Lebensdaten
1459 bis 1518
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Nürnberger Patrizier ; Politiker ; Diplomat ; Großkaufmann
Konfession
-
Normdaten
GND: 117276502 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Tetzel, Anton
  • Tetzel, Anthoni
  • Tetzel, Anton
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Zitierweise

Tetzel, Anthoni, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117276502.html [10.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (1427–80), trat 1463 in d. Dominikanerkloster in N. ein, 1465 z. Priester geweiht, später Subprior, Büchersammler, Vf. v. autobiogr. Aufzeichnungen, S d. Stefan (1394–1441), beide Pol., Großkaufm. in N., u. d. Elspet Waldstromer ( 1437);
    M Brigitta (1434–62), T d. Conrad Paumgartner (1382–1464), Pol., Großkaufm. in N., u. d. Clara Zenner ( 1449);
    Ur-Gvv Jobst ( 1406, s. Fam.art.);
    Ov Hans (um 1450–1505), 1476–1505 Mitgl. d. Inneren Rats in N.;
    Ov Gabriel (um 1450–79), 1469–79 Mitgl. d. Inneren Rats in N.;
    B Hans (1454–1507), Großkaufm. in N.;
    Nürnberg 1477 Barbara ( 1516), T d. Niclas Groß ( 1491), Losunger, Großkaufm. in N., u. d. Elspet Harsdörffer ( 1458);
    8 K (4 früh †), 3 S Anthoni (1487–1548, 1] Anna Rieter, 1487–1514, 2] Cordula Wolff, 1521, 3] Katharina Volckamer, 1540, 4] Anna Pfinzing, * 1520), Großkaufm., 1534–39 Mitgl. d. Inneren Rats in N., Jobst (1489–1537), Großkaufm. in N., Georg (1497–|1519), Großkaufm. in N., 1 T Barbara (1484–1523, Jobst Haller, 1532, Großkaufm., 1510–15 Mitgl. d. Inneren Rats in N.);
    N Christof (1486–1544), Großkaufm., 1515–44 Mitgl. d. Inneren Rats in N., 1529 Septemvir u. zweiter Losunger, 1533 Vorderster Losunger;
    Gvm d. Ehefrau Peter Harsdörffer ( 1463), Pol., Montanuntern., Jerusalempilger, trat in d. Egidienkloster (Benediktiner) ein.

  • Leben

    T.s sehr gebildeter Vater trat 1463 in das Nürnberger Predigerkloster ein, so daß T. und sein älterer Bruder Hans von Verwandten aufgezogen wurden. T. erhielt eine exzellente Ausbildung: Zum Studium kam er 1471 nach Leipzig, wo er nach vier Jahren das Bakkalaureat erwarb. 1475–77 ging er zum Jurastudium nach Pavia. Er erwarb keinen Doktortitel, da sonst bei einem Eintritt in den Inneren Rat der Stadt Nürnberg die Standesgleichheit nicht gewahrt gewesen wäre.

    Mit der prominenten Heirat T.s 1477 wurde offensichtlich, daß für den erst 18jährigen Hochbegabten eine Ratskarriere vorgesehen war. Gleichwohl blieb T. immer auch wirtschaftlich tätig. Nachdem er 1478 zum Genannten des Größeren Rats gewählt worden war, wurde er nach dem Tod seines Onkels Gabriel ( 1479) an Ostern 1480 zusammen mit seinem Onkel Hans in den Inneren Rat gewählt. 1494 wurde T. zum Alten Bürgermeister und zum Kriegsherrn berufen. Er agierte als versierter Diplomat, der z. B. am Kaiserhof die neutrale Haltung Nürnbergs gegenüber dem Schwäb. Bund vertrat. Am 26. 2. 1499, als sich T. bei Maximilian I. in den Niederlanden aufhielt, wurde er in die eigentliche reichsstädt. Regierung, das Septemvirat, gewählt. Auch hier war er tonangebend. So vertrat er Nürnberg 1501 im Reichsregiment. Zusammen mit Willibald Pirckheimer (1470– 1530) galt er als bester Diplomat der Reichsstadt. Mit entsprechender Prokura ausgestattet, sicherte er Nürnberg 1505 am Reichstag in Köln die gewaltigen territorialen Gewinne aus dem Bayer. Erbfolgekrieg. Zu dieser Zeit war er bereits als dritter Oberster Hauptmann ins Triumvirat gewählt (13. 2. 1505). Am 13. 8. 1507 wurde T. schließlich einstimmig zum Zweiten Losunger gekürt. Zusammen mit dem fast gleichaltrigen Anthoni Tucher (1457–1524) bestimmte er seither die Geschicke Nürnbergs. Willibald Pirckheimer charakterisierte ihn später als stolz, gewissenlos und habsüchtig. T. nahm häufig eindeutig Partei im Sinne seiner Kinder, seiner Neffen oder auch seiner angeheirateten Verwandtschaft wie z. B. für Hans Thumer (1485–1544). Nach einer ersten offiziellen Rüge 1511 erfolgte im Herbst 1514 T.s jäher Sturz: Nachdem eindeutige Indizien vorgebracht worden waren, kam er am 15. 11. 1514 in Untersuchungshaft, wo er Machtmißbrauch und Geheimnisverrat gestand. Am 14. 12. 1514 wegen Eidbruchs und niederträchtiger Gesinnung aller Ämter und Würden enthoben, wurde er statt einer Hinrichtung auf Lebenszeit ins Gefängnis verbracht und durfte keinen Kontakt zu seinen Angehörigen halten. Diese intervenierten mehrfach erfolglos bis hin zum Kaiser, an die Kurie und ans Reichskammergericht.

    T.s Aufstieg und Sturz zeigen beispielhaft die Möglichkeiten und Grenzen eines Nürnberger Ratsherren. Da er die Familienpolitik höher gewichtet hatte als die reichsstädt. Interessen, statuierte die Ratsoligarchie an T. ein Exempel. Allerdings wurde keine Sippenhaft vollzogen. Schon bei der nächsten Ratswahl 1515 rückte sein Neffe Christof für ihn im Inneren Rat nach.

  • Quellen

    Qu StadtA Nürnberg (GSI 152; E 3; E 22; E 1/1837); StA Nürnberg (Rep. 15a, Saal I, Lade 6); – Totenschild A. T. mit Beischild d. Fam. Groß in d. Tetzelkapelle (Nürnberg, Egidienkirche).

  • Portraits

    P Kupf. v. J. Fr. Leonart, 1672, wohl nach älterer Vorlage (Nürnberg, StadtA)

  • Autor/in

    Walter Bauernfeind
  • Empfohlene Zitierweise

    Bauernfeind, Walter, "Tetzel, Anthoni" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 50-51 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117276502.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA