Lebensdaten
1913 – 2002
Geburtsort
Neumünster (Holstein)
Sterbeort
Pullach bei München
Beruf/Funktion
Offizier ; Präsident des Bundesnachrichtendienstes
Konfession
-
Namensvarianten
  • Wessel, Alexander Karl Gerhard
  • Wessel, Gerhard
  • Wessel, Alexander Karl Gerhard
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Zitierweise

Wessel, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz139080.html [25.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Alexander (1880–1954), ev. Pfarrer in Weimar, als Mitgl. d. Bekennenden Kirche 1941 im KZ Buchenwald interniert, S d. Alexander Karl Heinrich, ev. Pfarrer in Frankenberg / Eder, u. d. Marie Elisabeth Schlicht (um 1854–1916), aus Windecken b. Hanau;
    M Katharina ( 1880), T d. Karl Jakob Krickau ( 1851), aus Eschwege, Dr., Gymn.prof. in Hofgeismar, u. d. Sophie Regine Schreiber ( 1851);
    Ur-Gvm Friedrich Schlicht ( v. 1916), ref. Pfarrer in Mittelbuchen b. Hanau;
    1940 Johanne Rosmarie ( 1920), aus Leipzig, T d. Kurt Geschwandtner (1892–1953), aus Saarbrücken, Gen.major, u. d. Hilde Keilhauer;
    1 S Thomas (T 1947), 1 T Christa ( 1944, 1969 Michael Naumann, 1941, Journ., Verl., Chefred. u. Mithg. d. „Zeit“, 1999–2009 Staatsmin. f. Kultur u. Medien im Bundeskanzleramt, s. Munzinger, 2] 2005 Marie, Ärztin, T d. Eric M. Warburg, 1900–90, Bankier, s. NDB 27), Marktforscherin.

  • Biographie

    W. besuchte 1920–23 die Volksschule und 1923–32 das Realgymnasium in Weimar (Abitur 1932). 1932 trat er nach einem Semester Jurastudium in Jena als Offiziersanwärter in die Reichswehr ein (1934 Lt., 1937 Oberlt., 1940 Hptm., 1943 Major i. G., 1944 Oberstlt. i. G.). Nach der militärischen Ausbildung 1932– 34 beim Artillerieregiment 5 in Ulm (Inf.schule Dresden 1933 / 34, Artillerieschule Jüterbog) leistete er 1935–39 Dienst in den Artillerieregimentern 41 und 697 als Abteilungs-, seit 1937 als Regimentsadjudant. 1939–41 als 1. Ordonnanz-Offizier in der 68. Infanterie-Division tätig, absolvierte W. bis März 1941 eine dreimonatige Generalstabsausbildung an der Kriegsakademie Berlin, war 1941 / 42 Ic-Offizier (Nachrr.dienst / Korps), 1942–45 Lagebearbeiter-Ia/ Abteilungsleiter (mit d. Wahrnehmung beauftragt) in der Abteilung „Fremde Heere Ost“ (FHO) des Generalstabs des Heeres und Ic-Offizier der Heeresgruppe Weichsel.

    Von Mai 1945 bis März 1946 in US-amerik. Kriegsgefangenschaft, war W. seit April 1946 tätig in der „Organisation Gehlen“, einer von den US-Behörden der Besatzungszone aufgestellten geheimdienstlichen Organisation mit dt. Personal, darunter viele ehemalige Wehrmachtsoffiziere, die von General a. D. Reinhard Gehlen (1902–79) geführt wurde, zunächst den US-Besatzungsstreitkräften in Europa, seit 1949 dem 1947 gegründeten US-Geheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) unterstand und 1956 im Bundesnachrichtendienst (BND) aufging. Zur geheimdienstlichen Tarnung war W. Angestellter diverser Privatfirmen.

    Im Okt. 1952 trat W. als Angestellter (Gutachter) in das „Amt Blank“, Vorgängerinstitution des Bundesverteidigungsministeriums, ein, wo er mit den Verhandlungen zum Projekt einer Europ. Verteidigungsgemeinschaft (EVG) befaßt und ca. drei Jahre in Paris tätig war, u. a. als Chef der Abteilung G-2 (Mil.nachrr.dienst) im Interims-Ausschuß der EVG. Im Nov. 1955 ging er als Freiwilliger im Rang eines Obersten zur neugegründeten Bundeswehr, seit Juni 1956 als Berufssoldat (1958 Brigadegen., 1962 Gen.major, 1965 Gen.lt.).

    Weiterhin tätig im 1955 gegründeten Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), baute W. als Unterabteilungsleiter IV/ S (MAD u. Attachéwesen) den Militärischen Abschirmdienst (MAD) auf. 1957–62 Unterabteilungsleiter im Führungsstab B-II des BMVg und 1962 / 63 Kommandeur der Panzerbrigade 2 in Braunschweig, wurde er nach wenigen Monaten als dt. Militärischer Vertreter im Militärausschuß der NATO 1963–67 nach Washington, 1967 / 68 nach Brüssel entsandt. Seine ungewöhnlich lange und breite Erfahrung im militärischen Nachrichtendienst führte 1968 zu seiner Ernennung zum Nachfolger Gehlens als Präsident des BND. Ende 1978 trat er in den Ruhestand.

    W.s Verdienst war die komplette Umorganisation des BND mit einer durchgängigen Behördenstruktur und vier großen Abteilungen (Beschaffung, Auswertung, Technik, Verwaltung), die über vier Jahrzehnte praktisch unverändert blieb. Damit wurde der BND endgültig in die dt. Behördenstruktur eingegliedert. Zugleich gewann er das Vertrauen der neuen politischen Führung in der Ära Brandt/ Schmidt, nicht zuletzt durch die Aufnahme von SPD-Parteigängern in die BND-Leitungsebene. Beide Veränderungen stießen intern auf heftigen Widerstand, da eine Aufweichung der anti-totalitären Grundsätze der Geheimdienstarbeit sowie der Einstellung gegenüber dem kommunistischen Osten befürchtet wurde. Konservative antikommunistische Kräfte reagierten mit der Gründung eines privaten Nachrichtendienstes. W.s Vorgänger Gehlen führte heftige publizistische Angriffe gegen beide Reformen. W. setzte sich jedoch durch und gilt als Schöpfer des modernen BND, wenngleich die klientelistische Personalpolitik und das schwierige Verhältnis des BND zu den Bonner Regierungsbehörden während der Gehlen-Ära noch lange nachwirkten. Interne Mißstände wurden 1968 durch die vom Kanzleramt eingesetzte sog. Mercker-Kommission untersucht, die Ergebnisse jedoch geheimgehalten, und Konflikte mit der Bundeswehr wegen der Zuständigkeit für die militärische Aufklärung dauerten an. Die parlamentarische Kontrolle des BND wurde erst 1978 gesetzlich verankert.

    In seinem für das neue Selbstverständnis des BND wegweisenden Aufsatz „BND, Der geheime Auslandsnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland“ (in: Btrr. z. Konfliktforsch. 2, 1985, S. 5–23) kritisierte W. technische und strukturelle Probleme des BND, den Mangel an modernen Aufklärungsmitteln (Satelliten), die Einschränkungen durch das Beamtenrecht, die gesetzliche Behinderung von gegenseitiger Amtshilfe der Sicherheitsbehörden und das Fehlen eines von Regierung und Parlament zu kontrollierenden „Koordinators“ im BKA. W. beschrieb gleichzeitig in neuer Offenheit die geheimdienstlichen Methoden zur Beschaffung von Meldungen, die technische Aufklärung, die geheimdienstliche Zusammenarbeit, die Auswertung und Vermittlung der Erkenntnisse an die Bedarfsträger (Regierung, Bundeswehr) und entwarf ein Charakterbild des idealen Nachrichtendienstmitarbeiters. Er forderte mehr Öffentlichkeitsarbeit und eine gewisse Transparenz der Geheimdienste.

  • Auszeichnungen

    A E. K. II (1940);
    Finn. Freiheitskreuz IV. Kl. (1942);
    Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern II. u. I. Kl. (1944);
    BVK I. Kl. (1968);
    jordan. Orden d. Unabhängigkeit I. Kl. (1972).

  • Quellen

    QuNachlaß: BND-Archiv, Berlin.

  • Literatur

    L D. Krüger, G. W. (1913–2002), Der Ziehsohn Gehlens an d. Spitze d. BND, in: ders. u. A. Wagner (Hg.), Konspiration als Beruf, Dt. Geh.dienstchefs im Kalten Krieg, 2003, S. 264–83;
    J. H. Critchfield, Auftrag Pullach, Die Organisation Gehlen 1948–1956, 2005, engl. Orig.ausg. 2003;
    S. Waske, Nach Lektüre vernichten! Der geh. Nachrr.dienst v. CDU u. CSU im Kalten Krieg, 2013;
    J. Dülffer, Geheimdienst in d. Krise, Der BND in d. 1960er J., 2018.

  • Autor/in

    Wolfgang Krieger
  • Zitierweise

    Krieger, Wolfgang, "Wessel, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 27 882-883 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz139080.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA