Lebensdaten
1906 - 1986
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Physiologe ; Mikrobiologe ; Hochschullehrer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 12397836X | OGND | VIAF: 3393576
Namensvarianten
  • Thauer, Rudolf
  • Thauer, Rudolf, der Ältere
  • Thauer, Rudolph
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Zitierweise

Thauer, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12397836X.html [29.01.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf (1873–1921), aus Hebel b. Kassel, Mittelschullehrer in F.;
    M Agnes Marie Ottilie Emilie Knoblauch (1879–1929), aus Cainsdorf (Sachsen);
    B Erwin (1909–41), Schausp. in Frankfurt/M. (s. Kosch, Theaterlex.), Wolfgang (s. 2);
    1934 Lotte Kalberlah;
    1 S Rudolf K. (* 1939), 1972 Prof. f. Biochemie in Bochum, 1976–2005 f. Mikrobiol. in Marburg, 1991–2007 Leiter d. Abt. Biochemie am MPI f. terrestr. Mikrobiol. ebd., Dr. h. c. mult., Mitgl. d. Leopoldina 1984, Verdienstmedaille ders. 2013 Otto-Warburg-Medaille d. Ges. f. Biochemie u. Molekularbiol. 1984, Leibniz-Preis 1987, Carus-Medaille 1992, (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2014), 4 T.

  • Leben

    T. studierte 1925–31 Medizin und Naturwissenschaften in Frankfurt/M. und Berlin. 1932 wurde er bei dem Internisten Franz Volhard (1872–1950) mit einer Arbeit über die Wirkung von Nierenpreßsäften und -extrakten auf den Blutdruck von Versuchstieren zum Dr. med. promoviert. 1932/33 war T. Assistent von Albert Fraenkel (1864–1938) an der Krankenanstalt Speyerershof in Heidelberg, mit dem er an der Entwicklung der Strophantintherapie arbeitete. 1934 am Pharmakologischen Institut in Berlin und 1934–39 am Physiologischen Institut in Frankfurt/M. tätig, habilitierte sich T. 1935 bei Albrecht Bethe (1872–1954) über „Wärmeregulation und Fieberfähigkeit nach operativen Eingriffen am Nervensystem homoiothermer Säugetiere“ für Physiologie. 1936 wurde er Privatdozent und 1939 ao. Professor am von Bethe geleiteten Physiologischen Institut. 1941–43 fungierte er zudem als kommissarischer Direktor des Neurologischen Instituts der Univ. Frankfurt, wo er mit Georg Peters (1910–76) physiologische und pharmakologische Tierversuche unternahm. Während dieser Zeit entstanden seine den Anschauungen Bethes folgenden Arbeiten zur Wärmeregulation des Organismus, die Ernst Heinrich Webers Theorie der Temperaturempfindung und die von Hermann Freund und Reinhold Strasmann vertretene Annahme eines hypothalamischen Wärmezentrums im Gehirn widerlegten und durch die experimentell gestützte These der Existenz mehrerer Wärmeregulatoren eines Regulationssystems im Körper ersetzten. Im Okt. 1942 nahm T. an der Tagung „Ärztliche Fragen bei Seenot und Winternot“ in Nürnberg teil, auf der auch im KZ Dachau durchgeführte Menschenversuche diskutiert wurden, welche die Reaktion des Organismus auf Sauerstoffmangel in extremer Höhe und eisige Kälte zum Thema hatten. Bis heute ist ungeklärt, ob T. selbst entsprechende Versuche durchführte oder durchführen ließ. 1933/34 war er Fördermitglied der SS, 1934–36 Mitglied der SA und 1937 trat er in die NSDAP ein. Im Jan. 1947 wurde er als Mitläufer eingestuft.

    1943 wurde T. Ordinarius für Physiologie an der Univ. Danzig, 1944 erhielt er die o. Professur für Physiologie an der dortigen Med. Akademie. 1946/47 übernahm T. einen Lehrauftrag an der Univ. Kiel und verließ im Okt. 1947 Deutschland, um im Rahmen der „Operation Paperclip“ an das „Naval Air Equipment Laboratory“ in Philadelphia zu gehen, wo v. a. an T.s luftfahrtmedizinisch relevanten Forschungen in einer Klimakammer Interesse bestand. 1951 wurde T. als Nachfolger von Franz Groedel (1881–1951) Leiter der Abteilung für experimentelle Pathologie und Therapie am 1931 eingerichteten „William G. Kerckhoff-Institut“ in Bad Nauheim (seit 1952 MPI f. physiolog. u. klin. Forschung) und Ordinarius für Physiologie in Gießen (em. 1974). In den 1950er und 1960er Jahren befaßte sich T., aufbauend auf seinen Forschungsergebnissen der 1930er und 1940er Jahre, mit der Regulationsphysiologie der Körpertemperatur, des Kreislaufs, des Stoffwechsels und des Zentralnervensystems. 1953–76 war er Geschäftsführer der „Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung“, 1964–70 zudem Mitglied des Wissenschaftsrats.

  • Auszeichnungen

    A Dr. med. h. c. (Sorbonne, 1968);
    Mitgl. d. Leopoldina (1970);
    R.-T.-Preis d. Dt. Ges. f. Kardiol. (seit 1989).

  • Werke

    W Der Mechanismus d. Wärmeregulation, in: Ergebnisse d. Physiol. 41, 1939, S. 607–805;
    Wärmezentrum u. Wärmeregulation, in: Klin. Wschr. 20, 1941, S. 969–73;
    Physiol. d. Wärmeregulation, in: Acta Neurovegetativa 11, 1955, S. 12–37; Hg.: Verhh. d. Dt. Ges. f. Kreislaufforsch., 1952–76; Mithg.: Pflügers Archiv, European Journ. of Physiology, 1954–74.

  • Literatur

    L E. Simon, in: Berr. u. Mitt. d. MPG 1986, H. 5, S. 104–08;
    E. Klee, Auschwitz, d. NS-Med. u. ihre Opfer, 1997, S. 235–43;
    G. Kreft, ‚… nunmehr judenfrei …‘, Das Neurolog. Inst. 1933–45, in: J. Kobes u. J. O. Hesse (Hg.), Frankfurter Wiss. zw. 1933 u. 1945, 2008, S. 144–52;
    Pogg. VII a, VIII/3.

  • Autor/in

    Heiko Stoff
  • Empfohlene Zitierweise

    Stoff, Heiko, "Thauer, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 82-83 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12397836X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA