Lebensdaten
um 1640 - 1690
Sterbeort
Bezau (Bregenzerwald)
Beruf/Funktion
Baumeister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118802186 | OGND | VIAF: 64803807
Namensvarianten
  • Thumb, Michael

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Zitierweise

Thumb, Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118802186.html [08.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Peter I, Maurermeister aus Au (Argenau);
    M Barbara Beer;
    B Christian (um 1645–1726), Baumeister aus Au (s. N. Lieb, Die Vorarlberger Barockbaumeister, ³1976; ThB; LThK3);
    Bezau 1670 Christina Feuerstein ( 1690), evtl. T e. Landammanns in B.;
    6 S u. a. Gabriel (1671–1715), Maurermeister, Peter II (s. 2), Franz (1683–1760), Pfarrer in Schoppernau (Bregenzerwald), Michael (1686–1704), studierte in Feldkirch, 3 T. |

  • Leben

    Als Sohn eines Maurermeisters absolvierte T. seine Lehre bei Michael Beer (um 1605–1666), dem Gründer der Auer Zunft, deren Mitglied T. 1659 wurde. Spätestens seit 1665 war er Mitarbeiter und Polier im Betrieb Beers. Auf dessen Baustellen wie bei den Jesuitenbauten in Landshut (Bayern) und vielleicht auch in Luzern wurde er mit der Wandpfeilerbauweise vertraut. Als Meister stellte er insgesamt 26 Lehrlinge bei der Auer Zunft vor, darunter seinen Bruder Christian T. und Franz II. Beer (1660–1726). Ein weiterer Schüler und Polier T.s war Valerian Brenner (1652–1715).

    T.s Hauptverdienst ist die Entwicklung und Etablierung eines Kirchenbauschemas, das meist als „Vorarlberger Münsterbauschema“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine spezielle Ausprägung des Wandpfeiler-Emporen-Saals, den T. an sich nicht erfunden hatte: Die Wandpfeilerbauweise, ein solider Kirchenbautypus seit der Spätgotik, war bereits von den Jesuiten aufgegriffen worden und seit Anfang des 17. Jh. bei Ordensbauten im süddt. Raum populär. T. griff auf diese Jesuitenarchitektur zurück, v. a. auf die Kollegienkirche der Jesuiten in Dillingen, die 1610–17 von Hans Alberthal (eigtl. Giovanni Albertalli, um 1575/80–1657) errichtet worden war. Der Bautypus des Wandpfeilerbaus wurde jedoch im 17. Jh. nicht nur bei Jesuitenkirchen verwendet, auch die Graubündner Baumeister, verwandtschaftlich verbundene wandernde Baumeistertrupps aus dem Misoxtal, machten ihn sich zu eigen.

    Aus dieser Tradition, aber auch in Abgrenzung von Jesuiten- und Graubündner Bauten bildete T. in den 1670er/80er Jahren ein einfaches, aber solides und wirksames Schema aus. Als erster „Prägebau“ (Schütz) entstand seit 1682 die Wallfahrtskirche Maria di Loreto auf dem Schönenberg bei Ellwangen im Auftrag der Jesuiten; hier fand T. den Anschluß an die Jesuitenarchitektur. Die noch sehr massiven Wandpfeiler der Ellwanger Wallfahrtskirche erinnern an St. Michael in München, die erste Jesuitenkirche nördlich der Alpen. In die Abseiten der Ellwanger Kirche sind Emporen eingezogen, deren Brüstungen hinter den Doppelpilastern der Wandpfeilerstirnen verlaufen. In der Mitte der Anlage zwischen Langhaus und Chor wird das östliche Langhausjoch querhausartig erweitert, die Empore wird zu einem schmalen Gang. Im Chor der Ellwanger Kirche finden sich Freipfeiler, ein Rückgriff auf die Studienkirche in Dillingen. Ob die Attikazone über den Emporen auf T. zurückgeht oder auf den Jesuitenbaumeister Heinrich Mayer, der den Bau 1683 übernahm, ist nicht abschließend geklärt. Noch in Ellwangen hatte T. ein Modell für die Prämonstratenser-Stiftskirche Obermarchtal gefertigt, die er seit 1686 erbaute. Hier übernahm er viele Elemente aus Ellwangen wie das Wandpfeilerlanghaus mit den Emporen, das mittig knapp vortretende Querhaus und den Freipfeilerchor. In Obermarchtal jedoch sind die Wandpfeiler weniger massiv, an ihren Stirnen befinden sich einfache Pilaster mit Rücklagen und markantem Gebälkkopf, es gibt keine Attika mehr, das Gewölbe ist eine durchgehende Gurtbogentonne. Im Zusammenspiel mit der Ausstattung entstanden so geklärte, straffere Raumverhältnisse und Proportionen.

    Dieser von T. in Ellwangen und Obermarchtal geprägte Typus ging als „Vorarlberger Münsterbauschema“ in die Forschung ein. Der Begriff „Schema“ im Sinne eines festgelegten Plans ist jedoch unglücklich, denn die nachfolgenden Vorarlberger Baumeister griffen T.s Wandpfeilertypus zwar auf, modifizierten ihn aber in zahlreichen Variationen und kombinierten ihn mit anderen Bautypen. Es ist daher angemessener, von der Vorarlberger Wandpfeilerkirche zu sprechen.

    Ein anderer Kirchenbautypus, der später v. a. bei seinem Sohn Peter Verwendung finden sollte, erscheint ebenfalls bereits im Werk Michael T.s: der Saalraum. In der Augustiner-Chorherren-Stiftskirche Wettenhausen (1670–86) wandte er den Saalraum erstmals bei einem Großbau an. Die abseitenartige Erweiterung des Langhauses in der Querachse sowie die weit in den Raum hineinragenden Pilasterpfeiler erinnern allerdings an den Typus der Wandpfeilerkirche. Die Ideen von Wettenhausen setzte T. in der Wallfahrtskirche St. Rasso von Grafrath (1688–94) fort, dort jedoch mit viel flacherer Pilastergliederung und reduzierter Instrumentierung.

    Durch T. wurde eine eigene Vorarlberger Bautradition begründet. Ende des 17. Jh. konnten die Vorarlberger sich mit ihren charakteristischen Wandpfeilerkirchen in weiten Teilen Süddeutschlands durchsetzen und ihre Vormachtstellung ausbauen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Mariaberg, Benediktinerinnen-Stift, Kloster u. Kirche, 1682;
    Dießen, Augustiner-Chorherren-Stift, Stiftsgebäude, 1681–88;
    Zwiefalten, Benediktinerkloster, Ostflügel Stiftsgebäude mit Bibl., Priorat u. Marienkapelle, 1684–90.

  • Literatur

    L W. Oechslin (Hg.), Die Vorarlberger Barockbaumeister, Ausst.kat. Einsiedeln 1973 (P);
    N. Lieb, Die Vorarlberger Barockbaumeister, ³1976 (P, W-Verz. S. 119);
    B. Schütz, Die kirchl. Barockarchitektur in Bayern u. Oberschwaben 1580–1780, 2000;
    T. G. Natter u. U. Pfanner (Hg.), Architectura Practica,|Barockbaumeister u. moderne Bauschule aus Vorarlberg, 2006;
    ThB; Dict. of Art.

  • Portraits

    P Öl/Lwd., Halbfigur, unbek. Maler, 1687 (Privatbes.), Abb. in: Oechslin (s. L), Abb. 1, u. Lieb (s. L), Abb. 1.

  • Autor/in

    Hanna Dornieden
  • Empfohlene Zitierweise

    Dornieden, Hanna, "Thumb, Michael" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 217-219 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118802186.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA