Wieland, Hermann

Lebensdaten
1885 – 1929
Geburtsort
Pforzheim (Baden)
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Pharmakologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1012372448 | OGND | VIAF: 171480916
Namensvarianten

  • Wieland, David Hermann
  • Wieland, Hermann
  • Wieland, David Hermann

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Zitierweise

Wieland, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1012372448.html [31.01.2026].

CC0

  • Wieland. David Hermann

    | Pharmakologe, * 26.2.1885 Pforzheim (Baden), † 7.5.1929 Heidelberg. (evangelisch)

  • Genealogie

    B Heinrich (s. 1);
    Königsberg (Pr.) 1923 Gertrud (1893–1931, 1] 1917 1923 Hans Friedrich,* 1890, prakt. Arzt, Assistenzarzt e. Sanitätskompa|gnie, S d. Friedrich Kurtzahn, Rentner in Königsberg, Pr., u. d. Marie Zander, v. 1917), aus Meischlitz (Myślęta) b. Neidenburg (Nidzica, Ostpreußen), Dr. med., Ärztin, T d. Karl Polley, Rentner, u. d. Karoline (Lina) Kurtzahn (um 1861 – n. 1923);
    1 Stief-S Fritz Kurtzahn (* 1920), 2 S (1 früh †) Peter (1925 – n. 1949).

  • Biographie

    Nach dem Abitur 1903 in Pforzheim studierte W. Medizin abwechselnd an den Universitäten München und Straßburg; Ende 1908 bestand er das ärztliche Staatsexamen in München (Approbation u. Dr. med. 1909). Dank des Spezialbereichs seines Doktorvaters, des physiologischen Chemikers Franz Hofmeister (1850–1922), und des Einflusses seines Bruders Heinrich besaß W. chemische Kenntnisse. 1911 wandte sich W. nach fast zweijähriger rein medizinischer Tätigkeit im Krankenhaus München-Schwabing der Pharmakologie zu. Er wechselte an das Pharmakologische Institut der Univ. Wien zu Hans Horst Meyer (1853–1939) und 1913 als Assistent an das Pharmakologische Institut der Univ. Straßburg zu Oswald Schmiedeberg (1838–1918), dessen letzter Schüler er wurde. 1914 meldete sich W. freiwillig als Arzt zum Kriegsdienst. Ende 1915 habilitierte er sich mit der Arbeit „Pharmakologische Untersuchungen am Atemzentrum“ (in: Archiv f. experimentelle Pathol. u. Pharmakol. 79, 1916, S. 95–117). 1916 einberufen, erlebte er als Bataillonsarzt in der Fußartillerie die Schlacht an der Somme, die Kämpfe vor Arras, in der Champagne und in Flandern und wurde 1917 verwundet. 1918 beteiligte sich W. am KWI für physikalische Chemie und Elektrochemie unter Ferdinand Flury (1877–1947) an der pharmakologischen und toxikologischen Untersuchung des Gelbkreuzgases.

    Anfang 1919 aus dem Militärdienst entlassen, fand W. eine Anstellung als Assistent am Pharmakologischen Institut der Univ. Freiburg (Br.) bei Walther Straub (1874–1944), dessen Methoden er an seine Forschungen zur pharmakologischen Wirkung von Gallensäuren anpaßte. Reine Stoffe für diese Forschung erhielt er von seinem Bruder Heinrich, der breit angelegte langjährige Untersuchungen über die Gallensäure durchführte. 1921 zum o. Professor und Direktor des Pharmakologischen Instituts an der Univ. Königsberg berufen und seit 1925 an der Univ. Heidelberg, verschaffte W. der Pharmakologie Gleichberechtigung im Lehrplan und Geltung unter den übrigen medizinischen Disziplinen. Dieses Ziel verfolgte er auch als zweimaliger (1920 u. 1927) Geschäftsführer der 1920 gegründeten Dt. Pharmakologischen Gesellschaft sowie als Gründer und Herausgeber der Zeitschrift „Der Schmerz“.

    W. gilt als Pionier in der Erforschung der Beziehungen zwischen chemischer Beschaffenheit und biologischer Wirkung von Stoffen. Er verband Pharmakologie und Klinik als Forscher und Lehrer. Besonders eindrucksvoll ist seine jahrelange gründliche pharmakologische und toxikologische Erforschung der Lobelia-Alkaloide, die durch die Einführung von Lobelin als „atmungserregendes“ Heilmittel gekrönt wurde. Erstmals wurden pflanzliche Auszüge und Extrakte von unbestimmtem Inhalt an Alkaloiden durch einen einheitlichen und exakt dosierbaren Wirkstoff ersetzt, was eine breite therapeutische Verwendbarkeit ermöglichte. Eine weitere Leistung von großer praktischer Bedeutung war die Entdeckung des reinen Azetylens als Anästhetikum und seine Einführung in die Klinik. Unter dem Namen „Narcylen“ benutzte man es etwa 15 Jahre lang als bestes Narkotikum. Zu W.s Schülern zählt Behrend Behrens (1895–1965). W. war langjährig beratend für die pharmazeutische Firma „C. H. Boehringer Sohn“ in Nieder-Ingelheim tätig, die ihm entscheidende technische Gegenleistungen einbrachte.

  • Auszeichnungen

    |o. Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1928) u. d. Dt. Pharmakol. Ges.

  • Werke

    |Unterss. über d. lipoiden Substanzen d. Magenschleimhaut (Diss.);
    Entgiftung durch adsorptive Verdrängung, e. Btr. z. Kenntnis d. Ermüdung d. überlebenden Froschherzens u. d. Herzwirkung d. Kampfers, in: Archiv f. experimentelle Pathol. u. Pharmakol. 89, 1921, S. 46–65;
    Über d. Wirkungsmechanismus betäubender Gase, d. Stickoxyduls u. d. Azetylens, ebd. 92, 1922, S. 96–152;
    Pharmakol. Unterss. am Atemzentrum, II. Die Beeinflussung d. narkotisierten oder morphinisierten Atemzentrums durch Lobelin u. zwei weitere Lobelia-Alkoloide, ebd. S. 195–230 (mit R. Mayer);
    Ein neues Betäubungsverfahren, in: Klin. Wschr. 2, 1923, S. 113–17 u. S. 158–62 (mit C. J. Gauss);
    Pharmakol. Unterss. am Atemzentrum, III. Die Wirkung d. Lobelins b. d. Inhalationsnarkose, in: Zs. f. d. gesamte experimentelle Med. 56, 1927, S. 454–69 (mit B. Behrens).

  • Literatur

    |B. Behrens, in: Der Schmerz 2, 1929, S. 83–85 (P);
    P. Diepgen, Unvollendete, Vom Leben u. Wirken frühgestorbener Forscher u. Ärzte aus anderthalb Jhh., 1960, S. 99–102;
    H. Killian, Im Kampf gegen Schmerz, 1979, S. 23–26;
    W. Heubner, in: DBJ XI, S. 328–32 u. Tl.;
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. I;
    Pogg. VI;
    Baden-Württ. Biogrr. V;
    Qu Gen.landesarchiv Karlsruhe;
    Archive d. Univ. Freiburg (Br.) u. d. Univ. Heidelberg.

  • Autor/in

    Alexander Kipnis
  • Zitierweise

    Kipnis, Alexander, "Wieland. David Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 73-74 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1012372448.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA