Lebensdaten
1850 bis 1918
Geburtsort
Cleeberg (Taunus)
Sterbeort
Marburg/Lahn
Beruf/Funktion
Anglist ; Romanist ; Fachdidaktiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118804499 | OGND | VIAF: 52485907
Namensvarianten
  • Viëtor, Carl Adolf Theodor Wilhelm
  • Quousque Tandem (Pseudonym)
  • Viëtor, William
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Zitierweise

Viëtor, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118804499.html [25.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus hess. u. nassau. Gelehrten-, Theologen- u. Beamtenfam., d. auf Theodor (1560/67–1644/45), Rektor in Lich, Mag., 1595 Prof. d. griech. Sprache in Marburg, 1615 u. 1619 Rektor (s. Strieder; L’Europe des Humanistes, 1995), zurückgeht;
    V Wilhelm (1801–80), ev. Pfarrer, 1851–59 Schulinsp. in Kirburg, S d. Johann Karl Adam (1756–1831), Pfarrer in Frücht;
    M Eva Siebenhaar (1821–92);
    Urur-Gvv Johann Peter (1670–1754), Schultheiß in Idstein;
    Ur-Gvv Johann Wilhelm (1710–67), Pfarrer in Frücht;
    1886 Karoline (Lina) Hoffmann (1860–1929);
    4 S u. a. Ludwig (1889–1973), Dr. iur., Jur., Walter (1892–1957), Dr. habil., Oberstud.rat, Geol., Paläontol.

  • Leben

    V. besuchte die Ortsschule in Kirburg und erhielt anschließend Privatunterricht an Gymnasien in Wiesbaden (1864–66) und Weilburg (1866–69). Nach dem Abitur studierte er seit 1869 auf Wunsch des Vaters ev. Theologie in Leipzig, wechselte jedoch 1870 zum Philologiestudium nach Berlin und ging 1871 an die Univ. Marburg, wo er 1875 das Staatsexamen ablegte und von dem Romanisten Edmund Stengel (1845–1935) mit einer Arbeit über „Die Handschriften der Geste des Lohérains“ (gedr. 1876) zum Dr. phil. promoviert wurde. V. betrieb neben neuphilologischen auch Sanskritstudien, in Berlin bei Albrecht Weber (1825–1901) und in Marburg bei Ferdinand Justi (1837–1907). 1872–81 war er als Lehrer tätig: am Cranford College Maidenhead und an der Lodge School in Middleton Lodge (bis Herbst 1873), als Hauslehrer in Wiesbaden, an der Höheren Mädchenschule Essen (1875/76), an der Realschule I. Ordnung in Düsseldorf (1876–78) und an der Höheren Bürgerschule in Wiesbaden (1878–81). 1881/82 leitete er die Garniersche Erziehungsanstalt in Friedrichsdorf (Taunus) und war 1882/83 Lecturer in German am Univ. College in Liverpool. 1884 wurde V. ohne Habilitation zum ersten ao. Professor für engl. Philologie an der Univ. Marburg ernannt, im Juli 1894 zum persönlichen o. Professor und 1909 zum ersten o. Professor für engl. Philologie in Marburg berufen (1894–1901 Mitdir. d. Roman.-engl. Seminars, 1894/95 Rektor,|1901–18 Dir. d. engl. Seminars, 1904/05 Dekan).

    V.s Bedeutung für die fachdidaktische Reform des neusprachlichen Unterrichts, mit dem er aus langjähriger Schulpraxis vertraut war, liegt in der Abkehr vom altphilologisch schriftbasierten Modell des humanistischen Sprachenstudiums und in der Hinwendung zur Wirklichkeit der gesprochenen Sprache mit dem Ziel, die Sprechkompetenz zu fördern. Unter dem Titel „Der Sprachunterricht muß umkehren!“ (1882, 2 1886) veröffentlichte V. pseudonym eine auch bildungspolitisch brisante Streitschrift, deren Ideen in der von ihm 1887/88 begründeten Zeitschrift „Phonetische Studien“ (seit 1893 „Die Neueren Sprachen“) wissenschaftliche Früchte trugen, insofern sie die Anerkennung der theoretischen und praktischen Phonetik förderten und einen Sprachunterricht durchzusetzen halfen, der die situative Kommunikationslogik beachtet.

    Im größeren Zusammenhang verfolgte V. in der Fremdsprachendidaktik eine sprachphysiologische, d. h. die Stimmartikulation berücksichtigende phonetische Tendenz, die sich auch bei Wilhelm Scherer (1841–86), Henry Sweet (1845–1912) und dem Junggrammatiker Hermann Paul (1846–1921) findet. Neben Eduard Sievers (1850–1932) war V. der wichtigste dt.sprachige Vertreter der Phonetik zu Beginn des 20. Jh. und förderte, anders als Sievers, maßgeblich die Durchsetzung der sich international etablierenden Lautschrift der „Association Phonétique Internationale“ auch in Deutschland. Wie kaum ein anderer Vertreter seiner Zunft war der z. T. auf Englisch lehrende V. darum bemüht, die Fachdidaktik in die Philologie zu integrieren. Zu seinen Schülern zählen Friedrich Brie (1880–1948), Ernst A. Meyer (1873– 1953), Gustav Plessow (1886–1953) und Laura Soames (1840–95). In der internationalen Fremdsprachendidaktik beanspruchen V.s Grundsätze bis heute Gültigkeit.

  • Auszeichnungen

    A Gründer u. Mitgl. d. Dt. Orthogr.-Reform-Ver. (1880, Ver. 1886 aufgelöst); Mitgl. d. Ak.-Neuphilol. Ver. zu Marburg (später Marburger Burschenschaft Rheinfranken) (1884); Geh. Reg.rat (1916); Ehrenmitgl. d. Modern Language Association of Great Britain and Ireland (1918 niedergelegt); Vors. u. Ehrenmitgl. d. Association phonétique internat. (1918 niedergelegt).

  • Werke

    Weitere W Die Rheinfränk. Umgangssprache in u. um Nassau, 1875;
    Die Aussprache d. in d. Wörterverz. f. d. dt. Rechtschreibung z. Gebrauch in d. preuß. Schulen enthaltenen Wörter, 1885;
    Die Aussprache d. Schriftdeutschen, 1885;
    Engl. Lesebuch, 1887 (mit F. Dörr);
    Einf. in d. Stud. d. Engl. Philol., 1887;
    Elemente d. Phonetik u. Orthoepie d. Deutschen, Englischen u. Französischen mit Rücksicht auf d. Bedürfnisse d. Lehrpraxis, 1884;
    Dt. Lesebuch in Lautschr., 2 Bde., 1899/1902;
    Die Methodik d. neusprachl. Unterr., 1902;
    A Shakespeare Phonology (…), 1906;
    Das Ende d. Schulreform, 1911;
    Dt. Aussprachewb., 1912, 3 1921 besorgt v. E. A. Meyer, Nachdr. 2011;
    Hg.: King Lear, 1892;
    Le bone Florence of Rome, 1893;
    Die northumbr. Runensteine, 1895;
    Das angelsächs. Runenkästchen aus Auzon b. Clermont-Ferrand, 1901;
    Marburger Stud. z. Engl. Philol. 1–13, 1901–11;
    Bibliogr.: H. Stoelke, in: Engl. Stud. 53, 1919/20, S. 343–51;
    M. Arnim, in: Internat. Personalbibliogr. 1850–1935, 1936, S. 509; – Nachlaß: Univ. of Liverpool, Ms. Dept., Liverpool; Hess. StA Marburg; Univ. Marburg, Informationszentrum f. Fremdsprachenforsch.

  • Literatur

    L F. Dörr, in: Die Neueren Sprachen 26, 1919, S. 289–312 (P);
    A. Schröer, W. V.s fachwiss. Bedeutung, ebd., S. 385–95;
    K. Schröder, Quousque Tandem in Memoriam, ebd. 81, 1982, S. 115–48;
    ders., 100 J. Fremdsprachendidaktik, ebd. 93, 1994, S. 6–44, bes. S. 7–23;
    ders. (Hg.), Der Sprachunterr. muß umkehren, Ein Pamphlet aus d. 19. Jh. neu gelesen, 1984;
    R. Brotanek, in: Jb. d. Dt. Shakespeare-Ges. 55, 1919, S. 136–40;
    Martin-Luther-Univ. HalleWittenberg (Hg.), Internat. Konf., W. V.s Streitschr. „Der Sprachunterr. muß umkehren“ u. kommunikativ orientierter Fremdsprachenunterr. heute, 1982, S. 7–16;
    J. B. Walmsley, Quousque Tandem, W. V.s „Language Instruction Must Do an About-Face“, in: The Modern Language Journ. 68, 1984, H. 1, S. 37–44;
    Lb. Kurhessen;
    Nassau. Biogr.;
    Kosch, Lit.-Lex. (W, L);
    Internat. Germanistenlex. (W, L);
    Lex. grammaticorum; – zur Fam.: Wilhelm Viëtor, Der Stammbaum d. später in Nassau wohnhaften Fam. V. aus Lich in Hessen, Ms. Halle/Saale 1885.

  • Autor/in

    Alexander Nebrig
  • Empfohlene Zitierweise

    Nebrig, Alexander, "Viëtor, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 803-804 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118804499.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA