Weyhe, Bernhard Heinrich

Lebensdaten
1702 – 1782
Geburtsort
Osnabrück
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Silberarbeiter ; Goldschmied ; Kunsthandwerker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 132989468 | OGND | VIAF: 28247411
Namensvarianten

  • Weihe, Bernhard Heinrich
  • Weye, Bernhard Heinrich
  • Wey, Bernhard Heinrich
  • Weie, Bernhard Heinrich
  • Weyhe, Bernhard Heinrich
  • Weihe, Bernhard Heinrich
  • Weye, Bernhard Heinrich
  • Wey, Bernhard Heinrich
  • Weie, Bernhard Heinrich
  • Weyhe, Bernhard Heinrich, Dt. Goldschmied

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Zitierweise

Weyhe, Bernhard Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132989468.html [22.02.2026].

CC0

  • Weyhe (Weihe, Weye, Wey, Weie), Bernhard Heinrich

    | Silberarbeiter, Goldschmied, ~ 29.6.1702 Osnabrück, † 9.6.1782 Augsburg, ⚰Augsburg. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Hans Heinrich ( 1] Anna Sara Karel, 1697), aus Minden (?), Eisenkrämer in O. (?);
    M Gertrud Lippmann;
    Augsburg 1735 Maria Christina (um 1713–96), T d. Peter (II) Neuß (1662/63–1729), Goldschmied, Bgm. in A. (s. Seling, Die Kunst d. Augsburger Goldschmiede, s. L, Nr. 1842);
    3 S Philipp Jakob (* 1736), Philipp Christian (* 1743), Bernhard Jakob (1751–1781), legte 1774 d. Meisterprüfung in A. ab, erbte wahrsch. d. Meistergerechtigkeit seines Vaters u. übernahm damit dessen Werkstatt, 3 T Johanna Catharina (* 1737), Maria Magdalena (* 1739), Johanna Jakobina (* 1740);
    Schwägerin Anna Catharina Neuß ( Philipp Jakob [VI] Drentwett, 1686/94–1754, Goldschmied in A., s. Seling, Die Kunst d. Augsburger Goldschmiede, s. L, Nr. 2094).

  • Biographie

    W. absolvierte etwa 1713–19 eine Goldschmiedelehre in seiner Geburtsstadt Osnabrück und ging danach als Geselle auf Wanderschaft. Nach mehreren unbekannten Stationen kam er in die Goldschmiedemetropole Augsburg, wo er ab Ende 1724 oder Anfang 1725 als Geselle in der Werkstatt Philipp Jakob (VI) Drentwetts arbeitete. 1727 ließ sich W. offiziell bei der Augsburger Goldschmiedezunft einschreiben und schuf damit die Voraussetzung für die Erlangung der Meisterrechte und seine endgültige Niederlassung in der Reichsstadt. 1734 unternahm W. gemeinsam mit seinem langjährigen Arbeitgeber Drentwett zwei Anläufe für eine außerordentliche, vor Ablauf der Ersitzjahre angestrebte Zulassung zu den Meisterstücken. Ein dritter Versuch 1735 führte schließlich zum Erfolg, so daß W. im Herbst dieses Jahres seine Meistergerechtigkeit erwerben und sich über seine Heirat zudem in ein Netzwerk angesehener Augsburger Goldschmiedefamilien und Persönlichkeiten integrieren konnte, das seinen Werdegang maßgeblich prägte.

    W.s Schaffenszeit als Goldschmiedemeister umfaßte rund vier Jahrzehnte, in der eine in typologischer wie auch stilistischer Hinsicht erstaunliche Bandbreite an Objekten entstand. Der Schwerpunkt lag auf profanen, häufig besonders kostbaren und repräsentativen Arbeiten.

    Im Frühwerk W.s spielte die Produktion von Silbermöbeln eine besondere Rolle. In Zu|sammenarbeit mit Drentwett fertigte er meist umfangreiche Garnituren. Mit den Meisterzeichen der beiden Goldschmiede versehene Ensembles aus Tisch bzw. Konsolen, Spiegel und Gueridons befinden sich heute in Gera (um 1737–39, Stadtmus. Gera) und Kopenhagen (um 1737–41, Schloß Rosenborg). Im Neuen Schloß in Stuttgart hat sich ein großer Kronleuchter der beiden Meister erhalten (1737), der zu einem mehrteiligen, später u. a. von W. ergänzten Bestand gehört.

    Als die Silbermöbel als prägendes Element höfischer Raumausstattungen an Bedeutung verloren und mit umfangreichen, aufeinander abgestimmten Servicen aus Edelmetall neue hochrangige Aufgaben auf die Goldschmiede zukamen, wurde W. einer der führenden Silberarbeiter Augsburgs im Bereich des Tafelsilbers. Nach Ausweis seiner erhaltenen Werke fertigte er in vielen Fällen die herausragendsten Stücke der Service. Von keinem anderen Augsburger Meister sind so viele prunkvolle Tafelaufsätze mit figürlichem Dekor überliefert. Von diesen kostbaren Stücken haben sich Beispiele in München (Bayer. Nat.mus.) und in Hartford (Wadsworth Atheneum Mus. of Art, Connecticut, USA) erhalten. Im Fall des silbernen Tafelservices des Hildesheimer Fürstbischof Friedrich Wilhelm v. Westphalen (Bayer. Nat.mus.) fertigte W. die drei zentralen Tafelaufsätze samt Zubehör sowie mehrere Prunkterrinen. Von den erhaltenen Werken W.s sind außerdem noch ein vergoldetes Schreibzeug (Residenz München, Schatzkammer) und zwei Tabernakelaltärchen (Staatl. Ermitage, St. Petersburg) aufgrund ihrer aufwendigen und außergewöhnlichen Gestaltung besonders hervorzuheben. Mehrere Arbeiten, aus Sicht des Zeitgenossen Paul v. Stetten (1731–1808) Hauptwerke W.s, fielen wohl späteren Einschmelzungen zum Opfer, u. a. prunkvolle Schwenkkessel für den schwed. Hof und die russ. Zarin, eine Kaffeefontäne für einen span. Auftraggeber und zwei Meßpulte für den Mainzer Erzbischof. Das späteste bekannte, aber nicht erhaltene Werk W.s ist eine Monstranz in der Neumünsterkirche Würzburg (um 1773–75, wohl Kriegsverlust).

    W. war ein Exponent des Rokoko in der Augsburger Goldschmiedekunst. Die Gemeinschaftsarbeiten mit Drentwett aus dem Jahr 1737 (großer Kronleuchter, Neues Schloß Stuttgart; Taufgarnitur d. Barfüßerkirche, Maximilianmus., Augsburg) zählen mit ihren noch großformigen Rocailleornamenten zu den ersten Augsburger Goldschmiedearbeiten dieser Stilepoche. Den Typus der laubenförmigen Tafelaufsätze brachte W. im hohen und späten Rokoko als überragender Meister zu einem Höhepunkt. In den letzten Jahren seines Schaffens machten sich zunehmend klassizistische Einflüsse bemerkbar.

    W.s Werk zeichnet sich durch eine plastische, üppig-voluminöse Formgebung und die ausgeprägte Verwendung figürlicher Dekorelemente und ganzer Figurengruppen aus.

    Immer wieder wandelte er gängige gestalterische Gerätetypen ab und entwickelte auch bei der seriellen Produktion größerer Ensembles eine spielerische Variationsfreude.

    Bei aller Einbindung in die zeitgenössische Augsburger Goldschmiedeproduktion hat er seinem Werk damit einen eigenen, kreativen Stempel aufgedrückt.

    W. bekleidete verschiedene angesehene Ämter in seiner Korporation, der Kirche und den Ratsorganen der Stadt: 1750–52 und 1753–61 gehörte er als Vorgeher bzw. Geschaumeister der Leitung der Augsburger Goldschmiedezunft an. In der ev. Kirche übte er das Amt eines „Ehe-Gerichts-Assessors“ aus. 1772 wurde er in den Kleinen (oder Inneren) Rat der Stadt Augsburg gewählt, der damals obersten Instanz im legislativen Bereich, dem er bis zu seinem Tod angehörte.

  • Werke

    W-Verz.: A. Lünsmann, B. H. W. (s. L);
    dort noch nicht erwähnt: Terrine mit Untersatz, um 1769–71, im Kunsthandel Okt. 2007 (Gal. Neuse, Bremen).

  • Literatur

    |M. Rosenberg, Der Goldschmiede Merkzeichen, I, ³1922;
    H. Seling, Die Kunst d. Augsburger Goldschmiede 1529–1868, 3 Bde., 1980, ²2007, Nr. 2275;
    H. Hoos, Augsburger Silbermöbel, 2 Bde., 1985;
    H. Müller, Das Hildesheimer Tafelservice, Meisterwerke d. Augsburger Goldschmiedekunst, Ausst.kat. Maximilianmus. Augsburg, 1985;
    M. Bencard, Silver Furniture, 1992;
    L. Seelig, Silber u. Gold, Augsburger Goldschmiedekunst f. d. Höfe Europas, hg. v. R. Baumstark u. H. Seling, 2 Bde., Ausst.kat. Nat.mus. München, 1994;
    ders., Die fürstl. Tafel, Das Silberservice d. Hildesheimer Fürstbf. Friedrich Wilhelm v. Westphalen, hg. v. M. Boetzkes u. L. Seelig, Ausst.kat. Roemer-Mus. Hildesheim, 1995;
    A. Lünsmann, B. H. W., Ein Augsburger Goldschmied d. Rokoko, 2007 (Qu, W-Verz.);
    ThB;
    Augsburger Stadtlex.

  • Autor/in

    Anke Lünsmann
  • Zitierweise

    Lünsmann, Anke, "Weyhe (Weihe, Weye, Wey, Weie), Bernhard Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 9-10 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132989468.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA