Wisselmann, Heinrich

Lebensdaten
1889 – 1967
Geburtsort
Obermassen (Kreis Unna)
Sterbeort
Bad Oeynhausen
Beruf/Funktion
Bergwerksdirektor ; Montanindustrieller ; Verbandspolitiker ; Bergmann
Konfession
-
Normdaten
GND: 126221419X | OGND | VIAF: 3870165814908259860006
Namensvarianten

  • Wisselmann, Heinrich

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Zitierweise

Wisselmann, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd126221419X.html [08.02.2026].

CC0

  • Wisselmann, Heinrich

    | Bergwerksdirektor, Montanindustrieller, Verbandspolitiker, * 14.1.1889 Obermassen (Kreis Unna), † 26.6.1967 Bad Oeynhausen, ⚰ Unna, Südfriedhof.

  • Genealogie

    V Heinrich gen. Bettmann (1852–1933), Landwirt b. U., Medaille f. bes. Verdienste in d. Landwirtsch., S d. Heinrich (Wiesselmann) gen. Bettmann (* 1824) u. d. Sophia Bettmann (* 1827);
    M Henriette Habbes (1861–1921), aus Afferde b. U., Bes. e. Hofs, wohl T d. Carl Habbes u. d. Friederike Moellmann;
    1920 Margareta (* 1898), T d. Friedrich Funcke (1855–1946), aus Essen, Montanindustr., Gen.dir. d. Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien-Ges., Bergrat, Dr.-Ing. E. h. (s. Wenzel; Rhdb.), u. d. Johanna Juliane Röder (1863–1900).

  • Biographie

    W. besuchte die Volksschule in Unna und das Gymnasium in Gütersloh. Ab 1910 studierte er Bergbau in München, Jena und Aachen und absolvierte 1912 die Prüfung zum Bergreferendar; das Bergassessorexamen legte er infolge von Militärdienst und Fronteinsatz im 1. Weltkrieg erst 1920 ab. Im selben Jahr wurde er als Bergwerksdirektor Leiter der Zeche Mansfeld in Bochum-Langendreer, 1933 auch der Zeche Sachsen bei Hamm, die beide zur „Mansfeldischen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft“, seit 1921 „Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetrieb“, in Eisleben gehörten. 1934 wurde W. zum Vorstandsvorsitzenden der „Preußischen Bergwerks- und Hütten AG“ (Preussag) mit etwa 25 000 Beschäftigten ernannt, im Zuge eines umfassenden Personalrevirements in Aufsichtsrat und Vorstand der Preussag 1933/34, das den Einfluß des NS-Regimes auf den staatlichen Montankonzern stärken sollte. Eine gewisse Nähe W.s zum NS-Regime ist zu vermuten, obwohl er der NSDAP erst 1942 beitrat. Inwieweit W. seine formal uneingeschränkte Leitungskompetenz als Generaldirektor gegenüber den relativ autonom agierenden Zweigniederlassungen und v. a. dem starken Vorsitzenden des Aufsichtsrats, an dessen Spitze der Oberberghauptmann als Leiter der preuß. Bergverwaltung stand und dem Vertreter vorrangig aus Ministerialbürokratie und auch Montanindustrie angehörten, geltend machen konnte, bleibt offen. Als Generaldirektor der Preussag hatte W. diverse Aufsichtsratsmandate v. a. in Montankonzernen sowie Leitungsfunktionen in der NS-Wirtschaftsorganisation inne: Ab Okt. 1936 stand er der Wirtschaftsgruppe Bergbau als zentralem Branchenverband vor, 1937 wurde er in den Aufsichtsrat der Reichswerke „Hermann Göring“ berufen, 1938 zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. Im Frühjahr 1941 wurde W. stellv. Vorsitzender der „Reichsvereinigung Kohle“ (RVK) als industriellem Selbstverwaltungsund Lenkungsorgan; er gilt als ein entscheidender Drahtzieher bei der Gründung der RVK und der Ernennung von Paul Pleiger (1899–1985) zu deren Leiter. W. gehörte in der NS-Wirtschaft nicht zu den maßgeblichen Entscheidungsträgern, sondern ist als oberster Funktionär der traditionellen bergbaulichen Führungseliten am Rand der eigentlichen Machtzentren einzuordnen.

    Nach Kriegsende verlor W. seine Leitungspositionen bei der Preussag und war in diesem Unternehmen von Sept. 1946 bis zu seinem Ausscheiden im März 1950 nur noch in untergeordneter Position tätig, obwohl er in zwei Entnazifizierungsverfahren 1947 und 1949 als „entlastet“ eingestuft wurde. Noch 1950 wurde W. in den Vorstand der „Salzdetfurth AG“, einem Vorläufer der „Kali und Salz AG“, berufen, die ab 1938 mit der „Mansfeld AG“ einen gemischten Bergbaukonzern mit umfangreichem Bergbaubesitz bildete, wovon nach 1945 im wesentlichen nur die Kali- und Steinsalzwerke in Niedersachsen und Hessen sowie das Steinkohlenbergwerk Mansfeld in Bochum verblieben. In den 1950er Jahren wurden die Bergwerksbetriebe modernisiert und die Förderung ausgebaut, das Unternehmen expandierte und diversifizierte v. a. in den Bereich der chemischen Weiterverarbeitung. W. bekleidete weiterhin zahlreiche Aufsichtsratsmandate und engagierte sich als Vorstandsvorsitzender des Kalivereins e. V. und Vorstandsmitglied der Wirtschaftsvereinigung Bergbau e. V. im bergbaulichen Verbandswesen. W. setzte sich für die berufliche Aus- und Fortbildung und den technischen Erfahrungsaustausch innerhalb der Bergbauindustrie sowie, auch als Vorstandsmitglied des Dt. Museums in München, für einen engeren Kontakt mit Wissenschaft und Bergbehörden ein. Ende 1958 trat er in den Ruhestand.

  • Auszeichnungen

    |Dr.-Ing. E. h. (TU Berlin, 1952);
    Goldener Ehrenring d. Dt. Mus. (1958);
    Heinitz-Plakette d. Wirtsch.vereinigung Bergbau e. V. (1961);
    Gr. BVK (1964).

  • Werke

    |Die dt. Kaliind., in: Jb. d. dt. Bergbaus 49, 1956, S. 15–33.

  • Literatur

    L W. Serlo, Die Preuß. Bergassessoren, ⁵1938, S. 400;
    ders., Westdt. Berg- u. Hüttenleute u. ihre Fam., 1938, S. 239 f.;
    C. v. Velsen, in: Glückauf 104, 1968, S. 478 f. (P);
    F. Pudor, Lb. aus d. Rhein.-Westfäl. Ind.gebiet, Jg. 1962–1967, [1977], S. 170–74;
    B. Stier u. J. Laufer, Von d. Preussag z. TUI, Wege u. Wandlungen e. Untern. 1923–2003, 2005, S. 174–82.

  • Autor/in

    Stefan Przigoda
  • Zitierweise

    Przigoda, Stefan, "Wisselmann, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 301 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd126221419X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA