Lebensdaten
1907 bis 1999
Geburtsort
Stettin
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118625187 | OGND | VIAF: 41901432
Namensvarianten
  • Ule, Carl Hermann
  • Ule, C. H.
  • Ule, Carl H.
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Zitierweise

Ule, Carl Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118625187.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Alfred (1858–1941), aus Annaberg (Sachsen), Kaufm. in St.;
    M Emma Vollprecht (1876–1955), aus St.;
    Friesack (Mark) 1934 Ursula (1914–2001), aus Uelzen, T d. Johannes Bosert (1876–1951), Baumeister, u. d. Anna Elisa Hedwig Wilhelm (1879–1965);
    2 S Wolfgang (* 1939), Dr. phil., Leiter v. Goethe-Instituten u. a. in Nordafrika u. im|Nahen Osten, Michael (* 1951), Dr. iur., Ltd. Ind.kaufm.

  • Leben

    U. legte 1926 das Abitur am Schiller-Realgymnasium in Stettin ab. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft 1926–29 in Jena mit je einem Semester in Freiburg (Br.) und Berlin bestand U. beide Staatsexamina mit Auszeichnung (1929, 1933), schrieb 1930 eine Dissertation bei Otto Koellreutter (1883–1972), war 1933–35 Mitarbeiter am Institut für Staatsforschung, zugleich seit 1933 Amts- und Landgerichtsrat zunächst in Kiel, seit 1938 in München, 1943 als Landgerichtsdirektor. 1940 habilitierte er sich bei Koellreutter über „Herrschaft und Führung im nationalsozialistischen Reich“ für Staatslehre, Staats- und Verwaltungsrecht. Die im damaligen Rahmen eher traditionell argumentierende Arbeit zog NS-Kritik auf sich, die wegen parteiinterner Rivalitäten wohl primär seinen Betreuer treffen sollte. 1940–45 leistete U. Kriegsdienst, v. a. als Richter der Marinegerichtsbarkeit in Wilhelmshaven, Le Havre und Trondheim. Über diese Periode seines Lebens berichtete er 1987 autobiographisch, soweit ersichtlich, realistisch und glaubwürdig. Aus franz. Gefangenschaft entlassen, war er 1947 im hess. Ministerium für Wirtschaft und Verkehr sowie 1948 im Zentral-Justizamt für die Brit. Zone tätig. 1949 wurde er Richter, 2. Senatspräsident am Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg, dort 1951–55 Vizepräsident, zugleich 1951 Honorarprofessor in Göttingen. 1955 übernahm er eine Professur für öffentliches Recht, insbesondere Verwaltungsrecht an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer (Rektor 1956/57, 1962/63, 1967/68), zugleich war er Richter im Nebenamt am OVG Koblenz. Nach der Emeritierung 1972 lehrte er noch ein Jahrzehnt lang in Speyer und betätigte sich als Anwalt, v. a. in Rechtsfragen des öffentlichen Dienstes, des Sozial- und Umweltrechts.

    U. zählt zu den wichtigen und einflußreichen Vertretern des Verwaltungs- und Verwaltungsprozeßrechts der Bundesrepublik. Er betreute 1950–79 die Zeitschrift „Dt. Verwaltungsblatt“ und seit 1957 fast 20 Jahre das „Verwaltungsarchiv“, publizierte zahlreiche Aufsätze, Lehrbücher und Kommentare zum Verwaltungsverfahrens-, Verwaltungsprozeß-, Beamten- und Immissionsschutzrecht. Er beeinflußte mit der Erfahrung des Praktikers maßgeblich die Gesetzgebung (Verw.ger.ordnung, Verw.verfahrensgesetz), auch durch Leitung von Kommissionen oder Gutachten für den Dt. Juristentag. Wichtige dogmatische Beiträge zur Abgrenzung von Ermessen und unbestimmten Rechtsbegriffen sowie zur Unterscheidung von Grund- und Betriebsverhältnis in den „Besonderen Gewaltverhältnissen/Sonderrechtsverhältnissen“ gehen auf ihn zurück. Im Prozeßrecht strebte er ein einheitliches Verwaltungsgerichtsgesetz für Verwaltungs-, Sozial- und Finanzgerichtsbarkeit an und legte dazu 1969 einen Speyrer Entwurf vor, der aber nicht Gesetz wurde. Besondere Beziehungen bestanden zum öffentlichen Recht Japans.

  • Auszeichnungen

    A Ehrenmitgl. d. Japan Public Law Association (1973); Dr. h. c. (Keio-Univ. 1988); japan. Orden d. Hl. Schatzes; Gr. BVK.

  • Werke

    W Über d. Auslegung d. Grundrechte, in: AöR 21, 1931, S. 37 ff. u. 87 ff.;
    Herrschaft u. Führung im nat.soz. Reich, in: Verw.archiv 45, 1940, S. 193 ff. u. 46, 1941, S. 1 ff.;
    Über d. Anfänge d. Verw.ger.barkeit nach d. Zweiten Weltkrieg, ebd. 78, 1987, S. 125 ff.;
    Gesetz über d. Bundesverw.ger., Kommentar, 1952;
    Verw.ger.barkeit, Kommentar, 1960, 21962;
    Verw.verfahrensrecht, 1977, 41995, Nachtrag 1998;
    Verw.prozeßrecht, 1960, 91987;
    Beamtenrecht, Kommentar, 1970;
    Verw. u. Verw.ger.barkeit., Ges. Aufss. 1949–1979, 1979;
    Ein jur. Studium vor über 50 J., 1982;
    Referendar in pol. bewegter Zeit, 1983;
    Btrr. z. Rechtswirklichkeit im Dritten Reich, 1987.

  • Literatur

    L P. v. Feldmann, „Angelegenheiten d. Gestapo sind d. Nachprüfung durch d. Verw.ger. entzogen …“, Zu e. Nachruf auf e. dt. Verw.jur., in: Krit. Justiz 16, 1983, S. 57–64;
    W. Hoppe, C. H. U. z. Vollendung d. 90. Lebensj., in: Dt. Verw.bl. 1997, S. 201–04;
    M. Stolleis, Gesch. d. Öff. Rechts in Dtld., 3. Bd.: 1914–1945, 1999, S. 112, 305, 307, 4. Bd.: 1945–1990, 2012, passim;
    H.-C. Sarnighausen, Biogrr. namhafter Richter am OLG Lüneburg n. 1949, in: Archiv f. Fam.gesch.forsch. 9, H. 1, 2005, S. 2–21, bes. S. 11–13;
    D. Merten (Hg.), Justizreform u. Rechtsstaatlichkeit, Forsch.symposium anläßl. d. 100. Geb.tages v. C. H. U., 2009;
    Entscheidungen d. Bundesger.hofs in Zivilsachen 60, S. 152 ff.;
    Festschrr.: Stud. über Recht u. Verw., C. H. U. z. 60. Geb.tag, 1967 (W-Verz.);
    K. König (Hg.), Öff. Dienst, FS f. C. H. U. z. 70. Geb.tag, 1977 (W-Verz.);
    W. Blümel (Hg.), Verw. im Rechtsstaat, FS f. H. C. U. z. 80. Geb.tag, 1987 (W-Verz.);
    J. Becker (Hg.), Btrr. z. Medienprozeßrecht, 1987;
    Nachrufe: H.-W. Laubinger, in: NJW 1999, S. 2237;
    ders., in: AöR 124, 1999, S. 503–06;
    D. Merten, in: Die Öff. Verw. 1999, S. 775 f.; Stettiner Lb. (P)

  • Autor/in

    Michael Stolleis
  • Empfohlene Zitierweise

    Stolleis, Michael, "Ule, Carl Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 562-563 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118625187.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA