Lebensdaten
1594 bis 1664
Geburtsort
Weingarten (Kraichgau)
Sterbeort
Meisenheim (Pfalz)
Beruf/Funktion
Späthumanist ; neulateinischer Dichter ; Satiriker
Konfession
calvinistisch
Normdaten
GND: 117369993 | OGND | VIAF: 47005005
Namensvarianten
  • Jäger, Balthasar (eigentlich)
  • Meleager, Janus (Pseudonym)
  • Janus Meleager (Pseudonym)
  • mehr

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Venator, Balthasar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117369993.html [22.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Laurentius V. ( 1622), aus Herrlisheim (Elsaß), calvin. Pfarrer in W. (s. Bad. Pfarrerbuch 1938), oder Christoph Jäger ( 1622) (s. Buttmann 1900, s. L);
    M N. N. ( 1622);
    Zweibrücken 1635 Maria Katharina (* 1616), T d. Christoph Frankengrüner (1560–1622), 1575 Kammerschreiber in Zweibrücken, 1583 pfalzgfl. Landkanzleisekr. ebd., 1586 pfalz-simmern. Amtmann zu Allenbach, dann zu Herrstein b. Fischbach (Pfalz), u. d. Elisabeth Philippi (Philips) (1567–1644);
    2 S Johann Friedrich (* 1636), Balthasar d. J., 3 T Maria Katharina, Anna Juliana, Sophia Amalia ( 1650).

  • Leben

    Ein Stipendium ermöglichte V. 1607 den Besuch des Casimirianum in Neustadt (Weinstraße), wo er von Rektor Johann Philipp Pareus (1576–1648) gefördert und 1614 auf Empfehlung des Basler Humanisten Johann Jakob Grasser (1579–1627) als Jahrgangsbester zum „poeta laureatus“ gekrönt wurde. Bereits 1613 hatte sich V. an der phil. Fakultät der Univ. Heidelberg immatrikuliert. 1616 begann er, inzwischen Alumnus des Collegium Sapientiae, ein Studium der Theologie. Über die Heidelberger Klosterschule, wo er 1617 unterrichtete, gelangte er als „secretarius“ an den kurpfälz. Hof. Kontakte zu politischen Funktionsträgern und Gelehrten (Johann Joachim v. Rusdorf, Janus Gruter, Georg Michael Lingelsheim) sowie zu den Exponenten des Heidelberger Dichterkreises (Julius Wilhelm Zincgref, Martin Opitz) dokumentieren seine einflußreiche Stellung in der Kurpfalz. Nach der Einnahme Heidelbergs durch die ksl. Truppen Tillys im Sept. 1622 verlor V. seine Lebensgrundlage. Zeitweise saß er, wie er im Widmungsbrief zum „Panegyricus“ (1630) bekennt, wegen seiner Freimütigkeit im Kerker oder verdingte sich als Soldat. Lingelsheim (1556?–1636) holte ihn 1624 als Hauslehrer für seine Söhne nach Straßburg. Hier nahm V. ein Studium der Rechtswissenschaft auf. Matthias Bernegger (1582–1640) vermittelte ihn 1628 als Hauslehrer an den Augsburger Patrizier Markus Rehlinger (v. Rechlingen). Mit seinen Zöglingen unternahm V. ausgedehnte Reisen, u. a. nach Frankreich und in die Schweiz. Im Herbst 1631 erhielt er auf Vermittlung von Lingelsheim eine Stelle als Erzieher des Erbprinzen Friedrich von Pfalz-Zweibrücken (1616–61), mit dem er zwischen 1631 und 1634 erneut durch die Schweiz und Frankreich sowie die Span. Niederlande reiste. Nach der Eroberung Zweibrückens durch General Gallas floh V. 1635 in die Zweibrücker Nebenresidenz nach Meisenheim, wo er seit 1639 als Landschreiber fungierte. 1642/43 führten ihn diplomatische Missionen nach Zürich, 1644 nach Düsseldorf. 1646 wurde er zum Hofrat, 1652 zum Amtsverweser befördert.

    In seiner Jugend verfaßte V. u. a. lat. Kasualdichtungen, die sich in Sprache und Stil an klassischen Vorbildern orientierten und daher als formvollendet gelten. Als Schriftsteller trat er erstmals mit der „Klagschrifft vber den Tödlichen Hintrit deß Edlen Teutschen Helden Michaels von Obentraut“ (Straßburg 1625) und der Lebensbeschreibung des Mediziners Peter de Spina (Vita Petri de Spina, Straßburg 1625, Zweibrücken 1732) hervor. Mit dem „Panegyricvs Iano Grvtero scriptvs“ (Genf 1630), dem Nachruf auf seinen Heidelberger Professor Janus Gruter (1560–1627), der bis 1707 sieben Auflagen erlebte, sicherte er sich einen festen Platz in der Literaturgeschichte. Alle drei Schriften gelten als wichtige Quellen für die Geschichte der Pfalz im 30jährigen Krieg. Diesen spiegelte V. in der anonym veröffentlichten und mehrmals nachgedruckten „Pictura loquens“ (Lyon 1632) satirisch, indem er Katholiken und Protestanten ihre Gedanken zum Krieg äußern ließ. In der „Epistola de calamitatibus Ducatus Bipontini“ (Frankfurt/M. 1637) an den calvinist. poln. Gf. Andrzej Leszczyn ´ ski und in der „Civitatis Bipontinae quaerimonia de debito non debito“ (1649) bot er hingegen fast schon veristische Darstellungen der Verwüstungen, Gewaltexzesse und einzelner Fälle von Kannibalismus.

    Von V.s Alterswerk verdienen v. a. zwei anonyme satirische Erzählungen in dt. Sprache Beachtung, die durch Johann Michael Moscherosch (1601–69) beeinflußt wurden. Mit ihm stand V. 1650 in brieflichem Kontakt. In der 1656 in Zweibrücken mit fingiertem Druckvermerk („Schlafhausen bei Gansart Weichfedern“) veröffentlichten „Seltzamen Traum-Geschicht Von Dir und Mir“ schilderte V. mit barocker Fabulierlust die Zustände an einem Fürstenhof, der mit fingierten Namen die Verhältnisse vor Ort verschlüsselt. Seine Satire „Kurtze und Kurtzweilige Beschreibung der zuvor unerhörten Reise Welche Herr Bilgram von Hohen Wandern ohnlängsten in die neue Ober-Welt des Monds gethan“ (Frankfurt/M.? 1660) wurde von Francis Godwins „Man in the Moon“ (1638) inspiriert und prangert Mißstände in Staat und Kirche aus der Sicht vernunftbegabter Mondbewohner an. Beide Schriften erlebten bis 1667 zahlreiche Auflagen, galten lange Zeit als Jugendwerke Grimmelshausens und erschienen deshalb in dessen erster Werkausgabe 1684. Sie wurden 1924 von Julie Cellarius V. zugewiesen.

  • Werke

    W Briefe G. M. Lingelsheims, M. Berneggers u. ihrer Freunde, hg. v. A. Reifferscheid, 1889;
    Gesammelte Schrr., hg. v. G. Burkard u. J. Schöndorff, 2 Bde., 2001 (W-Verz. in Bd. 2, S. 305–16);
    Teilnachlaß: Bad. Landesbibl. Karlsruhe.

  • Literatur

    L R. Buttmann, Die Kollekten f. d. Zweibrücker Gymn. in d. Schweiz u. in d. Niederl. 1652 u. 1655, in: Westpfälz. Gesch.bll. 4, 1900, S. 26 f., 29 f., 33 f., 37 f. u. 41 f.;
    ders., Ein Stammbuch B. V.s, ebd. 17, 1913, S. 15 f., 17–20 u. 25–30;
    J. Cellarius, Zur Seltzamen Traumgeschicht, in: Euphorion, Erg.h. 17, 1924, S. 97–99;
    E. Volkmann, B. V., 1936;
    M. Germann, Arte et Marte, Durch Wiss. u. Waffen, Die Gründungsidee d. Bürgerbibl. Zürich n. B. V.s Lobgedicht v. 1643/1661 u. Heinrich Ulrichs Progr.schr. aus d. Gründungsj. 1629, in: Zürcher Tb. NF 100, 1980, S. 25–45;
    J. Schöndorf, B. V. u. seine Dt. Satiren, in: Wolfenbütteler Barocknachrr. 21, 1994, S. 95–107;
    J. L. Flood, Poets Laureate in the Holy Roman Empire, Bd. 4, 2006, S. 2158–62;
    R. Marx, „Die Zeit bringt Frucht“, Saarpfälz. Autorenlex., 2008, S. 187–90;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L); Killy.

  • Autor/in

    Ralf Georg Czapla
  • Empfohlene Zitierweise

    Czapla, Ralf Georg, "Venator, Balthasar" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 745-746 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117369993.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA