Lebensdaten
1926 bis 2007
Geburtsort
Kaisersesch bei Cochem
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118625489 | OGND | VIAF: 49341123
Namensvarianten
  • Ungers, Oswald Mathias
  • Ungers, Oswald Matthias (eigentlich)
  • Ungers, Oswald
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Zitierweise

Ungers, Oswald, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118625489.html [20.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Anton (1892 –1966), aus Hambuch b. C., Oberpostsekr. in Mayen;
    M Maria Michels (1891 –1967);
    2 Geschw;
    1) 1952 1954 Hana (1920–2006),|Künstlerin, T d. Hans Koch (Ps. Johannes Leonhardus) (1881–1952, 2] Maria Elisabeth Lindner, v. 1895–1968, Schw d. Martha Lindner, s. u.), aus St. Avold (Lothringen), Dr. med., Urol., Kunstsammler u. -händler in Düsseldorf, Bes. v. Schloß Randegg, Schriftst., v. O. Dix porträtiert, u. d. Martha Lindner (1895–1985, 2] Otto Dix, 1891–1969, Maler, Graphiker, 1931–33 Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Künste, 1955 Mitgl. d. Ak. d. Künste in [West-]Berlin u. 1956 korr. Mitgl. d. Ak. d. Künste in [Ost-]Berlin, s. Vollmer; Dict. of Art; AKL), Gold- u. Silberschmiedin, 2) Köln 1956 Li(e)selotte (1925–2010, ev.), aus Elberfeld, Betriebswirtin, Autorin (s. W), T d. Christian Johann Gabler (* 1887), Bauuntern., u. d. Louise Friederike Altreuter (* 1892);
    1 T aus 1) Olga (* 1953), 2 T aus 2) Sibylle (* 1960, Derek Rowen, Ps. Guggi, * 1959, aus Dublin, Maler, Graphiker, Künstler), Malerin, Künstlerin, Sophia (* 1962, Benedikt Baumewerd, 1960–99), Kunsthist., Galeristin, Leiterin v. Ungers Archiv f. Architekturwiss. in K., 1 S aus 2) Simon (1957–2006, Janet O’Hair), Architekt, Künstler in New York u. K.;
    Gvm d. 1. Ehefrau Bernhard Lindner (1861–n. 1929), Vers.dir. (s. Wenzel);
    Stief-Schw d. 1. Ehefrau Nelly Dix (1923–55, ⚭ Günther Thaesler, Dr. med.), Schriftst., Malerin (s. Kosch, Lit.-Lex. 20. Jh.).

  • Leben

    U. wuchs in der Kleinstadt Mayen auf und besuchte dort das Gymnasium, bis er im Sept. 1943 (mit Reifevermerk) zum Kriegsdienst eingezogen wurde, zunächst als Helfer zur Luftwaffe, dann 1944 kurz zum Reichsarbeitsdienst, schließlich zum Wehrdienst. Nach kurzzeitiger Gefangenschaft 1945 und erneutem Besuch des Gymnasiums 1945/46 begann U. im Okt. 1946 an der TH Karlsruhe ein Architekturstudium, das er im Okt. 1950 mit dem Diplom bei Egon Eiermann (1904–70) abschloß.

    Danach war U. in Köln als Architekt tätig, zunächst zusammen mit Helmut Goldschmidt (1918–2005). Mit dem Auftrag für die Planung des Oberhausener „Instituts zur Erlangung der Hochschulreife“ (1953–58) eröffnete U. 1955 sein eigenes Büro. Höhepunkt des dem sog. „Brutalismus“ zugerechneten Frühwerks ist U.s eigenes Haus (Köln, 1958–59), als Manifest einer skulptural gedachten, räumlich erfahrbaren Architektur, die zugleich Bezüge zur Umgebung aufbaute.

    Gegen Kritik rechtfertigte sich U. (gemeinsam mit Reinhard Gieselmann, 1925–2013) 1960 im Manifest „Zu einer neuen Architektur“: „Form“ sei „Ausdruck des geistigen Gehaltes“; sie werde nicht allein durch Konstruktion und Funktion bestimmt. Zur eigenen Standortbestimmung befaßte er sich mit der Architektur des Expressionismus (als dessen Wiederaufnahme sein Frühwerk gewertet wurde) und kuratierte u. a. eine Ausstellung über die (seither so genannte) „Gläserne Kette“ um Bruno Taut (1880–1938).

    1963 wurde U. auf eine Entwurfsprofessur an die TU Berlin berufen (1965–67 Dekan d. Fakultät f. Architektur). Hier klärte sich seine Architekturkonzeption in der Zusammenarbeit mit neuen Mitarbeitern (Johannes Uhl, * 1935, Jürgen Sawade, 1937–2015, zeitweilig Jonas [eigtl. Johann Friedrich] Geist, 1936–2009 u. a.) und in der Auseinandersetzung mit der städtischen Struktur Berlins; letztere bestimmte auch seine Lehre, die international Beachtung fand. Beeinflußt wurde U. in dieser Zeit v. a. vom „Team 10“, dem er sich bis etwa Mitte der 1970er Jahre zugehörig fühlte.

    1969 wechselte U. an die Cornell University (Ithaca, NY), wo er bis 1983 lehrte. 1975 war er dort Chairman des Department of Architecture. Damit entging er den anhaltenden Studentenunruhen in Berlin und der Kritik an der von ihm mitverantworteten Großsiedlung „Märkisches Viertel“ (Berlin, 1962–67). In den USA suchte er nach Strategien für die Bewältigung der seinerzeit geforderten großen Wohnbauprogramme, die er weiterhin für nötig hielt: Er befaßte sich mit Regionalplanung und bereits zu dieser Zeit mit den Möglichkeiten der Computernutzung. Die Rückkehr zum Entwurf gelang in Zusammenarbeit mit Rem Koolhaas (* 1944), auf den er großen Einfluß hatte, und dank des Zuspruchs von Léon Krier (* 1946), der in ihm 1975 einen der Wegbereiter des „Rationalismus“ sah. U. meldete sich mit konzeptionell herausragenden Wettbewerbsentwürfen zurück, etwa für das Wallraf-Richartz-Museum, Köln (1975), und ließ sich wieder in Deutschland nieder. Er übernahm eine Professur an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien (1979–80), später lehrte er an der Kunstakademie Düsseldorf (1986–90). Mit dem Manifest „Die Stadt in der Stadt, Berlin das grüne Stadtarchipel“ verfaßte er 1977 (mit Koolhaas) eines der wichtigsten Stadtkonzepte seiner Zeit.

    Gefördert wurde er von Heinrich Klotz (1935–99), der ihm den Auftrag für das „Deutsche Architekturmuseum“ (Frankfurt/M., 1979–84) verschaffte. In dieser Zeit verfaßte U. grundlegende Beiträge zur Entwurfstheorie, darunter sein vom Grundkonzept der „morphologischen Transformation“ ausgehendes Hauptwerk „Die Thematisierung der Architektur“.

    Angesichts der Schwierigkeiten, seine komplexen Entwurfsideen baulich zu realisieren (u. a. Wohnbebauung Lützowplatz, Berlin, 1979–83, 2013 abgerissen), und um dem Siegeszug der Postmoderne, die er als Kitsch empfand, entgegenzuwirken, fand U. seit den|1980er Jahren zu einer zunehmend elementarer werdenden Architektur, die sich 1983 im Manifest „The New Abstraction“ ankündigte und im Spätwerk zum Minimalismus steigerte. Sein Interesse an der Herausarbeitung und Sichtbarmachung architektonischer Grundformen zeigte sich dabei in der zunehmenden Reduktion auf das Quadrat, das viele Bauten (u. a. Residenz d. Dt. Botschafters, Washington, 1987–95) beherrschte; es gab seinem Werk formalen Zusammenhalt, stieß aber in seiner Härte beim Publikum oft auf Ablehnung. Neben bedeutenden Kulturbauten (u. a. Bad. Landesbibl., Karlsruhe, 1980–87; Erweiterung Kunsthalle Hamburg, 1986–96; Wallraf-Richartz-Mus., Köln, 1996–99) standen in dieser sehr produktiven Schaffensphase kommerzielle Großprojekte u. a. für die Messen von Frankfurt/M. (1980–97) und Berlin (1989–99), sowie zahlreiche Mehrfamilien- und Geschäftshäuser (u. a. FriedrichstadtPassagen, Berlin, 1991–96). Seine Erfolge ermöglichten U. den Bau mehrerer eigener Häuser (Wohnhaus, Glashütte, 1986–88; Bibl., Köln, 1989–90), die in ihrer Durcharbeitung aus dem übrigen Werk herausragten; das letzte war ein von ihm als „Haus ohne Eigenschaften“ bezeichneter, radikal auf die reine geometrische Form reduzierter Bau (Köln, 1994–96). Die in den 1960er Jahren gefundene Auffassung von der Architektur als künstlerischem Weltentwurf fand hier ihren konsequentesten Ausdruck.

    In seiner Radikalität stets umstritten, war U. doch zweifellos einer der herausragenden Architekten seiner Zeit. Insbesondere sein Architekturdenken, das sich v. a. durch eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen des Entwerfens auszeichnet, wirkt heute weiter nach.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Acc. di San Luca, Rom (1982), d. Ak. d. Wiss. zu Berlin (1987 –90), d. Moscow Branch of the Internat. Ac. of Architects (1992), d. Ak. d. Künste zu Berlin (2000); Gr. Preis d. BDA (1987); Ehrenmitgl. d. BDA (1988), d. Ak. d. Künste, Hamburg (2002) u. d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste (2006); Prix Rhenan Strasbourg (1989); BDA-Preis Bremen (1994); Gr. BVK (1997); Dr.-Ing. E. h. (TU Berlin 1999); Gr. DAI-Preis (2000); Goethe-Plakette, Frankfurt/M. (2002); Dr. h. c. (Bologna 2004); Verdienstorden d. Landes NRW (2006); Gastprof. in Harvard (1973–78) u. Univ. of California, Los Angeles (1974–75).

  • Werke

    Weitere W u. a. Bauten: Zweifam.haus, Köln, Werthmannstr., 1957–58;
    Wohnbebauung, Köln, Neue Stadt, 1961–64;
    Mehrfam.häuser, Köln, Mauenheimer Str., 1957–59;
    Alfred-Wegener-Inst., Bremerhaven, 1980–84;
    Fam.gericht, Berlin, 1989–95;
    Gen.bundesanwaltschaft, Karlsruhe, 1990–98;
    Wettbewerbsentwürfe: Grünzug Süd, Köln, 1962–65;
    Studentenwohnungen d. TH Twente, Enschede (Niederlande), 1964;
    Museen Preuß. Kulturbes., Berlin, 1965;
    Dt. Botschaft b. Hl. Stuhl, Rom, 1965;
    Berlin, Lichterfelde, 4. Ring, 1974;
    Roosevelt Island, New York, 1975;
    Mus. Schloß Morsbroich, 1976–80;
    Städtebaul. Planung Südl. Friedrichstadt, Berlin, 1977;
    Mus. f. Moderne Kunst, Frankfurt/M., 1983;
    Überbauung d. Bahnhofsvorplatzes, Bonn, 1986;
    Ausst.architekturen: City Metaphors (Teil d. Ausst. „Man Transforms“, New York, 1976);
    Ausst. Westkunst, Köln, 1981;
    Schrr.: R. Gieselmann, O. M. U., „Zu einer neuen Architektur“, in: Der Monat, 15. Jg., H. 174 (März 1963), S. 96;
    Prinzipien d. Raumgestaltung, Berufungsvortrag TU Berlin 1963, in: Arch+, 14. Jg., H. 65 (Okt. 1982), S. 41–48;
    Architekturlehre, Berliner Vorlesungen 1964–65, in: archplus, 39. Jg., H. 179 (Juli 2006);
    mit U. Kultermann, Die gläserne Kette, Visionäre Architekturen aus d. Kreis um Bruno Taut 1919–1920, Ausst. Mus. Leverkusen, Schloß Morsbroich, u. Ak. d. Künste Berlin, Privatdr., Leverkusen, o. J. [1963];
    Struktur – Quantität – Dimension, aufgezeichnet an Projekten u. Überlegungen f. Berlin, in: Bau, Schrift f. Architektur u. Städtebau, 22. Jg., H. 6, 1967 [erst Anfang 1968 ersch.], S. 123–45;
    Die Stadt in d. Stadt, Berlin d. grüne Stadtarchipel, Privatdr. 1977 (Krit. Ausg. v. F. Hertweck u. S. Marot, 2013);
    Morphologie, City Metaphors, 1982;
    Architettura come tema, Architecture as Theme, 1982, dt.-franz. Ausg. u. d. T. Die Thematisierung d. Architektur|Architecture comme Thème, 1983;
    Aphorismen z. Häuserbauen, 1999; – Hg.: Veröff. z. Architektur, TU Berlin, Fak. f. Architektur, Lehrstuhl f. Entwerfen VI, 27 Hh., 1965–69.

  • Literatur

    L Ein Werkstattber., Bauten u. Projekte v. O. M. U., in: Bauwelt 51, 1960, S. 204–17;
    O. M. U., Soz. Wohnungsbau 1953–1966, in: Baumeister 64, H. 5 (Mai 1967), S. 556–72;
    C. Aymonino, Il contributo di O. M. U. all’architettura, in: Controspazio 7, H. 3, Nov. 1975, S. 4 f., s. auch Einl. z. H. v. V. Fraticelli, problemi attuali e non, S. 2–3 (Projekte S. 6–43);
    L. Krier, Rationale Architektur, in: Prolegomena 4, Nr. 15, H. 4, Nov. 1975, S. 4–8 (Themenh. „Rationale Architektur“, U.s Projekte auf S. 38–42);
    O. M. U., Works in Progress 1976–1980, hg. v. Inst. for Architecture and Urban Studies, 1981;
    O. M. U., Bauten u. Projekte, 1951–1984, hg. v. H. Klotz, 1985;
    O. M. U., Architektur 1951–1990, 1991;
    M. Kieren, O. M. U., 1994;
    G. Brown-Manrique, O. M. U., A Comprehensive Bibliogr., 1953 to 1995, 1996;
    O. M. U., Bauten u. Projekte 1991–1998, 1998;
    O. M. U., una scuola, hg. v. A. Trentin, 2004;
    Lernen v. O. M. U., hg. v. E. Mühlthaler, 2006;
    J. Cepl, O. M. U., Eine intellektuelle Biogr., 2007 (Verz. d. Schrr., P);
    ders., O. M. U. u. seine Schule, in: Architekturschulen, Progr. – Pragmatik – Propaganda, hg. v. K. J. Philipp u. K. Renz, 2012, S. 233–49; A. Bideau, Architektur u. symbol. Kapital, Bilderzz. u. Identitätsproduktion b. O. M. U., 2011.

  • Autor/in

    Jasper Cepl
  • Empfohlene Zitierweise

    Cepl, Jasper, "Ungers, Oswald" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 637-639 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118625489.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA