Lebensdaten
1868 – 1932
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Bankier
Konfession
jüdisch
Namensvarianten
  • Warburg, Paul Moritz
  • Warburg, Paul
  • Warburg, Paul Moritz

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Zitierweise

Warburg, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz139058.html [20.07.2024].

CC0

  • Genealogie

    B Aby (s. 3) , Max (s. 4);
    1893 / 95 Nina Mira (1870–1945), T d. Salomon (Solomon) Loeb (1828 / 29–1903), aus Worms, Kaufm., Bankier, Teilh. d. Bankhauses Kuhn, Loeb u. Co. in Cincinnati u. N. Y., Philanthrop), u. d. Betty Gallenberg ( 1902);
    1 S James Paul (1896–1969), Berater v. Franklin D. Roosevelt, 1 T Bettina (* um 1900);
    Schwager Morris Loeb (1863–1912), Prof. d. Chemie, James Loeb (1867–1933), Mäzen, Kunstsammler (s. NDB 15);
    N Eric M. (s. 6);
    Verwandter Sir Siegmund G. (s. 7).

  • Biographie

    W. absolvierte nach dem Abitur am Realgymnasium 1887 eine Lehre beim Hamburger „Im- und Exporthaus Simon Hauer“ und war als Trainee beim Londoner Bankhaus „Samuel Montagu & Co.“ und bei der Pariser Bank „Russe pour le Commerce Étranger“ tätig. 1891 trat er in das väterliche Bankhaus „M.M. Warburg & Co.“ ein und wurde dort 1895 persönlich haftender Gesellschafter.

    1902 wurde W. in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, verlegte aber im selben Jahr seinen Hauptwohnsitz nach New York. Er trat als persönlich haftender Gesellschafter in das Bankhaus „Kuhn, Loeb & Co.“ ein, gab jedoch seine Teilhaberschaft bei M.M. Warburg nicht auf. 1902 verfaßte er eine erste Denkschrift über die Gründung einer Zentralbank für die USA. Darin bemängelte er das Fehlen eines „lender of last resort“ nach dem Vorbild europ. Zentralbanken, der die Geschäftsbanken im Fall einer Kredit- und Liquiditätskrise durch die Diskontierung von Wechseln mit liquiden Mitteln versorgen konnte. Die Börsenpanik von 1907 und der Beinahe-Zusammenbruch des US-amerik. Bankensystems bestärkten ihn in seiner Auffassung. Am 12. 11. 1907 veröffentlichte er seine Denkschrift „A plan for a modified central bank“ in der New York Times und erhielt in der Öffentlichkeit erhebliche Aufmerksamkeit. Für seinen Zentralbankplan gewann W. die Unterstützung des einflußreichen republikanischen Senators Nelson W. Aldrich. Mit Rücksicht auf den ausgeprägten Föderalismus der amerik. Politik sprach sich W. gegen eine zentralistische und für eine föderal verfaßte Notenbank aus. Im Nov. 1910 erarbeiteten Aldrich, W. und vier weitere Bankiers die Grundlagen für einen Gesetzesentwurf zur Gründung einer Zentralbank (Aldrich Bill).

    W., der erst 1908 die Einbürgerung beantragte, wurde 1911 US-amerik. Staatsbürger und konnte daraufhin den Vorsitz in der „Nationalen Bürgerliga zur Förderung eines gesunden Bankensystems“ übernehmen. 1912 scheiterte der Aldrich Bill an der demokratischen Mehrheit im Kongreß, jedoch übernahm der 1913 verabschiedete Federal Reserve Act (Glass Owen Bill) wesentliche Elemente des Aldrich Bill. Nach der Gründung der „Federal Reserve Bank“ berief Präsident Woodrow Wilson W. gegen erhebliche Widerstände des Senats, die teils in W.s Stellung als Bankier, teils in seiner dt. Herkunft begründet waren, zu einem der sieben Mitglieder des Zentralbankrats. Weil er erst seit kurzem amerik. Staatsbürger war, kam er trotz seiner Verdienste nicht als Vorsitzender der „Federal Reserve Bank“ in Frage. Am 10. 8. 1914 trat er sein neues Amt an und gab dafür seine Stellung als Partner von „Kuhn, Loeb & Co.“ auf. Während des 1. Weltkriegs überbrückte er den Zwiespalt zwischen seinem neuen amerik. Patriotismus und der Anhänglichkeit an seine dt. Heimat mit einer strikt pazifistischen Haltung und geriet damit in Widerspruch zu seinem Förderer Wilson, der ihn dennoch im Aug. 1916 zum Vizepräsidenten des Zentralbankrats ernannte. Angesichts der zunehmenden Angriffe einzelner Senatoren sah sich W. im Mai 1918 gezwungen, dem Präsidenten seinen Rückzug aus dem Zentralbankrat anzubieten. Im Aug. 1918 gab Wilson der feindlichen Stimmung nach und entließ W. aus seinem Amt.

    1919 gründete W. mit Vertretern zahlreicher Banken das „American Acceptance Council“, um die Diskontierung von Finanzwechseln im US-amerik. Bankensystem zu fördern, und übernahm den Vorsitz, ebenso wie 1921 bei dem Investmentbankhaus „International Acceptance Bank“ in New York. 1930 verfaßte er ein zweibändiges Werk über die Entstehung und die Entwicklung des US-amerik. Zentralbanksystems, um die Behauptung zu entkräften, daß der von ihm mitverfaßte Gesetzesentwurf keine Ähnlichkeit mit dem Federal Reserve Act gehabt habe.

  • Auszeichnungen

    |Mitgründer u. Vorstandsmitgl. d. Council on Foreign Relations (1921–32);
    Gründer d. Carl Schurz Memorial Foundation (1930).

  • Werke

    |Defects and Needs of Our Banking System, in: New York Times Annual Financial Review v. 6. 1. 1907;
    A Modified Central Bank of Issue, A Suggestion of a Bill, 1908;
    American and European Banking Methods and Bank Legislation compared, in: The Currency Problem and the Present Financial Situation, A Series of Addresses Delivered at Columbia Univ., 1908, S. 121–51;
    The English Banking System, 1910 (mit H. Withers u. I. Palgrave);
    The Discount System in Europe, 1910;
    The Federal Reserve System, Its Origin and its Growth, 2 Bde., 1930.

  • Literatur

    |R. Chernow, Die Warburgs, Odyssee e. Fam., 1994;
    H. Hesse, Personenlex. d. Wirtsch.gesch., ²2009;
    B. Roeck, Die Warburgs, in: Dt. Familien, hg. v. V. Reinhardt, 2010, S. 275–306 (P).

  • Zitierweise

    Kopper, Christopher, "Warburg, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 426-427 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz139058.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA