Lebensdaten
erwähnt 14.-18. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Nürnberger Kaufmanns- und Patrizierfamilie
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 141245883 | OGND | VIAF: 120853126
Namensvarianten
  • Tetzel von Kirchensittenbach
  • Tetzel
  • Tetzel von Kirchensittenbach
  • mehr

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Zitierweise

Tetzel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd141245883.html [31.10.2020].

CC0

  • Leben

    Die Nürnberger Familie T. zählte seit Mitte des 14. Jh. bis zu ihrem Aussterben 1736 zu den wichtigsten Patrizierfamilien der Reichsstadt. Mindestens 55 männliche Familienmitglieder amteten als Genannte des Größeren Rats, davon wiederum waren wenigstens 27 auch im Inneren Rat vertreten und 11 sogar im Septemvirat. Mindestens 61 Töchter aus der Familie waren mit Genannten des Größeren Rats verheiratet, davon kamen wenigstens 21 auch in den Inneren Rat. Die Heiratspartner dieser 116 Familienmitglieder stammten fast ausnahmslos aus Familien der reichsstädtischen Führungsspitze der jeweiligen Zeit.

    Bereits das erste Familienmitglied, Fritz ( 1367), wurde in den Inneren Rat gewählt. Schon seine Heirat mit Elspet, der Tochter von Hans Pfinzing (um 1300–um 1350), zeigt seine Zugehörigkeit zum obersten Führungszirkel Nürnbergs. Mit dem Anbau der Tetzelkapelle an die Egidienkirche Mitte des 14. Jh. errichtete er die bekannte Familiengrablege, und sein Wohnort, der Tetzelhof (Egidienplatz 7/Tetzelgasse 12), wurde als ständiger Familien- bzw. Stiftungsbesitz so raumprägend, daß eine ganze Straße „hinterm Tetzel“ nach ihm benannt wurde. Sein Sohn Jobst ( 1399) gelangte dann als Septemvir in die eigentliche reichsstädtische Regierung, in das Gremium der sieben Herren Älteren. Somit gehörten die T. bereits im 14. Jh. zu dem Kreis der nochmals herausgehobenen Nürnberger Septemviratsfamilien.

    Die Familie muß schon vor dem Zuzug nach Nürnberg immens reich gewesen sein und Fritz als Montanunternehmer entsprechende Bedeutung gehabt haben. Bis ins späte 16. Jh. blieb der Großhandel mit Erzen, Metallen und Halbfabrikaten das wichtigste wirtschaftliche Standbein der Familie, was sich durch den Besitz der Eisenhämmer in Thalheim bei Alfeld und Haunritz bei Pommelsbrunn dokumentiert. Als Eigentümer dieser Proto-Industriebetriebe unterzeichnete Jobst am 7. 1. 1387 als erster von 64 Nürnberger, Amberger und Sulzbacher Montanunternehmern die berühmte Hammerwerkseinung dieses Rohstoff- und Verarbeitungskartells. Aber auch umfangreiche Kreditgeschäfte, etwa mit den Herzögen Stefan und Johann von Bayern, sind in dieser Zeit schon belegt. Es spricht einiges dafür, daß das Gebiet südöstlich von Hersbruck der Herkunftsort von Fritz sein könnte. Auch die Herkunft seiner Schwiegertochter, Clara v. Ammerthal ( 1414), deutet darauf hin. Sie und ihr Mann Jobst, der speziell im Städtekrieg 1388/89 die Reichsstadt bei wichtigen Verhandlungen diplomatisch vertrat, hatten zahlreichen Nachwuchs. Von den vier verheirateten Söhnen entsprangen drei Familienzweige durch Jobst ( 1406, 1] Katharina Stromer, 1390, 2] Agnes Haller, 1406), Hans ( 1445, 1] Clara Tucher, 1374–1400, 2] Anna Graser, 3] Anna v. Wilhelmsdorf, 1448) und Georg ( 1449, ⚭ Anna Imhoff, 1442), die wiederum alle umfangreichen Land- und Immobilienbesitz hatten. So besaß etwa die von Hans abstammende Linie 1447/96 bis 1536/49 Stadt und Amt Gräfenberg.

    Nachdem die T. 1524 geadelt worden waren, erwarb Jobst (1503–75, ⚭ Anna Volckamer, 1573) aus der von Georg abstammenden Linie 1569 den namengebenden Herrensitz Kirchensittenbach von der Familie Erlbeck. Sein lediger Bruder Hans (1518–71, s. 2) reüssierte dagegen fern von Nürnberg in Spanien als Montanunternehmer.

    Der von Jobst abstammende Familienzweig hatte im 16. Jh. zeitgleich die hochstift.-bamberg. Herrschaft Sambach bei Pommersfelden in Besitz und nannte sich nach dieser. Zum Kirchensittenbacher Besitz erfolgten Ende des 16. Jh. ständig Zukäufe, so daß die Herrschaft schließlich in 23 Ortschaften begütert war. 1597 kam zusätzlich die Hofmark Vorra, 1626 auch noch Schloß und Hofmark Artelshofen hinzu, womit einer der größten Herrschaftskomplexe im Besitz einer Nürnberger Familie entstand.

    Aus einem Teil dieses Besitzes errichtete am 11. 3. 1612 Jobst Friedrich (1556–1612, 1] Maria Groland, 1555–83, 2] Anna Schlüsselfelder, 1565–1639) eine nach ihm benannte Stiftung, die heute noch mit verändertem Stiftungszweck existiert. Je ein Drittel des Ertrags sollte für die verheirateten, ev., männlichen Verwandten seines Familienzweigs, für die Bildung neuen Stiftungskapitals und für die Ausbildung junger Angehöriger ratsfähiger Geschlechter verwendet werden. Nachdem Jobst Friedrichs Familienzweig bereits 1639 mit seiner Ehefrau ausgestorben war, wurde die Stiftung bis 1709 durch die Familie Schlüsselfelder verwaltet. Nach verschiedenen Wechseln in der Stiftungsverwaltung und Änderungen des Stiftungsbesitzes wird die Jobst-Friedrich-Tetzel-Stiftung heute von den Familien Stromer und Volckamer verwaltet.

    Zum Stiftungsbesitz hatte Jobst Friedrich neben der ihm gehörenden Grundherrschaft auch alle von ihm verwalteten älteren Familienstiftungen geschlagen. Dazu gehörte etwa der schon von Fritz bewohnte Stammsitz am Egidienplatz 7 oder die Siechkobelkapelle St. Peter und Paul vor den Toren der Reichsstadt, die seit 1440 bzw. 1470 ebenfalls dem Totengedenken der Familie diente und mit einer entsprechenden Pfründenstiftung ausgestattet war.

  • Quellen

    Qu StadtA Nürnberg, Fam. T. v. K. (Bestand E 22); StA Nürnberg, Fam. T. v. K. (Rep. 14); StA Nürnberg bzw. Pfarrarchiv Vorra, T. v. K. (Rep. 309).

  • Literatur

    L P. Fleischmann, Rat u. Patriziat in Nürnberg, 2008, S. 973–1002 (L);
    G. Seibold, 400 J. Nürnberger Stiftungsgesch. am Bsp. d. Jobst Friedrich v. T.’schen u. d. Johann Carl v. Schlüsselfelder’schen Stiftung, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 95, 2008, S. 163–242;
    W. Bauernfeind, Die Patrizierfam. T., Retrokonversion d. Bestands E 22 (T.stiftung), in: Norica, hg. v. StadtA Nürnberg, 2010, H. 6, S. 15–19;
    Stadtlex. Nürnberg.

  • Portraits

    P ca. 60 Kupf. (Nürnberg, StadtA).

  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Bauernfeind, Walter; Jakob, Reinhard, "Tetzel" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 49-52 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd141245883.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA