Lebensdaten
1928 bis 1998
Geburtsort
Braubach/Rhein
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Journalist ; Schriftsteller ; Drehbuchautor ; Filmregisseur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119090201 | OGND | VIAF: 59886597
Namensvarianten
  • Tremper, Wilhelm (eigentlich)
  • Tremper, Willi
  • Tremper, Willy
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Tremper, Will, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119090201.html [30.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1902–91), Gastwirt in B., S d. Heinrich (1868–1931), Gastwirt, u. d. Elisabeth Epstein (1872–1952);
    M Emilie Alberti (1905–53);
    2 B Dieter (* 1937), Filmkaufm., Klaus Ulrich (* 1941), Metzger, Schw Gisela (* 1931), Lehrerin;
    1) 1948 1950 Ingrid Weymann, Journ., 2) 1953 1955 Ursula Lyn, Schausp., Drehbuchautorin, 3) 1959 1966 Karin Erler, Stewardess, 4) 1966 Celia M. (* 1942, 1] N. N. Hassenstein), Journ., T d. Kurt Zentner (1903–74), Dr. phil., Journ., Schriftst.;
    1 S aus 3), 1 T aus 3) 2 S aus 4); Schwager Christian Zentner (* 1938), Dr. phil., Hist., Journ., Publ.

  • Leben

    T. verließ 1943 das Gymnasium in Oberlahnstein ohne Abschluß, um in Koblenz als Verlagsbote für das „Nationalblatt“ und als Praktikant im Fotolabor des „Moselland-Bilderdienstes“ zu arbeiten. 1944 begann er in Berlin eine Ausbildung als Bildberichterstatter, die ihn auch an die Ostfront führte. 1945 zur Waffen-SS eingezogen, konnte er jedoch rasch seine Entlassung erwirken und gegen Kriegsende nach Bayern fliehen. Im Juli 1945 kehrte er nach Berlin zurück, wo er bis zu seiner Inhaftierung 1947 durch die amerik. Militärregierung wegen Weitergabe falscher Informationen beim „Tagesspiegel“ als Polizeireporter tätig war. 1948–53 arbeitete T. als Assistent und Ghostwriter für den Starjournalisten und Sachbuchautor Curt Riess (1902–93); nach dem Bruch mit diesem wurde er 1954 Reporter und Serienautor der Berliner Boulevardzeitung „BZ“.

    Seit Jugendjahren bestrebt, zum Film zu kommen, gelangte T. 1955 in Kontakt mit der „Inter West Film“ von Wenzel Lüdecke (1917–89). Sein erstes realisiertes Drehbuch, „Die Halbstarken“ (1956), war einer der wenigen Spielfilme der Adenauer-Ära, die sich mit der bundesdt. Realität auseinandersetzten und den heraufziehenden Generationenkonflikt thematisierten. Das von dem Regiedebütanten Georg Tressler (1917–2007) inszenierte Werk begründete den Starruhm von Horst Buchholz (1933–2003) und der Neuentdeckung Karin Baal (* 1940). Einen noch schärferen Blick auf den Alltag von Arbeitern und Kleinbürgern zeigte das Nachfolgeprojekt „Endstation Liebe“ (1957/58) des Teams Lüdecke/Tressler/Buchholz und T., das bereits den für letzteren typischen schnoddrigen Humor, lebensnahe Dialoge und genau beobachtete Details enthält. Nach dem eher konventionellen Drama „Nasser Asphalt“ (1958), in dem T. seine Erfahrungen mit Riess verarbeitete, ermöglichte ihm ein Fan seiner im „Stern“ unter dem Pseudonym „Petronius“ veröffentlichten Serie „Deutschland, deine Sternchen“ die Produktion des ersten eigenen Films „Flucht nach Berlin“ (1960/61). Dieser zählt zu den wenigen westlichen Spielfilmen jener Zeit, die sich mit der dt. Teilung befassen – ein weiterer zu demselben Thema, „Verspätung in Marienborn“, wurde 1962/63 von Rolf Hädrich (1931–2000) realisiert. Dabei griff T. die Impulse der internationalen Jungfilmerbewegung jener Jahre – wie sie sich etwa in Gestalt der Nouvelle Vague in Frankreich oder des Free Cinema in Großbritannien manifestierte – auf: Er behandelte ein aktuelles Thema, drehte spontan, ohne richtiges Drehbuch, ohne Atelier, mit niedrigem Budget und Freunden sowie Laien vor wie hinter der Kamera. Seine Position als wichtiger Nachwuchsfilmemacher festigte T. mit „Die endlose Nacht“ (1962/63) sowie „Playgirl“ (1965/66) mit Eva Renzi (1944– 2005) und Paul Hubschmid (1917–2002), die in ähnlicher Weise entstanden. Ermöglicht wurde T.s Vorreiterrolle des „neuen“ Kinos und des Autorenfilms in einer Zeit, als es kaum Filmförderung gab, durch unkonventionelle Finanzierungsmethoden: T. arbeitete weiterhin als gutbezahlter prominenter Journalist insbesondere für Illustrierte, kündigte allerdings aus Werbegründen auch mehr Projekte an, als er letztlich realisieren konnte. 1963 führte er unter dem Pseudonym „Quentin Philips“ bei dem Edgar-Wallace-Krimi „Zimmer 13“ Regie. Von dem Film „Sperrbezirk“ (1966), den er für den Produzenten und Drehbuchautor Ernst Neubach (1900–68) inszenierte, distanzierte er sich, da die von diesem veränderte Endfassung nicht seinen Vorstellungen entsprach.

    T.s Filme zielten stets auf ein breites Publikum, seine Herangehensweise an Themen|war weniger intellektuell als von seiner Praxis als Illustriertenautor geprägt. Nachdem 1966/67 viele Nachwuchsregisseure ihre ersten Werke vorlegten, eine starke Politisierung der Gesellschaft einsetzte und das bürokratische Filmförderungssystem in Gang kam, entfremdete sich T. rasch von der Szene. 1966 noch ausgewiesener Branchenkenner mit der „Zeit“-Serie „Erfahrungen in einer verrotteten Industrie“, 1967 Kolumnist der Zeitschrift „Film“, fand T. in Filmkreisen immer weniger Beachtung. Dazu trug seine Arbeit für den nun zunehmend angefeindeten Axel-Springer-Verlag bei: Seit 1963 auch Autor von „Bild“, wurde T. 1968 Textchef der neu erscheinenden Zeitschrift „Jasmin“. Nach dem Mißerfolg seines letzten, in engl. Sprache gedrehten Films „Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe?“ (1969/70), zog er sich auf seine Tätigkeit als Journalist, u. a. für „Welt am Sonntag“, und Buchautor zurück.

  • Auszeichnungen

    A Preis d. Dt. Filmkritik (1963); Dt. Filmpreis, Filmband in Silber (1963); Bambi (1963); Jakob-Kaiser-Preis (1963); Dt. Filmpreis, Filmband in Gold (1964).

  • Werke

    Weitere W u. a. Roman: Das Tall-Komplott, 1973;
    Drehbuch zu d. Fernsehfilm „Rosinenbomber“, 1988;
    Autobiogr.: Meine wilden Jahre, 1993;
    Große Klappe, Meine Filmjahre, 1998 (P).

  • Literatur

    L N. N., In Dtld. nur als Außenseiter, in: Filmkritik 7, 1963, S. 312–15;
    I. Perl, W. T. filmt in d. Straßen Berlins, in: Film 9, 1965, S. 20 f.;
    W. Kließ, Filmen in Dtld., ebd. 12, 1965, S. 10 u. 12;
    E. Wendt u. W. Kließ, W. T., der Vater v. Bubis Kino, ebd., S. 11;
    U. Nettelbeck, Der Fall W. T., in: Die Zeit v. 9. 9. 1966;
    J. Gympel (Red.), W. T., Filme e. Journalisten, Kinemathek, H. 80, 1993 (Ill.);
    ders., Der vergessene Hoffnungsträger, in: H.-M. Bock, J. Distelmeyer u. J. Schöning (Hg.), Im Zeichen d. Krise, 2013, S. 23–38;
    – C. Seidl, in: SZ v. 16. 12. 1988 (P);
    Kosch, Theater-Lex.;
    Munzinger; CineGraph (W, L).

  • Autor/in

    Jan Gympel
  • Empfohlene Zitierweise

    Gympel, Jan, "Tremper, Will" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 394-395 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119090201.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA