Lebensdaten
1903 bis 1984
Geburtsort
Ermsleben (heute Falkenstein bei Aschersleben, Harz)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Reichsamtsleiter in der Reichspropagandaleitung der NSDAP
Konfession
evangelisch,gottgläubig
Normdaten
GND: 142202266 | OGND | VIAF: 122753687
Namensvarianten
  • Tießler, Ernst Christoph Walter
  • Tießler, Walter
  • Tießler, Ernst Christoph Walter
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Zitierweise

Tießler, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd142202266.html [29.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Walter (* 1876), Oberpostinsp., Stadtrat in Halle/Saale;
    M Elsbeth (Else) Diewer (* 1878), aus Bernburg;
    B Hans (1905–51), Dr. iur., Jur., Vf. v. „Das Grundrecht d. Ver.- u. Verslg.freiheit d. Polizei“, NS-Funktionär, 1928 Mitgründer d. Nat.soz. Dt. Studentenbundes, Gauamtsleiter im Gau Oberschlesien, 1940–45 OB v. Kattowitz, Mitgl. d. Landesvorstands d. FDP Niedersachsen (s. Biogr. Lex. Burschenschaft; Lilla, Preuß. Staatsrat);
    1928 Elli Hoffmann (* 1906);
    3 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Vorschule in Halle/Saale und der Bürgerschule in Greiz absolvierte T. die Gymnasialausbildung bis einschließlich der Untersekunda. 1921 folgte eine kaufmännische Lehre in Halle. 1922–30 war T. als Tagelöhner, später als Angestellter beim Knappschaftskrankenhaus in Carlsfeld (heute Eibenstock, Sachsen) tätig. 1922/23 trat er in die Ortsgruppe Halle der NSDAP und in die SA ein (Mitgl. bis 1926). In der Zeit des Parteiverbots 1924/25 war er Ortsgruppenleiter der NS-Ersatzorganisation „Dt.-Völkische Freiheitspartei“ in Carlsfeld, 1925 trat er in die wiederbegründete NSDAP (Mitgl.nr. 15 761) ein. Im selben Jahr wurde er ehrenamtlicher Kreisleiter für Bitterfeld und Delitzsch, Gauredner und „Schriftleiter“ des „Mitteldt. Beobachters“. 1926–30 war er Gaupropagandaleiter und Gaupressewart im Gau Halle-Merseburg sowie 1931–34 Gaugeschäftsführer; neben kurzzeitigen weiteren Tätigkeiten in der regionalen Presse- und Propagandapolitik fungierte er seit Frühjahr 1932 als stellv. Gauleiter und 1931–33 als geschäftsführender Gauorganisationsleiter. Daneben von Juli 1933 bis Mai 1934 auch Leiter der Landesstelle „Mitteldeutschland“ des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP), wurde T. anschließend in die Münchner Reichspropagandaleitung (RPL) der NSDAP berufen, zunächst ohne Zuweisung einer konkreten Stelle „zur besonderen Verwendung“. 1935 übernahm T. innerhalb der RPL die Leitung des Hauptamtes „Reichsring“ für nationalsozialistische Propaganda und Volksaufklärung und entwickelte in dieser Funktion durch regelmäßige Tagungen aller relevanten Kommunikatoren aus Partei, gesellschaftlichen Organisationen sowie Wirtschafts- und Kulturverbänden eine einheitliche Propagandalinie von Partei, Staat und gesellschaftlichen Interessengruppen. T. organisierte den Reichsring, der mit nachgeordneten Organisationen auf Gau- und Kreisebene bis in die Kriegsendphase aktiv war, mindestens bis Anfang 1944.

    1941 berief Joseph Goebbels T. zu seinem persönlichen Verbindungsmann zu der von Martin Bormann geleiteten Dienststelle „Stellvertreter des Führers“, später Parteikanzlei. Die Vermittlung zwischen Goebbels und Bormann erwies sich als problematisch für T., der 1940–42 zugleich als Leiter des Amtes II B der Parteikanzlei fungierte. Seine Handakten (BA Berlin-Lichterfelde) zeigen ihn gleichsam als Diener zweier mißtrauischer Herren, die beide mutmaßten, T.s Loyalität gelte primär jeweils dem anderen Vorgesetzten. Dies und T.s notorisches Insistieren auf eine höhere Dienstrangstufe führten Ende 1944 zu seinem Abschied vom RMVP und partiell auch aus der Parteikanzlei. Fortan war T. Verbindungsmann der Parteikanzlei zur Regierung des Generalgouvernements unter Hans Frank. Zugleich hatte er die stellv. Leitung des Arbeitsbereichs Generalgouvernement der NSDAP inne.|

    Im Okt. 1948 wurde T. von der Lagerspruchkammer Nürnberg-Langwasser in die Gruppe II (Belasteter) mit Vermögenskonfiskation, Verlust von Rentenansprüchen und Wahlrecht eingestuft, die politische Haft seit Juni 1946 wurde auf die verhängte zweijährige Arbeitslagerstrafe angerechnet. Im Berufungsverfahren vor der Berufungskammer München wurde das Spruchkammerurteil im Juni 1949 aufgehoben, T. wurde in die Gruppe III (Minderbelasteter) mit Bewährung und ohne weitere Sühnemaßnahmen eingereiht. Über seine berufliche Tätigkeit nach dieser Zeit liegen keine gesicherten Informationen vor. An seiner politischen Einstellung hatte sich jedoch auch drei Jahrzehnte nach Kriegsende wenig geändert, wie das Protokoll eines Interviews mit dem amerik. Historiker Jay W. Baird von 1973 zeigt.

  • Auszeichnungen

    A Goldenes Parteiabzeichen d. NSDAP.

  • Werke

    W Gold, Blut, Kasse, Theaterstück, 1926 (offenbar unveröff.);
    Willi Faber, Einer v. vielen, Theaterstück, 1933, gedr. 1934;
    Nicht Phrasen, sondern Klarheit, 1942; Licht u. Schatten oder: Schonungslose Wahrheit, 1922 bis 1945 (Autobiogr. 1922–45, Ms., IfZ München, ED 158).

  • Quellen

    Qu IfZ München; BA Berlin; StA München, Spruchkammerakten Karton 1828.

  • Literatur

    L P. Longerich, Hitlers Stellv., 1992;
    M. Rademacher, Hdb. d. NSDAP-Gaue 1928–1945, 2000;
    J. Lilla (Hg.), Die Stellv. Gauleiter u. d. Vertretung d. Gauleiter d. NSDAP im „Dritten Reich“, 2003;
    D. Mühlenfeld, Between State and Party, Position and Function of the Gau Propaganda Leader in Nat. Socialist Leadership, in: German Hist. 28, 2010, S. 167–92;
    R. L. Bytwerk, Grassroots Propaganda in the Third Reich, The Reich Ring for Nat. Socialist Propaganda and Public Enlightment, in: German Studies Review 33, 2010, S. 93–118;
    Lilla, Preuß. Staatsrat; – Internet: German Propaganda Achive, bearb. v. R. L. Bytwerk (P).

  • Autor/in

    Daniel Mühlenfeld, Maria Schimke
  • Empfohlene Zitierweise

    Mühlenfeld, Daniel; Schimke, Maria, "Tießler, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 270-271 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd142202266.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA