Dates of Life
1912 – 1983
Place of birth
Gundelsheim bei Heilbronn
Place of death
Bonn
Occupation
Journalist ; Jurist
Religious Denomination
katholisch
Alternate Names
  • Wenger, Paul Wilhelm
  • Wenger, Wilhelm
  • Wenger, Paul Wilhelm

Relations

Outbound Links from this Person

Genealogical Section (NDB)
Life description (NDB)

The links to other persons were taken from the printed Index of NDB and ADB and additionally extracted by computational analysis and identification. The articles are linked in full-text version where possible. Otherwise the digital image is linked instead.

Places

Map Icons
Marker Geburtsort Place of birth
Marker Wirkungsort Place of activity
Marker Sterbeort Place of death
Marker Begräbnisort Place of interment

Localized places could be overlay each other depending on the zoo m level. In this case the shadow of the symbol is darker and the individual place symbols will fold up by clicking upon. A click on an individual place symbol opens a popup providing a link to search for other references to this place in the database.

Citation

Wenger, Wilhelm, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz140460.html [13.07.2024].

CC0

  • Genealogy

    V Otto (1879–1946), Stadtschultheiß in G.;
    M Ida Dürr (1886–1983);
    3 Geschw;
    Rottenburg 1946 Lieselotte Böhmer (1922–2018);
    2 S Klaus Rudolf (1947–2012, Marie-José Patrix, Dr.), Dr. phil., Hist., Journ., 1995–2012 Geschäftsführer v. ARTE Dtld. (s. Kosch, Lit.-Lex.³), Ulrich Michael (Ulli) (* 1958, Monika N. N.).

  • Biographical Presentation

    W. besuchte Gymnasien in Mosbach, Mergentheim und Rottweil, wo er 1930 das Abitur machte. Im selben Jahr nahm er das Studium der kath. Theologie am Tübinger Konvikt auf; seit 1933 studierte er Rechtswissenschaften und Geschichte an der Univ. Tübingen (Referendarexamen 1937). Nach seiner durch Militär- und Kriegsdienst 1939 / 40 unterbrochenen Ausbildung am Amtsgericht Rottenburg und Tübingen legte er 1941 das Assessorexamen ab und wurde zum weiteren Kriegseinsatz eingezogen (zuletzt Oberlt. d. R.). Nach Kriegsende trat W. 1945 als Landgerichtsrat an einer Strafkammer in Tübingen in den Staatsdienst von Württemberg-Hohenzollern ein. Als er zur Staatsanwaltschaft versetzt werden sollte, schied er aus dem Justizdienst aus und verschrieb sich dem Journalismus. Seit Herbst 1948 war er als Korrespondent und leitender Redakteur bei der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ tätig, zunächst in Koblenz, dann in Bonn. 1946 zählte W. zu den Mitgründern der CDU in Südwürttemberg, erneuerte aber seine Mitgliedschaft später nicht.

    Der überzeugte Föderalist W. begleitete den Werdegang der jungen Bundesrepublik mit leidenschaftlicher Anteilnahme und übte auf die Tagespolitik mit zahllosen Veröffentlichungen und Vorträgen Einfluß aus – nicht zuletzt durch sein Vertrauensverhältnis zu Konrad Adenauer (1876–1967), der Journalisten gegenüber sonst eher kritisch eingestellt war. Wie dieser trat er für die Westbindung, die Europäisierung der Saar und die dt.-franz. Partnerschaft ein. Aufsehen erregte W. 1958 mit seinem als Rede auf dem Parteitag des CDU-Landesverbands Nordbaden vorgetragenen Plan einer entmilitarisierten Zone in Mitteleuropa, in der drei Föderationen, eine westeurop., eine donauländ. und eine preuß.-poln. mit den östlichen Teilen der Bundesrepublik, der DDR und Polen unter einem gemeinsamen Dach gebildet werden sollten. Diese Vision, die er als „geistige Planspiele“ verstand, lief der offiziellen Wiedervereinigungspolitik zuwider und trug ihm aus den Reihen der FDP und SPD den Vorwurf einer landesverräterischen Absicht ein.

    Anfang 1959 setzte sich W. für eine dt.-poln. Versöhnung ein und forderte, durch Proklamation der Freundschaft mit dem poln. Volk eine sozialethische Brücke zu schlagen, ehe man an die Lösung der vielfältigen bilateralen Probleme auf diplomatischem Weg gehe|(Wer gewinnt Dtld.?, Kleinpreuß. Selbstisolierung oder mitteleurop. Föderation, 1959, poln. 1959). Heftig bekämpfte er in den 1970er Jahren die Ostpolitik von SPD und FDP, weil sie – im nationalstaatlichen Denken verharrend – die Vorherrschaft der Sowjetunion über Mittel- und Osteuropa besiegele. Deutschlands Rolle in Europa war und blieb W.s Thema: Noch kurz vor seinem Tod schrieb er, daß nicht ein neuer Nationalismus gefragt sei, „sondern ein wohltemperierter Patriotismus, der an die friedlichen Traditionen unserer älteren Geschichte anknüpft“.

  • Awards

    |Vizepräs. d. Bundes Dt. Föderalisten (seit 1950?);
    – Rr.kreuz d. franz. Ehrenlegion (1966);
    Theodor-Wolff-Preis (1966);
    Bayer. Verdienstorden (1971);
    BVK (1974);
    Gr. BVK (1975);
    Baden-württ. Verdienstmedaille (1977);
    Silbernes Ehrenzeichen d. Rep. Österr. (1978);
    Goldenes Ehrenzeichen d. Stadt Salzburg (1981).

  • Works

    |Geist u. Macht, Versuche e. Entschleierung d. dt. „Idealismus“, 1948;
    Pol., Demokr. in christl. Sicht, 1952;
    Irische Miniaturen, 1957;
    Nochmals Kulturstaats-Apotheose?, in: Neues Abendland 13, 1958, S. 3–14;
    Mitteleuropa, Sein Verhältnis zu Rußland u. d. osteurop. Staaten, 1959 (mit K. Kindermann);
    Dtld. u. Polen, Eine Tragödie intensiver Nichtbeziehungen, in: Dtld.s Außenpol. seit 1955, hg. v. H. Reuther, 1965, S. 238–54;
    Konrad Adenauer, 1967;
    Bonn, 1971 (Merian-Mag.);
    Die Falle, Dt. Ost-, Russ. Westpol., 1971, ²1972;
    Nachlaß: BA Koblenz;
    Archiv f. Christl.-Demokrat. Pol. d. Konrad-Adenauer-Stiftung.

  • Literature

    |Was ich Bismarck z. Vorwurf mache, Ein Spiegel-Gespräch mit P. W. W., in: Der Spiegel 21, 1958, S. 22–31 (P);
    A. Rummel, Ein Schwabe, wie er im Buche steht, in: Christ u. Welt, Rhein. Merkur v. 11. 6. 1982 (P);
    O. B. Roegele, Widerstehen z. rechten Zeit, ebd. v. 9. 12. 1983 (P);
    H. Filbinger, in: Rhein. Lb. 14, 1994, S. 311–28 (P);
    ders., in: Baden-Württ. Biogrr. II, 1999, S. 481–83;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    Munzinger.

  • Author

    Günter Buchstab
  • Citation

    Buchstab, Günter, "Wenger, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 780-781 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz140460.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA