Lebensdaten
1910 - 1987
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Meerbusch bei Düsseldorf
Beruf/Funktion
Bankier ; Bankkaufmann ; Jurist ; Vorstandsmitglied ; Bankdirektor
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1030179727 | OGND | VIAF: 39912132
Namensvarianten
  • Ulrich, Franz Heinrich
  • Ulrich, Franz H.

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Zitierweise

Ulrich, Franz Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1030179727.html [07.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus Glockengießerfam in Apolda (Thür.);
    V Arthur (1882–1958), Jur., 1920–33 Mitgl. d. Brem. Bürgerschaft (DVP), 1919 Syndikus d. Handelskammer Bremen, 1943 Hauptgeschäftsführer d. Gauwirtsch.kammer Weser-Ems (s. Brem. Biogr.), S d. Emil Heinrich (1854–1913), Mühlendir. in Kassel-Neue Mühle, u. d. Amalie Thöne (1866–1950), aus Kassel;
    M Elsa (1885–1979), T d. Franz Theodor Garvens (1846–1921), Kaufm. in H., u. d. Paula Eggert;
    Ur-Gvv Johann Moritz Heinrich (1821–75), 1863 Inh. e. Glockengießerei in Apolda;
    1 Schw;
    1950 Liselotte Kobelinski (* 1928);
    1 S Alfred (* 1950), RA, 1982–2012 Präs. d. Rechtsanwaltskammer Düsseldorf, 2 T Karen (* 1953, ⚭ Eberhard Frhr. v. Perfall, 1939–2011, Dr. iur., RA, Vorstandsvors. d. Rütgers AG), Daniela Gallenkamp (* 1957).

  • Leben

    Nach dem Abitur 1928 in Bremen und einem Studium der Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft in Freiburg (Br.), München und Kiel legte U. 1932 die erste jur. Staatsprüfung ab. Auf eine Referendarstätigkeit in Bremen folgte 1936 das Assessorexamen am Hanseat. Oberlandesgericht in Hamburg. Im selben Jahr trat er in die „Deutsche Bank“ ein, in deren Berliner Zentrale er eine umfassende Ausbildung absolvierte, 1938 Prokura erhielt und hauptsächlich im Konsortialkredit- und Emissionsgeschäft arbeitete. 1939 zum Kriegsdienst eingezogen, wurde U. nach einer schweren Verwundung im Juni 1940 aus der Wehrmacht entlassen und kehrte Anfang 1941 als Abteilungsdirektor in die „Deutsche Bank“ nach Berlin zurück, wo er bis zum Kriegsende persönlicher Mitarbeiter von Vorstandsmitglied Hermann Josef Abs (1901–94) war und v. a. dessen zahlreiche Aufsichtsratsmandate juristisch betreute. Im Juni 1945 war U. für den Führungsstab der Bank in Hamburg vorgesehen, wurde aber aufgrund seiner Parteimitgliedschaft (1933–39 SS-Mitgl., 1937 NSDAP-Mitgl.) bis Anfang 1947 in der brit. Besatzungszone interniert. Ein Spruchkammerverfahren endete im Dez. 1947 mit der Einstufung U.s als „Entlasteter“. Im Anschluß verfolgte er mit einer Ausbildung zum Uhrmacher zeitweise eine berufliche Neuorientierung.

    Im Sept. 1948 trat U. in die Direktion der „Rheinisch-Westfälischen Bank“ in Wuppertal ein, dem Nachfolgeinstitut der dezentralisierten „Deutschen Bank“ in Nordrhein-Westfalen. 1951 wechselte er nach Hamburg und gelangte 1952 in den Vorstand der „Norddeutschen Bank AG“ in Hamburg, ebenfalls ein Nachfolgeinstitut. Seit 1957 gehörte er dem Vorstand der wiedererrichteten „Deutschen Bank“ an. Nach der Wahl von Abs in den Aufsichtsrat übernahm U. 1967–69 gemeinsam mit Karl Klasen (1909–91) das Amt des Vorstandssprechers. Nach Klasens Ernennung zum Bundesbankpräsidenten war U. bis 1976 alleiniger Sprecher.

    U. galt als ausgesprochener Pragmatiker und fand konstruktive Lösungen für kontroverse Themen des Bankwesens, wie Abbau von industriellem Anteilsbesitz der Banken oder Patronatserklärungen für Tochterunternehmen. Er trug maßgeblich zur Internationalisierung der Bank bei; 1976 öffnete in London die erste Deutsche Bank-Auslandsfiliale der Nachkriegszeit. Ebenso übernahm er Leitungsfunktionen in länderübergreifenden Gremien und war 1973/74 als erster Deutscher Präsident der „International Monetary Conference“. U. war Mitinitiator bei der Gründung der „Deutschen Gesellschaft für Wertpapiersparen“ (DWS). 1974/75 verhinderte er als Aufsichtsratsvorsitzender bei Daimler-Benz den von Friedrich Karl Flick (1927–2006) geplanten Verkauf seiner knapp 40 %igen Daimler-Aktienbeteiligung an den Iran, indem die „Deutsche Bank“ mit Rückendeckung der Bundesregierung über die zu diesem Zweck gegründete Mercedes-Automobil-Holding das Aktienpaket Flicks auf dem dt. Anlegermarkt|unterbrachte. In U.s Sprecherzeit fiel die grundlegende Modernisierung des Erscheinungsbilds der „Deutschen Bank“, z. B. durch das 1974 eingeführte neue Logo. Im selben Jahr wurde mit dem einheitlichen OM-Modell (Organisation u. Management) die erste bedeutende Strukturreform der „Deutschen Bank“ umgesetzt.

    Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand gehörte U. bis 1984 dem Aufsichtsrat der „Deutschen Bank“ an. Seine letzten Lebensjahre waren von Krankheiten überschattet.

  • Auszeichnungen

    A Vorstandsmitgl. d. Bundesverbands dt. Banken (1960–74);
    Vizepräs d. dt. Gruppe d. Internat. Handelskammer;
    AR-Vors.: Mannesmann AG (1967–77), Daimler-Benz AG (1970–76), Dt. Ges. f. wirtsch. Zus.arb. (1964–81), Dt. Texaco AG (1971–77), Klöckner-Humboldt-Deutz AG (1972–76);
    F.-H.-U.-Haus in Kronberg (Ausbildungszentrum d. Dt. Bank 1973–2006) (1987).

  • Werke

    W The Eurodollar Market, in: The Eurodollar, 1970, S. 174–87;
    Großbanken heute, in: Neuzeitl. Bankpol., Analysen u. Meinungen aus d. dt. Kreditwirtsch., 1974, S. 55–81;
    Die Zukunftsaussichten d. D-Mark, 1981.

  • Literatur

    L H. E. Büschgen, Die Dt. Bank v. 1957 bis z. Gegenwart, in: L. Gall u. a. (Hg.), Die Dt. Bank 1870–1995, 1995, v. a. S. 631–58 (P);
    Hist. Ges. d. Dt. Bank, Zur Erinnerung an F. H. U., in: Bank u. Gesch., Hist. Rdsch., Nr. 23, 2010, S. 1–8 (P);
    Qu Hist. Inst. d. Dt. Bank.

  • Autor/in

    Reinhard Frost
  • Empfohlene Zitierweise

    Frost, Reinhard, "Ulrich, Franz Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 613-614 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1030179727.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA