ (1980);
1984: Gr. Ehrenzeichen f. Verdienste um d. Rep. Österr. (1984), Gr. goldenes Ehrenzeichen (1993);
Goldenes Ehrenzeichen f. Verdienste um d. Land Wien (1989);
Österr. Ehrenkreuz f. Wiss. u. Kunst I. Kl. (1999);
Ehrenmedaille d. Bundeshauptstadt Wien in Gold (2004);
Goldenes Ehrenzeichen d. Landes Salzburg (2004);
Gr. silbernes Ehrenzeichen mit d. Stern f. Verdienste um d. Rep. Österr. (2009). -
Literatur
|G. Wailand, Vom Barpianisten z. Billa-Bes., in: ders., Die Reichen u. d. Superreichen in Österr., 1982, S. 168–70;
A. Haslinger, K. W., Eine Erfolgsgesch., 2005;
Die Kunstdenkmäler Österr., Wien, I. Bezirk, Innere Stadt, hg. v. E. Vancsa, bearb v. G. Buchinger u. a., 2007;
J. Redl, Der hl. Karl d. Altbauten, in: Falter 33 v. 12.8.2015, S. 16 ff.;
– Internet: Seiten d. Austria-Forum, d. Untern. Billa, d. ORF TVTHEK Wirtsch. u. Wiss., d. Österr. Parl.;
Pressearchive: Die Presse, Wiener Ztg., Forbes;
– Ztg.art.: Handelsbl. v. 11.2.1993, 3.6.1994, 17. 7. u. 18.7.1996, 1.6.2015;
Kurier v. 1.6.1994 u. 1.6.2015;
Oberösterr. Nachrr. v. 17. 6., 17. 7. u. 18.7.1996, 23.10.1997, 5.4.2014, 3.8.2017;
Wirtsch.bl. v. 17. 7., 18. 7., 24. 8. u. 24.10.1996, 12. 8. u. 23.10.1997, 28.6.2000, 2.9.2011, 17.10.2012, 2. 6. u. 22.6.2015;
Börsen-Ztg. v. 18.7.1996;
Bonner Gen.anz. v. 18. 7. u. 20.7.1996;
Frankfurter Neue Presse v. 18.7.1996;
Frankfurter Rd.sch. v. 18.7.1996;
NZZ v. 18.7.1996 u. 3.6.2015;
Der Tagesspiegel v. 21.7.1996;
Die Zeit, Nr. 34, 1996;
Profil v. 1.10.1999 u. 13.6.2015;
Format v. 3.4.2000 u. 5.6.2015;
Der Standard v. 2.5.2003, 18.9.2013, 1. 6. u. 22.6.2015;
Wiener Ztg. v. 18.3.2009 u. 2.6.2015;
The Times v. 16.4.2012 u. 1.6.2015;
Austria Presse Agentur v. 1. 6. u. 22.6.2015;
Tiroler Tagesztg. v. 2.6.2015;
Salzburger Nachrr. v. 2.6.2015;
Kronen Ztg. v. 3.6.2015 u. 11.4.2019;
Der Spiegel v. 6.6.2015;
Neue Vorarlberger Tagesztg. v. 17.2.2017 u. 2.2.2021. -
Porträts
|Bronzebüste v. J. de Andrea, 1998 (Wien, Palais Kinsky, Foyer);
Pressephotogrr. in d. Datenbanken d. Pressearchive v. Kurier u. News;
– zu Karin: Bronzeskulptur v. J. de Andrea (Fam.bes.). -
Autor/in
Charlotte Natmeßnig -
Zitierweise
Natmeßnig, Charlotte, "Wlaschek, Karl Rudolf (Pseudonym Charlie Walker)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 367-368 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142927.html#ndbcontent