Lebensdaten
1911 – 1987
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Bibliothekar ; Bibliothekshistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117300012 | OGND | VIAF: 32023008
Namensvarianten
  • Thauer, Wolfgang

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Thauer, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117300012.html [14.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    B Rudolf (s. 1), Erwin (1909–41), Schausp. in F. (s. Kosch, Theaterlex.);
    Frankfurt/M. 1941 Marianne (1915–2010), aus Karlsruhe, Dipl.-Bibl., T d. Adolf Nebel (1884–1960), Dr. iur., aus Mannheim, Staatsanwalt, zuletzt Landger.dir. in Offenburg;
    Adoptiv-T Dorothea Rosenboom, geb. Kalberlah (* 1940), Lehrerin, T Susanne (* 1941), Gymn.lehrerin.

  • Biographie

    Nach dem Abitur an der Klingerschule in Frankfurt/M. 1930 absolvierte T. eine bibliothekarische Ausbildung bei den Städtischen Volksbüchereien in seiner Heimatstadt, die er 1932 in Berlin mit dem Diplomexamen abschloß. Gleichzeitig studierte er an der Univ. Frankfurt/M. einige Semester Literaturgeschichte, Geschichte und Bibliothekswissenschaft. Nach erster Berufstätigkeit an der Preuß. Staatsbibliothek zu Berlin 1932/33 folgte er seinen künstlerischen Neigungen und arbeitete 1933/34 als Dramaturgie- und Regieassistent bei den Städtischen Bühnen in Frankfurt, wo sein Bruder als gefeierter Schauspieler auftrat. Nebenbei war T. in einem Pressearchiv und im Buchhandel beschäftigt. 1934 kehrte er an die Städtischen Volksbüchereien in Frankfurt zurück und wurde 1941 deren stellv. Direktor. Von der amerik. Militärregierung 1945 entlassen, war er 1946–49 als Buchhändler im Kommissionsbuchhandel und als Lektor beim Pressearchiv Frankfurt tätig. Nach einer Zwischenstation bei der Städtischen Volksbücherei Wiesbaden 1950/51 leitete er 1951–58 die Stadtbücherei Offenbach. Von 1958 bis zu seiner Pensionierung 1976 war er Direktor der Stadtbücherei Stuttgart. 1960/61 wurde er mit der kommissarischen Leitung der Süddt. Büchereischule Stuttgart betraut, deren Prüfungskommission er bereits seit 1954 angehörte.

    Als Bibliothekspolitiker, u. a. als Vorsitzender des Vereins Dt. Volksbibliothekare (VDB) 1958–64, im Dt. Bibliotheksverband (DBV) und als Mitglied von Planungsgremien, Kommissionen und Arbeitsgruppen erwarb T. sich besondere Verdienste: Von Beginn der 1950er Jahre bis zu seinem Ruhestand gab es kaum einen Bereich der Bibliotheksplanung und -gesetzgebung, der Erwachsenenbildung und der bibliothekarischen Ausbildung, an dem T. nicht beteiligt gewesen wäre. Sowohl in Offenbach wie in Stuttgart entwickelte er die Bibliotheken zu modernen Dienstleistungszentren mit Modellcharakter und wandelte historische Gebäude zu beispielhaften Zentralbüchereien um. In Stuttgart gliederte er 1965 der Zentralbücherei eine überregionale Anerkennung findende Musikbibliothek und 1976 eine der ersten Graphotheken in Deutschland an.

    Darüber hinaus publizierte T. zahlreiche Fachaufsätze und war 1960–82 Lehrbeauftragter der Fachhochschule für Bibliothekswesen Stuttgart bzw. deren Vorgängereinrichtungen. Er widmete sich der Geschichte des öffentlichen Bibliothekswesens, insbesondere von der Bücherhallenbewegung bis zur Weimarer Republik. Grundlegend sind v. a. die „Geschichte der Öffentlichen Bücherei in Deutschland“ (mit P. Vodosek, 1979, ²1990, japan. 1992) sowie drei kommentierte Quellensammlungen. T. pflegte enge Kontakte zum Buchhandel und berichtete 1959–74 regelmäßig in Vorträgen, u. a. in den Stadtbüchereien von Offenbach und Stuttgart, über literarische Neuerscheinungen. Seine umfassenden Literaturkenntnisse kamen u. a. dem „Romanführer“ des Hiersemann Verlags und „Reclams Romanführer“ zugute.

    T. hat das öffentliche Bibliothekswesen der Bundesrepublik Deutschland wesentlich mitgestaltet. Als Vertreter der Generation, die auf die Gründungsväter des neuzeitlichen öffentlichen Bibliothekswesens folgte, überwand er die ideologischen Debatten und bildungspolitischen Konzepte der 1960er Jahre und machte so den Weg frei für eine erfolgreiche Weiterentwicklung.

  • Auszeichnungen

    A Vors. d. VDV (1958–64);
    Mitgl. zahlr. Kommissionen, Ausschüsse u. Gremien f. Ausbildung, Fortbildung, Bibl.gesetzgebung u. Bibl.planung, u. a. d. DBV, d. Arb.kr. Erwachsenenbildung d. Kultusmin.|Baden-Württ., d. Landeskuratoriums f. Erwachsenenbildung Baden-Württ., d. Arb.gruppe Bibl.plan, d. Schulbeirats u. d. Prüfungskomm. d. Süddt. Büchereischule Stuttgart (ab 1965 Süddt. Bibliothekar-Lehrinst.) (1954–71), d. Aufsichtsrats d. Einkaufszentrale f. Öff. Büchereien, d. Jury Dt. Sachbuchpreis (1971–74);
    Hon.prof. (FH f. Bibl.wesen Stuttgart 1979);
    BVK 1. Kl. (1980).

  • Werke

    Weitere W u. a. Wechsel u. Stetigkeit im Buchbestand, Fragen d. Volksbüchereibestandes dargest. im Vgl. zu dem d. wiss. Bibl., in: Die Bücherei 8, 1941, S. 316–28;
    Die Bücherhallenbewegung, 1970;
    Stand u. Gegenwartsprobleme d. bibliothekar. Ausbildung im Bereich d. Öff. Bibliotheken, in: Bibliothekar. Kooperation, Aspekte u. Möglichkeiten, hg. v. P. Kaegbein, 1973, S. 89–99;
    Pol. d. Bücherei, Paul Ladewig u. d. jüngere Bücherhallenbewegung, 1975;
    Die Ausbildungsdiskussion d. Sechziger J., in: Bibl.wiss., Musikbibl., Soz. Bibl.arb., hg. v. P. Vodosek u. a., 1982, S. 32–39;
    Die Bücherhalle als „Bildungsbibl. f. alle Stände“, in: Bibliotheken im gesellschaftl. u. kulturellen Wandel d. 19. Jh., hg. v. G. Liebers u. P. Vodosek, 1982, S. 137–55;
    Die Öff. Bücherei d. Weimarer Zeit, 1984;
    Staat u. Öff. Bibl. in d. Weimarer Rep., in: Staatl. Initiative u. Bibl.entwicklung seit d. Aufklärung, hg. v. P. Kaegbein u. P. Vodosek, 1985, S. 57–78.

  • Literatur

    L H. Waßner, Einige Bemm. zu diesem Buch u. zu W. T., in: Bibliothekar. Arb. zw. Theorie u. Praxis, 1976, S. I-V;
    ders., in: Buch u. Bibl. 28, 1976, S. 611–15 (P);
    G. Rottacker, ebd. 40, 1988, S. 184 f.;
    P. Vodosek, in: Zs. f. Bibl.wesen u. Bibliogr. 35, 1988, S. 415 f.;
    ders., in: Wolfenbütteler Notizen z. Buchgesch. 13, 1989, S. 100–02;
    Lex. wiss. Bibliothekare.

  • Autor/in

    Peter Vodosek
  • Zitierweise

    Vodosek, Peter, "Thauer, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 83-84 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117300012.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA