Lebensdaten
erwähnt 18. – 20. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Waffenproduzenten
Konfession
evangelisch
Namensvarianten
  • Walther
  • Walter

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Zitierweise

Walther, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz138798.html [20.05.2024].

CC0

  • Biographie

    Johann Georg ist erstmalig 1740 in Rudolstadt (Thür.) urkundlich erwähnt. Sein Sohn, der Justizangestellte Johann Christian Friedrich (1764–1824), heiratete 1790 Johanna Auguste Barbara Urlauber und übersiedelte 1800 nach Creuzburg/ Werra. Dessen Sohn Heinrich Bernhard (* 1801) arbeitete seit 1823 in Zella St. Blasii (Thür.) als Gerichtsboten-Meister und heiratete 1825 Marie Henriette Bodenschatz, Tochter eines ortsansässigen Waffenherstellers. Ihr zweiter SohnAugust Theodor Albert (1827–1903) erlernte das Handwerk der Gelb- und Weißgießerei zur Herstellung von Beschlägen und Garniturteilen und arbeitete nach der vierjährigen Lehre für drei Jahre in einer Metallgießerei in Schmalkalden. 1848 wanderte er mit seiner Familie in die USA aus, kehrte aber nach zwei Jahren nach Schmalkalden zurück. 1858 heiratete er Rosalia Wilhelmine Amalia Pistor (1835–89), Enkelin des Waffenfabrikanten Gustav Wilhelm Pistor, und zog nach Zella St. Blasii in ein Wohnhaus mit angegliederter Werkstatt.

    Mit dem Erstgeborenen der drei Söhne, Carl (1858–1915), setzt die Firmengeschichte ein. Dieser begann 1873 eine dreijährige Lehre als Büchsenmacher in der Waffenfabrik Willibald Barthelmes, wo er anschließend vier Jahre arbeitete. Nach der Ableistung seines dreijährigen Wehrdienstes wechselte er für zwei Jahre als Gehilfe zu dem Büchsenmacher Albin Schneider, dann in den mechanischen Betrieb Andreas Jopp in Mehlis (heute Zella-Mehlis, Thür.), wo hauptsächlich Büchsen mit dem innovativen und bis heute praktisch unveränderten Mauser-Verschlußsystem gefertigt wurden. Im Herbst 1886 machte Carl sich selbständig und richtete in Zella St. Blasii eine Werkstatt ein, die schnell expandierte. 1888 heiratete er Minna Georgine Pickert (1864–1935), Tochter des Revolver-Fabrikanten Christian Friedrich Pickert aus Großfahner bei Gotha. Von den fünf Söhnen aus dieser Ehe absolvierte der älteste Sohn Fritz August (1889–1966) bei seinem Vater eine Lehre als Büchsenmacher und arbeitete danach in der Berliner Firma „Ludwig Loewe & Cie“ (seit 1896 DWM, Dt. Waffen- u. Munitionsfabriken) als Werkzeugmacher, wo er dem ebenfalls dort beschäftigten österr. Waffentechniker und Erfinder Georg Johann Luger (1849–1923), einem Pionier auf dem Gebiet der Selbstladepistolen, begegnete. Auch zwei weitere Söhne Carls, Georg Carl (* 1890) und Willy Alfred (1891–1914), setzten die väterliche Handwerkstradition fort, Erich Hans (* 1895) wurde Kaufmann, Carl Lothar (* 1899) Werkzeugmacher.

    Zunächst stellte der Betrieb Carls nur Scheibenbüchsen (Sportgewehre) mit dem Martini-Verschlußsystem her, später folgten Waffen mit dem fortschrittlicheren Aydt-System. 1908 beschäftigte die Firma 15 Mitarbeiter und begann mit der industriellen Produktion. Bis zum Kriegsbeginn 1914 wuchs die Belegschaft auf 75 Mitarbeiter. Mit dem seit 1908 entwickelten neuen Pistolentyp „Modell 1“ (Patent „Rückstoßlader mit feststehendem Lauf“, Nr. 235994 v. 22. 6. 1911, Kaliber 6,35 mm x 15,5 Browning) begann die Serienproduktion von halbautomatischen Faustfeuerwaffen. 1909 folgte das „Modell 2“ (Patent „Ladeanzeiger f. Rückstoßlader“, Nr. 271863 v. 8. 1. 1913; Kaliber 6,35 mm Browning), 1910 die Modelle „3“ und „4“ (Kal. 7,65 mm x 17 Browning), letzteres wurde ein Verkaufserfolg. 1915 siedelte die Firma auf ein größeres Areal um, 1917 hatte das Unternehmen für die Kriegsproduktion 500 Mitarbeiter. Hergestellt wurden selbstentwickelte Waffen und Teile für Fremdwaffen.

    Nach Carls Tod 1915 lag die Firmenleitung bei den drei ältesten Söhnen, wobei Fritz die Gesamtverantwortung übernahm. Da die Zivilwaffenherstellung nie völlig aufgegeben wurde, brachte das Kriegsende der Firma große, aber nicht existenzbedrohende Einbußen, die Belegschaft sank auf 350 Beschäftigte. Als Ausgleich wurden Fahrradteile, Getriebe und Freiläufe, seit 1924 auf dem Weltmarkt erfolgreiche Rechen- und Addiermaschinen produziert. 1920 kam die Taschenpistole „Modell 8“ auf den Markt, kurz darauf das „Modell 9“ sowie eine halbautomatische Flinte. Der Aufbau der Reichswehr führte seit 1926 wieder zu militärischen Großaufträgen (Patent „Signal-/ Leuchtpistole SL/ SLD“, Nr. 506011 v. 22. 12. 1926).

    1929 gelang mit der revolutionären, halbautomatischen Spannabzugspistole „Walther PP“ (Polizeipistole, Kaliber 7,65 mm x 17 Browning, Prototyp-Patent Nr. 390298 v. 16. 2. 1924) und 1931 mit der „PPK“ (Polizeipistole Kriminal) der große Erfolg. Erst seit 1972 wurden die Waffen (Spitzname „Waltherchen“) ausgemustert. Die Figur des Filmagenten „James Bond“ führte die PPK als Dienstwaffe und machte sie weltberühmt. 1932 und 1936 errangen Sportschützen mit W.-Pistolen olympisches Edelmetall. Seit 1933 wurden die NS-Organisationen, u. a. NSKK, NSFK, HJ, SA und SS, mit W.-Pistolen ausgestattet.

    Nach PP und PPK folgte mit der seit 1935 entwickelten Dienstpistole „P.38“ für die Wehrmacht (Kaliber 9 mm x 19 Parabellum, Patent 1424224 v. 9. 12. 1937) der nächste große Verkaufserfolg. Bis Kriegsende wurden ca. 1,2 Mio. Pistolen dieses Typs hergestellt, davon ca. 583000 bei W. selbst. Wegen des hohen Bedarfs der Wehrmacht und Waffen-SS wurde die Waffe auf behördliche Anordnung auch bei den größten Konkurrenten, den „Mauser-Werken“ in Oberndorf/ Neckar und den „Berlin-Karlsruher Industrie Werken“ (BERKA), seit 1938 „Metallwarenfabrik Spreewerk“, produziert. Daneben beteiligte sich die Firma W. mit Mauser und der „C. G. Haenel Waffen- und Fahrradfabrik Suhl“ an der Entwicklung und Fertigung der halbautomatischen Selbstladegewehre „G 41“ und „G 43“ (Kaliber 7,92 mm x 57), des „Sturmgewehrs 44“ (Kaliber 7,92 mm x 33) sowie des „Volkssturm[repetier]gewehrs VG 1“ (Kaliber 7,92 mm x 57). Die Kapazität des Betriebs erreichte Anfang 1945 ihren Höhepunkt, die Belegschaft wuchs von 2000 (1939) auf ca. 2500 Beschäftigte, darunter zunehmend Ungelernte, Zwangsarbeiter und Häftlinge des KZ Neuengamme. Fritz war seit 1931 Mitglied der NSDAP.

    Im April 1945 erfolgte die Übergabe der unbeschädigten Fabrik an die US-Armee, im Juli 1945 übernahm die Rote Armee die Anlagen, demontierte sie und sprengte die Gebäude. Die Familie W. wurde im Mai 1945 in ein amerik. Internierungslager gebracht und übersiedelte nach der Entlassung im Sommer desselben Jahres nach Bissingen-Oblohn (bei Heidenheim/ Brenz), wo Fritz, im Entnazifizierungsverfahren 1948 als „Mitläufer“ eingestuft, noch 1945 die Herstellung von Kurbel-Rechenmaschinen aufnahm; Büromaschinen wurden bis Mitte der 1970er Jahre produziert. 1950 wurde die Firma als OHG nach Ulm verlegt, 1951 begann die Produktion eines von Fritz konstruierten Druckluftgewehrs als Übungs-Sportwaffe. 1952 wurden von der franz. Firma „Manurhin“ gefertigte PP und PPK geliefert und mit der Firma „Hämmerli AG“ (Schweiz) ein Abkommen zur Fertigung der Sportpistole „Olympia“ (Kaliber 22 l.r. / .22 kurz) geschlossen. Seit 1953 (200 Beschäftigte) entstanden diese Waffen in Eigenfertigung. W.-Pistolen wurden sukzessive bei der Polizei aller westdt. Bundesländer eingeführt. Einen weiteren Schub brachte die Bewaffnung der Bundeswehr mit der „P1“ als Standardpistole, die praktisch unverändert bis 2004 produziert wurde. Die Maschinenpistolen „MPk“ und „MPl“ (9 x 19 mm Para) wurden in 27000 Stück nach Mexiko, Chile und Venezuela exportiert; 1985 gab das Unternehmen diesen Geschäftsbereich auf. Die sehr erfolgreiche Sportwaffenfabrik firmierte als „Carl Walther GmbH“.

    Nach Fritz’ Tod 1966 übernahm sein Sohn Karl-Heinz (1923–83) als Familiengesellschafter die Firmenleitung. 1980 wurden mit ca. 400 Mitarbeitern ca. 80 000 Waffen hergestellt, davon 48 % Dienstwaffen, wovon ca. 45 % exportiert wurden, v. a. nach Europa und in die USA. Seit 1972 litt die Firma unter den Folgen der weltweiten Rezession, der Verschärfung des bundesdt. Waffengesetzes sowie mit Beginn der 1980er Jahre unter zunehmendem Konkurrenzdruck und dem Verlust der Marktführerschaft im Behördenwaffen-Sektor. 1983 hatte die Firma 402 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 33 Mio. DM, jedoch kaum Gewinn. Nach dem Tod von Karl-Heinz 1983 blieb mit dessen Neffen Hans Fahr die Firmenleitung bis 1988 in der Familie. 1993 wurde das Unternehmen von der Firma „Umarex GmbH & Co KG“ in Arnsberg übernommen. Neben Verteidigungswaffen werden heute an den Produktionsstandorten Ulm und Arnsberg hauptsächlich sehr erfolgreiche Sportwaffen hergestellt, mit der „P99“ (Kaliber 9 mm x 19 Para) auch wieder Dienstwaffen. 1998 wurde ein Kooperationsvertrag mit der US-Firma „Smith & Wesson“ geschlossen, 1999 eine gemeinsame Vertriebsfirma gegründet und in den Folgejahren weitere Lizenzverträge geschlossen. 2013 wurde die „Walther Arms USA“ in Fort Smith gegründet.

  • Literatur

    |G. Wirnsberger, W.-Waffen, Ulm/ Donau, in: Dt. Waffen-Journ. 5, 1980, S. 592–600;
    J. Rankin u. Ch. Reinhart, W.-Pistolen 1908 bis 1983, 1995;
    D. Schiller u. A. Skrobanek, Zella-Mehlis, Ulm u. d. Rest d. Welt, in: Visier 1, 2006, S. 7–16;
    M. Kersten u. a., W., Eine dt. Erfolgsgesch., 2 Bde., 2012 (P);
    KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hg.), KZ Neuengamme, Gesch., Nachgesch., Erinnerung, Ausst.kat., Bd. II, 2014;
    Qu Archiv d. KZ-Gedenkstätte Neuengamme;
    StA Ludwigsburg, Spruchkammerakten;
    Mus. u. Internetseiten d. Carl Walther GmbH.

  • Autor/in

    Thomas Müller
  • Zitierweise

    Müller, Thomas, "Walther" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 367-369 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz138798.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA