Lebensdaten
1844 bis 1914
Geburtsort
Birgitz bei Innsbruck
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117344192 | OGND | VIAF: 57389689
Namensvarianten
  • Strohal, Emil August
  • Strohal, Aemilian (Taufname)
  • Strohal, Emil
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Zitierweise

Strohal, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117344192.html [10.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf († 1855), aus Olmütz (Mähren), k. k. Revierförster in B., später Ministerialkonzipist am k. k. Min. f. Landeskultur u. Bergwesen in Wien;
    M Maria Wanggo ( 1892), aus Kärnten;
    3 Geschw;
    Klagenfurt 1873 Amalie Gabriele Marie (1854–91, T d. Michael Ratschnigg, Kaufm. in Klagenfurt, u. d. Anna Woschitz;
    2 S Emil Ernst (1874–1902, Dr. phil., Sanskritist, Walther, Dr. iur., Staatsanwalt in L., 1 T.

  • Leben

    S. erwarb seine Schulbildung überwiegend in Graz und nahm nach der Matura 1862 ein Studium der Rechtswissenschaft auf. Das Studienjahr 1864/65 verbrachte er in Wien, wo Gustav Demelius (1831–91) im röm. Recht und Joseph Unger (1828–1913) im Privatrecht seine wichtigsten Lehrer waren. Zurückgekehrt nach Graz, wurde S. 1867 promoviert. Nach Praxisjahren in Grazer und Klagenfurter Anwaltskanzleien legte er 1873 die Advokatenprüfung ab. Die Tradition seiner Anwaltstätigkeit setzt noch heute eine gleichnamige Wiener Kanzlei fort. Neben seiner Praxis habilitierte sich S. 1875 an der Univ. Graz im österr. Zivilrecht mit einer grundbuchrechtlichen Arbeit über die Eintragungstheorie.

    S. hatte sich jahrelang politisch für deutschnationale Standpunkte engagiert, was sein Fortkommen als Hochschullehrer in Österreich zunächst erschwerte. 1875 Privatdozent in Graz, erhielt S. 1877 dort eine ao. Professur für österr. bürgerliches Recht und 1881 ein Ordinariat. Gleichzeitig unterrichtete er 1875–93 die praxisnahen Fächer Bau- und Eisenbahnkunde sowie Handels- und Wechselrecht an der TH Graz. „Als Jurist Jhering am nächsten stehend“ (Mayr), wurde er, wie von diesem gewünscht, 1893 dessen Nachfolger auf dem Göttinger Lehrstuhl für röm. Recht und gleichzeitig Mitherausgeber von Jherings „Jahrbüchern für die Dogmatik des heutigen röm. und dt. Privatrechts“. Bereits 1894 wechselte S. als Nachfolger von Johannes Kuntze an die Univ. Leipzig, wo er Pandekten, sächs. Privatrecht und seit 1895 das Recht des Bürgerlichen Gesetzbuchs lehrte (Dekan 1898/99, 1903/04, 1909/10). Leipzig war die führende Fakultät der Zeit und zog den praxisorientierten S. gleichzeitig als Sitz des Reichsgerichts an. Sein Schüler Paul Koschaker (1879–1951) trat 1915 seine Nachfolge auf dem Lehrstuhl an.

    Als hochrangiger Rechtsgelehrter hatte S. sein wiss. Werk in einem methodischen Spannungsfeld entwickelt: Angeregt durch seinen Wiener Lehrer Unger, neigte er zur pandektenwiss. Behandlung des österr. Privatrechts, Jhering hingegen verdankte er den Blick für die praktische Seite des Rechts. Rechtsgeschichtliche Forschung stellte S. in den Dienst der Dogmatik, gestand ihr allerdings eine überlegene Sicht auf das geltende Recht zu. Auf dieser Grundlage legte S. zahlreiche dogmatische Beiträge vor, die zunächst hauptsächlich das österr. Recht betrafen. Hier war S. in seiner Habilitationsschrift mit Erfolg für eine Beschränkung des Eintragungsgrundsatzes auf den rechtsgeschäftlichen Liegenschaftserwerb eingetreten. Durch weitere Beiträge förderte er besonders das Immobiliarsachen- und Grundbuchrecht. Vom Sachenrecht ausgehend, setzte|sich S. auch mit dem Gemeinen Recht und dem dt. Recht auseinander. In seiner Arbeit „Succession in den Besitz nach röm. und heutigem Recht“ (1885) führte er Jherings Besitzlehre in kritischer Auseinandersetzung mit der Begriffsjurisprudenz fort. Am Beginn einer intensiven Auseinandersetzung mit den Entwürfen des BGB, v. a. in den Bereichen Rechtsgeschäftslehre, Sachenrecht (besonders Immobiliarsachenrecht) und Erbrecht, stand seine Arbeit über Rechtsübertragung und Kausalgeschäft (1889). Mehrere Regelungsvorschläge, die er als „Pfadfinder auf dem Boden des neuen bürgerlichen Rechts“ (Mitteis) zum Besitzrecht sowie zu den Eigentümergrundpfandrechten ausarbeitete, fanden in die entstehende Kodifikation Eingang. Nach Fertigstellung des BGB verlegte S. seinen Arbeitsschwerpunkt auf das Erbrecht. Sein Lehrbuch „Das dt. Erbrecht auf Grundlage des Bürgerlichen Gesetzbuchs“ (2 Bde., 31903/04) bildete die erste umfassende Gesamtdarstellung des BGB-Erbrechts, das er durch wiss. Bearbeitung zu verbessern suchte. S. besorgte überwiegend die Kommentierung des Erbrechts in der 3. Auflage (1908) von Gottlieb Plancks Großkommentar zum BGB und brachte hier zahlreiche seiner Standpunkte ein; er betreute den Kommentar nach Plancks Tod zudem als Herausgeber. Beide umfassenden Arbeiten bilden S.s Hauptwerk, durch das er die Entwicklung des dt. Erbrechts maßgeblich prägte.

  • Auszeichnungen

    A kgl. sächs. GHR;
    Dr. h. c. (Czernowitz).

  • Werke

    Weitere W Die Eintragungs-Theorie in ihrer Geltung f. d. österr. Recht, in: Grünhuts Zs. 2, 1875, S. 513–34 u. 750–67, ebd. 3, 1876, S. 140–78, 320–51 u. 571–98, ebd. 4, 1877, S. 475–93;
    Uebertragung u. Belastung d. Hypotheken n. österr. Recht, ebd. 9, 1882, S. 659–79;
    Zur Lehre v. Eigenthum an Immobilien, 1876;
    Transmission pendente conditione, 1879;
    Die Prioritätsabtretung n. heutigem Grundbuchrecht, FS d. k. k. Univ. Graz, 1880;
    Zur Lehre v. d. Prioritätsabtretung, in: Jurist. Bll. 1882, S. 627–29;
    Rechtsübertragung u. Kausalgeschäft im Hinblick auf d. Entwurf e. bürgerl. Gesetzbuchs f. d. Dt. Reich, in: Jherings Jbb. 27, 1889, S. 335–462;
    Zum Besitzrecht d. Entwurfs e. Bürgerl. Gesetzbuchs f. d. Dt. Reich, Erster Btr., ebd. 29, 1890, S. 336–96;
    Zweiter Btr., ebd. 31, 1892, S. 1–78;
    Der Sachbesitz nach d. B. G. B., ebd. 38, 1898, S. 1–137;
    Schuldübernahme, ebd. 57, 1910, S. 231–494;
    Die Gültigkeit d. Titels als Erfordernis wirksamer Eigenthumsübertragung, 1891;
    Das Pflichtteilsrecht d. entfernteren Abkömmlinge u. d. Eltern d. Erblassers, 1899;
    Kommt d. Vorgemerkten d. öff. Glaube d. Grundbuchs zu statten?, 1904;
    Anteil am ungeteilten Nachlaß u. Erbschein, in: FS Otto Gierke z. 70. Geb.tag, 1911, Neudr. 1987, S. 917–50;
    Grundriß d. dt. Erbrechts, 1914;
    Schuldpflicht u. Haftung, in: Festgabe d. Leipziger Jur.fak. f. Karl Binding, 1914.L F. v. Krones, Gesch. d. Karl Franzens-Univ. in Graz, 1886, S. 199–210 u. 595;
    DJZ 14, 1909, S. 1029–31 (autobiogr. Skizze);
    E. Heymann, ebd. 19, 1914, Sp. 796–98;
    L. Wenger, E. S., Ein Nachruf, 1914 (P);
    Jurist. Bll. 43, 1914, S. 230 (Nachruf);
    O. v. Gierke, in: Jherings Jbb. 64, 1914, S. 355 f.;
    L. Mitteis, ebd. 65, 1915, S. 1–50 (W-Verz. S. 47 ff.);
    M. Wellspacher, E. S., Ein Nachruf, 1915;
    Catalogus professorum Gottingensium 1734–1962, hg. v. W. Ebel, 1962, S. 53;
    H. Demelius, E. S. u. d. Grundbuchsrecht, in: Archiv f. d. civilist. Praxis 164, 1964, S. 289–308;
    Novissimo Digesto Italiano 18, 1971, S. 555;
    U. v. Hehl (Hg.), Sachsens Landesuniv. in Monarchie, Rep. u. Diktatur, 2005, S. 529 f.;
    R. Mayr, in: DBJ I, S. 91–93 u. Tl.;
    F. Wende (Hg.), Lex. z. Gesch. d. Parteien in Europa, 1981, S. 451;
    H. Hofmeister, in: W. Brauneder (Hg.), Juristen in Österr. 1200–1980, 1987, S. 217–22 u. 358 f.;
    G. Wesener, E. S. (1844–1914, Über d. Pandektistik z. neuen bürgerl. Recht, in: Iurisprudentia universalis, FS f. Theo Mayer-Maly, hg. v. J. M. Schermaier, 2002, S. 853–64 (L);
    ders., in: ÖBL.

  • Quellen

    Landesarchiv Tirol (Taufbuch d. Pfarre Axams); Bfl. Gurker Ordinariat, Klagenfurt (Eheakt PA Klagenfurt Dom Kt. 29); Allg. Verw.archiv Wien (Professorenakt 5 Graz Jus).

  • Autor/in

    Martin Avenarius
  • Empfohlene Zitierweise

    Avenarius, Martin, "Strohal, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 570-571 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117344192.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA