Lebensdaten
1915 – 1984
Geburtsort
Rendsburg (Holstein)
Sterbeort
Sande (Friesland)
Beruf/Funktion
Ethnologin
Konfession
-
Namensvarianten
  • Westphal-Hellbusch, Sigrid Erna Anna (verheiratete)
  • Hellbusch, Sigrid (geborene)
  • Westphal-Hellbusch, Sigrid (verheiratete)
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Zitierweise

Westphal-Hellbusch, Sigrid (verheiratete), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz141086.html [24.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich Erwin Ludwig Hellbusch (* 1890, ev.), aus Åbo (Turku, Finnland), Architekt in Charlottenburg b. Berlin, S d. Franz Eduard H. (1863–n. 1914), Kaufm. in Insterburg (Ostpr.), u. d. Anna Maria Selma Jenett (1867–n. 1914);
    M Erna Martha Anna (* 1896, ev.), T d. Robert Philippi ( v. 1914), Sattlermeister in Berlin-Reinickendorf, u. d. Anna Schröder ( n. 1914), aus Schmalleningken (Ostpr.);
    Berlin-Steglitz 1953 Heinz Westphal (1912–84), aus Berlin-Schöneberg, Dr. phil., Physiker, Photogr., Dokumentarfilmer, Mitarb. v. W. (s. W, L);
    kinderlos.

  • Biographie

    Nach der Reifeprüfung am I. Oberlyzeum in Berlin-Neukölln 1934 nahm W. 1935 ein Studium der Ethnologie (bei Richard Thurnwald u. Diedrich Westermann) und Anthropologie (bei Eugen Fischer) auf. Nach der Promotion zum Dr. phil. mit einer Dissertation über den|„Einfluß der Jagd auf die Lebensformen der Australier“, 1940 (gedr. 1941) trat sie als Volontärin in das Berliner Museum für Völkerkunde ein. Im März 1945 flüchtete sie nach Bockhorn (Oldenburg) und kehrte 1946 nach Berlin zurück, wo sie sich im selben Jahr (mit einer Arbeit über den Totemismus bei den Buschmännern, 1988 postum publ.) in Ethnologie habilitierte. Bis 1952 war sie in verschiedenen Stellungen in (Ost-)Berlin tätig, zuletzt in der „Kommission für Völkerkunde und Deutsche Volkskunde in der Deutschen Akademie der Wissenschaften“. 1953 folgte sie ihrem Lehrer Thurnwald nach West-Berlin und war bis zu seinem Tod 1954 seine Assistentin, anschließend kommissarische Leiterin des von ihm gegründeten „Instituts für Sozialpsychologie und Ethnologie“ an der Freien Universität. 1964 wurde W. o. Professorin für Ethnologie. Infolge der studentischen Unruhen gab sie 1970 ihr Professur auf und wechselte als Leiterin der auf ihre Person zugeschnittenen neuen Westasien-Abteilung an das Museum für Völkerkunde (Pensionierung 1976).

    Ausgangspunkt der ethnologischen Forschungen des Ehepaares W.-H. waren die wasserbüffelhaltenden, in langgestreckten Tunnelhütten aus Schilf lebenden Ma’dan in den Euphrat- und Tigrissümpfen des südl. Iraq. Nach dortiger Feldforschung 1954 / 55 kristallisierte sich die vermutete Herleitung aus alten Kulturen des Indus-Deltas heraus. Um dies zu klären, unternahmen W. und ihr Mann 1961–69 drei Forschungsaufenthalte bei den Jat-Balutch, insbesondere deren Teilstämmen der Rabari, Bharvad und Charam im Grenzgebiet des heutigen Pakistan und Indien. Hieraus entstanden 1962–76 fünf Bücher, elf Aufsätze und fünf ethnographische Dokumentarfilme. Photographien und Filme sind der Beitrag ihres Mannes Heinz, während die Texte W. zugeschrieben werden.

    Bleibende Ergebnisse ihrer Forschungen zur Ethnologie und Regionalgeschichte sind die Dokumentation der heute vergangenen Kultur der Ma’dan und die Entdeckung ethnographischer Parallelen und verstreuter Hinweise auf kulturhistorische Zusammenhänge mit dem ca. 2500 km entfernten indischen Subkontinent. Diese werden aus der historisch für ca. 850 n. Chr. belegten Deportation indischer Kriegsgefangener in die Euphrat- und Tigrissümpfe erklärt. W. gilt mit ihrer Studie zu Transvestiten (1956) als eine Pionierin der sich entwickelnden kulturwissenschaftlichen Geschlechterforschung.

  • Werke

    Weitere W Die Frauen b. den Aranda, in: Zs. f. Ethnol., 1941, S. 71–87 (Diss.), erneut in: Tier u. Totem, Naturverbundenheit in archaischen Kulturen, hg. v. S. Hellbusch, H. Baumann u. K. Derungs, 1998, S. 115–36;
    Zur Frage d. Mutterrechts, in: Vortrr. d. Tagung f. Völkerkde. an d. Humboldt-Univ. Berlin, 1954, S. 29–44;
    Richard Thurnwald, in: Sociologus NF 4, 1954, S. 6–8;
    Transvestiten b. d. arab. Stämmen, ebd. 6, 1956, S. 126–37, erneut in: Ethnol. Frauenforsch., hg. v. B. Hauser-Schäublin, 1991, S. 176–91;
    Tunnelhütten aus Schilf im Iraq, in: Baessler-Archiv NF 6, 1958, S. 67–80;
    Einige Besonderheiten d. Kleidung der Jat im unteren Sind (Indus-Delta) u. in Kutch, ebd. 13, 1965, S. 402–31;
    Randgruppen im Nahen u. Mittleren Osten, ebd. 28, 1980, S. 1–59;
    Die Ma’dan, Kultur u. Gesch. d. Marschbewohner im Süd-Iraq, 1962 (mit Heinz Westphal);
    The Jat of Pakistan, 1964 (mit dems.);
    Zur Gesch. u. Kultur der Jat, 1968 (mit dems.);
    Hinduist. Viehzüchter im nord-westl. Indien, 2 Bde., 1974–76 (mit dems.);
    Hundert J. Mus. f. Völkerkde. Berlin, Zur Gesch. d. Mus., 1973 (Hg. u. 2 Btrr.) Slgg.: Ethnographica, Photogrr. u. Filme im Ethnol. Mus. Berlin (bis 2000 Mus. f. Völkerkde. Berlin).

  • Literatur

    |K. Krieger, in: Baessler-Archiv NF 32, 1984, S. 213–16 (P);
    J. Broermann u. W. Rudolph, in: Sociologus NF 34, 1984, S. 1;
    G. Dombrowski, in: Zs. f. Ethnol., 111, 1986, S. 1–10;
    B. Beer, Frauen in d. dt.-sprachigen Ethnol., 2007, S. 233–39.

  • Autor/in

    Berthold Riese
  • Zitierweise

    Riese, Berthold, "Westphal-Hellbusch, Sigrid" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 908-909 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz141086.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA