Lebensdaten
erwähnt 1515, gestorben 1552
Sterbeort
Oelsnitz (Vogtland)
Beruf/Funktion
Schulmann ; Musiktheoretiker ; Musikschriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11868292X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fabri, Heinrich
  • Faber, Heinrich
  • Fabri, Heinrich
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Zitierweise

Faber, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868292X.html [19.11.2018].

CC0

  • Leben

    F. begegnet 1515-23 als Altist in Kopenhagen, 1538 als Lehrer der 2. Schule zu Sankt Georg in Naumburg. Sein ganzes Wirken steht im Zeichen der von Wittenberg ausgehenden Schulreform, besonders in Verbindung mit Luthers und Melanchthons Freund N. Medler, damals Pfarrer in Naumburg. Mai 1542 wird F. an der Universität Wittenberg immatrikuliert, wo er 1544 eine Musikvorlesung des Sixt Dietrich gehört haben kann. Februar 1545 promoviert er zum Magister. Als seine Naumburger Wirkungsstätte infolge dauernden Streits mit dem Bischof 1547 aufgehoben wird, geht F. mit Medler nach Braunschweig. Dort verfaßt er 1548 seine musikalischen Lehrschriften, die für das unter Medlers Hilfe neuerrichtete Gymnasium in Hof/Saale bestimmt sind. F. lebt 1549-50 als Rektor der 1. Stadtschule zu Sankt Wenzel wieder in Naumburg, liest 1551 an der Universität Wittenberg Musik und ist zuletzt Rektor in Oelsnitz. – Medlers unter Mitwirkung F.s entstandener „Ratio instituendi“ (Wittenberg 1550, mit Entwurf einer idealen Schulordnung für 8 Klassen) zufolge ist das „Compendiolum musicae“ für Tertia bestimmt. In knapper, katechismusartiger Form (weiter verkürzt in den angehängten „Brevissima rudimenta“) bleibt es bis ins späte 17. Jahrhundert das verbreitetste Elementar-Musiklehrbuch in Deutschland. „Ad musicam practicam introductio“ enthält in zwei Teilen, für Secunda und Prima, eine breite Darlegung der Musiktheorie, wobei in der umfassenden Proportionenlehre des 2. Teils mit vielen Beispielen (vor allem von F., Josquin, H. Isaac und L. Senfl) der Charakter der Ars musica als mathematische Kunstlehre, die jedoch nicht nur als Teil des Quadrivium begriffen wird, sondern zugleich auf das verwirklichte Werk zielt, betont erscheint. Vollends humanistischer Musikanschauung entspricht die Anfügung einer „Musica poetica“. Doch stellt F. auch hier nicht die großen Komponisten seiner Generation, sondern die Meister des Jahrhundertanfangs als Stilmuster auf.

  • Werke

    Schrr.: Compendiolum musicae, Leipzig 1552 u. ö., zuletzt Nürnberg 1618, bearb. v. Ch. Rid, Nürnberg 1572, 21586 (dt.), v. A. Gumpelzhaimer, Augsburg 1591, 131681 (2sprachig), v. J. Colhardt, Leipzig 1605 (dt.), v. M. Vulpius, Jena 1610 u. ö., zuletzt Erfurt 1665; Ad musicam practicam introductio, Nürnberg 1550 u. ö., zuletzt Mühlhausen 1571;
    Musica Poetica (1548, Hs. in Hof, Bibl. d. Jean-Paul-Gymn., Ms.Paed. 3713). – Komp.: 2 4stg. Motetten (Regensburg, Bischöfl. Bibl. Proske, Ms. A. R. 940/941); eine Anzahl liturg. Stücke (Hof, Dekanats-Archiv, Kirchenordnung v. 1592).

  • Literatur

    ADB VI; R. Eitner, Mag. H. F., in: Mhh. f. Musik-Gesch. II, 1870, S. 18-30;
    W. Gurlitt, Der Begriff d. sortisatio in d. dt. Kompositionslehre d. 16. Jh., in: Tijdschrift d. Vereeniging voor Nederl. Muziekgeschiedenis 16, 3, Amsterdam 1942, S. 194-211;
    H. Kätzel, Musikpflege u. Musikerziehung im Ref.jh., dargest. am Beisp. d. Stadt Hof [1954];
    Bernh. Meier u. E. T. Ferand, in: Die MusikF 11, 1958, S. 76 u. 340/41 (e. neue Qu. v. F.s Musica poetica);
    Ch. Stroux, Die Kompositionslehre d. Mag. H. F., phil. Diss. Freiburg/Br. (in Vorbereitung); H. Albrecht, in: MGG III, Sp. 1684-88 (W, L).

  • Autor/in

    Christoph Stroux
  • Empfohlene Zitierweise

    Stroux, Christoph, "Faber, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 720 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868292X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Faber: Heinrich F. Die Musiklitteratur hat bis jetzt meist zwei verschiedene Musikschriftsteller dieses Namens angeführt, die jedoch identisch sind, wie dies schon A. Schmid in C. F. Becker's Musikalischer Litteratur (Nachtrag S. 68) und zuletzt R. Eitner in den Monatsheften für Musikgeschichte (Berlin 1870, Nr. 2) überzeugend nachgewiesen haben. Magister F., geboren zu Lichtenfels in Oberfranken, wurde im J. 1538 als Rector an die neuerrichtete Schule im Kloster St. Georgen vor Naumburg berufen; da dieselbe aber der neuen Lehre Luther's huldigte und von den katholischen Mönchen auf dem Dom arg bedroht wurde, so wandte sich F. durch ein Schreiben an den Kurfürsten von Sachsen Johann Friedrich und bat ihn um seinen Schutz. Das Schreiben trägt das Datum: Naumburg am Freytag nach Kiliani An. 1545 und ist von „Heinr. F., Mag. und Schulmeister auffen Stifft von Naumburg“ unterzeichnet. Damals war Dr. Nicolaus Medler Präceptor und Superintendent des Klosters St. Georgen, welchem wir später als Schutzherrn Faber's wieder begegnen werden. Die Schlacht bei Mühlberg (1547) machte der Schule bei Naumburg ein Ende. Der gefangene Kurfürst wurde nach dem Kloster St. Georgen gebracht und die Gebäude später an die Stadt Naumburg verkauft. Medler suchte nun mit seinem Rector F. Zuflucht in Braunschweig, wo letzterer die drei Söhne seines Gönners unterrichtete. Kurfürst Herzog Moritz, welchem das Land des gefangenen Kurfürsten Johann Friedrich am 24. April 1547 vom Kaiser übergeben worden war, stellte die Ruhe bald wieder her und so sehen wir aus der Dedication zu der „Introductio“ F. 1549 wieder in näherem Verhältnisse zu Naumburg stehen, denn er widmet das Buch den Rathsherren von Naumburg und unterschreibt die Dedication: „Ex nostro Musaeolo Calendis septembris A. 1549.“ Wahrscheinlich lebte er nun wieder in Naumburg, denn von da aus wurde er vom Bischof Julius wegen einiger Spottlieder wider den Papst, welche er mit Melodien versehen hatte, vertrieben und vom Senat zu Oelsnitz aufgenommen, wo ihm die Leitung der dortigen Schule übertragen wurde. Dort starb er am 26. Februar 1552. Während seines Aufenthaltes in Braunschweig gab F. folgendes Werk heraus: „Compendiolum Musicae pro incipientibus, conscriptum ad nunc denuo, cum additione alterius compendioli, recognitum.“ Die Vorrede ist an die drei Söhne des Dr. Nicol. Medler gerichtet und unterzeichnet: „Brunsuigae 4. Cal. Augusti Anno Domini 1548.“ Dieses Schriftchen ist eigentlich nur ein Auszug aus einem erst 1550 in Nürnberg erschienenen größeren Buche. Dasselbe führt den Titel: „Ad Musicam practicam introductio, non modo praecepta, sed exempla quoque, ad usum puerorum accomodata, quam brevissime continens etc. Impiessa Norimbergae in Officina Johannis Montani & Ulrici Neuber.“ F. ist von seinen Zeitgenossen und weit bis ins 17. Jahrh. hinein als Autorität in der Musiktheorie betrachtet worden, denn trotz seines Ablebens bald nach der Veröffentlichung seiner Werke haben dieselben dennoch Auflage auf Auflage erlebt und das „Compendiolum“, eine kleine Abhandlung von nur 16 Duodezblättern, ist immer und immer wieder, sowol für sich selbst, als in deutschen Uebersetzungen oder in Bearbeitungen von späteren berühmten Autoren (wie Vulpius, Gumpelzhaimer u. A.) neu aufgelegt worden, so daß man wol behaupten kann, daß beide Werke als Normallehre der damaligen musikalisch-theoretischen Anschauungen betrachtet werden können. Die „Introductio“ des Meisters enthält außer den Beispielen vom Autor noch solche von Henricus Isacus, Josquin, Petrus Molu und L. Senfl.

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Faber, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 491 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868292X.html#adbcontent

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