Lebensdaten
1859 bis 1944
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Ingenieur ; Unternehmer
Konfession
-
Normdaten
GND: 1143987780 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Vielmetter, Johannes Philipp
  • Vielmetter, Johann
  • Vielmetter, Johannes Philipp
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Zitierweise

Vielmetter, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1143987780.html [12.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Gottfried, aus Ober-Seemen (Wetterau), Butterhändler;
    M Friederike Wiesenburg;
    ⚭ Johanna Elisabeth Berthold (* 1857);
    1 S Richard (1885–1921, 1] Margarete Paula Hohl, 2] N. N. Illgen);
    E Liselotte (1912–n. 1979, Dieter v. Bandemer, 1901–74, auf Kuckow, Kaufm.), Joachim (⚭ Rita-Maria Kirschbaum, Dr. iur., RA, Richterin am Asylger.hof in Wien);
    Ur-E Jens-Diether v. Bandemer (* 1936, ⚭ Carola Tewaag, * 1943, T d. Carl Otto Tewaag, Dr. iur., RA, Bankdir.), Dr., Volkswirt, kaufmänn. Geschäftsführer v. Knorr-Bremse KG, schloß sich 1985 d. „Gemeinschaft z. Förderung d. Heimholungswerkes Jesu Christi“ in Würzburg an.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Oberrealschule in Frankfurt/M. absolvierte V. eine kaufmännische Lehre. Seit den 1880er Jahren war er in Bad Homburg, seit 1899 in Zürich als Kaufmann tätig. 1907 trat er als teilhabender kaufmännischer Direktor in die Geschäftsführung der zwei Jahre zuvor von Georg Knorr (1859– 1911) gegründeten „Knorr-Bremse GmbH“ in Berlin ein. Das auf die Entwicklung von Druckluftbremsen bei Eisenbahnen spezialisierte Unternehmen expandierte in den Folgejahren stark. 1910 erwarb Knorr-Bremse die Mehrheit der konkurrierenden „Kontinentalen Bremsen GmbH“, 1911 fusionierten die beiden Firmen zur „Knorr-Bremse AG“. Als der Firmengründer kurz darauf starb, kaufte V. die Stammanteile der Witwe und der Tochter und hielt damit ein Viertel des Aktienkapitals.

    Während des 1. Weltkriegs wandelte sich das Unternehmen zum modernen Großbetrieb, der 1918 mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigte. Mit der Einführung der Kunze-KnorrGüterzugbremse, benannt nach dem an der Entwicklung beteiligten Bremsspezialisten im preuß. Eisenbahn-Zentralamt, Bruno Kunze (1854–1935), im dt. Eisenbahnverkehr seit|1918 baute V. den Vorsprung weiter aus. Für die Belieferung der bayer. Eisenbahnen übernahm Knorr-Bremse 1920 die „Bayerische Motorenwerke AG“ in München, die mit dem alliierten Verbot des Flugmotorenbaus nach dem 1. Weltkrieg stillgelegt worden war. Als neues Tochterunternehmen firmierte sie seit 1922 unter der Bezeichnung „Süddeutsche Bremsen AG“ (Südbremse), ihre Motorenabteilung verkaufte V. 1922 unter dem ursprünglichen Firmennamen an Camillo Castiglioni (1879–1957) zurück. 1920 gründete V. einen nach ihm benannten Ruhegehalts- und Unterstützungsfonds für die Mitarbeiter.

    Nach 1918 baute V. das Unternehmen zu einem Konzern mit Fertigungsverbund aus. Um die Belieferung mit qualitativ hochwertigen Druckluftschläuchen und Dichtungsmaterial zu sichern, beteiligte sich die KnorrBremse an der „Norddeutschen Gummiwarenfabrik E. Kübler & Co“ in Berlin und erwarb wegen des Bedarfs an technischem Leder Anteile der Lederwarenfabrik „Ernst Luckhaus SAG“ in Brandoberndorf bei Wetzlar. 1921 wurde die Berliner Werkzeugmaschinenfabrik „Carl Hasse & Wrede GmbH“ angegliedert. 1925 begann die Kooperation mit den „Eisen- und Stahlwerken Walter Peyinghaus“ in Volmarstein/Ruhr, die 1938 vollständig mit der Unternehmensgruppe verschmolzen. Über die Südbremse kam 1926 die „Motoren-Werke Mannheim AG“ (MWM) zum Konzern. Mitte der 1920er Jahre hatte sich die Knorr-Bremse zur größten Bremsenfabrik Europas entwickelt. V. erwarb die Aktienmehrheit und hielt 1926 als geschäftsführender Eigentümer rund 80 % der Anteile. Unter seiner Führung erweiterte die KnorrBremse ihre Produktpalette. Als erstes Unternehmen in Europa baute sie seit 1922 auch Druckluftbremsen für Nutzfahrzeuge wie Omnibusse und Lastwagen. Neue Maßstäbe setzte die Hik-Bremse (Hildebrand-Knorr-Bremse), an deren Entwicklung der technische Vorstand Wilhelm Hildebrand (1869–1943) mit einem Team von Fachleuten seit 1927 arbeitete. Diese Einkammerbremse für Schnell-, Personen- und Güterzüge sowie Triebwagen erhielt 1931 die internationale Zulassung. Erster ausländischer Kunde war, wie schon bei der Vorgängerbremse, die schwed. Staatsbahn; Bestellungen aus anderen Ländern wie Argentinien, Brasilien, Schweiz, Türkei und Ungarn folgten. Mit Kriegsausbruch 1939 konzentrierte sich das Geschäft auf besetzte oder neutrale europ. Staaten. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Knorr-Bremse und ihre Tochtergesellschaften insgesamt 20 000 Beschäftigte. Im Lauf des Kriegs wurden auch ausländische Arbeitskräfte, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt, sie stellten 1943 im Berliner Stammwerk rund 42% der Gesamtbelegschaft. V., der 1937 der NSDAP beigetreten war, stand wegen seines Alters und der Anforderungen der Kriegswirtschaft zunehmend unter Druck und mußte am 15. 9. 1943 sein Amt als Vorstandsvorsitzender niederlegen; wenige Monate später starb er.

    V. war auch ehrenamtlich engagiert: 1927 wurde er Vizepräsident der IHK Berlin, wo er sich für die dortige Handelshochschule einsetzte und dafür einen Sponsorenkreis ins Leben rief. Außerdem gehörte er dem Präsidium des 1909 gegründeten wirtschaftsliberalen Hansa-Bundes in Berlin an.

    Nach Kriegsende erfolgte die völlige Demontage des Berliner Werks der „Knorr-Bremse AG“. Die Fabrikation in Westdeutschland verteilte sich auf die dortigen Konzernunternehmen, Hauptproduktionsstätte für die Knorr-Bremse wurde die „Süddeutsche Bremsen AG“ in München. 1985 verschmolzen die beiden Unternehmen zur Knorr-Bremse. Jens v. Bandemer, ein Urenkel V.s, verkaufte die Mehrheit der Gesellschaftsanteile an Heinz Hermann Thiele (* 1941), der schrittweise alleiniger Eigentümer der Knorr-Bremse wurde. Heute zählt das Unternehmen zu den weltweit führenden Herstellern von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge.

  • Auszeichnungen

    A Dr.-Ing. h. c. (TH Karlsruhe 1922); Dr. rer. pol. h. c. (Heidelberg 1925); Goldene Medaille d. IHK Berlin (1932); Ehrenbürger d. Handelshochschule Berlin.

  • Literatur

    L F. L. Neher, Fünfzig J. Knorr-Bremse, 1955;
    M. Barthel, Kraft u. Sicherheit, 75 J. Knorr-Bremse 1905–1980, 1980;
    M. Pohl, Sicherheit auf Schiene u. Straße, Die Gesch. d. Knorr-Bremse AG, 2005;
    Ch. Pierer, Die Bayer. Motoren Werke bis 1933, 2011, S. 71–74 u. 94 f.;
    Wenzel;
    Rhdb. (P); Qu Archiv d. Knorr-Bremse AG, München.

  • Autor/in

    Eva Moser
  • Empfohlene Zitierweise

    Moser, Eva, "Vielmetter, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 793-794 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1143987780.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA