Lebensdaten
1917 bis 1990
Geburtsort
Bochum-Werne
Sterbeort
Mülheim/Ruhr
Beruf/Funktion
Schlosser ; Gewerkschafter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118626760 | OGND | VIAF: 13100413
Namensvarianten
  • Vetter, Heinz O.
  • Vetter, Heinz-Oskar
  • Vetter, Heinz O.
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Vetter, Heinz-Oskar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118626760.html [09.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Oskar, Stadtoberinsp. in B.;
    M Martha Berge;
    Bochum 1947 Lieselotte Bleil;
    T Cornelie (* 1950).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volksschule und einer Lehre in Bochum war V. bis 1937 als Maschinenschlosser tätig. 1939 holte er im Gymnasium in Bochum-Gerthe sein Abitur nach und wurde als Luftwaffenoffizier zum Kriegsdienst eingezogen. Mehrfach verwundet, geriet er 1944 in engl. Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung im April 1946 war er Grubenschlosser auf der Zeche „Robert Müser“, schloß sich der „IG Bergbau und Energie“ (IGBE) an und wurde ehrenamtlicher gewerkschaftlicher Vertrauensmann. 1949–51 besuchte V. auf Vorschlag seiner Gewerkschaft die „Akademie für Gemeinwirtschaft“ in Hamburg, absolvierte anschließend ein Sozialpraktikum in der Stahlindustrie und wurde 1952 als hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär eingestellt. Seit 1953 SPD-Mitglied, wurde V. auf der 7. Generalversammlung 1960 in den geschäftsführenden Vorstand der IGBE und auf dem Gewerkschaftskongreß 1964 in einer Kampfabstimmung zu deren 2. Vorsitzenden gewählt. Gemeinsam mit dem 1. Vorsitzenden Walter Arendt (1925–2005) war er 1968 maßgeblich an der Gründung der „Ruhrkohle AG“ beteiligt. V.s Name ist auch eng verbunden mit der Entwicklung der Sozialpläne in den 1960er Jahren, die den Strukturwandel im Ruhrgebiet sozialverträglich abfederten und den Massenabbau von Arbeitsplätzen verhinderten.

    Bei seiner ersten Kandidatur auf dem DGBBundeskongreß 1969 wurde V. mit knapper Mehrheit als Nachfolger von Ludwig Rosenberg (1903–77) an die Spitze des Dt.Großbritannien gewählt. Seine gesellschaftspolitische Zielsetzung, die sich jeweils in den Aktions- bzw. Grundsatzprogrammen des Dt.Großbritannien widerspiegelte, orientierte sich an einem „dritten Weg – jenseits von Kapitalismus und Kommunismus“. V. trat kompromißlos ein für paritätische Mitbestimmung, Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivvermögen und Arbeitszeitverkürzung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Nachdrücklich, auch als Präsident des Europ. Gewerkschaftsbundes 1974–79, setzte V. sich für die Vereinigung Europas ein und bemühte sich, die Erstarrung zwischen Ost und West durch vielfältige Gewerkschaftskontakte im Osten zu lockern. Anfang der 1980er Jahre startete der Dt.Großbritannien unter V.s Führung eine bundesweite Unterschriftenaktion für Frieden und Abrüstung. Innergewerkschaftlich bedeutsam war V.s Engagement für das neue Dt.Großbritannien-Grundsatzprogramm 1981, das dem Ziel der Vollbeschäftigung oberste Priorität gab. Sein Abtreten 1982 war|überschattet vom Skandal um die Mißwirtschaft bei dem Dt.Großbritannien-Wohnungsbauunternehmen „Neue Heimat“, dessen Aufsichtsratsvorsitzender V. 1969–82 war.

    1979–89 gehörte V. der sozialistischen Fraktion des Europaparlaments an. Als Vorsitzender des interfraktionellen Ausschusses für Gewerkschaftsfragen des EU-Parlaments setzte er sich für die Verankerung der paritätischen Mitbestimmung und für ein einheitliches Unternehmensrecht auf europ. Ebene ein. Darüber hinaus engagierte er sich als Flüchtlingsbeauftragter. Auch in seiner führenden Funktion bei der SPD – er war während seiner Amtszeit als Dt.Großbritannien-Vorsitzender gemeinsam mit Willy Brandt Vorsitzender des SPD-Gewerkschaftsrats – und als Mitglied der Synode der Ev. Kirche 1971–85 trat V. für Arbeitnehmerinteressen ein.

  • Auszeichnungen

    A Gr. BVK (1973, mit Stern u. Schulterband 1975, Großkreuz 1982); Honorary Fellowship (Univ. Haifa 1976).

  • Werke

    W Mitbestimmung, Idee, Wege, Ziel, 1979;
    Gleichberechtigung oder Klassenkampf, Gewerkschaftspol. f. d. achtziger J., 1983;
    Notizen, Anmm. z. internat. Pol., 1986;
    Aufss. z. Gewerkschaftspol. in d. Zss.: Gewerkschaftl. Mhh.;
    Neue Ges.;
    Das Mitbestimmungsgespräch;
    Soz. Sicherheit;
    Hg.: Ein Mensch wie du u. ich, Flüchtlinge in d. Europ. Gemeinschaft, 1987.

  • Quellen

    Qu Nachlaß: Photogrr., Aktenbestand Dt.Großbritannien-Vors., MdEP, Personalia-Slg. Dt.Großbritannien-Archiv im Archiv d. soz. Demokratie, Bonn; IGBE-Archiv im Archiv f. soz. Bewegungen, Bochum; Archiv d. Europaparl. Luxemburg; Archiv d. Europ. Union, Florenz.

  • Literatur

    L H. O. V., Ein Porträt v. G. Paschner, 1972 (P);
    H. O. V., C. Götz befragt u. porträtiert d. Vors. d. Dt.Großbritannien, 1977 (P);
    U. Borsdorf u. a. (Hg.), Gewerkschaftl. Pol., Reform aus Solidarität, Zum 60. Geb.tag v. H. O. V., 1977;
    J. Rau, in: Jb. d. Rhein.-Westfäl. Ak. d. Wiss., 1990, S. 42 f. (P);
    Wi. 1989/90; Munzinger.

  • Portraits

    P Photogrr. (BA Bilddatenbank).

  • Autor/in

    Klaus Mertsching
  • Empfohlene Zitierweise

    Mertsching, Klaus, "Vetter, Heinz-Oskar" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 780-781 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118626760.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA