Wilhelm, Hellmut

Lebensdaten
1905 – 1990
Geburtsort
Tsingtau (Qingdao)
Sterbeort
Seattle, Wash.
Beruf/Funktion
Sinologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 132377934 | OGND | VIAF: 51782004
Namensvarianten

  • Wei Deming
  • Deiming, Wei
  • Wilhelm, Hellmut
  • Wei Deming
  • Deiming, Wei

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Zitierweise

Wilhelm, Hellmut, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132377934.html [20.04.2026].

CC0

  • Wilhelm, Hellmut (chinesisch Wei Deming)

    | Sinologe, * 10.12.1905 Tsingtau (Qingdao), † 5.7.1990 Seattle (Washington, USA). (evangelisch)

  • Genealogie

    V Richard (s. 1);
    M Salome Blumhardt;
    1) 1932 n. 1947 Maria (1910–2002), seit 1947 (?) in d. USA, T d. Max Illch (1872–1958), aus München, u. d. Kaethe Ullmann (1885–1967), aus Posen, beide emigrierten in d. USA, 2) 1951 Erica Samuel (* 1926), Musikerin, Bildhauerin;
    2 S aus 2) Crispin (* 1952), Neurol., Marc (* 1953), Jur.;
    Schwägerin Eva Illch (1914–2008, kath., Stephan Kuttner, 1907–96, kath., 1933 luth., aus Bonn, Jur., emigrierte 1933 n. Italien, 1940 in d. USA, 1937–40 Prof. f. röm. u. kanon. Recht an d. Lateran-Univ., 1940–64 an d. Kath. Univ. Washington, 1964–70 an d. Yale-Univ. u. 1971–90 an d. Univ. of California Berkeley, 1955–91 Gründer u. Leiter e. Inst. f. ma. kanon. Recht in Washington D. C., heute in München, Dr. h. c. mult., 1968 korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1969 Orden pour le mèrite f. Wiss. u. Künste, 1987 Scholar| d. Institute for Advanced Studies, Princeton, s. BBKL IV; BHdE II; The Independent v. 22.8.1996; DA 53, S. 411–13; Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1996; Juristas universales IV, 2004), aus Berlin.

  • Biographie

    W. wuchs in Tsingtau auf, kam im Alter von 13 Jahren nach Stuttgart, wo er seine Schulbildung abschloß, studierte danach in Kiel, Grenoble und Frankfurt/M. Jura und legte 1928 das 1. jur. Staatsexamen ab. Zu seinem Freundeskreis gehörten der Kirchenrechtler Stephan Kuttner und der Jurist Hsü Dau-lin(g) (Xu Daolin) (1906–1973). W. war dann im Gerichtsdienst in Frankfurt/M. tätig, sah aber in Deutschland bei dem Erstarken des Nationalsozialismus keine Berufsaussichten, zumal er eine Freundin aus jüd. Familie hatte. So assistierte er seinem Vater am China-Institut und studierte Sinologie bei Otto Franke (1863–1946) in Berlin, bei dem er 1932 mit der Arbeit „Ku Ting-lin, der Ethiker“ (gedr. 1932) zum Dr. phil. promoviert wurde. Im selben Jahr reiste er mit seiner Frau nach Peking, wo er als Korrespondent u. a. für die „Frankfurter Zeitung“ arbeitete. 1933 wurde er Geschäftsführer des von Zheng Shoulin (1900–1990) und anderen chin. Gelehrten neugegründeten Deutschland-Instituts, eine Stelle, die er Ende 1934 aufgab, um dt. staatlicher Finanzierung nicht im Wege zu stehen. Er wurde allerdings teils mit Werkverträgen unter seinem chin. Namen weiterbeschäftigt und gab Deutschunterricht. Während dieser Zeit bearbeitete er das umfangreiche „Deutsch-Chinesische Wörterbuch“, das 1945 auf der Pekinger Pappelinsel bei Vincenz Hundhausen (1878–1955) gedruckt wurde (Nachdr. 1970). Dort veröffentlichte W. auch die Übersetzung des Klassikers der „Kindlichen Pietät“ (Xiaojing) (1940) durch seinen Vater. In den Kriegsjahren hielt W. in Peking, im Haus des (zwangspensionierten) Diplomaten Willy Haas (1896–1981), mehrere Vortragszyklen, die von Henri Vetch (1898–1978) in Peking veröffentlicht wurden und bis heute ihren Wert behalten haben (u. a. Chinas Gesch., 1942; Die Wandlung, 1944, engl. 1960; Staat u. Gesellschaft in China, 1944, Neuausg. 1960). Nach dem Krieg lehrte W. an der Pekinger Reichsuniversität. 1947 zerbrach seine Ehe. 1948 gewann der Historiker George Taylor (1905–2000) W. für das ambitionierte Osteuropa- und Ostasienprogramm (Far Eastern and Russian Institute) der Univ. of Washington, Seattle, wo ein hervorragendes Forscherteam zusammenkam: der Linguist Li Fang-kuei (1904–1988), der Mongolist Nikolaus Poppe (1897–1991), der Historiker Franz Michael (1907–1992), der Staatswissenschaftler Hsiao Kungch’üan (1897–1981), der Philosophiehistoriker Vincent Shih (1902–2001), der Sozialwissenschaftler Karl-August Wittfogel (1896–1988), der Linguist Erwin Reifler (1903–1965) und der Wirtschafts- und Sozialhistoriker Chang Chung-li (Zhang Zhongli) (1920–2015). W. arbeitete am Aufbau des Zentrums mit, war als Lehrer geschätzt und beteiligte sich an den großen Projekten, so dem „Modern Chinese History Project“, dem „Russia in Asia Project“ und dem „Inner Asia Project“. Besondere Aufmerksamkeit widmete W., wie sein Vater, dem „Buch der Wandlungen“ (Yijing). Dadurch kam er wohl in Kontakt zur Eranos Gesellschaft in Ascona, an deren Tagungen er 1952, 1957, 1958, 1961, 1962, 1964 und 1967 teilnahm. Die Jahre nach der Emeritierung 1971 verbrachte W. in Seattle mit der Arbeit an einer umfangreichen biobibliographischen Geschichte der chin. Literatur. Diese (unvollendete) Kartei befindet sich im Dt. Exilarchiv in der Dt. Nationalbibliothek in Frankfurt/M. Seine Privatbi|bliothek wurde von der Universitätsbibliothek Princeton erworben.

  • Werke

    Weitere W u. a. Sinn des I Ging, 1972 (Slg. v. Eranos-Vortrr.);
    The Book of Changes in Western tradition, 1975;
    Der Prozeß der A Yün, in: Monumenta serica 1, 1935/36, S. 338–51;
    Der hist. u. d. legendäre Kang Ping, ebd. 5, 1940, S. 447–60;
    Schrr. u. Fragmente z. Entwicklung d. staatsrechtl. Theorie in d. Chou-Zeit, 1. Das Buch Teng-hsi-tzu, ebd. 12, 1947, S. 41–96;
    On Ming orthodoxy, ebd. 29, 1970/71, S. 1–26;
    The young Tseng Kuo-fan, Home influences and family background, ebd. 32, 1976, S. 21–54;
    The Yen-chou Shih-hua of Hsü I, in: Studia Sino-Mongolica, FS f. Herbert Franke, 1979, S. 285–94;
    Trends of thought in early nineteenth century, in: Asia Major 3/2, 1990, S. 3–23;
    W-Verz.: A list of publications of H. W., in: Oriens Extremus 35, 1992, S. 23–34.

  • Literatur

    |D. R. Knechtges, G. E. Taylor, D. W. Treadgold, F. W. Mote u. H. Franke, H. W., Memories and bibliography, in: Oriens Extremus 35, 1992, S. 5–34 (W-Verz.);
    H. L. Goodman, H. W.’s collection at Princeton, Last stop from Peking and points beyond, in: Gest Library Journ. 1/2, 1987, S. 5–18;
    H. Walravens, Hsü Daulin (1906–1973) im Briefwechsel mit H. W., in: Nachrr. d. Ostasiat. Ges. 177/178, 2005, S. 151–74;
    Verfolgung u. Auswanderung dt.sprachiger Sprachforscher 1933–45, hg. v. U. Maas, 2010, S. 876 f.

  • Porträts

    |Photogr., Abb. in: Monumenta Serica, 29, 1970/71, Frontispiz.

  • Autor/in

    Hartmut Walravens
  • Zitierweise

    Walravens, Hartmut, "Wilhelm, Hellmut (chinesisch Wei Deming)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 166-167 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132377934.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA