Lebensdaten
1939 bis 2013
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Tänzerin ; Tanzpädagogin ; Ballettdirektorin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 12108681X | OGND | VIAF: 54994999
Namensvarianten
  • Herzfeld, Konstanze (geborene)
  • Vernon-Hoffmann, Konstanze (verheiratete)
  • Vernon, Konstanze (verheiratete)
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Vernon, Konstanze (verheiratete), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12108681X.html [30.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Karl (1897–1967), Kapellmeister, Musikkritiker u. -schriftst., 1918/19 Korrepetitor an d. Staatsoper in Dresden, 1919–21 koordinierter Kapellmeister am Landestheater in Altenburg, 1921–24 Chordir. u. Erster Kapellmeister in Aachen u. 1924–30 in Freiburg (Br.), danach Mitarb. u. 1939–42/43 Chefred. d. Allg. Musikztg. in B., 1940–43 Pressechef d. Berliner Philharmon. Orchesters, nach brit. Kriegsgefangenschaft seit 1945 (?) wieder in B., Red. b. Verlag „Volk u. Wissen“, 1951–60 Musik- u. Theaterkritiker d. „Berliner Morgenpost“, Korrespondent in- u. ausländ. Druckmedien, Hg. d. „Lex. d. Musik“ (1957) (s. Dt. Musiker-Lex., 1929; Kürschners biogr. Theater-Hdb., 1956; Wi. 1967; MGG), S d. Walther Herzfeld (1864–1923), Arzt in Dresden, u. d. Katharina Herrmann (1874–1952);
    M Thea (1904–1978), aus Frauenfeld (Kt. Thurgau), Koloratursoubrette, T d. Konstantin Eckstein, Gastwirt in Freiburg (Br.), u. d. Marie N. N.;
    B Wolfgang Herzfeld (* 1937), Geiger, 1963–2002 1. Violinist b. d. Berliner Philharmonikern;
    Schliersee 1968 Fred (Alfred G.) Hoffmann (1929–2008), aus Eisleben, 1965–80 Filmproduzent, 1978 Mitgründer u. bis zu seinem Tod geschäftsführender Vorstand d. Heinz-Bosl-Stiftung in M.; kinderlos.

  • Leben

    Fasziniert vom Ballett in einer Aufführung der „Undine“ von Albert Lortzing, wurde V. als Sechsjährige Schülerin der aus Rußland nach Berlin übersiedelten Choreographin Tatjana Gsovsky (1901–93). Ein Stipendium der Stadt Berlin ermöglichte ihr 1954 die Abrundung ihrer Ausbildung bei Nora Kiss (1908–93) und Serge Peretti (1910–97) in Paris. Noch im selben Jahr wurde sie in die von ihrem Vorbild Gsovsky geleitete Kompanie der Berliner Städt. Oper (spätere Deutsche Oper) aufgenommen und 1956 zur jüngsten Solistin des Ensembles befördert. Seit Beginn dieses Engagements nannte sie sich im Rückgriff auf den in der franz.-schweizer. Familie der Mutter vorkommenden Namen Vernon. Ihre erste Rolle war die Tänzerin in „Capriccio“ von Richard Strauss. 1963 von Ballettdirektor Heinz Rosen (eigtl. Heinz Levi Rosenthal, 1908–72) als erste Solistin an die Bayer. Staatsoper in München geholt, avancierte sie hier mit Heinz Bosl (1946–75) bald zum Traumpaar. V. tanzte nahezu alle bedeutenden Rollen des klassischen und modernen Repertoires, darunter 1964 erstmals die Titelrolle in „Giselle“ (Adolphe Adam; seit 1974 in einer legendären Neuinszenierung v. Peter Wright) und Aurora in „Dornröschen“ (Peter Tschaikowski), 1968 Julia in „Romeo und Julia“ (Sergej Prokofjew) und 1970 Odette/Odile in „Schwanensee“ (Peter Tschaikowski), die letzteren beiden choreographiert von John Cranko. Zu ihren größten Erfolgen zählten neben der Titelrolle in „Die Folterungen der Beatrice Cenci“, 1972 (Gerald Humel; Choreogr.: Gerhard Bohner) die Katharina in „Der Widerspenstigen Zähmung“, 1976 (n. William Shakespeare; Choreogr.: J. Cranko) und v. a. die Tatjana in „Onegin“, 1972 (n. Alexander Puschkin; Choreogr.: J. Cranko), mit der sie sich im Mai 1981 von der Bühne verabschiedete.

    V. war zugleich eine leidenschaftliche Pädagogin. Seit 1975 unterrichtete sie an der Hochschule für Musik (und Tanz) in München. 1983 zur o. Professorin ernannt, leitete sie deren seit 1996 auf ihre Initiative um den Studiengang Ballettpädagogik erweiterte Ballettabteilung bis 2007 (Lehrauftrag bis 2010). Bereits 1978 hatte V. mit der Gründung der zur Erinnerung nach ihrem ehemaligen Partner benannten Heinz-Bosl-Stiftung maßgeblich zur Verbesserung der Ausbildungssituation beigetragen. Ebenso verdankte sich V.s Engagement die Emanzipation des Balletts der Oper zum „Bayer. Staatsballett“ als eigenständiger Institution, die sie 1989–98 als Direktorin nach ihren Vorstellungen prägte und zu internationalem Ruf führte. Als Vorstandsvorsitzende ihrer Stiftung konnte sie 2010 zusätzlich die Gründung einer „Junior Company“ beim Bayer. Staatsballett ins Werk setzen. Nach einer längeren Krebserkrankung verstarb sie in einer Münchner Klinik.

    V.s Karriere ist exemplarisch insofern, als ihre kindliche Balletterziehung in den Händen einer in Moskau klassisch ausgebildeten, aber durch Emile Jaques-Dalcroze (1865–1950) in Hellerau rhythmisch geschulten, also modern geprägten Lehrerin lag. Das prädestinierte V. zu technischer Akkuratesse wie zu ästhetischer Offenheit und künstlerischer Neugier. Zudem widerfuhr ihr das Glück, mit ihrer Begabung und Ausbildung auf eine ganze Reihe faszinierender Choreographen zu treffen, die dem Ballett an der Bayer. Staatsoper Sternstunden bescherten – allen voran John Cranko, der seine Choreographien in Stuttgart erarbeitete und anschließend in München einstudierte. V. profitierte von Crankos Londoner Wurzeln, indem sie in Peter Wrights „Giselle“ und in seinem „Dornröschen“ tanzen konnte, aber auch in Werken Frederick Ashtons. Darüber hinaus arbeitete sie mit den begehrtesten klassischen Choreographen zusammen, George Balanchine, Glen Tetley, Hans van Manen und Jerome Robbins; Rudolf Nurejew und Margot Fonteyn waren ihre Kollegen. So übernahm V. Partien, die sie tief mit der Tanzgeschichte und den größten Traditionen ihrer Kunst verbanden – und wirkte unmittelbar an der Entstehung von Uraufführungen mit. Das Ballett – zu dieser Zeit auf einem absoluten Höhepunkt seiner Entwicklung – bezog sich auf seine Vergangenheit und gestaltete seine Zukunft, beides mit Stilgefühl und Intelligenz. Aus diesen beglückenden Erfahrungen schöpfte V. die Kraft, bis an ihr Lebensende für den Tanz zu arbeiten.

  • Auszeichnungen

    A Serge-Lifar-Preis d. Ac. de Danse, Paris (1962); Berliner Tanzpreis d. Verbandes Dt. Kritiker (1962); Bayer. Verdienstorden (1982); Kultureller Ehrenpreis d. Landeshauptstadt München (1990); Dt. Tanzpreis (1991); Maximiliansorden f. Wiss. u. Künste (1993); Bayer. Vfg.medaille in Silber (1997) u. Gold (2007); Bayer. Verdienstmedaille Pro Meritis (1998); Ehrenmitgl. d. Bayer. Staatsoper (1998); Kulturpreis d. Bayer. Landesstiftung (2006); Oberbayer. Kulturpreis (2007); – K.-V.-Preis d. Heinz-Bosl-Stiftung (seit 2014).

  • Werke

    Weitere W u. a. Rollen: Triptychon, 1963 (Inszenierung: H. Rosen);
    Schott. Tänzerin in: Scotch-Symphony, 1964 (Choreogr.: G. Balanchine);
    Dame, in: Die Dame u. d. Einhorn, 1964 (H. Rosen);
    Desdemona, in: Der Mohr v. Venedig, 1964 (H. Rosen);
    Serenade, 1965 (G. Balanchine);
    Titelrolle, in: Medea, 1965 (B. Cullberg);
    Joan v. Zarissa, 1965 (T. Gsovsky);
    Etudes, 1965 (H. Lander); Mylady, in: Die drei Musketiere, 1967 (F. Flindt); Symphonie fantastique, 1967 (H. Rosen); Begegnung in drei Farben, 1968 (J. Cranko); Solo in weiß, in: Katalyse, 1968 (J. Cranko); Concerto barocco, 1969 (G. Balanchine); Triplum, 1969 (J. Cranko); Divertimento Nr. 15, 1970 (G. Balanchine); Molly Bloom, in: Présence, 1970 (J. Cranko); Louise, in: Der Nußknacker, 1973 (J. Neumeier); Gr. Fuge, 1973 (H. van Manen); Terpsichore, in: Apollon musagète, 1974 (G. Balanchine); Requiem canticles, 1974 (J. Robbins); Le Sacre du printemps, 1974 (G. Tetley); Entrée u. Variation, in: Les Rendez-vous, 1974 (F. Ashton); Mädchen, in: Der Tod u. das Mädchen, 1974 (E. Walter); Streichquartett Nr. 1, 1975 (E. Walter); älteste Schwester, in: Las Hermanas, 1975 (K. MacMillan); Trois préludes, 1977 (B. Stevenson); – Filme: Happy-End im siebten Himmel, 1961 (Regie: H. Käutner); Solotänzerin, in: Café Oriental, 1962; Antiphila, in: Die Matrone v. Ephesus, 1968.

  • Literatur

    L P. u. P. Mlakar, Unsterbl. Theatertanz, 300 J. Ballettgesch. d. Oper in München, 2 Bde., 1996;
    C. Küster, K. V., Hommage an e. Tänzerin, Pädagogin u. Ballettdir., in: IBS aktuell (Interessenver. d. Bayer. Staatsopernpublikums e. V.), 18. Jg., H. 1, 1999, 1 f.;
    M. Gradinger, „Rentner-Stempel“ auf die Stirn?, K. V. wurde 65 am 2. Jan. 2004, in: Ballett intern, H. 1, 2004, S. 10;
    Bezirk Oberbayern, Oberbayer. Kulturpreis 2007, Verleihung an (…) Prof. K. V., Primaballerina u. Tanzpädagogin, 2007, S. 17–29 (P, Abb.);
    A. Bopp, André Presser, Der Ballettdirigent, Ein Leben f. d. Tanz u. d. Musik, 2008;
    W. Hüster, Das Synonym f. Ballett, Zum Tod d. Tänzerin K. V., in: FAZ v. 24. 1. 2013 (P);
    V. Mlakar, Gr. Tänzerin u. Pädagogin, Zum Tod v. K. V., Gründungsdir. d. Bayer. Staatsballetts, in: Die dt. Bühne 3, 2013, S. 11;
    Jb. d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste 27, 2013 (2014), S. 275 f.;
    Reclams Ballettlex., 1984;
    O. Schneider, Tanzlex., 1985; Munzinger.

  • Portraits

    P Photogr. v. P. Schinzler, Abb. in: ders., Münchner Künstler, Eine fotogr. Dok. mit e. Btr. v. K. Honnef, hg. v. W. J. Stock, 1982.

  • Autor/in

    Wiebke Hüster, Ralph-Günther Patocka
  • Empfohlene Zitierweise

    Hüster, Wiebke; Patocka, Ralph-Günther, "Vernon, Konstanze" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 765-767 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12108681X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA