Lebensdaten
1961 bis 1995
Geburtsort
Sankt Georgen (Schwarzwald)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Drehbuchautor ; Maler ; Graphiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118755978 | OGND | VIAF: 92417520
Namensvarianten
  • Strittmatter, Thomas
  • Strittmatther, Thomas

Porträt(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Strittmatter, Thomas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755978.html [03.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Emil (* 1922), Maschinenschlosser;
    M Gertrud N. N.; ledig.

  • Leben

    Nach dem Abitur in St. Georgen studierte S. seit 1981 Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Zwischen 1984 und 1986 zeigte er seine großformatigen Gemälde, Collagen und Zeichnungen in sechs Ausstellungen, u. a. in Stuttgart, Karlsruhe und St. Georgen. Bereits seit seiner Schulzeit war S. literarisch und journalistisch tätig. Bekanntheit als Schriftsteller erlangte er durch seine frühen, in der NS-Zeit spielenden und auf authentischem Material beruhenden Theaterstücke: Für sein Erstlingswerk „Viehjud Levi“ (1982, UA 1982 Theater d. Altstadt Stuttgart, verfilmt 1999, Regie: D. Danquart) erhielt er (1981) ebenso den Baden-Württ. Landespreis für Volkstheaterstücke wie (1983) für sein Bühnenstück „Polenweiher“ (1983, UA 1984, Stadttheater Konstanz), das er zusammen mit Nico Hofmann (* 1959) 1986 verfilmte. Im selben Jahr zog er nach München, wo am Volkstheater die dt. Erstaufführung seiner Adaption von Carlo Gozzis „Die Liebe zu den drei Orangen“ stattfand. In München entstand auch S.s Roman „Raabe Baikal“ (1990, span. 1991, engl., niederl. u. franz. 1993) über einen Internatsschüler, seine sonderbaren Freunde und ihre skurrilen Abenteuer. Leitmotivisch ziehen sich unterschiedliche Begegnungen mit dem Tod durch den Roman.

    Mit dem Drehbuch zu dem Film „Drachenfutter“ begann 1987 S.s Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Jan Schütte (* 1957). Zwei weitere Filme folgten, u. a. der 1994 mit dem Bayer. Filmpreis ausgezeichnete Spielfilm „Auf Wiedersehen Amerika“ (1994) über das Schicksal von vier Juden, die aus dem US-amerik. Exil in die poln. Heimat zurückkehren. 1993 übersiedelte S. nach Berlin. Seine letzte Arbeit war das Drehbuch zu Didi Danquarts (* 1955) Film „Bohai Bohau“ (1995);|postum erschien sein ursprünglich auf sieben Monologe angelegtes, Fragment gebliebenes Buch „Milchmusik, Zwei Monologe“ (hg. v. J. Unseld, 1996, franz. 1997). S., der sich als multimedialer Künstler begriff, schuf ein vielfältiges, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnetes künstlerisches Werk, das neben einem Roman, Theaterstücken und Drehbüchern auch Erzählungen, Zeichnungen und Gemälde umfaßt. Zentrales Thema war von Anfang an die Beschäftigung mit dem Tod. Die Frage „Wie arbeitet der Tod?“, mit der „Raabe Baikal“ beginnt, führt bei S. zu keiner Antwort, sondern taucht in immer wieder neuen Abwandlungen auf. Da jeder Mensch nach S. eine falsche Lebenssituation vortäusche, entstehe eine Symmetrie des gegenseitigen Betrugs und damit die Basis für das Spiel – so etwa in dem Theaterstück „Brach“ (UA 1983, Theater d. Altstadt, Stuttgart), dessen Figuren wissen, daß sie Verlierer sind, aber den Gedanken an das Siegen nicht aufgegeben haben.

  • Auszeichnungen

    A Ernst-Willner-Preis b. Ingeborg Bachmann-Wettbewerb (1984);
    Kranich mit d. Stein d. Dt. Lit.fonds (1989);
    Förderpreis b. Lit.preis d. Stadt Bremen (1991);
    Aufenthaltsstipendium d. Berliner Senats im Lit. Colloquium Berlin (1992);
    Stipendium d. Ingeborg-Bachmann-Preises (1994);
    – T.-S.-Gymnasium St. Georgen (seit 2003);
    T. S. Preis d. MFG-Filmförderung (seit 2007, zuvor als Baden-Württ. Drehbuchpreis).

  • Werke

    W Theaterstücke: Der Kaiserwalzer, 1983;
    Erste Stücke, 1985;
    Die Liebe zu d. drei Orangen, 1988;
    Irrlichter, Schrittmacher, Stück, 1992;
    Drehbücher:
    Das Königsstechen, 1988 (Regie: G. Kovacs);
    Winckelmanns Reisen, 1990 (Regie: J. Schütte);
    Nachlaß:
    DLA, Marbach.

  • Literatur

    G. Wendt, „Der Tod ist e. Maschine aus Eis“, Annäherung an T. S., 1997 (P);
    V. Michel, T. S. u. St. Georgen im Schwarzwald, „Ich komme auch vom Lande u. bin ganz froh darum“, 2001;
    F. Klöhr, T. S., Raabe Baikal, 2002;
    Sucher, Theaterlex.;
    Kosch, Theaterlex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Munzinger;
    Killy;
    Dokumentarfilm:
    B. Petry u. P. Martiny, Keine Zeit verschwenden, Porträt z. 10. Todestag d. Schriftst. u. Drehbuchautors T. S., ZD-Ftheaterkanal, 3sat, 2005.

  • Autor/in

    Gunna Wendt
  • Empfohlene Zitierweise

    Wendt, Gunna, "Strittmatter, Thomas" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 561-562 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755978.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA