Lebensdaten
1867 – 1943
Geburtsort
Schenklengsfeld bei Fulda (Hessen)
Sterbeort
Ghetto Theresienstadt
Beruf/Funktion
Rabbiner
Konfession
jüdisch
Namensvarianten
  • Weinberg, Magnus Menachem
  • Weinberg, Magnus
  • Weinberg, Magnus Menachem

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Zitierweise

Weinberg, Magnus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz139878.html [22.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Hirsch (1832–1905), Kaufm. in Sch., S d. Markus (1791–1856), Kaufm. in Sch., u. d. Merle Oppenheim (um 1800–50);
    M Rosalie (Bertha) (1829–70), T d. Hehle Kuh (1801–84), Kaufm. in Tiefenort, u. d. Jentchen Adler (1799–1884);
    Ur-Gvm N. N. Adler (1764–1842), Rabbiner u. Lehrer in Heidingsfeld;
    9 Geschw u. a. Salomon (1858–1928), Vorsteher u. Ehrenvorsteher d. jüd. Gde. Marktbreit, Vors. d. dortigen Ortsgruppe d. „Central-Ver. dt. Staatsbürger jüd. Glaubens“, Rudolf (1873–1941), Arzt in Bad Orb, Leopold (1874–1941), Volksschullehrer in Delmenhorst, Barchfeld u. Langenselbold, Max (1877–1942 Sobibor), Mitgl. d. Vorsteheramts d. Israeliten in Fulda, Siegfried (* 1880), Volksschullehrer in Gehrden, Wunstorf u. Hannover;
    Würzburg 1898 Judith (1874–1942 Ghetto Theresienstadt), aus Würzburg, T d. Nathan Bamberger (1842–1919), 1880 Bez.rabbiner in Würzburg (s. Biogr. Hdb. Rabbiner II), u. d. Hanna Perlstein (1850–1943), zuletzt in Malmö;
    3 S Seligmann (1900–71, Kaethe Cohn, 1900–91), Arzt, Harry (* 1908, Fanny Kahn, 1913–41 Ghetto Lodz), Lehrer u. Kultusbeamter, Josef (1909–43), 2 T Rosalie (1899–1945 Bergen-Belsen, David Holstein, 1886–1945 Bergen-Belsen, Kinderarzt), Meta ( Willi Strauß, 1898–1941 London, Volksschullehrer);
    Gvv d. Ehefrau Seligmann Bär Bamberger (1807–78), d. „Würzburger Rav“, 1840–78 Distriktsrabbiner in Würzburg, Leiter e. Talmudhochschule ebd., Vf. v. rel. Schrr. (s. Biogr. Hdb. Rabbiner I).

  • Biographie

    W. wuchs in einer orthodoxen Familie in Schenklengsfeld auf. Nach Abschluß des Gymnasiums in Fulda 1887 studierte er bei Selig Auerbach (1840–1901) und Rabbiner Josef Nobel (1839–1917) in Halberstadt, und ging nach einem halben Jahr an das Hildesheimer Rabbinerseminar in Berlin. Gleichzeitig nahm er ein Studium der Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Ethik sowie der chaldä. und syr. Sprache und Literatur an der Univ. Berlin auf. 1892 wurde er bei August Müller (1848–92) in Halle/ Saale mit der Arbeit „Die Geschichte Josefs angeblich verfaßt von Basilius dem Großen aus Cäsarea (…)“ zum Dr. phil. promoviert. 1895 wurde W. als Nachfolger Mayer Löwenmayers (1813–95) Bezirksrabbiner in Sulzbürg (Oberpfalz). 1910 verlegte er seinen Amtssitz nach Neumarkt (Oberpfalz). 1914–18 fungierte er als Rabbiner und Seelsorger für die im oberpfälz. Lager Grafenwöhr internierten jüd. Kriegsgefangenen. 1931–35 amtierte W. als Bezirksrabbiner in Regensburg, wo er in Konflikte mit liberalen Gemeindemitgliedern geriet. Ende 1935 trat er in den Ruhestand und zog mit seiner Frau nach Würzburg. Nach der erzwungenen Emigration des amtierenden Rabbiners Siegmund Hanover (1880–1964) im März 1939 übernahm W. dessen Stelle. W.s Bemühungen um eine Auswanderung nach Palästina schlugen fehl. Am 23. 9. 1942 wurden er und seine Frau nach Theresienstadt deportiert.

    Seit 1900 wandte sich W. der lokalen und regionalen jüd. Geschichte in der Oberpfalz zu. 1903 erschien „Die hebräischen Druckereien in Sulzbach“ (Jb. d. Jüd.-Lit. Ges. 1, 1903, S. 19–202), die erste eingehende Studie zu diesem weit über die Region hinaus wichtigen hebr. Druckort. 1909 veröffentlichte W. die erste von drei Monographien zur Geschichte der Juden in der Oberpfalz, die sich auf den Bezirk Rothenberg konzentrierte. Sie bildet mit den Bänden zum Herzogtum Sulzbach und zu Sulzbürg (beide 1927; geplant waren 5 Bde.) die Grundlage aller weiteren Forschungen zu diesem Thema, zu dem W. zudem noch die Studie „Das erste halbe Jahrhundert der israelitischen Kultusgemeinde Neumarkt Opf., Ein kurzer geschichtlicher Ueberblick“ (1919) verfaßte. Mit seinen „Untersuchungen über das Wesen des Memorbuchs“ (Jb. d. Jüd.-Lit. Ges. 16, 1924, S. 253–320) legte er die erste einer Reihe von Arbeiten über die Seelengedächtnisbücher der jüd. Gemeinden vor, die in dem Werk „Die Memorbücher der jüdischen Gemeinden in Bayern“ (2 Bde., 1937 / 38) kulminierten und W.s Ruf als Koryphäe für dieses liturgisch-literarische Genre bis heute begründeten.

  • Auszeichnungen

    |Leiter d. Archivs d. Hist. Ver. d. Stadt Neumarkt (1920–26);
    – Dr. M. W.-Platz in Neumarkt (Oberpfalz) (seit 2018).

  • Werke

    Weitere W Die Organisation d. jüd. Ortsgemeinden in d. talmud. Zeit, in: Mschr. f. Gesch. u. Wiss. d. Judentums 41, 1897, S. 588–604, 639–60 u. 673–91;
    Eine Ztg.ente aus d. J. 1790 u. ihre Folgen, ebd. 48, 1904, S. 731–50;
    Der Konvertit Friedrich Christian Christhold, ebd. 50, 1906, S. 94–99;
    Die auf Juden bezügl. Akten d. kgl. Bayer. Kr.archives in Arnsberg, in: Mitt. d. Ges.archivs d. dt. Juden 3,1, 1911 / 12, S. 84–141;
    Die Polemik d. Rabbenu Tam gegen Raschi, FS David Hoffmann, 1914, S. 386–420;
    Die Partikel kî n. d. Auslegung d. Talmuds, in: Jb. d. Jüd.-Lit. Ges. 14, 1921, S. 191–207;
    Der Sulzbacher Wandkal. f. d. Schöpfungsj. 5483 (1722 / 23), ebd. 17, 1926, S. 89–94;
    Das Memorbuch v. Hagenbach, ebd. 18, 1927, S. 203–16;
    Das Memorbuch, in: Bayer. Isr. Gde.ztg. 1926, S. 113–20;
    Memorbücher, in: Menorah, Ill. Mschr. f. d. jüd. Fam. 6, 1928, S. 697–708.

  • Literatur

    L E. G. Löwenthal, Bewährung im Untergang, Ein Gedenkbuch, ²1966 (P);
    A. Pomerance, Rabbiner M. W., Chronist jüd. Lebens in d. Oberpfalz, in: M. Brenner u. R. Höpfinger (Hg.), Die Juden in d. Oberpfalz, 2008, S. 139–57 (P);
    Wininger;
    Biogr. Hdb. Rabbiner II (W, L);
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L).

  • Autor/in

    Aubrey Pomerance
  • Zitierweise

    Pomerance, Aubrey, "Weinberg, Magnus" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 627-628 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz139878.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA