Lebensdaten
1887 bis 1943
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Offizier ; NS-Politiker ; Sportfunktionär
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117431257 | OGND | VIAF: 3248376
Namensvarianten
  • Tschammer und Osten, Hans von
  • Osten, Hans von Tschammer und
  • Osten, Hans von Tschammer- und
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Zitierweise

Tschammer und Osten, Hans von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117431257.html [30.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit d. 13. Jh. nachweisbarer schles. Adelsfam. (auch Sambor, Zambor, Czambor, Tschambor), deren Stammreihe mit Georg v. Schammer, um 1400 auf Iskositz, beginnt;
    V Hans (1856–1922), aus Frankfurt/O., kgl. sächs. Landwehr-Oberstlt., kgl. sächs. Kammerherr, S d. Fedor (1827–58), preuß. Lt., u. d. Isidore Günther (1835–82);
    M Betty (1861–1903), T d. Emil v. Metsch, Dr. iur., Fideikommissherr auf Steinbrücken b. Köstritz mit Roben, u. d. Sophie Freiin v. Kotzau a. d. H. Thurm b. Zwickau;
    Urur-Gvv Friedrich Wilhelm Alexander (1737–90), preuß. Gen.major, Kdt. d. Invalidenhauses in B. (s. ADB 54; Priesdorff III, S. 92 f., Nr. 1015);
    2 B Wolf (1884–1946 in russ. Kriegsgefangenschaft hingerichtet), Oberst, Feldkdt., Eckart (1885–1946 hingerichtet), 1 Schw Elisabeth (1903–51, Joseph Neuhaus, 1905–50, Dr. med., prakt. Arzt);
    Weißer Hirsch b. Dresden 1919 Marie (1892–1972, 1] Hans v. Zimmermann, 1877–1916 b. Haucourt, Frankr., Dr. iur., Hptm., kgl. sächs. Reg.rat), T d. Dietrich v. Carlowitz (1864–1907), auf Klein-Dehsa, Lt., kgl. sächs. Kammerherr, u. d. Elisabeth (Titi) v. Stammer (1867–1952);
    1 S Curt-Dietrich (* 1923, ⚭ Iris v. Möller, * 1928, T d. Gerhard v. Möller, * 1876, Maschinenfabrikbes. in Kupferhammer b. Brackwede, s. Wenzel; NDB 17*), Landwirt, 1 T Felicitas (* 1920, 1] 1943 Armin Pfaffendorf, 1919–44 Rußland, Hptm., 2] 1947 1967 Klaus-Wolf Neumann[-Semerow], 1916–2005, Major, 3] Walter v. Wietersheim, 1917–2002, Vers.dir., Major).

  • Leben

    T. diente zunächst als Page am Dresdner Hof und besuchte seit 1899 das sächs. Kadettenkorps in Dresden. Nach dem Abitur 1907 trat er als Fähnrich in das 6. Kgl.-Sächs. Infanterieregiment Nr. 105 ein. In den ersten Wochen des 1. Weltkriegs erlitt er einen Unterarmdurchschuß, der eine lebenslange Lähmung der rechten Hand zur Folge hatte. Das Kriegsende erlebte T. als Oberstleutnant, bis 1919 war er noch im sächs. Kriegsministerium tätig. Nach seiner Heirat bewirtschaftete er das im Familienbesitz seiner Frau befindliche Rittergut Kleindehsa (Sachsen). Er schloß sich 1922 dem von Arthur Mahraun (1890– 1950) gegründeten „Jungdeutschen Orden“ (Jungdo) an, einer völkisch orientierten, paramilitärischen Organisation, übernahm 1923 als Komtur die Führung der Großballei Sachsen, trat aber nach einem Zerwürfnis mit Mahraun 1926 aus. 1929 lernte T. in München Adolf Hitler kennen und trat am 1. 3. 1930 in NSDAP (Mitgliedsnr. 205 742) und SA ein. Nach einem Jahr Dienst als SA-Mann wurde T. im Jan. 1931 die Führung der SAStandarte 103 (Löbau) übertragen, am 1. 3. 1932 übernahm er die Führung der SA-Gruppe Mitte (Dessau).

    Damit war für T. ein großer Karrieresprung verbunden. Dreimal kandidierte er 1932 und 1933 im Wahlkreis 10 (Magdeburg) für die NSDAP erfolgreich für den dt. Reichstag, dem er bis 1943 angehörte. Im April 1933 wurde T. Sonderkommissar der Obersten SA-Führung (OSAF) im Reichsinnenministerium und war dort wenige Wochen zuständig für die SA-Hilfspolizei. Als SA-Führer war er verantwortlich für den sog. Eislebener Blutsonntag vom 12. 2. 1933, den Überfall des SASturms 26 auf das KPD-Büro und die Turnhalle eines Arbeitersportvereins mit Toten und Verletzten.

    Am 15. 4. 1933 wurde T. als Nichtfachmann, der sich aber als Organisator und Redner auf Parteiveranstaltungen bewährt hatte, zunächst ehrenamtlich zum Reichssportkommissar berufen, der im dt. Sport die neuen Richtlinien der NS-Regierung durchsetzen sollte. Nachdem sich bereits zuvor ein Großteil der dt. Turn- und Sportverbände durch die Einführung des Führerprinzips ihrer demokratischen Grundsätze entledigt und die antisemitischen Vorstellungen der neuen Machthaber von sich aus umgesetzt hatte, fiel es T. leicht, die dt. Turn- und Sportbewegung in den NSStaat zu überführen. Die Arbeiter-Turn- und Sportbewegung wurde am 30. 4. 1933 zerschlagen und liquidiert. Der Dachverband des bürgerlichen dt. Sports, der „Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen“ (DRA), löste sich am 10. 5. 1933 selbst auf, an seiner Stelle führte T. durch die Einrichtung von 15 Fachverbänden das Fachverbandsprinzip ein. Darüber hinaus übernahm er die Führung der „Deutschen Turnerschaft“. Am 19. 7. 1933 wurde T. durch den Reichsinnenminister zum Reichssportführer im Rang eines Ministerialdirektors (seit 1938 als Staatssekr.) ernannt. Mit dem „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“ (DRL), jetzt aus 21 Fachämtern zusammengesetzt, schuf T. am 27. 7. 1934 eine neue, unter seiner Leitung stehende Organisation. Die regionale Gliederung des dt. Sports wurde der staatlichen Verwaltungsgliederung angeglichen. Am 21. 12. 1938 wurde der DRL durch Erlaß Hitlers zum „Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen“ (NSRL) erklärt und damit eine von der Partei betreute Organisation.

    In seiner fast zehnjährigen Dienstzeit avancierte T. zur zentralen Schaltstelle des Sports im NS-Staat. 1933 übernahm er in der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) als Amtsleiter das Sportamt der Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF), war u. a. seit 1934 als SA-Gruppenführer Leiter des Referats für Leibesübungen sowie 1937–42 Leiter des Hauptamts NSKampfspiele bei der Obersten SA-Führung. Er war Beauftragter für die Leibesübungen an den NS-Ordensburgen, Präsident des Dt. Olympischen Ausschusses, Vorstandsmitglied des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen und Berlin, 1936–43 Präsident der Reichsakademie für Leibesübungen, Leiter der Obersten Behörde für Vollblutzucht und -rennen. Daneben war er u. a. Präsident der Dt.-Ital. Gesellschaft und 1933–43 Mitglied des Hauptvorstandes der Dt. Adelsgenossenschaft. 1938 wurde T. Beauftragter für die Leibesübungen in der NSDAP und in den Stab von Rudolf Heß (1894–1987) berufen. Seine zunächst offiziell zurückhaltende Haltung gegenüber dem jüd. Sport (Erlaß z. Selbstorganisation d. jüd. Sports, Nov. 1933 u. Juli 1934) war der außenpolitischen Rücksichtnahme im Vorfeld der Olympischen Spiele in Garmisch-Partenkirchen und Berlin 1936 geschuldet. T. starb infolge einer Angina pectoris in Berlin.

  • Auszeichnungen

    A E. K. I. u. II. Kl.; kgl. sächs. Verdienstorden II. Kl. mit Schwertern; kgl. sächs. Albrechtsorden II. Kl. mit Schwertern; kgl. württ. Friedrichsorden II. Kl. mit Schwertern; Ehrenkreuz f. Frontkämpfer.

  • Literatur

    L D. Steinhöfer, H. v. T. u. O., Reichssportführer im Dritten Reich, 1973 (W-Verz.);
    H. Teichler, Internat. Sportpol. im Dritten Reich, 1991;
    V. Kluge, Hitlers Statthalter im Sport, H. v. T. u. O., in: Soz.- u. Zeitgesch. d. Sports 7, 1993, S. 29–42;
    Lilla, MdR;
    zur Fam.: Gotha. Geneal. Tb. d. Uradeligen Häuser 15, 1914, S. 815 f.;
    GHdA 126, Adelige Häuser A 26, 2001, S. 560–64;
    GHdA 134, Adelslex. XV, 2004.

  • Autor/in

    Lorenz Peiffer
  • Empfohlene Zitierweise

    Peiffer, Lorenz, "Tschammer und Osten, Hans von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 471-472 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117431257.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA