Lebensdaten
1846 – 1922
Geburtsort
Schwelm (Westfalen)
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; sozialpolitischer Verbandsfunktionär
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118765892 | OGND | VIAF: 264283497
Namensvarianten
  • Weber, Friedrich Wilhelm Karl Ludwig
  • Weber, Ludwig
  • Weber, Friedrich Wilhelm Karl Ludwig
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Zitierweise

Weber, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118765892.html [15.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1806–n. 1872), aus Sch., Ger.assessor in Sch., später Oberlandesger.rat in Marienwerder (Westpreußen), S d. Heinrich (* um 1770), aus Osterode (Harz), Apotheker in Sch.;
    M Emilie (1822–63), T d. Peter Lohmann (1797–1862), Bandfabr. in Sch., u. d. Emilie Tönnnies (1801–v. 1830);
    Koblenz 1872 Charlotte (1850–n. 1929), T d. Friedrich Nieden (1812–83), ev. Pfarrer, 1877 Gen.sup. d. Rheinprov. in Koblenz, u. d. Mathilde Nourney (1819–99), aus Bremen;
    2 S (1 früh †) Hans Emil (1882–1950), Prof. d. Systemat. Theol. in Bonn, D. theol. (BBKL 13; RGG⁴; Personenlex. Protestantismus).

  • Biographie

    W. besuchte das Gymnasium in Marienwerder (Westpreußen), wohin sein Vater versetzt worden war. Nach dem Abitur 1863 studierte er Ev. Theologie in Bonn, Berlin und seit 1866 in Erlangen und wurde auf der Grundlage einer bei Karl Bernhard Hundeshagen (1810–72) in Bonn erstellten Arbeit über Tertullian 1868 zum Lic. theol. promoviert. Nach ersten Berufsstationen als Oberhelfer am Berliner Johannesstift 1868 / 69, als Hilfsprediger in Iserlohn 1871 / 72 und anschließend als Nachfolger Friedrich v. Bodelschwinghs d. Ä. (1831–1910) auf der Pfarrstelle in Dellwig/Ruhr sowie zwischenzeitlichem Einsatz als Landwehroffizier im Garnisonsdienst 1870 / 71 trat er 1881 eine Pfarrstelle in der ev. Gemeinde in Mönchengladbach an, die v. a. durch die expandierende Textilindustrie stark angewachsen war (em. 1914).

    Bedeutung über seine Gemeinde hinaus errang der konservative Lutheraner W. durch seine sozialpolitischen Initiativen. Ganz im Sinn der ev. Amtskirche seiner Zeit interpretierte er den zunehmenden Gegensatz zwischen dieser einerseits und der Arbeiterschaft und der erstarkenden Sozialdemokratie andererseits zwar ausschließlich als Symptom eines religiösen und sittlichen Verfalls. Doch ragte er mit seinen Vorschlägen für eine konkrete Besserung der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft, die einen Traditionsstrang hin zur Herausbildung der modernen ev. Sozialethik bilden, über seine Zeit hinaus. So trat W. – hierin beeinflußt von Victor Aimé Huber (1800–69) – früh für die uneingeschränkte Koalitionsfreiheit der Arbeiter ein. Gemeinsam mit Adolf Stoecker (1835–1909), mit dem er seit 1878 in regem Austausch stand, initiierte er 1890 die Gründung des „Evangelisch-Sozialen Kongresses“ und 1897 der „Freien kirchlich-sozialen Konferenz“. Die weiterreichenden und überkonfessionellen Ansätze Friedrich Naumanns (1860–1919), der für eine Heranführung der ev. Arbeitervereine an die freien Gewerkschaften eintrat, lehnte W. indes ab.

    W.s wichtigster sozialpolitischer Beitrag war die Förderung und Leitung der ev. Arbeitervereine. Nach der Gründung eines Vereins in Gladbach 1889 setzte er sich engagiert für den Aufbau eines dichten Netzes dieser Vereine reichsweit ein. Bereits 1890 formierte sich der „Gesamtverband der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands“, 1898 wurde W. dessen Vorsitzender. Über politische Lobbyarbeit suchte der Verband Einfluß auf die staatliche Sozialgesetzgebung zu nehmen. In praktischer Hinsicht standen dabei der Arbeitsschutz und die Wohnungsfrage im Mittelpunkt. 1904 gründete W. die „Soziale Geschäftsstelle für das evangelische Deutschland“ als Dachorganisation verschiedener sozialpolitischer Vereinigungen und 1912 die Ev.-Soziale Schule in Bethel (1919–33 im Johannesstift Berlin), deren Arbeit und Tradition von der 1949 gegründeten Ev. Sozialakademie Friedewald fortgesetzt wird.

  • Auszeichnungen

    |Dr. theol. h. c. (Halle 1908);
    L.-W.-Str. (seit 1946) u. L.-W.-Haus (Pflegeeinrichtung, seit 2005), Mönchengladbach.

  • Werke

    |u. a. Die Behandlung d. soz. Frage auf ev. Seite, 1888;
    Ein soz.pol. Friedensprogramm, 1893;
    Lebenserinnerungen, 1906;
    Dt.-Ev. Jb. 1898–1901 (Hg.);
    Soz. Hdb., 1907 (Hg.);
    Der soz. Führer, Leitfaden f. d. Mitgll. d. ev. Arbeiter-, Männer- u. Jugendvereine u. ähnlicher Bestrebungen, 1913 (Hg.);
    Bibliogr.: G. Lewek, 1963 (s. L), S. 128–32.

  • Literatur

    |Zum Gedächtnis an d. Pfarrer L. W., Reden b. d. Trauerfeier in d. Kirche u. am Grabe, 1922 (P);
    G. Lewek, Kirche u. soz. Frage um d. Jh.wende, dargest. am Wirken L. W.s, 1963 (W, L);
    ders., in: Rhein. Lb. XI, S. 257–83 (W, L, P);
    D. Pauly (Hg.), L. W., Leben u. Arb. e. ev. Soz.reformers, 1986 (P);
    DBJ IV, Tl.;
    RGG⁴;
    Prot. Profile Ruhrgebiet;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L).

  • Porträts

    |Photogr. (Archiv d. Ev. Kirche im Rheinland), Abb. in: D. Pauly, 1986 (s. L), S. 422, u. in: Rhein. Lb. XI, n. S. 272.

  • Autor/in

    Stefan Flesch
  • Zitierweise

    Flesch, Stefan, "Weber, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 504 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118765892.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA