Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Ritter- und Patriziergeschlecht aus Bern
Konfession
katholisch,zwinglianisch
Normdaten
GND: 118969889 | OGND | VIAF: 20480252
Namensvarianten
  • Erlach, von

Verknüpfungen

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Zitierweise

Erlach, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118969889.html [28.09.2020].

CC0

  • Leben

    Ursprünglich Ministeriale der Grafen von Neuenburg und als solche Kastellane von Erlach/Bielersee, traten die Erlach gegen Ende des 13. Jahrhunderts ins Bürgerrecht und in den Rat von Bern ein. Der Stammvater Ulrich ( 1303), Ritter, Kastellan zu Erlach und Bürger von Bern, soll 1298 in der Schlacht am Donnerbühl gegen die Freiburger befehligt haben. Die Familie stellte 7 Schultheißen und eine große Anzahl bedeutender Militärs in bernischen und fremden Diensten. In ihrem Besitz befanden sich ausgedehnte Herrschaften und Landgüter. Von 1651 an zählten die Erlach zu den 6 vornehmsten Berner Geschlechtern (Vorsitz im Kleinen Rat) und waren zur Titulatur „Wohledelfest“ berechtigt. Ulrichs Sohn Rudolf ( 1360) hat die Berner in der siegreichen Schlacht von Laupen (1339) gegen die Koalition des umliegenden Adels geführt und steht damit als legendäre Heldengestalt am Anfang der Geschichte von Berns Wachstum und Aufstieg. Rudolf (1449–1507) war Schultheiß von Bern 1479-81, 1492-95, 1501-04, 1507. Als Befehlshaber der bernischen Truppen im Schwabenkrieg zog er 1499 in den Hegau und kämpfte in der entscheidenden Schlacht bei Dornach (1499). Er erwarb großen Reichtum, vor allem Grundbesitz. Franz Ludwig (1575–1651) war 1629-51 jedes zweite Jahr alternierend Schultheiß von Bern. In der Zeit des 30jährigen Krieges, als die Schweiz nicht nur durch die Heere des Auslandes, sondern auch durch innere Zwiste bedroht war, gelang es seiner kraftvollen Persönlichkeit, Bern unbeschadet durch mannigfache Schwierigkeiten hindurchzuführen. Wie weitgehend sein Einfluß war, zeigt sich darin, daß er 144 Gesandtschaften in bernisrhen und eidgenössischen Angelegenheiten verrichtet hat. Nachdem Sigmund (1614–99) in französischen Diensten zum Maréchal de camp aufgestiegen war, kehrte er nach Bern zurück und gelangte 1645 in den Großen und 1652 in den Kleinen Rat. Als Befehlshaber der bernischen Armee schlug er den Bauernaufstand von 1653 nieder, verlor dann aber die 1. Schlacht von Villmergen (1656) gegen die katholischen Innerschweizer. Trotzdem behielt er durch seine Staatsklugheit und seinen großen Reichtum einen beherrschenden Einfluß auf die bernische Politik, insbesondere als regierender Schultheiß jedes zweite Jahr von 1675-99. Hieronymus (1667–1748) bestand in kaiserlichen Diensten mehrere Feldzüge mit Auszeichnung. 1721-46 alternierend Schultheiß, war er nicht nur durch seine staatsmännische Geschicklichkeit, sondern auch durch seine Prachtliebe berühmt; von letzterer zeugen heute noch die Schlösser Thunstetten (1713) und Hindelbank (1721–23). Sein Sohn Albrecht Friedrich (1696–1788) war Schultheiß von 1758-88, baute 1752 den Erlacherhof, eines der schönsten Häuser der Stadt. Karl Ludwig (1746–98) versuchte angesichts der französischen Angriffsdrohungen als Oberbefehlshaber der bernischen Truppen vergeblich, die Regierung zu entschlossenem Widerstand aufzurufen. Ihre schwankende Haltung zog auch die innere und äußere Auflösung der Armee nach sich. Nach der Niederlage am Grauholz (1798), die den Untergang der Republik Bern und dadurch auch der alten Eidgenossenschaft besiegelte, wurde Erlach auf der Flucht in Wichtrach von aufgewiegelten Landsturmsoldaten erschlagen.

  • Literatur

    ADB VI;
    Schweiz. Geschl.buch I, 1905;
    H. W. Haller, Drei Ahnentafeln d. Fam. v. E., in: Schweizer Archiv f. Heraldik, 1906;
    R. Feller, Gesch. Berns I-III, 1946-55;
    HBLS. – Qu.: Fam.-archiv im Staatsarchiv Bern u. Burgerbibl. Bern.

  • Autor/in

    Christoph von Steiger
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Steiger, Christoph von, "Erlach, von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 591 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118969889.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA