Wieczisk, Georg

Lebensdaten
1922 – 2011
Geburtsort
Gleiwitz (Oberschlesien)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Sportwissenschaftler ; Sportfunktionär
Konfession
konfessionslos
Namensvarianten

  • Wieczisk, Georg Franz
  • Wieczisk, Georg
  • Wieczisk, Georg Franz

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Zitierweise

Wieczisk, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142305.html [16.01.2026].

CC0

  • Wieczisk, Georg Franz

    | Sportwissenschaftler und -funktionär, * 20.7.1922 Gleiwitz (Oberschlesien), † 27.10.2011 Berlin, ⚰Berlin, Friedhof Berlin-Pankow. (konfessionslos)

  • Genealogie

    Aus oberschles. Arb.fam.;
    V Joseph (1895–1945), Gießer in G.;
    M Rosalie Gnielka (1894–1983), Beiköchin;
    3 Schw Anna Stempel (* 1925), Adelheit Tietze (1927–2012), Therese (Resi) Köhler (* 1930);
    1) Berlin 1950 Helga Wieland (1929–2013), 2) 1974 Ursula Seifert;
    1 S aus 1) Mathias (* 1961), 1 T aus 1) Christine Ackermann (* 1963).

  • Biographie

    W. besuchte seit 1928 die Volksschule in Gleiwitz. Nach der Lehrzeit 1936–39 war er als Schuhschäftemachergeselle tätig, bevor er 1940 zur Kriegsmarine eingezogen wurde (zuletzt Bootsmaat). Im März 1945 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er durch Flucht der Kriegsgefangenschaft entging. Seit Juli 1945 verdingte er sich als Landarbeiter in Sachsen (Kr. Flöha) und trat in die KPD (seit 1946 SED) ein. Jan. bis Juli 1946 war W. als Bergarbeiter in Westfalen tätig; im Sept. ging er nach Berlin, besuchte eine Vorstudienanstalt und legte 1948 das Abitur ab. Im selben Jahr nahm er ein Geschichts- und Sportstudium an der Univ. Berlin auf. Nach dem 1. Staatsexamen 1951 sowie einer Aspirantur an der Humboldt-Univ. und der Dt. Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig 1951–55 wurde er hier 1956 mit der Arbeit „Die Stellung der deutschen Turn- und Sportorganisationen zur faschistischen Diktatur und ihren sportfeindlichen Zielen“ zum Dr. paed. promoviert. Dem als Arbeiterkind geförderten W. wurden – typisch für die DDR-Aufbaugeneration – frühzeitig wichtige Aufgaben übertragen. 1955–59 leitete er die Abteilung Sportwissenschaft beim Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport, bei der er 1960/61 als Stellv. Vorsitzender angestellt war. 1959/60 Direktor und Dozent am Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport der DHfK, wurde er nach seiner Rückkehr nach Berlin 1961 Dozent und Stellv. Direktor am Institut für Körpererziehung der Humboldt-Univ. 1969 erhielt er hier eine Pro|fessur für Theorie, Soziologe und Geschichte der Körperkultur an der neu gegründeten Sektion Sportwissenschaften (em. 1987).

    Seit 1948 engagierte sich W. auch als ehrenamtlicher Sportfunktionär. Er begann als Referent für Hochschulsport beim Dt. Sportausschuß. Nach Gründung des Dt. Leichtathletik-Verbands der DDR wurde er 1958 Vizepräsident und 1959 als Nachfolger von Günter Erbach (1928–2013) Präsident. Mehrmals wiedergewählt, hatte er das Amt bis 1990 inne (Ehrenpräs. d. vereinigten Dt. Leichtathletik-Verbands 1990). 1959/60 fungierte er als Präsident des Wiss. Rats für Körperkultur und Sport. 1961–90 gehörte W. dem Präsidium des Nationalen Olymp. Komitees und 1970–90 dem Präsidium des Dt. Turn- und Sportbunds an. Er war 1970–87 Ratsmitglied der European Athletic Association (Ehrenmitgl. 1987) und 1972–91 der International Amateur Athletic Federation (IAAF, Ehrenmitgl. 1991). Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1983 und 1987 wurde er als Technischer Delegierter der IAAF eingesetzt.

    W. prägte über mehr als drei Jahrzehnte die Entwicklung der Sportwissenschaften und insbesondere der Leichtathletik in der DDR. Seine Verdienste v. a. auf internationalem Gebiet wurden auch nach der dt. Wiedervereinigung anerkannt und gewürdigt. Mitte der 1990er Jahre wurden im „Spiegel“ Vorwürfe gegen ihn erhoben, die v. a. seine internationale Tätigkeit betrafen und ihm eine Beteiligung an verordnetem Doping unterstellten. Da W. als ehrenamtlicher Sportfunktionär aber nicht in staatliche Dopingpraktiken involviert war, ermittelte die Staatsanwaltschaft nicht.

  • Auszeichnungen

    |VVO in Bronze (1966, 1980), Silber (1968, 1972) u. Gold (1988);
    Banner d. Arb. (1970, 1976);
    Verdienter Meister d. Sports (1962);
    Friedrich-Ludwig-Jahn-Medaille (1964);
    Pestalozzi-Medaille (1981);
    Verdienstkreuz d. Rep. Finnland in Silber (1978);
    Olymp. Orden d. IOC (1986).

  • Werke

    |Kurzer Abriß z. Gesch. d. Körperkultur in Dtld. seit 1800, 1952 (Mit-Vf.);
    Bilder u. Dok. aus d. dt. Turn- u. Sportgesch., 1956;
    – mehr als 100 sportwiss. Veröff.

  • Literatur

    |K. Amrhein, Biogr. Hdb. z. Gesch. d. Dt. Leichtathletik 1898–1998, 1998 (2013 als DVD);
    Der Leichtathlet 1972, H. 29, 1982, H. 27 u. 1989, H. 29;
    Leichtathletik 1997, H. 20 u. 1998, H. 51;
    Biogr. Hdb. SBZ/DDR;
    Wer war wer DDR.

  • Autor/in

    Volker Kluge
  • Zitierweise

    Kluge, Volker, "Wieczisk, Georg Franz" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 53-54 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142305.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA