Lebensdaten
1857 – 1936
Geburtsort
Harburg/Elbe
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Chemiker ; Unternehmer
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 1035162873 | OGND | VIAF: 302188853
Namensvarianten
  • Thörl, Friedrich Heinrich Ludwig
  • Thörl, Friedrich
  • Thörl, Friedrich Heinrich Ludwig
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Zitierweise

Thörl, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1035162873.html [04.12.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Johann(es) Friedrich (Fritz) (1820–86), Untern., Senator in Hamburg, S d. Diederich Bernhard (1792–1825), Färber u. Kaufm. in Dannenberg/Elbe, u. d. Maria Dorothea Gördeler;
    M Maria Karoline Köthcke (Körth?) ( 1867);
    7 Geschw u. a. Max (1848–90), Dr.-Ing., Mitarb. in d. Fa. „Noblée & Thörl“ in Harburg, Julius (1862–1948), 1882 mit T. Leiter d. „Harburger Oelwerke Friedrich Thörl“;
    1882 Julia Maria (1862–1968), T d. Carl Liebermann (1823–1909) u. d. Elisabeth Benskin (1835–1907);
    4 S Friedrich (1884–1914 ⚔), Dr. jur., Lt. d. R. Old. Dragoner-Rgt. 19, Oscar Karl Paul Robert (* 1887), Herbert (1889–1945), Dr., Chemiker, 1933 Mitgl. d. „Stahlhelm“, Ortsgruppe Winterhude, später im Widerstand gegen d. NS, Erich (1891–1964), beide 1922 Gründer e. Getreiderösterei in Hamburg, Inh. e. Margarinefabrik, 2 T Olga Elisabeth Meier (1883–1965), Irmgard Dora Clara Julia (* 1889).

  • Biographie

    T. wurde nach Privatunterricht in Harburg und dem Besuch der Kgl. Gewerbeschule in Hildesheim 1876 Volontär in der Fabrik chemisch-technischer Präparate „Dr. Th. Schuchardt“ in Görlitz. Nach dem Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in Lüneburg studierte er seit 1878 Chemie und Technik in Aachen und wechselte ein Jahr später an das kgl. Sächs. Polytechnikum in Dresden, wo er bis 1881 blieb und sich mit Ölen und Fetten beschäftigte. Anschließend war er kurzzeitig Berater seines Bruders Max (1848–90) in dessen Firma „Noblée & Thörl“ in Harburg. 1882 gründete T.s Vater für seine Söhne T. und Julius die „Harburger Oelwerke Friedrich Thörl“, die zunächst beide Brüder leiteten. Nach dem gesundheitsbedingten Ausscheiden von Julius etwa 1890 wurde T. Alleininhaber des Unternehmens, das mit der Extraktion von Leinöl schnell wuchs, da T. durch technische Verbesserungen die amerik. und niederl. Konkurrenz ausschalten konnte. 1891 beteiligte sich T. an der Palmkernölfabrik Robert Francke, 1899 kaufte er die an der Elbe in Harburg gelegene Ölmühle von „Gaiser & Compagnie“, die er modernisierte und in „Friedrich Thörls Oelwerke‚ Elbe“ umbenannte. Die Fabrik stellte Palmkern- und Kokosöl her.

    Nach einer Brandzerstörung der Firmenanlagen der Palmkernölfabrik Robert Franckes und der Ölfabrik Friedrich Thörl 1900 kaufte T. neues Gelände auf der Zitadelle Harburgs, wohin er die noch intakten Extraktionsanlagen beider Firmen verlagerte und sie ergänzte durch eine Fettspaltungs- und Fettsäure-Destillationsanlage. 1894 wurde T. Alleininhaber der „Palmkernölfabrik Robert Francke & Co.“, die er seiner Firma angliederte, 1902 übernahm er eine Weberei zur Herstellung von Filtertüchern, die er in seinen Betrieben verwendete. Etwa zur selben Zeit entstand am Lauenbrucher Deich auf dem Gelände neben den Ölwerken an der Elbe die „Harburger Stärkefabrik Friedrich Thörl“, die sich aber gegen die Konkurrenz des Kartells unter Führung der „Hoffmanns Stärkefabriken“ in Salzuflen nicht dauerhaft durchsetzen konnte. 1908 verkaufte T. dem Kartell eine Herstellungslizenz für 600 000 Goldmark und 1910 die ganze Fabrik, die 1912 stillgelegt wurde. 1915 kaufte T. die Gebäude zurück.

    1906 erfolgte die Fusion und Umgründung seiner Firmen in eine AG mit einem Kapital von 10,5 Mio. Goldmark. Mit einem Partner und 1,5 Mio. Mark Kapital beteiligte sich die AG 1908 an der neu gegründeten „Baumwollsaatölfabrik F. Thörl GmbH“. 1910 erwarb T. einen Anteil an einer russ. Weberei zur Herstellung von Preß- und Filtertüchern. 1910–28 besaß T. die Güter Trenthorst und Wulmenau (1160 ha) bei Bad Oldesloe. Bis zum 1. Weltkrieg konnte er auf außerordentliche Erfolge zurückblicken: 1913 beschäftigte er 1185 Mitarbeiter, erzielte 350 Mio. Mark Jahresumsatz und die AG schüttete eine Dividende von 24% auf das Kapital von 10,5 Mio. Goldmark aus. 40% aller dt. Ölsaaten wurden durch die „F. Thörl Vereinigte Harburger Oelfabriken AG“ verarbeitet.

    Der 1. Weltkrieg erzwang die Umstellung der Verarbeitung von importierten Ölsaaten auf Ersatzprodukte und örtliche Saaten. Der für die Nachfolge vorgesehene Sohn Friedrich fiel 1914 bei La Gorgue. Nach weiteren Rückschlägen (Explosion der Extraktionsanlage auf dem Gelände der Zitadelle 1919, Brandzerstörung der Preßanlage am Lauenbrucher Deich 1920) verkaufte T. sein Unternehmen 1922 mehrheitlich an die niederl. Firma „Van den Bergh & Jürgens“, die 1929 in der „Unilever N. V.“ aufging. 1986 verkaufte Unilever die Fabrik an die amerik. ADM Inc., die die Fabrik wegen zu geringen Wasserstandes für Seeschiffe an ihrem Kai wenig später stillegte.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    A AR-Vors.: Hoffmanns Stärkefabriken AG;
    Lüneburger Wachsbleiche J. Börstling AG;
    AR-Mitgl.: Dt. Bank AG;
    Harburger Eisen- u. Bronzewerke AG;
    Phoenix AG;
    Gerling Vers. AG;
    Jaluit Ges. AG;
    Ehrungen: österr.-ungar. Konsul (1899–1925);
    preuß. KR (1905);
    Förderndes Mitgl. d. KWG (1911);
    stellv. Vors. (1912) u. Ehrenpräs. (1924) d. IHK Harburg;
    Ehrenbürger d. Stadt Harburg-Wilhelmsburg (1927);
    Ehrenmitgl. d. Arbeitgeber- u. Ind.verbands v. Harburg-Elbe E.V. (1927).

  • Literatur

    L O. Philipps, F. T. u. d. dt. Ölmüllerei, 1939;
    F. Thörls Vereinigte Harburger Oelfabriken AG (Hg.), 75 J. Thörl, Hamburg 1958;
    J. Ellermeyer, Die Industrialisierung Harburgs im 19. Jh., in: ders. u. a. (Hg.), Harburg, Von d. Burg z. Ind.stadt 1988, S. 158–205;
    Wenzel;
    Rhdb. (P); C. Gossler, in: Hamburg. Biogr. VI (P).

  • Porträts

    P Porträt v. J. Valett, 1921 (Helms-Mus., Hamburg-Harburg)

  • Autor/in

    Claus Gossler
  • Zitierweise

    Gossler, Claus, "Thörl, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 162-163 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1035162873.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA