Wildenmann, Rudolf
- Lebensdaten
- 1921 – 1993
- Geburtsort
- Stuttgart
- Sterbeort
- Mannheim
- Beruf/Funktion
- Politikwissenschaftler ; Politologe ; Hochschullehrer
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 129037737 | OGND | VIAF: 108220180
- Namensvarianten
-
- Wildenmann, Rudolf
- Wildenmann, R.
- Wildenmann, Rudolph
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Wildenmann, Rudolf
| Politikwissenschaftler, * 15.1.1921 Stuttgart, † 14.7.1993 Mannheim, ⚰ Mannheim. (evangelisch)
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Genealogie
V Ernst (1891–1963), Arb. in St.;
M Luise Moeck (1897–1976), Arb. in St.;
Schw Gertrud (1926–2009, ⚭ →Otto Wolffs,* 1926, aus Aurich, Pressereferent b. d. US-Militärreg. in Frankfurt/M.);
– ⚭ 1) Stuttgart 1947 ⚮ →Liselotte Waibel (1917–1983), techn. Zeichnerin, Schneiderin, Kunstmalerin, 2) Mannheim 1973 →Rosmarie Thon (* 1940), Sekr.;
1 S aus 1) →Boris Valentin (* 1955), selbst. IT-Fachmann in Frankfurt/M., 2 T aus 1) →Silke Christina Wollweber (1948–2013), Soziol. in Rodgau-Weiskirchen, →Beryl Beate Bender (* 1953), Soziol., system. Fam.therapeutin in e. SOS-Kinderdorf in Schorndorf (Württ.), 1 T aus 2) →Valerie Luise (* 1977), Förderschulleiterin in Mannheim, Leiterin e. päd. Verl. in Heidelberg, 2 außerehel. T →Beate Obermann (* 1957), Journ. in München, →Rebekka W.-Henkel (* 1969), Ergotherapeutin in Osnabrück. -
Biographie
W. erwarb 1935 den Volksschulabschluß, absolvierte bis 1938 eine kaufmännische Lehre und war anschließend bis 1940 in diesem Beruf tätig. 1940 zur Wehrmacht eingezogen, kam er 1942 in ein kanad. Kriegsgefangenenlager, in dem er 1945 das Abitur erwerben konnte. Nach seiner Entlassung 1946 studierte er in Tübingen und Heidelberg Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, machte in Heidelberg 1950 einen Abschluß als Diplomvolkswirt und wurde hier bei →Dolf Sternberger (1907–1989) 1952 mit einer Dissertation zum Thema „Partei und Fraktion“ (1954) zum Dr. phil. promoviert.
Anschließend arbeitete W. als Redakteur bei der „Deutschen Zeitung und Wirtschaftszeitung“, als Referent im Bundesministerium des Innern und als Studienleiter bei der Bundeszentrale für Heimatdienst. 1959 wurde er wiss. Assistent am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft der Univ. Köln. Dort habilitierte er sich 1962 mit der Arbeit „Macht und Konsens als Problem der Außen- und Innenpolitik“ (1963). 1964 wurde er auf den Lehrstuhl für Politische Wissenschaft der neugegründeten Fakultät für Sozialwissenschaften der Univ. Mannheim berufen (em. 1989). Neben seiner Lehrtätigkeit hier nahm er Gastprofessuren wahr, u. a. 1969–76 an der State Univ. of New York at Stony Brook und 1980–83 am Europ. Hochschulinstitut in Florenz.
Als Mitinitiator und neben →Erwin K. Scheuch (1928–2003) Koautor einer bahnbrechenden Studie zur dt. Bundestagswahl 1961 (Zur Soziol. d. Wahl, 1965) war W. einer der Pioniere der Wahlforschung in Deutschland. In Mannheim etablierte er die „Forschungsgruppe Wahlen“ und leitete 1965–72 die Wahlberichterstattung für das ZDF. Sein zweiter Schwerpunkt war die Parteienforschung, zu der er während seiner Jahre in Florenz das vergleichende Projekt „The Future of Party Government“ organisierte, aus dem vier Bände mit Beiträgen international renommierter Parteienforscher hervorgingen (1986–88), und der auch sein letztes Hauptwerk „Volksparteien–Ratlose Riesen?“ (1989) galt. Darüber hinaus führte er zahlreiche Projekte zu anderen Themenfeldern durch, u. a. zur politischen Rolle der Justiz, der Medien, zur europ. Integration und zur Elitenforschung.
W. gründete oder initiierte zahlreiche Forschungsorganisationen und -einrichtungen. 1970 war er Mitbegründer des „European Consortium for Political Research (ECPR)“ ,|einer Vereinigung politikwissenschaftlicher Institute an europ. Universitäten, in der er bis 1988 leitende Funktionen wahrnahm. Sein größtes Verdienst war die von ihm angeregte, 1974 erfolgte Gründung des „Zentrums für Umfragen, Methoden und Analysen“ in Mannheim und dessen Verschmelzung 1986 mit dem „Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung“ in Köln und dem „Informationszentrum Sozialwissenschaften“ in Bonn zur „Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen“, für deren Institutionalisierung zur Unterstützung einer qualitativ hochwertigen empirischen Sozialforschung in Deutschland W. über 20 Jahre beharrlich kämpfte. 1987 wurde auf seine Initiative die „Forschungsstelle für gesellschaftliche Entwicklungen“ an der Univ. Mannheim gegründet, die er bis zuletzt leitete. Diese führte Projekte zu aktuellen politischen Entwicklungen durch, u. a. zum Wandel demokratischer Parteiensysteme, zu den politischen Umbrüchen in den osteurop. Ländern und zu Veränderungen der Medienlandschaft.
Wissenschaftspolitisch war W. u. a. 1968–74 als Mitglied des Senats der DFG und als Rektor der Univ. Mannheim (1967–69, 1976–79) aktiv. Er war Mitglied der CDU und ein gefragter, gleichwohl unabhängiger Berater christdemokratisch geführter Bundes- und Landesregierungen.
W. analysierte die Funktionsbedingungen demokratischen Regierens aus verschiedenen Blickwinkeln v. a. durch Verwendung von Umfragedaten, aber auch anderen Datenquellen. Er verwies dabei immer auch auf die große Bedeutung politisch-institutioneller Regelungen. Die Breite seiner wissenschaftlichen Interessen schlug sich in einer Vielzahl von ihm geleiteter oder angeregter Forschungsprojekte nieder. W. holte zahlreiche international bekannte Sozialwissenschaftler und Nachwuchswissenschaftler mit innovativen Ideen nach Mannheim, schuf ein großes Netzwerk internationaler Kontakte und trug erheblich dazu bei, Mannheim zu einem Zentrum sozialwissenschaftlicher Forschung zu machen. Er war eine der herausragenden Gestalten der „Köln-Mannheimer Schule“ der Politikwissenschaft, die sich durch ihren empirisch-analytischen Ansatz in Anlehnung an →Karl Poppers Wissenschaftstheorie auszeichnet. Zu W.s Schülern und Mitarbeitern gehören Sozialwissenschaftler, die ihrerseits große Strahlkraft entwickelten, darunter Max Kaase (* 1935), Hans-Dieter Klingemann (* 1937) und Erich Weede (* 1942).
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Auszeichnungen
|BVK I. Kl. (1986);
Verdienstorden d. Landes Baden-Württ. (1992);
mehrere Ehrendoktortitel, u. a. Dr. h. c. (Univ. d. Saarlandes 1988);
R. W.-Prize d. ECPR (seit 1997). -
Werke
|Funktionen d. Massenmedien, 1965 (mit W. Kaltefleiter);
Gutachten z. Frage d. Subventionierung d. pol. Parteien, 1968;
– Hg.: Soz.wiss. Jb. f. Pol. 1–5, 1969–76;
Schrr.reihe z. gesellschaftl. Entwicklung, 5 Bde., 1989–92;
Stud. z. gesellschaftl. Entwicklung, 12 Bde., 1990–92;
Wahlforsch., 1992. -
Literatur
|M. Kaase (Hg.), Pol. Wiss. u. Pol. Ordnung, FS f. R. W. z. 65. Geb.tag, 1986;
ders., R. W., German scholar, institution builder, democrat, in: H. Daalder (Hg.), Comparative Politics, The Story of a Profession, 1997, S. 40–53 (W, L, P);
ders., in: Baden-Württ. Biogrr. V, 2013, S. 478–81 (P);
ders., in: E. Jesse u. S. Liebold, Dt. Pol.wiss., 2014, S. 783–96 (W, L, P);
R. S. Sigel, in: Political Science &
Politics 26, 1993, Nr. 4, S. 821;
G. K. Roberts, in: German Politics 2, 1993, Nr. 3, S. 485;
F. Lehner, in: Pol. Vjschr. 35, 1994, Nr. 1, S. 110–12;
Munzinger. -
Autor/in
Ursula Hoffmann-Lange -
Zitierweise
Hoffmann-Lange, Ursula, "Wildenmann, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 130-131 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129037737.html#ndbcontent