Lebensdaten
1860 – 1927
Geburtsort
Offenbach/Main
Sterbeort
Offenbach/Main
Beruf/Funktion
Fabrikant
Konfession
evangelisch
Namensvarianten
  • Weintraud, Robert Ferdinand August
  • Weintraud, Robert
  • Weintraud, Robert Ferdinand August

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Zitierweise

Weintraud, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz140012.html [21.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Ernst (1833–1908), Lederwarenfabr., 1880 Alleininh. d. Portefeuillewarenfabrik Christian Weintraud jun. in O., 1876 stellv. Vors., 1890 Vors. d. Handelskammer ebd., GKR (s. BJ 13, Tl.), S d. Johann Christian Franz (1809–78), Strumpfwirkermeister, Seidenstrumpf- u. später Lederwarenfabr. in O., u. d. Anna Maria Müller (1813–41), beide aus O.;
    M Elise Sabine (1834–1907, jüd., seit 1841 ev.), T d. Leopold Fulda (1796–1868, jüd., seit 1841 ev.), Dr. med., Arzt in O., u. d. Fanny Maria Lorie (1807–89, jüd., seit 1841 ev.);
    B Franz Otto (1856–1922), Kaufm., Vertr. d. Portefeuillewarenfabrik Christian Weintraud jun. in England, Otto Friedrich Leopold (1865–1919), Dr. iur., RA in Frankfurt/M., JR, Wilhelm (Willy) (1866–1920), Dr. med., Internist, Prof., Dir. d. inneren Abt. d. städt. Krankenhauses Wiesbaden, Sekr. d. dt. Kongresses f. innere Med. (s. Pagel; Fischer; DBJ II, Tl.), Schw Emma Fanny Anna (1858–1917, Wilhelm Georg Ernst Julius Köhler, 1847–1917, Dr. med., Krankenhausdir. in O., Geh. Med.rat);
    Offenbach/ Main 1885 Elisabeth Gustave Louise Ida (1861–1927), aus Vilbel, T d. Hermann Ludwig Karl Friedrich Langsdorf (1827–97), aus Friedberg (Hessen), Oberamtsrichter in O., Rr.kreuz I. Kl. d. Verdienstordens Philipps d. Großmütigen, u. d. Elisabeth Christina Wittwer (1839–1912), aus Bern;
    1 S Hans Hermann Franz Robert (* 1904), Dipl.-Ing., 3 T Anna Mathilde Elisabeth (Else) (1891–1941), Anna Maria Mathilde (Anny) (1893–1929), Johanna Emma Helene (Lilly) (* 1899);
    N Erich (* 1902), Dipl.-Ing., Patentanwalt, Vors. d. AR d. Telefonbau Normalzeit GmbH in Frankfurt/M.

  • Biographie

    W. absolvierte eine kaufmännische Ausbildung. Sein Vater überließ seit 1876 die Leitung seiner „Portefeuillewarenfabrik Christian Weintraud jun.“ in Offenbach zunehmend seinen beiden ältesten Söhnen; 1884 zog er sich völlig aus der Geschäftsführung zurück. Im selben Jahr gründete W. mit seinen Geschäftspartnern Heyne und Aulmann| die Firma „Weintraud & Comp.“, die in den Geschäftsräumen der Firma Christian Weintraud jun. Lederwaren und Metallzubehör für Lederwaren produzierte. Teile des väterlichen Unternehmens, das immer mehr an Bedeutung verlor und schließlich liquidiert wurde, integrierte er in sein eigenes Unternehmen.

    Bald nach ihrer Gründung weitete die Firma Weintraud & Comp. ihr Fabrikationsprogramm auf die Fertigung von Galanteriewaren aus, während W. die Lederwarenproduktion nach und nach aufgab. Als seine Teilhaber um die Jahrhundertwende ausschieden, war W. vorübergehend Alleininhaber. 1909 nahm er den Frankfurter Fabrikanten Julius Herzberger als Teilhaber auf und wandelte das Unternehmen in „Weintraud & Co. GmbH“ um. Herzberger schied bald aus dem Unternehmen aus, neue Gesellschafter wurden die Kaufleute Zeno Vogel und Sally Lorch. Aus dem einstigen Zulieferbetrieb für die Lederwarenindustrie war um die Jahrhundertwende eine Metallwarenfabrik geworden, die Schreibutensilien, Rauchergarnituren, Haushalts- und Toilettenartikel für den gehobenen Konsum herstellte.

    W. erkannte früh das Marktpotential von elektrischen Haushaltsgeräten, damals ein Luxussegment. Seit 1912 ließ er ein elektrisches Bügeleisen entwickeln und nahm wenig später die Fertigung von elektrischen Heiz-, Koch- und Wärmeapparaten, Beleuchtungsgegenständen und Feuerzeugen auf. Im Febr. 1913 beantragte er beim Ksl. Patentamt Warenzeichenschutz für den Markennamen „Rowenta“, ein Akronym seines Vor- und Familiennamens.

    1914 verkaufte W. seine Geschäftsanteile an Vogel und Lorch, schied aus dem Unternehmen aus und lebte bis zu seinem Tod als Privatier. Die „Weintraud & Co. GmbH“ verfolgte, nachdem im 1. Weltkrieg vorübergehend Metallwaren für den militärischen Bedarf produziert worden waren, den von W. eingeschlagenen Kurs weiter und entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einem der führenden Unternehmen für elektrische Haushaltsgeräte mit einer breiten Produktpalette. 1946 in „Rowenta Metallwarenfabrik“ umfirmiert, wurde das Unternehmen, das seinen Zenit in den 1960er und 1970er Jahren mit mehreren Zweigwerken und Vertriebsgesellschaften in Europa erreichte und v. a. elektrische Dampfbügeleisen, Bügelautomaten und Feuerzeuge herstellte, 1970 mit 2100 Mitarbeitern und 90 Mio. DM Umsatz vollständig von der „Sunbeam Corp.“, Chicago, erworben. Nach dem Verkauf 1982 folgten drei Eigentümerwechsel, bis 1988 der franz. SEB-Konzern das Unternehmen kaufte, das 1997 weniger als 800 Mitarbeiter hatte, das Stammwerk in Offenbach schloß und die Produktion, überwiegend Dampfbügeleisen, in Erbach (Odenwald) konzentrierte.

  • Literatur

    |Rowenta Werke GmbH, 100 J. Fortschritt 1884–1984, 1984;
    Gr. europ. Marke, Made in Offenbach, 100 J. Rowenta, in: Offenbacher Wirtsch., 1984, H. 10, S. 212 f.;
    F. Fischer, Das Wirtsch.bürgertum d. Rhein-Main-Gebiets im 19. Jh., in: Wirtsch.bürgertum in d. dt. Staaten im 19. u. beginnenden 20. Jh., hg. v. K. Möckl, 1996, S. 145–219;
    L. R. Braun, Elektrogeräte aus Offenbach sind nur noch Gesch., in: Offenbach-Post, 2003, H. 110, S. 16;
    S. Schmidt, Mit Wasser u. Hitze gegen Falten, Vor 50 J. brachte Rowenta d. erste Dampfbügeleisen auf d. Markt, in: Darmstädter Echo 63, 2007, S. 6;
    Dt.GB 144, 1967.

  • Porträts

    |Photogr. (Fam.bes.).

  • Autor/in

    Ulrich Eisenbach
  • Zitierweise

    Eisenbach, Ulrich, "Weintraud, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 654-655 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz140012.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA