Lebensdaten
1841 - 1905
Geburtsort
Kirch-Nüchel bei Eutin
Sterbeort
Olsberg (Sauerland)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Journalist ; Chemiker ; Dramatiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118798928 | OGND | VIAF: 35252735
Namensvarianten
  • Stinde, Julius Ernst Wilhelm
  • Steinmann, J. (Pseudonym)
  • Julius Ernst (Pseudonym)
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Zitierweise

Stinde, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118798928.html [22.09.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus holstein. Juristen- u. Pastorenfam.;
    V Conrad Georg (1805–81, 2] Bertha Horn, 1817–1904), Pfarrer in K.-N., 1844 Pastor in L., 1874 Propst ebd., S d. Casper Georg (1753–1838?), Gutssekr., später Forstschreiber, RA in Kappeln/Schlei, u. d. Anna Elisabeth Owman;
    M Holdy Anna Constantine Gardthausen (1811–48);
    4 Geschw (1 früh †), 1 Halb-B, 3 Halb-Schw u. a. Conradine (1856–1925), Schriftst., Verw. v. S.s Nachlaß (s. Kosch, Lit.-Lex.3; Wedel, Autobiogrr. Frauen), Sophie(1853–1915), Malerin, Anthroposophin (s. Anthroposophie im 20. Jh., 2003, P); – ledig.

  • Leben

    Nach Privatunterricht durch den Vater und dem Besuch des Gymnasiums in Eutin begann S. 1858 eine Apothekerlehre in Lübeck. Das Studium der Chemie seit 1860 in Kiel und Gießen schloß er 1863 in Jena mit der Promotion zum Dr. phil. ab. S. wurde Werkleiter in einer chemischen Fabrik in Hamburg, schrieb Artikel für Zeitungen und Zeitschriften und redigierte das „Hamburger Gewerbeblatt“. Unter dem Pseudonym „J. Steinmann“ verfaßte er mehrere Romane für die „Hamburger Novellenzeitung“. Sehr erfolgreich waren seine Theaterstücke im Hamburger Dialekt, die am Carl-Schultze-Theater aufgeführt wurden, v. a. „Hamburger Leiden“ (1875), das auf Gastspielreisen mit der Schauspielerin Lotte Mende (1834–91) in der Hauptrolle im ganzen Reich gespielt wurde.

    Seit 1876 lebte S. als Journalist in Berlin. Hier veröffentlichte er seit 1878 unter dem Pseudonym „Wilhelmine Buchholz“ eine Serie realistisch-satirischer Artikel über die „Familie Buchholz“, die seit 1883 in sieben Bänden erschienen, hohe Auflagen erreichten und 1944 als Vorlage für Carl Froelichs Spielfilm „Die Familie Buchholz“ dienten. Ein besonderes Stilelement dieser Bücher, in denen S. Berliner Zustände und Befindlichkeiten schilderte, ist die Verwendung charakteristischer Wortbildungen und Redewendungen des Berliner Jargons. Sie trug ihm u. a. das Lob Fontanes ein. Neben weiteren Romanen und Erzählungen schrieb S. zahlreiche populärwissenschaftliche Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, die vermutlich auch zusammengefaßt als Bücher erscheinen sollten, was aber durch S.s frühen Tod verhindert wurde. S.s Beiträge zur plattdt. Literatur sind in dem Band „Ut’n Knick“ (1894) gesammelt.

    S. war eine bekannte Gestalt im gesellschaftlichen Leben Berlins. Er war Mitglied im „Verein Berliner Presse“ und gab im „Allgemeinen Dt. Reimverein“ unter dem Pseudonym „Theophil Ballheim“ als Betreiber einer fiktiven „Dicht-Lehranstalt für Erwachsene“ Lehrbriefe zum Erlernen der Dichtkunst heraus. Freundschaften verbanden ihn mit Emil Jacobsen, Richard Schmidt-Cabanis, Heinrich Seidel, Julius Stettenheim, Johannes Trojan und Ernst v. Wildenbruch. Neben Wilhelm Busch, Fritz Reuter, Julius Stettenheim und Alexander Moszkowski zählte S. zu den bedeutenden Humoristen Deutschlands.

  • Werke

    Weitere W In eiserner Faust, 1872;
    Alltagsmärchen, 1873;
    Naturwiss. Plaudereien, 1873;
    Die Opfer d. Wissenschaft, 1878;
    Aus d. Werkstatt d. Natur, 1880;
    Das Dekamerone d. Verkannten, 1881;
    Buchholzens in Italien, 1883;
    Die Fam. Buchholz, 3 Bde., 1884–86;
    Die Perlenschnur u. Anderes, 1887;
    Frau Buchholz im Orient, 1888;
    Pienchens Brautfahrt, 1891;
    Humoresken, 1892;
    Der Liedermacher, 1893;
    Berliner Kunstkritik mit Randglossen v. Quidam, 1884;
    Wilhelmine Buchholz'Memoiren, 1895;
    Hotel Buchholz, 1897;
    Martinhagen, 1900;
    Emma, d. geheimnisvolle Hausmädchen, 1904;
    W-Verz.:
    U. Goerdten, Bibliogr. J. S., 2001 (P);
    Nachlaß:
    Staatsbibl. Berlin: Stiftung Stadtmus. Berlin: Schleswig-Holstein. Landesbibl. Kiel.

  • Literatur

    R. M. Meyer, Die Ahnen d. „Fam. Buchholz“, in: ders., Gestalten u. Probleme, 1905, S. 253–64;
    Th. Heuss, Wilhelmine Buchholz, J. S., in: ders., Vor d. Bücherwand, 1961, S. 193–96;
    J. S. 1841–1905, Jubiläumsschr. z. 150. Geb.tag, zus.gestellt v. U. Goerdten, 1991 (P);
    U. Goerdten, Lotte Mende u. J. S., Zum 100. Todestag d. Schauspielerin u. z. 150. Geb.tag d. Autors, in: Quickborn 81, 1991, Nr. 4, S. 284–305;
    G. Schmidt-Henkel, Fritz Reuters Roman „De meckelnbörgschen Montecchi un Capuletti oder De Reis'nah Konstantinopel“ (1868), ein Erzählmodell f. J. S.s Roman „Buchholzens in Italien“ (1883)?, in: Fritz Reuter im Werk v. Schriftst. d. späten 19. Jh., hg. v. Ch. Bunners, 2001, S. 61–87;
    Mitteldt. Jb. 12, 2005, S. 251 f.;
    BJ X, S. 137–39 u. Tl.;
    Kosch, Theaterlex.;
    Kosch, .3 (W, L);
    Killy;
    Berliner Biogr. Lex.;
    Internat. Freimaurerlex.

  • Autor/in

    Ulrich Goerdten
  • Empfohlene Zitierweise

    Goerdten, Ulrich, "Stinde, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 352-353 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118798928.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA