Lebensdaten
1844 bis 1919
Geburtsort
Krefeld
Sterbeort
Strausberg bei Berlin
Beruf/Funktion
Schuhfabrikant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 1081040513 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Tack, Conrad

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Zitierweise

Tack, Conrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1081040513.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Krefelder Fam.;
    V Wilhelm (1808–94), Seidenwarenfabr. in K.;
    M Maria Josephine (1810–1900), T d. Philippus Jacobus Werner (1759–1812), Kutscher;
    8 Geschw u. a. Wilhelm (1842–1924), Kaufm., führte als Schirmstoffabr. d. väterl. Fa. in K. weiter, Johann (Jean) (1849–95), Seidenweber, Gürtler, Bäcker, 1883–85 Teilh. v. T.s mechan. Schuhfabr. „Conrad Tack“ in Burg b. Magdeburg;
    1) Krefeld 1870 Sophie von der Linde (1843–81), Schneiderin, 2) Krefeld 1882 Anna Margaretha (1846–1913), T.s ehem. Haushälterin, T d. Johann Mathias Hinck, Seidenweber;
    2 S aus 1) Ernst (1872–1942), Kaufm., seit 1895 ltd. Angest. u. 1896–1905 Teilh. d. väterl. Schuhfabr. „Conrad Tack & Cie“ in Burg, 1908–31 Gesellschafter in d. brüderl. Schuhfabr. „Max Tack“, KG in Berlin-Strausberg, Max (1875–1946), Kaufm., 1899–1931 Bes. d. Schuhfabrik „Max Tack“ in B.-St., 3 T aus 1), 1 S aus 2) Robert (1883–1917), Kaufm., 1913–17 Bes. e. Automobilzentrale in Burg b. Magdeburg.

  • Leben

    T. absolvierte nach dem Schulbesuch eine kaufmännische Lehre im väterlichen Unternehmen und betrieb 20 Jahre Seidenhandel in Krefeld und Brühl. Ende 1882 übersiedelte er nach Burg b. Magdeburg, wo er Anfang|1883 die mechanische Schuhfabrik „Conrad Tack“ mit fünf Maschinen und 20 Mitarbeitern gründete. Aufgrund steigender Verkaufszahlen warb er seinen Bruder Jean und Wilhelm Dedermann als Teilhaber und erweiterte die Firma. 1887 baute er erstmals in Deutschland eine serienmäßige maschinelle Schuhproduktion auf und markierte damit das Gründungsjahr der dt. Schuhindustrie. Er setzte nun seinen Schwerpunkt auf neue Vertriebsmethoden, stellte als erster dt. Schuhfabrikant einen „Handelsreisenden“ zur Erschließung neuer Absatzquellen innerhalb Deutschlands ein und arbeitete verstärkt mit Reklame. Mit dem neuen Teilhaber Wilhelm Krojanker († 1924), Berlin, T.s Lederlieferant, errichtete er 1889 einen eigenen Fabrikkomplex, der mit der Teilniederlassung Berlin als OHG „Conrad Tack & Cie“ in Burg firmierte und mit 180 Beschäftigten an 42 Spezialmaschinen 500 Paar Schuhe täglich herstellte. Als erster Schuhfabrikant Deutschlands eröffnete T. seit 1892 deutschlandweit firmeneigene Schuhgeschäfte und schuf mit dem Direktverkauf von Schuhen den Filialbetrieb als neuen Vertriebstyp. 1893 entstand ein zweiter Fabrikbau. Auf einen mehrwöchigen Arbeiterstreik 1894 reagierte T. mit der Gründung eines Arbeitervereins und sozialen Maßnahmen. Mit dem dritten Werksbau 1896 beschäftigte er 450 Mitarbeiter, besaß 28 Schuhgeschäfte und produzierte 2000 Paar Schuhe pro Tag. Im selben Jahr trat T. aus dem Unternehmen aus, zog nach Berlin-Lichterfelde, wo er sich seinen privaten Geldgeschäften widmete und seine drei Söhne in deren Firmen unterstützte. Nach dem Tod seiner Frau übersiedelte er 1913 nach Strausberg.

    Seit 1895 war T.s Sohn Ernst leitender Angestellter der Schuhfabrik und führte diese seit 1898 mit Krojanker und dem 1893 in die Firma eingetretenen Alfred Zweig († 1926) als Gesellschafter weiter. Zu dieser Zeit entstand der letzte geplante Neubau. Die jüd. Besitzer Krojanker und Zweig übernahmen die Firma 1905 mit 1050 Beschäftigten, 90 Filialen sowie einer Tagesproduktion von 4000 Paar Schuhen und wandelten sie 1912 in die AG „Conrad Tack & Cie“ um. Im 1. Weltkrieg stiegen die Umsätze durch Heeresaufträge auf 16 Mio. Mark. Nach dem Tod Krojankers und Zweigs wurde Krojankers Sohn Hermann (1885–1935) Generaldirektor des Unternehmens. Er intensivierte den Ausbau des Verkaufsnetzes und steigerte den Umsatz 1929 auf 37,9 Mio. Reichsmark, womit die Firma zu den größten europ. Schuhunternehmen zählte. Im Sept. 1933 sah sich Hermann Krojanker gezwungen, die AG an die Lederfirma „Carl Freudenberg & Co GmbH“ in Weinheim zu verkaufen. Das Unternehmen, seit 1936 KG, mußte 1939 die Produktion auf Militärund Filzstiefel umstellen und beschäftigte später Zwangsarbeiter. 1946 wurden in der sowjet. Besatzungszone die Schuhfabrik „Tack“ sowie alle „Tack“-Schuhverkaufsstellen enteignet, die Fabrikanlage demontiert und der Name „Tack“ 1947 gelöscht. Die in Westdeutschland bestehenden Schuhgeschäfte führte bis 1998 die Unternehmensgruppe „Freudenberg“ als Handelskette „Tack“ weiter, stellte jedoch ihre Tätigkeit nach mehreren Eigentümerwechseln 2009 ein. In Burg wurde 1946 die Schuhproduktion mit 20 Mitarbeitern unter dem Namen „Burger Schuhfabrik“, seit 1951 als VEB „Vereinigte Burger Schuhfabriken“ und 1954–89/90 als VEB Schuhfabrik „Roter „Stern“ weitergeführt. Nach 1990 wandelte der neue Eigentümer „Treuhandanstalt Berlin“ den Betrieb in „Burger Schuhfabrik GmbH“ um, die anfangs mit 2700 Beschäftigten täglich 16 000 Paar Schuhe fertigte, dennoch 1992/93 geschlossen wurde. Der ehemalige Fabrikkomplex wurde zum zweitgrößten Berufsschulzentrum Sachsen-Anhalts umgebaut und erhielt zur Eröffnung 2000 den Namen „Conrad Tack“.

  • Quellen

    Kreis- u. StadtA Jerichower Land in Burg; Untern.archiv d. Freudenberg AG, Weinheim; Privatbes.

  • Literatur

    Jub.kat. z. 100. Geschäftseröffnung, hg. v. Conrad Tack & Cie, 1907;
    A. Dorendorf, Die Schuhindustrie in Burg b. Magdeburg, Diss. masch. Jena 1922;
    F. Sailer u. a., Das Goldene Buch d. dt. Schuh- u. Lederwirtsch. (1857–1932), 1932;
    M. Weigelt, Die „Arisierung“ d. Fa. Conrad Tack & Cie A.G. 1933, unveröff. Mag.arb. Berlin 2000;
    U. Spiekermann, Basis d. Konsumges., 1999, S. 334;
    K. Hönicke, TACK, Europas ältester Schuhgroßbetrieb, 2005 (Qu, L, P);
    A. Sudrow, Der Schuh im NS, 2010;
    Magdeburger Biogr. Lex. (P).

  • Autor/in

    Karin Hönicke
  • Empfohlene Zitierweise

    Hönicke, Karin, "Tack, Conrad" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 754-755 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1081040513.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA