Lebensdaten
1930 bis 2011
Geburtsort
Neuruppin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Lyrikerin ; Erzählerin ; Publizistin
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 118619330 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Wernitz, Eva (verheiratete)
  • Braun, Eva (geborene)
  • Strittmatter, Eva (verheiratete)
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Zitierweise

Strittmatter, Eva (verheiratete), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118619330.html [20.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus kleinbürgerl. Fam.;
    V Friedrich Braun (1902–44 ⚔), Angest. in d. Stadtverw. v. N.;
    M Hedwig Berner (1904–93);
    1) Berlin 1950 1952 Marko Wernitz (1925-vor 2011), Lehrer, 2) Berlin 1956 Erwin Strittmatter (s. 1);
    1 S aus 1) Ilja (* 1951), Keramiker in Sadelkow, 3 S aus 2) (1 vorehel.) Erwin (Ps. Berner) (* 1953), Schausp., Matthes (1958–94), Förster, dann im Baugewerbe tätig, Jakob (* 1963), Bibl., Senatsangest. in B.

  • Leben

    S. besuchte die Schule in Neuruppin. Nach dem Abitur 1947 studierte sie Germanistik, Romanistik und Pädagogik an der Humboldt-Univ. zu Berlin. Seit 1951 arbeitete sie als freiberufliche Lektorin beim Dt. Schriftstellerverband der DDR, wo sie Erwin Strittmatter kennenlernte. Seit 1952 waren beide – zunächst getrennt lebend, dann in einer gemeinsamen Wohnung am Strausberger Platz in Berlin – ein Paar. Obwohl sich die 18 Jahre jüngere S. ein Leben in der Großstadt an der Seite eines angesehenen Schriftstellers erträumt hatte, zog sie 1954 in das von ihrem späteren Ehemann erworbene Bauernhaus in Schulzenhof. Erwin Strittmatter dachte seiner Frau dort nicht nur die Rolle als Muse und literarische Ratgeberin zu, sondern auch als Bauersfrau an seiner Seite. Den wachsenden Konflikt zwischen ihren eigenen Lebenserwartungen und denen ihres Mannes, von dem sie sich abhängig fühlte und dem sie, trotz vieler Enttäuschungen, bis zuletzt in großer Liebe verbunden war, versuchte sie, durch ihre Lyrik zu bewältigen.

    S. unternahm bereits während ihrer Schulzeit erste lyrische Versuche, in denen sie sich v. a. Naturerlebnissen zuwandte. Später suchte sie den Zustand der Entrückung in der Natur gezielt, um die enge Welt in Schulzenhof für sich auszuweiten, um ihr Ich gegen alle Anfechtungen von außen zu behaupten. S.s Schreibstil war auf den ersten Blick einfach, dabei aber sehr formbewußt. Sie hielt am Reim fest, obwohl dieser als „unmodern“ galt. Durch den Reim konnte sie ihre Welt „in Ordnung“ bringen. Als Literaturwissenschaftlerin – seit 1952 veröffentlichte sie literaturkritische Arbeiten in der Zeitschrift „Neue Dt. Literatur“, war 1953/54 Lektorin beim „Kinderbuchverlag“ und seit 1954 freie Schriftstellerin – wußte sie ihre Poetik, die zunächst auf Empfindung und Intuition beruhte, zu analysieren. Wer Gedichte schreibt, sagte sie in „Poesie und andre Nebendinge“ (1983, 41989, Nachdr. 2005), habe „wohl ein besonders ausgeprägtes Harmoniebedürfnis. Er versucht, durch Poesie, Kräfte und Gegenkräfte ins Gleichgewicht zu bringen. Auch Kräfte und Gegenkräfte, die in ihm selber sind.“

    Mit mehr als 2 Mio. veröffentlichten Exemplaren (seit 1973 vornehmlich im Aufbau Verlag Berlin u. Weimar, teils auch im Kinderbuchverlag Berlin; Ausgg. auch in d. Bundesrep.; u. a. franz., ital., schwed., tschech. u. ungar. Übers.) wird S. mitunter als auflagenstärkste dt. Dichterin der Gegenwart genannt. In der Tradition etwa eines frühen Heine oder einer Droste-Hülshoff, Rilkes oder Puschkins (den sie besonders verehrte) beziehen ihre Gedichte ihre tiefe und bleibende Wirkung aus der schlichten Ehrlichkeit, in der existentielle Probleme und Sehnsüchte angesprochen werden – ein Akt der Selbstbefreiung, der auch für den Lesenden zu einem solchen werden kann. S. publizierte ihre Texte von den frühen 1960er Jahren bis 1998 meist undatiert; ihre späteren Bände können somit auch frühe Werke enthalten. Neben Lyrik und Prosa veröffentlichte S. Kinderbücher und gab nach dem Tod ihres Mannes dessen Werke heraus.

    S. hatte wie ihr Mann eine eigene, im einzelnen auch kritische Sicht auf die Verhältnisse in der DDR, aber aus ihrer Lebenserfahrung heraus bejahten beide die sozialistischen Ideale. Mit ihrer Dichtung votierte S. für die Entfaltung menschlicher Möglichkeiten, für die uralten Sehnsüchte, in denen sich auch künftige Leser wiederfinden werden.

  • Auszeichnungen

    A Heinrich-Heine-Preis (1975); Nat.preis d. DDR (1987); Walter-Bauer-Preis (1998); ver.di-Lit.preis (2008); Verdienstorden d. Landes Brandenburg (2010); – Mitgl. d. PEN-Zentrums d. DDR (1985).

  • Werke

    W Lyrik Ich mach e. Lied aus Stille, 1973;
    Mondschnee liegt auf d. Wiesen, 1975;
    Die e. Rose überwältigt alles, 1977;
    Zwiegespräch, 1980;
    Heliotrop, 1983;
    Atem, 1988;
    Der Schöne (Obsession), 1997;
    Liebe u. Haß, Die geheimen Gedichte 1970–1990, 2000;
    Der Winter nach d. schlimmen Liebe, 2005;
    Wildbirnenbaum, 2009;
    Prosa:
    Briefe aus Schulzenhof, 3 Bde., 1977–1992, 31998;
    Mai in Pieštány, 1986;
    – E. S., Leib u. Leben, 2008 (autobiogr. Gespräche mit I. Gutschke,P);
    Auf einmal war es schon d. Leben, Gedichte, Essays, Briefe, ausgew. v. A. Giesecke, Mit e. Nachw. v. K. Decker, 2011;
    Nachlaß:
    Schulzenhof b. Dollgow (Brandenburg).

  • Literatur

    G. Blome, „Ich schreibe v. d. einfachen Sache“, Die Gedichte d. E. S., in: Triangel, Progr.journal v. MDR Figaro, 9. 2. 2010;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Biogr. Hdb. SBZ/DDR;
    Brandenburg. Biogr. Lex. (P);
    Wer war wer DDR;
    Killy;
    Dok.film:
    L. Brandt u. K. Reichelt, Zärtl. Regen, Erinnerung an d. Dichterin E. S., MDR 2005.

  • Autor/in

    Irmtraud Gutschke
  • Empfohlene Zitierweise

    Gutschke, Irmtraud, "Strittmatter, Eva/verheiratete" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 560-561 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118619330.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA