Lebensdaten
1914 - 1997
Geburtsort
Bali (Kamerun)
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118626922 | OGND | VIAF: 119162476
Namensvarianten
  • Vielhauer, Philipp Adam Christoph
  • Vielhauer, Philipp
  • Vielhauer, Philipp Adam Christoph
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Zitierweise

Vielhauer, Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118626922.html [14.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (1880–1959), Missionar (Basler Mission) in Kamerun, Bibelübers., Pfarrer d. bad. Landeskirche, Dr. theol. h. c. Heidelberg 1933, BVK 1956 (s. L), S d Philipp (1849–1908), Landwirt, Bgm. v. Eppingen, u. d. Emma Veronika Gebhard (1856–1929);
    M Maria Stober ( 1926);
    Heidelberg 1954 Ingeborg (Inge) Pfeiffer (1920–93), aus Heidelberg, Dr. phil., Romanistin; kinderlos.

  • Leben

    Als Kind eines Missionarsehepaars wuchs V. mit seinem Bruder zeitweise bei mennonitischen Pflegeeltern auf einem Hofgut in der Nähe von Karlsruhe-Durlach auf. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Durlach studierte er seit 1934 ev. Theologie in Basel und Marburg. Während seiner praktisch-theologischen Ausbildung in Heidelberg verfaßte er bei Martin Dibelius (1883– 1947) eine Arbeit über den Oikodome-Begriff, mit der er 1939 zum Dr. theol. promoviert wurde (gedr. 1940). Bereits als Student hatte er sich der Bekennenden Kirche angeschlossen und verweigerte jetzt den „Revers“ (Loyalitätserklärung gegenüber NS-Staat und Reichskirche), so daß er trotz bestandener Examina und Ordination durch seinen Vater nicht von der bad. Landeskirche zum kirchlichen Dienst zugelassen wurde. V. arbeitete stattdessen im Pfarrvertretungsdienst der württ. Landeskirche, wurde 1941 zur Wehrmacht eingezogen und kehrte 1943 mit einer schweren Kopfverletzung aus Rußland zurück, die ihm zeitlebens zu schaffen machte. 1947–50 engagierte er sich beim Wiederaufbau der Göttinger Theol. Fakultät und habilitierte sich dort 1950 mit einer ungedruckten Arbeit über die Vorstellung vom eschatologischen „Vorläufer“. V. wirkte seit 1950 als Vertreter, seit 1951 als o. Professor für Neues Testament an der Univ. Bonn (Dekan 1956/57, 1966/67; geschäftsführender Seminardir. 1952–61).

    Von seinen wichtigsten Lehrern – Rudolf Bultmann (1884–1976) und Dibelius – übernahm V. den unauflöslichen Zusammenhang von theologischem Verstehen und historisch-kritischer Exegese des Neuen Testaments, von Kerygmatheologie und religions-, (älterer) form(en)- und gattungsgeschichtlicher Methode. Dieser Zusammenhang prägte auch V.s|nach „Gattungen“ geordnetes Hauptwerk „Geschichte der urchristlichen Literatur, Einleitung in das Neue Testament, die Apokryphen und die Apostolischen Väter“ (1975, durchgesehener Nachdr. 1978, span. 1991), dessen Darstellungsinteresse sich von mündlich geprägten Überlieferungsstücken bis zu außerkanonischen Schriften erstreckt. Daneben bildete die frühjüd. und urchristliche Apokalyptik einen weiteren Forschungsschwerpunkt V.s. Besondere Erwähnung verdient V.s Aufsatz „Zum ‚Paulinismus‘ der Apostelgeschichte“, in dem V. 1950/51 in höchst einflußreicher Weise (Übergang zur Redaktionsgeschichte) die Differenzen zwischen der eschatologischen Theologie des Paulus und den „frühkath.“ Tendenzen des lukanischen Doppelwerks herausstellte.

    V. gehört zu jenen Schülern Bultmanns, die ihre Unabhängigkeit gegenüber ihrem Lehrer bewahrten, was sich auch an seinen eigenständigen Beiträgen zur Wissenschaftsgeschichte (Franz Overbeck) und an seiner Offenheit für literatursoziologische Ansätze zeigte. Zu V.s wichtigsten Schülern zählen Klaus Wengst (* 1942) und Gerd Theißen (* 1943).

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Studiorum Novi Testamenti Societas (seit 1954); Dr. theol. h. c. (Göttingen 1954).

  • Werke

    W Zum „Paulinismus“ d. Apostelgesch., in: Ev. Theol. 10, 1950/51, S. 1–15, Neudr. in: Aufss. z. NT, 1965, S. 9–27, engl. Übers. in: The Perkins School of Theol. Journ. 17, 1963, S. 5–17, Neudrr. in: Studies in Luke-Acts, hg. v. L. E. Keck u. J. L. Martyn, 1966, S. 33–50, u. in: The Writings of St. Paul, hg. v. W. A. Meeks, 1972, S. 166–75;
    Rudolf Bultmann, Die Gesch. d. synopt. ZUG, Erg.h., 1958 ( 41971 u. 51979 mit G. Theißen);
    Aufss. z. NT, 1965;
    Oikodome, Aufss. z. NT, Bd. 2, hg. v. G. Klein, 1979 (darin: unveränderter Neudr. d. Diss. v. 1939, Bibliogr. u. Reg. z. beiden Aufs.bdn.);
    Judenchristl. Evangelien, in: Neutestamentl. Apokryphen in dt. Übers. I, hg. v. W. Schneemelcher, 61990, S. 114–47 (mit G. Strecker);
    Apokalypsen u. Verwandtes, Einl., ebd. II, hg. v. W. Schneemelcher, 61997, S. 491–515 (mit G. Strecker);
    Apokalyptik d. Urchristentums, Einl., ebd., S. 516–47 (mit G. Strecker); Nachlaß: Univ.- u. Landesbibl. Bonn; Briefe v. u. an V. in d. Nachlässen v. Ernst Wolf (BA Koblenz) u. Rudolf Bultmann (Univ.bibl. Tübingen).

  • Literatur

    L W. Schrage u. W. Schneemelcher, In Memoriam P. V., Reden, gehalten am 21. Juni 1978 b. d. Gedenkfeier d. Univ. Bonn, 1978 (P, W);
    D. Nestle, NT elementar, 1980 (darin: tabellar. Übersicht über d. Inhalt v. V.s „Gesch. d. urchristl. Lit.“, S. 167–72);
    D. Hellholm (Hg.), Apocalypticism in the Mediterranean World and the Near East. Proceedings of the Internat. Colloquium on Apocalypticism Uppsala, August 12–17, 1979, 1983 (P);
    A. Yarbro Collins, Art. Aretalogie, in: RGG4, Bd. 1, 1998, Sp. 719 f.;
    E.-M. Becker (Hg.), Neutestamentl. Wiss., Autobiograph. Essays aus d. Ev. Theol., 2003;
    R. Hochschild, in: C. Breytenbach u. R. Hoppe (Hg.), Neutestamentl. Wiss. n. 1945, Hauptvertr. d. dt.sprach. Exegese in d. Darst. ihrer Schüler, 2008, S. 447–60 (P);
    H. Faulenbach, Die Ev.-Theol. Fak. Bonn, Sechs J.zehnte aus ihrer Gesch. seit 1945, 2009;
    J. Seim, Erinnerung an P. V., in: Mhh. f. ev. KGesch. d. Rheinlandes 61, 2012, S. 139–56; BBKL XII (W, L
    , Nachtrag z. Bibliogr.);
    LThK3;
    RGG4;
    zu Adolf: J. N. Dah, Missionary Motivations and Methods, A Critical Examination of the Basel Mission in Cameroon 1886–1914, Diss. Basel 1983, S. 188–204 (bes. S. 301–03 Anm. 10);
    M. G. Fohtung, Self-Portrait of a Cameroonian, in: Paideuma, Mitt. z. Kulturkde. 38, 1992, S. 219–48, hier S. 222 f. u. 243.

  • Autor/in

    Günter Röhser
  • Empfohlene Zitierweise

    Röhser, Günter, "Vielhauer, Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 792-793 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118626922.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA