Lebensdaten
1919 bis 2001
Geburtsort
Gut Wargenau bei Cranz (Ostpreußen)
Sterbeort
Sankt Gallen
Beruf/Funktion
Unternehmerin ; Fliegerin
Konfession
-
Normdaten
GND: 11889045X | OGND | VIAF: 309803172
Namensvarianten
  • Uhse-Köstlin, Beate (verheiratete)
  • Köstlin, Beate (geborene)
  • Rotermund, Beate (verheiratete)
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Biografische Lexika/Biogramme

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Zitierweise

Uhse, Beate (verheiratete), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11889045X.html [05.12.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Otto K. (1870–1945), aus Ochsenhausen (Oberschwaben), Landwirt, Gutspächter u. a. in Quarnbek b. Kiel, 1917 Gutsbes. in W.;
    M Margarete (1880–1945, ev.), aus Berlin, 1908 niedergelassene Ärztin in Quarnbek, bis etwa 1917 in d. Kieler Kinderklinik tätig, T d. Fritz Räntsch ( um 1890), Brauereidir., Privatier, 1917 Gutsbes. in W.;
    1 B Ulrich (1907–45), 1 Schw Elisabeth (1909–45);
    1) Dahlewitz b. Berlin 1939 Hans-Jürgen Uhse (1908–44), Versuchspilot, Einflieger b. d. „Bücker Flugzeugbau GmbH“ in Rangsdorf b. Berlin, Flugleiter, Staffelkapitän e. Nachtfluggeschwaders, S d. Walter, Berufsoffz., Kaufhausangest. (s. Gen. 1), u. d. Elli Meyer (* um 1877), 2) Flensburg 1949 1972 Ernst-Walter (1913–89, 1] N. N.), Kaufm. in Flensburg, S d. Wilhelm Rotermund (1874–1961), Kpt. in Flensburg, u. d. Karola Meyer (1887–1950), aus Mannheim, 1972 John Holland (* um 1944), Lehrer in New York;
    1 S aus 1) Klaus (1943–84, ⚭ Gabriele Eckemann, aus Lübeck, Sportlehrerin), Kaufm. in Flensburg, 1 S aus 2) Ulrich (* 1949, ⚭ Jutta Hinrichsen, aus Glücksburg), Kaufm. in Flensburg, 1 Stief-S aus 2) Dirk Rotermund (* 1944), 1 Stief-T aus 2); Schwager Bodo (s. 1); Schwägerin Loni Rotermund (* 1926, Horst Joachim Frank, 1928–2005, Lit.wiss., Prof. f. Didaktik d. dt. Sprache u. Lit. an d. PH Flensburg, 1971–75 Rektor, s. Kürschner, Gel.-Kal. 2003; Biogrr. Angeln); Verwandter Hjalmar Schacht (1877–1970), Präs. d. Reichsbank, Reichswirtsch.min. (s. NDB 22).

  • Leben

    U. wuchs auf dem Gut ihrer Eltern in Ostpreußen auf, besuchte die höhere Schule auf der Insel Juist, dann das Internat der Odenwaldschule (Heppenheim, Bergstraße). Im Alter von 17 Jahren machte sie den Pilotenschein, nahm erfolgreich an Flugwettbewerben teil, wurde Einfliegerin bei der „Bücker Flugzeugbau GmbH“ in Rangsdorf b. Berlin, seit 1942 bei dem Flugzeugreparaturwerk Alfred Friedrich in Strausberg, und trat 1943 in den Dienst der Wehrmacht (1944 Hptm. d. Luftwaffe). Als Mitglied eines Überführungsgeschwaders flog sie Flugzeuge an die Front. Zu Kriegsende floh U. aus Berlin, geriet für einige Wochen in brit. Kriegsgefangenschaft und ließ sich danach mit ihrem Sohn Klaus in dem Dorf Braderup (b. Niederbüll, Schleswig-Holstein) nieder. Sie verkaufte dort im Wandergewerbe Spielzeug, Knöpfe und Haushaltswaren. Dabei kam sie mit vielen Frauen in Kontakt, denen sie Ratschläge für die Schwangerschaftsverhütung gab. 1947 verbreitete sie ihre „Schrift X“, hektographierte Blätter über den weiblichen Fruchtbarkeitszyklus mitsamt einer Tabelle zur Berechnung der unfruchtbaren Tage. Daß es sich dabei um die seit langem bekannte Knaus-OginoMethode handelte, verschwieg sie allerdings. Sie verschickte ihre Werbezettel als Postwurfsendung in den Städten und größeren Ortschaften der Umgebung und hatte damit umgehend Erfolg. Noch 1947 gründete U. den „Betu-Vertrieb“. Mit Bestellungen der „Schrift X“ schickten ihr Kunden auch Anfragen nach Sexualaufklärungsschriften, Aktbildern, potenzanregenden Mitteln und Kondomen. U. erweiterte daher ihren Vertrieb, den sie anfangs nur mit ihrem Mann zusammen unterhielt. Das Ehepaar zog nach Flensburg, und U. nannte ihre Firma „Versandhaus für Ehehygiene“. Der Katalog-Versandhandel wurde zur Basis ihres rasch wachsenden Unternehmens.

    1951 gründete U. das „Versandhaus Beate Uhse“, hatte bald mehrere Angestellte und Mitte der 1950er Jahre bereits 200 000 Kunden; sie machte einen Umsatz von 500 000 Mark. Ihr Erfolg hielt an: Mitte der 1960er Jahre war sie Chefin von Europas größtem Erotikkonzern mit ca. zwei Mio. Kunden und 265 Mitarbeitern; 1969 betrug der Umsatz 35 Mio. Mark. Zahlreiche Strafanzeigen, in den 1940er Jahren noch wegen Betrugs und Wuchers, später wegen der Verbreitung unzüchtiger Schriften, zwangen sie bis in die 1970er Jahre viele Male vor Gericht; verurteilt wurde sie jedoch nie. Von ihrem Stammsitz Flensburg aus, im Volksmund „Sex-Eck“ genannt, eröffnete U. im Laufe der späten 1960er und der 1970er Jahre Filialen in allen westdt. Großstädten, v. a. in den neugeschaffenen Fußgängerzonen. 1979 übernahm sie die Sex-Shop-Kette des Konkurrenzunternehmens „Dr. Müller“, 1983 stieg sie ins Pornofilmgeschäft ein und war mit ihrem Unternehmen auch in den USA präsent. 1981 wurde eine Aktiengesellschaft gegründet und der Konzern geteilt: U.s Söhne Dirk Rotermund und Klaus Uhse leiteten den „Orion Versand“, U. lenkte gemeinsam mit ihrem Sohn Ulrich die „Beate Uhse AG“, zu der die Ladenkette und das Filmgeschäft zählten. 1984 machte U. mit insgesamt 30 Geschäften und 14 Kinos in der Bundesrepublik Deutschland und 450 Mitarbeitern einen Umsatz von 64 Mio. Mark. Im Sommer 1990 trieb sie die Expansion ihres Unternehmens in Ostdeutschland voran; ihr Umsatz stieg erneut beträchtlich (1989: 89 Mio. Mark, 1990: 115 Mio. Mark). Seit Anfang der 1990er Jahre expandierte das Unternehmen auch nach Österreich und in die Schweiz, ferner nach Ungarn, Spanien, Portugal sowie in andere Länder. 1999 ging die „Beate Uhse AG“ an die Börse. Nach dem Tod der Firmengründerin 2001 hielt der unternehmerische Erfolg zunächst an, 2005 geriet der Konzern jedoch in Turbulenzen, die seither anhalten.

    U. setzte sich nach dem Vorbild des amerik. Sexualforschers Alfred C. Kinsey (1894–1956) die Liberalisierung des Umgangs mit Sexualität in der Bundesrepublik Deutschland zum Ziel. Im Kontext der sog. Sexwellen in den bundesdt. Medien, die bereits bald nach der Währungsreform 1948 einsetzten, verstand sie es, Sex und Erotik zu einem großen Geschäft zu machen. Die öffentliche Debatte um Sexualität löste in der frühen Bundesrepublik heftige gesellschaftliche Auseinandersetzungen aus; dabei bestanden Bezüge zu ähnlichen Konflikten um die Jahrhundertwende und am Ende der Weimarer Republik. In der Jugendbewegung von 1968 galt U. nicht als Ikone der Liberalisierung, vielmehr wurde sie wegen der Kommerzialisierung von Sex und Erotik höchst kritisch gesehen, ebenso von der seit den 1970er Jahren aktiven Frauenbewegung.

  • Auszeichnungen

    A BVK am Bande (1989); „Ehrenvenus“ d. Berufsverbands d. Erotikuntern. (1998); Eintragung in d. Goldene Buch d. Stadt Flensburg (1999); Hot d’Or d’Honneur (2000); – Beate-Rotermund-Str. in Flensburg.

  • Werke

    W Mit Lust u. Liebe, Mein Leben, 1989 (mit U. Pramann), Neuausg. u. d. T. Ich will Freiheit f. d. Liebe, B. U., Die Autobiogr., 2001 (P);
    Sex sells, Die Erfolgsstory v. Europas größtem Erotik-Konzern, 2000, 22002.

  • Literatur

    L E. D. Heineman, Der B. U. Mythos, Respektabilität, Gesch. u. autobiogr. Marketing in d. frühen Bundesrep., in: WerkstattGesch. 40, 2006, H. 2, S. 69–92;
    dies., The History of Morals in the Federal Republic, Advertising, PR, and the B. U. Myth, in: P. E. Swett u. a. (Hg.), Selling Modernity, Advertising in Twentieth-Century Germany, 2007, S. 202–29;
    dies., Before Porn Was Legal, The Erotica Empire of B. U., 2011;
    U. van Steen, Liebesperlen, B. U., Eine dt. Karriere, 2003;
    S. Steinbacher, Wie d. Sex n. Dtld. kam, 2011;
    Munzinger;
    – Filme: B. U., Ein dt. Sittenspiegel, Regie C. Bissinger, 2001;
    B. U., Das Recht auf Liebe, Regie H. Thurn, 2011; Qu B.U.-Archiv, Forsch.stelle f. Zeitgesch., Hamburg.

  • Autor/in

    Sybille Steinbacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Steinbacher, Sybille, "Uhse, Beate" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 553-554 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11889045X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA