Lebensdaten
1711 bis 1791
Geburtsort
Kleeberg bei Frankfurt/Main
Sterbeort
Madras (Indien)
Beruf/Funktion
evangelischer Missionar ; Sprachforscher
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116370920 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fabricius, Johann Philipp
  • Fabrizius, Johann Philipp
  • Fabricius, Johann Philipp
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Fabrizius, Johann Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116370920.html [22.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Reinhard, hessischer Amtmann.

  • Leben

    F. studierte Jura und Theologie, landete als lutherischer Missionar der Dänisch-Halleschen Mission am 28.8.1740 in Cuddalore (Südindien). Seit 1742 lebte und wirkte er in Madras als Gemeindepastor und Heidenprediger. Die Kämpfe der Kolonialmächte England und Frankreich brachten auch über F. viel Elend. Seine gutmütige Bürgschaftsleistung brachte ihn dreimal ins Gefängnis. F. war eine milde Natur, eisern aber war er in der Treue zum lutherischen Bekenntnis. Seine besondere Begabung zeigte sich in der Beherrschung der dravidischen Tamilsprache. Er schrieb eine tamulische Grammatik. F. war ein charismatisch begabter Übersetzer. Aus seinen Arbeiten ragen hervor seine drei Haupt- und Glanzleistungen: das Tamulisch-Englisch Lexikon (A Malabar and English Dictionary, Madras 1779, 21809) mit 9000 tamulischen Wörtern und vielen idiomatischen Ausdrücken, auf das die heutigen Lexika zurückgehen. Ferner übersetzte er Kirchenlieder in großer Zahl; 1774 erschien sein Gesangbuch. Die Krönung seiner Arbeiten ist die Übersetzung der Bibel (1796), die noch heute (revidiert) als die „Goldene Übersetzung“ in Gebrauch ist.

  • Werke

    Weiteres W The grammar for learning the principles of the Malabar Language, properly called Tamul or Tamulian Language, by the English Missionaries of Madras, 2Wipery 1789 (mit J. Ch. Breithaupt).

  • Literatur

    ADB 48; W. Germann, J. Ph. F., 1865; A. Lehmann, Es begann in Tranquebar, 21956, S. 273-81 (L).

  • Autor/in

    Arno Lehmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Lehmann, Arno, "Fabrizius, Johann Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 740 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116370920.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Fabricius: Johann Philipp F., einer der verdienstvollsten evangelisch-lutherischen Missionare in Ostindien, ist am 22. Januar 1711 zu Kleeberg in der Wetterau als Sohn des dortigen hessen-darmstädtischen Amtmanns geboren. Da die Eltern sich zu den Grundsätzen des Pietismus bekannten, wurde der Knabe mit christlicher Strenge erzogen, doch erlag er öfters, wie er später selbst gestand, den Verführungen sittenloser Gesellschaft. 1728 bezog er die Universität Gießen, um die Rechte zu studiren. Indessen beschäftigte er sich, angeregt durch den von Halle nach Gießen berufenen Theologen und geistlichen Liederdichter Joh. Jakob Rambach, nebenbei auch mit den theologischen Wissenschaften. Nachdem er seine juristischen Studien vollendet hatte, kehrte er im Herbst 1732 nach Kleeberg zurück, um in der Familie seines ältesten|Bruders, der nach dem Tode des Vaters dessen Amt übernommen hatte, als Hauslehrer zu wirken. Die freie Zeit, die ihm diese Thätigkeit ließ, benutzte er, um eine große Zahl theologischer Werke pietistischer Richtung, insbesondere die von Gotthilf August Francke in Halle herausgegebenen Nachrichten über die Thätigkeit der lutherischen Missionare in Ostindien zu durchlesen. Diese Berichte erregten in ihm den dringenden Wnnsch, sich selbst dem Dienste der Mission zu widmen. Er begab sich deshalb im Frühjahr 1736 nach Halle, dem Mittelpunkte der damaligen Missionsbestrebungen, um zunächst seine theologischen Studien zum Abschluß zu bringen. Gotthilf August Francke, der Director des Waisenhauses, sowie die Professoren Michaelis und Knapp begünstigten sein Vorhaben. Da er mittellos war, sah er sich genöthigt, eine Lehrerstelle an der Lateinschule des Waisenhauses anzunehmen. Die Einrichtungen dieser berühmten Anstalt gefielen ihm so wohl, daß er sie später in seinen Schulen im Tamulenlande mehrfach nachahmte. 1738 kamen dringende Bitten von den Missionaren aus Indien, ihnen neue Gehülfen zu senden. Missionar Sartorius in Kuddalur war gestorben, und sein College Geister bedurfte baldigst eines Mitarbeiters. Auch für Trankebar, den Ausgangspunkt des lutherischen Missionswerkes, wurden mindestens zwei junge tüchtige Kräfte verlangt. G. A. Francke erhielt von der dänischen Missionsbehörde wie schon früher, so auch jetzt eine Aufforderung, geeignete Candidaten vorzuschlagen. Er wendete sich an F., und am 11. September 1739 erklärte sich dieser nach reiflicher Ueberlegung bereit, dem Rufe zu folgen. Gemeinsam mit seinem Studiengenossen Zeglin begab er sich nach Kopenhagen, knüpfte hier Bekanntschaft mit den für die Mission maßgebenden Personen an, predigte mit Beifall vor dem dänischen Könige Christian VI., wurde examinirt und ordinirt und dann endgültig mit einem Jahresgehalt von 200 Thalern angestellt und verpflichtet. Nach Erledigung dieser Förmlichkeiten kehrte er nach Halle zurück, ordnete seine Angelegenheiten und reiste dann mit Zeglin nach London, wo ihn der deutsche Hofprediger Ziegenhagen den englischen Missionsfreunden vorstellte.

    Am 28. August 1740 landete er nach glücklich überstandener Seefahrt in Kuddalur, begrüßte daselbst den Missionar Geister und begab sich dann nach Trankebar. Hier fand er die Mission in einem Zustande ruhiger aber hoffnungsvoller Entwicklung. Er begann sofort mit dem Studium der beiden Landessprachen, des Portugiesischen und des Tamulischen, während er das Englische schon in London und auf dem Schiffe ziemlich erlernt hatte. Bereits nach einigen Monaten sing er an, in der tamulischen Schule zu lehren, und nach einem halben Jahre hielt er seine erste tamulische Predigt. Nachdem er sich genügende Sprachfertigkeit angeeignet hatte, wurde ihm von den älteren Brüdern die Missionsarbeit in drei nordwestlich von Trankebar noch im Gebiete der dänischen Compagnie gelegenen Landstreifen übertragen. Doch hatte er in diesem Amte viel Unruhe auszustehen, da die Gegend mehrfach unter den räuberischen Einfällen der Mahratten litt. Im Herbst 1742 begab er sich unter Zustimmung der übrigen Missionare nach Madras, wo früher bereits Bartholomäus Ziegenbalg vorübergehend gewirkt hatte, um hier den schwer kranken Missionar Benjamin Schultze abzulösen, der nach Europa zurückzukehren wünschte. Die Gemeinde in Madras befand sich in einem wenig erfreulichen Zustande, da Schultze theils infolge seiner Krankheit, theils aus Neigung zur Schriftstellerei die Predigt und Seelsorge einigermaßen vernachlässigt hatte. F. lebte sich schnell in seinen neuen Wirkungskreis ein, und seiner treuen Arbeit gelang es bald, eine wesentliche Besserung herbeizuführen. Leider wurde seine Thätigkeit seit 1743 durch den Missionar Geister gestört, der|Kuddalur verlassen hatte und sich als ungebetener Gast in Madras niederließ. Er wünschte, um die Hülfe der englischen Missionsfreunde zu gewinnen, in der Gemeinde zu Madras den englischen Katechismus und verschiedene bisher nicht geübte gottesdienstliche Gebräuche der Hochkirche einzuführen. Da aber F. streng den Standpunkt des unverfälschten Lutherthums vertrat, kam es zwischen Beiden zu langwierigen Streitigkeiten, die erst endigten, als Geister 1746 Madras wieder verließ und sich nach Batavia begab. Noch litt F. unter den Nachwehen dieser Kämpfe, als er durch die Gestaltung der politischen Verhältnisse des Landes in neue Unruhe versetzt wurde. Die von Colbert gegründete französisch-indische Handelscompagnie suchte damals im Wettstreite mit den Engländern festen Fuß in Südindien zu fassen. Der größte Theil dieses Landes war zu jener Zeit dem Nizam von Haidarabad unterthan, dessen Vasall der Nabob von Karmatik oder Arkot war. 1746 landeten französische Truppen unter Dupleix und La Bourdonnais bei Madras. Die meisten eingebornen Christen verließen bei der Annäherung der Feinde die Stadt. F. blieb mit dem Reste der Gemeinde zurück. Die Franzosen belagerten nun die Festung und beschossen sie, bis sie sich ergab. F. wurde als neutraler dänischer Missionar bei der Plünderung verschont und erhielt für sich und seine Gemeinde einen Schutzbrief. Die Franzosen setzten sich in der Stadt fest und besiegten das gegen sie anrückende Heer des Nabob. F. hielt unter vielen Gefahren lange Zeit in der Stadt aus. Erst als die Franzosen, um die Festung besser vertheidigen zu können, den schwarzen Stadttheil mit dem Missionshause zerstörten, zog er nach dem nahe gelegenen holländischen Orte Palleacatta, wo sich der größte Theil seiner Gemeinde wieder um ihn sammelte. Hier blieb er fast drei Jahre hindurch im Exil. Nachdem aber die Franzosen infolge des Aachener Friedens Madras aufgegeben und den Engländern überlassen hatten, begab er sich im September 1749 wieder dorthin.

    Unter großen Schwierigkeiten gelang es ihm allmählich mit Hülfe des neu angekommenen Missionars Breithaupt, der ihm von 1749—82 als treuer Mitarbeiter zur Seite stand, die in der Kriegszeit sehr verwilderte Gemeinde neu zu organisiren. Leider bereitete ihm der neue englische Gouverneur Prince, ein ausgesprochener Gegner der dänischen Mission, anfangs viele Schwierigkeiten, so daß auch die Heiden in ihrem Widerstande ermuthigt wurden. Erst als ihm F. mit freundlichen, aber energischen Vorstellungen entgegentrat, änderte er seine Gesinnung und überwies der Missionsgemeinde 1752 als Ersatz für ihr zerstörtes Versammlungshaus eine leerstehende katholische Kirche nebst einem Begräbnißplatze in dem Vororte Vepery. Unterdessen hatten sich die politischen Verhältnisse keineswegs gebessert. Engländer und Franzosen bekämpften einander nach kurzer Waffenruhe wiederum mit wachsender Erbitterung und hetzten die eingebornen Fürsten wechselseitig auf. Nachdem die Franzosen Madras aufgegeben hatten, schien sich das Glück ihnen wieder zuzuwenden, und sie erfochten eine Reihe von Siegen, bis der berühmte Lord Clive die Leitung des englischen Heeres übernahm. Dieser eroberte 1751 Arkot, befreite Tritschinapalli von einer französischen Belagerungsarmee, nahm diese im Juni 1752 gefangen und wandte sich dann nach Bengalen. Auch Madras wurde von den Kriegswirren wieder mehrfach berührt. F. gerieth in diesen unruhigen Zeiten wiederholt in Lebensgefahr, besonders als er 1754 auf einer Reise nach Trankebar in die Hände französischer Parteigänger fiel. Am höchsten stieg die Noth, als die Franzosen 1758 abermals vor Madras rückten und die Stadt zwei Monate lang, wenn auch vergeblich, belagerten. Wiederum wurde die Missionsgemeinde zerstreut und ihre Kirche verwüstet. Auch in den folgenden Jahren kam F. wenig zur Ruhe. Ansteckende Krankheiten,|Theuerung und Hungersnoth wütheten fast ununterbrochen, mahrattische Räuberbanden machten die Umgegend der Stadt unsicher, und die infolge des langwierigen Krieges allerorten überhandnehmende Sittenlosigkeit erschwerte das Missionswerk. Neue Leidensjahre kamen über die Mission, als sich der Nizam von Haidarabad mit dem tapferen Haider Ali, dem Herrscher von Maissur, gegen die Engländer verband und diese 1769 zu einem schimpflichen Frieden nöthigte. F. entfaltete während aller dieser Kriege eine unermüdliche Thätigkeit. Seiner treuen Sorge ist es zu danken, daß die Missionsgemeinde in Madras nicht völlig unterging. Selbst in der Zeit der französischen Herrschaft hielt er sie so gut als irgend möglich zusammen und vertheidigte sie gegen die Angriffe der mit den Franzosen eingezogenen katholischen Priester. Fast alljährlich gelang es ihm, außer den Heiden auch Katholiken zu bekehren. Selbst ein portugiesischer Dominicaner war unter seinen Katechumenen. Die Heidenpredigt betrieb er, so oft es die politischen Verhältnisse gestatteten, mit großem Eifer, so daß seine Gemeinde allmählich auf 800 Seelen anwuchs. Viele gewann er namentlich durch die Vertheilung eines gedruckten „Briefes an die malabarische Nation“ in tamulischer Sprache, der die Hauptlehren des Christenthums kurz und allgemein verständlich zusammenfaßte. Um auch die wirthschaftliche Lage seiner Gemeindeglieder zu verbessern, ließ er sie im Weben und Mattenflechten unterrichten und verschaffte ihnen dadurch lohnende Beschäftigung.

    Am bedeutsamsten und nachhaltigsten hat F. bis auf den heutigen Tag durch seine umfangreiche litterarische Thätigkeit gewirkt. Auf diesem Gebiete hat er wahrhaft Großes geleistet. Sein Hauptwerk ist eine mustergültige tamulische Bibelübersetzung. Schon Ziegenbalg hatte begonnen, um den neubekehrten farbigen Christen eine sichere Bekenntnißgrundlage zu verschaffen, die Bibel ins Tamulische zu übersetzen. Bei seinem 1719 erfolgten Tode war der Druck des Neuen Testaments abgeschlossen, und der 1. Theil des Alten bis zum Buche der Richter lag druckfertig vor. Sein Nachfolger Benjamin Schultze vollendete das Werk, so daß die ganze Bibel 1728 im Druck erschien. Da Schultze aber ziemlich flüchtig gearbeitet und die Sprache recht unvollkommen beherrscht hatte, machte sich bald eine Revision der Uebersetzung nöthig, an der sich hauptsächlich die Missionare Walther und Pressier betheiligten. Als Probe ihrer Arbeit ließen sie 1739 das Evangelium des Matthäus drucken. Ihre Correcturen beseitigten indeß fast nur die äußerlichen sprachlichen Härten, ließen dagegen viele Sinnfehler stehen und gingen nicht durchgängig auf den Grundtext zurück. Deshalb nahm F., der sowol die Grundsprachen als auch das Tamulische gründlich beherrschte, mitten unter den Kriegswirren die wichtige Sache von neuem in die Hand. Da er mit gewissenhaftester Gründlichkeit arbeitete, wurde aus seiner geplanten Revision bald eine völlig neue originale Uebersetzung, die noch heute in den lutherischen Gemeinden des Tamulenlandes täglich gebraucht wird und sich durch Sinngemäßheit, Deutlichkeit, Kraft, Kürze und Schönheit des Stils vor der älteren auszeichnet. 1750 hatte er das Neue Testament vollendet. Nachdem er es nochmals mit Hülfe eines tamulischen Sprachgelehrten Wort für Wort durchgegangen hatte, begann 1754 in Trankebar der Druck, der infolge mannichfacher Verzögerungen erst 1758 zum Abschluß kam. Eine abermals genau revidirte Ausgabe druckte er selbst in Madras in den Jahren 1766—72. 1756 begann er mit der Uebersetzung des Alten Testaments, das in einzelnen Theilen allmählich vollendet und gedruckt wurde. Außer der Bibel unterzog er auch den von Ziegenbalg übersetzten lutherischen Katechismus einer genauen Revision. Zu besonderem Danke verpflichtete er sich die Missionsgemeinden durch die Uebersetzung|deutscher evangelischer Kirchenlieder ins Portugiesische und Tamulische. Schon Ziegenbalg hatte 1715 ein tamulisches Gesangbuch mit 48 Liedern herausgegeben. Sein Nachfolger Gründler erweiterte es auf 100, Benjamin Schultze auf 212 und Theodosius Walther auf 292 Lieder. Indessen enthielten diese verschiedenen Ausgaben manche minderwerthige, theils geistlose, theils mangelhaft übersetzte Beiträge. Deshalb begann F. seit 1747 ganz selbständig eine Reihe deutscher Kernlieder in beide Landessprachen zu übersetzen, und nachdem sie sich im Gebrauch der eingeborenen Christen bewährt hatten, ließ er 1765 in Vepery ein portugiesisches und 1774 in Madras ein tamulisches Gesangbuch drucken, das noch heute in den Missionsgemeinden in Gebrauch ist. Neben Bibel, Katechismus und Gesangbuch hat er noch eine Reihe anderer theologischer Hauptwerke übersetzt und herausgegeben, so 1765 Arnd's Paradiesgärtlein und 1773 Bogatzky's Schatzkästlein in portugiesischer Sprache. Einen von ihm selbst in polemischer Absicht verfaßten tamulischen „Spiegel des Papstthums“ veröffentlichte er 1774 in Madras. Aus der dortigen Missionspresse gingen auch mehrere von ihm ausgearbeitete asketische Tractate hervor. In den letzten Jahren seines Lebens wollte er noch eine tamulische Predigtsammlung für die eingebornen Katecheten herausgeben, doch hinderte ihn der Tod an der Vollendung dieses Werkes. Neben den genannten theologischen Werken hat er auch mehrere philologische verfaßt, die für die Missionare lange Zeit von großem Nutzen waren. Zuerst erschien 1778 eine malabarische Grammatik, die später von seinem Nachfolger Gericke neu bearbeitet wurde, dann 1779 ein tamulisch-englisches und 1786 ein englisch-tamulisches Wörterbuch, welche eine Hauptgrundlage für alle späteren Arbeiten dieser Art bildeten.

    Gegen Ende seines Lebens gerieth F. nicht ohne eigene Schuld mehrfach in große Bedrängniß. Da in Europa mit der zunehmenden Aufklärung das Interesse für die Heidenbekehrung immer mehr schwand, verminderten sich die freiwilligen Beiträge der Missionsfreunde von Jahr zu Jahr. Weil aber die Kosten für das stetig sich erweiternde Missionswerk eher zu- als abnahmen, kam F., um den Ausfall auf anderweite Art zu decken, auf den unglücklichen Gedanken, die angesammelten Capitalien der Mission, die meist aus milden Stiftungen herrührten und unter seiner Verwaltung standen, sowie verschiedene Geldsummen, die ihm als dem Manne allgemeinsten Vertrauens von Europäern und Eingeborenen zur Aufbewahrung übergeben worden waren, auf eigene Gefahr hin auszuleihen, da der Zinsfuß in Madras infolge der Kriegswirren damals ein ungewöhnlich hoher war. Leider verfuhr er bei seinen Speculationen infolge mangelnder Geschäftsgewandtheit nicht mit genügender Vorsicht. Er gab das Geld an unsichere Schuldner, deren Zahlungsunfähigkeit sich allmählich herausstellte. Da sich nun allgemeines Mißtrauen gegen ihn regte und seine Gläubiger auf Rückgabe ihrer Depots drangen, kam es 1778 zum Concurs, durch den der Mission, abgesehen von dem moralischen Nachtheile, ein Schaden von mehr als 100 000 Thalern erwuchs. F. gerieth durch dieses Unglück in die peinlichste Verlegenheit und verfiel vor Aufregung in ein schweres Fieber. Er wurde von seinem Amte suspendirt und endlich auf Betreiben seiner Gläubiger vorübergehend in Schuldhaft gesetzt. Nachdem er jedoch den ersten Schreck überwunden hatte, ließ er alle Widerwärtigkeiten mit bewunderungswürdigem Gleichmuth über sich ergehen. Im Gefängnis beschäftigte er sich hauptsächlich mit litterarischen Arbeiten. Als 1782 sein treuer College Breithaupt starb, übernahm er selbst wieder die Leitung der Mission und führte sie trotz zunehmender Alters- und Gedächtnißschwäche noch eine Reihe von Jahren hindurch fort. 1788 gerieth er abermals ins Gefängniß|da ein ungetreuer eingeborner Katechet hinter seinem Rücken Kirchengelder verschleudert und die Mission mit Schulden belastet hatte, die F. nicht decken konnte. Er wurde zwar bald wieder freigelassen, sah aber nun ein, daß er sein Amt nicht weiter fortführen könnte und legte es daher im September 1788 in die Hände seines Nachfolgers Gericke nieder. Er wollte nun Madras verlassen, doch kam er 1789 wegen Zahlungsunfähigkeit zum 3. Male ins Gefängniß. Dies Mal mußte er zwei Jahre in Haft bleiben. Nachdem er im Gefängniß das 50jährige Jubiläum als Missionar und dann nach Wiedererlangung der Freiheit seinen 80. Geburtstag gefeiert hatte, starb er einen Tag darauf am 23. Januar 1791 und wurde in der Missionskirche zu Madras begraben.

    • Literatur

      Hallesche Missionsnachrichten: alte Band 4—7, neue Band 1—4. — W. Germann, Johann Philipp Fabricius. Erlangen 1865. — Plitt-Hardeland, Geschichte d. lutherischen Mission 1, 156. Leipzig 1894.

  • Autor/in

    Viktor Hantzsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hantzsch, Viktor, "Fabrizius, Johann Philipp" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 478-483 unter Fabricius [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116370920.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA